Beschreibung

vor 5 Monaten

Josef, der Träumer aus dem Alten Testament, beschäftigt mich. Da
hat alles so locker leicht angefangen. Er ist der Liebling des
Vaters – der lang Ersehnte. Er wird bevorzugt und sonnt sich
darin ohne zu merken, wie sich der Neid und die Eifersucht der
Geschwister einen Weg bahnt. Und eines Tages platzt es heraus.
Die Brüder werfen ihn in einen Brunnen. Eigentlich würden sie ihn
am liebsten umbringen. Aber in letzter Sekunde verkaufen sie ihn
an eine vorbeiziehende Karawane. Dem Vater sagen sie, ein wildes
Tier habe ihn gefressen. Sogar sein blutiges Kleid präsentieren
sie dem Vater.


Ein schneller Ausbruch, eine schnelle Entscheidung und das Leben
aller Beteiligten wird auf lange Zeit schwer auszuhalten sein.
Alle müssen die Folgen der Entscheidung aushalten. Das Opfer und
die Täter und alle die dazugehören.


Ist es nicht genauso bei uns? Schnell ist eine Entscheidung
getroffen. Ich muss gestehen, dass ich selbst immer Mühe habe mit
Entscheidungen. Ich quäle mich lange herum, habe Angst genau das
Falsche zu entscheiden und dann könnte es die Katastrophe sein.
Aber irgendwann muss ich Ja oder Nein sagen. Es ist ein Moment
mit oft weitreichenden Konsequenzen. Manchmal wird auch über mich
entschieden. Eine gefällte Diagnose, ausgesprochen in einem
Moment und ich werde lange Zeiträume damit leben. Oder ich bin
einmal unkontrolliert und mache Blödsinn…. Und über lange Zeit
muss ich mit den Folgen leben. Bei Josef fällt der Vater Jakob in
eine Depression und schottet sich ab.  20 Jahre haben die
Brüder keine Chance mit ihm zu reden. Sie müssen mit ihrer
Entscheidung allein klarkommen. Josef selbst lebt als Sklave in
Ägypten. Wo führt ihn dieser Weg hin? Hat Gott ihn vergessen? Wie
kann er das alles aushalten?


Jahre als Sklave, dann ein unerwarteter Aufstieg und Abstieg. Er
landet im Gefängnis. Zuletzt, nachdem er die Träume des Pharao
deuten konnte, ist er fast so mächtig wie Pharao. In der Fremde
ist er trotzdem noch. Und seine Geschichte ist noch nicht
versöhnt.


Unsere Lebensgeschichte führt uns an Punkte, an denen wir lange
Zeit nichts mehr verstehen. Am Ende kann Josef zu seinen Brüdern
sagen: Ihr gedachtet es böse zu machen, aber Gott gedachte es gut
zu machen.


Kann ich das glauben, dass Gott seine Hand über mich hält und
mich führt? Kann ich glauben, dass er auch dann, wenn ich falsch
entschieden habe, aus meinem Fehler sogar das noch Bessere machen
kann?


Ich wünsche uns, dass wir uns mit allem in Gottes Hand legen
können.


Ihre Traudel Krause


 

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15