Scott Ritter l Der Westen hat sich verkalkuliert mit dem Iran!
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Analysen zur globalen Lage und für alle, die sich nicht mit Überschriften zufriedengeben
Für Leser*innen aus der DACH-Region, die wissen wollen, wie globale Prozesse ihr Land betreffen
Für Medienkritiker, Politikinteressierte und geopolitisch Denkend...
Beschreibung
vor 7 Monaten
In dieser Ausgabe werfen wir einen scharfen Blick auf den Nahen
Osten und präsentieren euch die Analyse eines der profiliertesten
geopolitischen Analysten der Gegenwart: Scott Ritter. Seine
Einschätzungen zum Iran-Konflikt sind provokant, fundiert und
weit entfernt vom Mainstream-Narrativ. Was steckt wirklich hinter
dem wachsenden Druck auf Teheran? Welche Rolle spielen die USA,
Israel und der Westen insgesamt? Und wie reagiert die Achse des
Widerstands auf diese Entwicklungen? Abonniert unseren Kanal,
teilt das Video mit euren Netzwerken – und vor allem: Lasst uns
wissen, was ihr von Ritter’s Analyse haltet. Swissvox – weil
Geopolitik zum Mitdenken ist.
Scott Ritter analysiert die aktuelle geopolitische Lage zwischen
Iran, Israel und den Vereinigten Staaten als Ausdruck einer
langfristigen Strategie der USA und Israels, die auf einen
Regimewechsel im Iran abzielt. Dabei dient das iranische
Atomprogramm lediglich als Vorwand. Die Methode sei bekannt: Es
handle sich um eine Fortsetzung des Vorgehens, das bereits im
Irak mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen und in Syrien
mit dem Vorwurf des Besitzes chemischer Waffen erfolgreich
angewandt wurde.
Scott Ritter erklärt, dass der sogenannte
„Inspektions-Falle“-Mechanismus erneut greife. Auch wenn der
iranische Atomkomplex durch die jüngsten Angriffe beschädigt
wurde, sei er nicht vollständig zerstört worden – und das sei so
gewollt. Denn solange es keine vollständige Zerstörung gibt und
gleichzeitig keine internationalen Inspektionen stattfinden,
könne man jederzeit behaupten, Iran verfolge ein militärisches
Atomprogramm.
Dadurch werde der politische Druck aufrechterhalten, die
Sanktionen verlängert und ein fortgesetzter Konflikt legitimiert.
Laut Scott Ritter sei der Iran schon lange Ziel westlicher
Sanktionen und verdeckter Operationen. Es gehe aber nie wirklich
um Atomwaffen, denn der Westen wisse sehr wohl, dass Iran kein
nukleares Waffenprogramm betreibe. Vielmehr werde dieselbe Logik
wiederholt wie im Irak, wo auch nach dem Ende von Saddam Hussein
weiterhin behauptet wurde, es gäbe versteckte
Massenvernichtungswaffen, obwohl das längst nicht mehr der Fall
war. Ritter betont, dass dies eine langfristige Strategie sei –
wie im Fall des Irak, wo der Regimewechsel von 1990 bis 2003
dauerte, oder in Syrien, wo das Ziel, Assad zu stürzen, über zwei
Jahrzehnte verfolge wurde.
Auch im Iran setze man auf einen allmählichen Zerfall, durch
wiederholte militärische Angriffe und gesellschaftliche
Destabilisierung. Ziel sei es, das soziale Gefüge Irans zu
zerschlagen und das Land von innen heraus kollabieren zu lassen.
Scott Ritter beschreibt, dass der Westen gezielt versuche, die
IAEA (Internationale Atomenergiebehörde) aus dem Land zu drängen,
um den Zustand fehlender Inspektionen als Beleg für ein angeblich
geheimes Waffenprogramm auszulegen.
So könne man einen ständigen Vorwand für wirtschaftlichen und
militärischen Druck aufrechterhalten. Interessant ist Ritters
Beobachtung, dass selbst Iraner im Westen – darunter auch
Regimekritiker – sich zunehmend solidarisch mit der Regierung in
Teheran zeigen, insbesondere nach den Angriffen. Das erinnere ihn
an die Zeit des Iran-Irak-Krieges, als sich trotz innerer
Differenzen die iranische Gesellschaft in einem Moment nationaler
Bedrohung zusammengeschlossen habe.
Er glaubt nicht, dass der Iran unter diesem Druck
einknicken werde. Zur Trump-Regierung äußert Ritter scharfe
Kritik. Er ist überzeugt, dass es dort an echter Expertise über
den Iran mangele. Zwar verfüge man über operative Kenntnisse zur
Schwächung iranischer Strukturen, etwa durch Ausnutzung
individueller Schwächen wie Geldnot, außereheliche Beziehungen
oder Alkohol, aber dies sei keine strategische Tiefe.
Der israelische Mossad und die CIA nutzten diese Schwächen zur
Rekrutierung und Unterwanderung, doch auch das führe nicht zum
Zusammenbruch eines ganzen Systems. Ritter betont: Der Iran sei
keine gescheiterte oder schwache Nation. Anders als der Irak oder
Syrien sei Iran keine künstliche Schöpfung des Kolonialismus. Es
sei ein historisch gewachsenes Staatswesen mit über 3000 Jahren
persischer Geschichte und einer tief verwurzelten nationalen
Identität.
Während der Irak mit der Herausforderung zu kämpfen hatte, ein
Nationalgefühl zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden zu
schaffen, verfüge Iran über eine kulturelle und gesellschaftliche
Geschlossenheit, die es sehr widerstandsfähig mache. In Bezug auf
den jüngsten Konflikt mit Israel erklärt Ritter, dass der Iran
keineswegs besiegt sei. Die offizielle israelische Darstellung,
der Angriff Irans sei gescheitert, sei Propaganda. Interne
israelische Quellen, wie der TV-Sender Channel 13, berichteten
über massive Schäden und zahlreiche Todesopfer, die aber
öffentlich nicht eingeräumt würden. Begräbnisse im jüdischen
Glauben müssten allerdings rasch erfolgen, daher sei eine
vollständige Vertuschung fragwürdig.
Klar sei jedenfalls, dass mehr Ziele getroffen wurden,
als Israel zugeben wolle, und dass der Iran erfolgreich
zurückgeschlagen habe. Scott Ritter weist außerdem darauf hin,
dass Iran noch nie einen Krieg verloren habe – im Gegensatz zu
Irak oder Syrien. Auch habe Iran mit seiner Reaktion auf den
israelischen Angriff Stärke demonstriert und dabei sogar die USA
in ihrer Reaktion eingeschränkt. Als Beispiel nennt er den
Vorfall auf der US-Basis Al-Udeid, wo Washington sich bewusst
gegen eine Eskalation entschieden habe – aus Furcht vor weiterer
iranischer Vergeltung.
Ein solches Drohpotenzial habe weder der Irak noch Syrien je
gegen die USA ausüben können. Ritter zieht daraus den Schluss,
dass Israel und die Vereinigten Staaten versuchen, ein
Erfolgsmodell aus anderen Kontexten auf den Iran zu übertragen –
jedoch ohne zu erkennen, dass Iran strukturell und kulturell
nicht in das gleiche Schema passe. Ziel des ersten Angriffs, so
Ritter, sei eindeutig gewesen: ein Regimewechsel durch
Enthauptung der politischen Führung, Angriffe auf Nuklearanlagen,
gezielte Tötung von Wissenschaftlern und das Schaffen von Chaos.
Doch der Iran habe das überstanden und sei nicht in ein Chaos
verfallen. Eine Fortsetzung dieser Strategie sei zunehmend
aussichtslos. Die Rolle der USA beschreibt Ritter nüchtern:
Washington könne seine Stützpunkte in der Region nicht effektiv
nutzen, da sie verwundbar seien. Selbst die entlegenere Basis
Diego Garcia im Indischen Ozean sei erreichbar für iranische
Raketen und verfüge über unzureichende Luftabwehr.
Das zeige, wie riskant ein Krieg gegen Iran für die USA wäre. Ein
besonders kritischer Punkt ist laut Ritter die Übernahme der
strategischen Analyse durch israelische Geheimdienste. Die CIA
und andere US-Behörden seien weitgehend entmachtet worden.
Stattdessen dominiere der israelische Nachrichtendienst mit
seiner politischen Agenda. Ritter verweist auf das historische
Konzept der „Concepcja“ aus dem Jahr 1973 – also die Vorstellung,
dass Ägypten den Suez-Kanal niemals überqueren würde. Diese
falsche Annahme führte damals zur Überraschung im
Jom-Kippur-Krieg. Danach habe Israel einen Mechanismus
eingeführt, den sogenannten „Doubting Thomas“, eine Art interner
Skeptiker, der jede Analyse infrage stellen durfte, bevor sie in
die politische Führungsebene gelangte. Unter Amos Gilad, so
Ritter, sei dieser kritische Mechanismus jedoch abgeschafft
worden. Stattdessen kehrte man zu ideologisch gefärbten
Einschätzungen zurück, wie etwa der Falschbehauptung, dass Irak
wieder über Massenvernichtungswaffen verfüge.
Seitdem sei der israelische Nachrichtendienst wieder
politisiert und nicht mehr faktenorientiert. Die heutige
Strategie Israels, sagt Scott Ritter abschließend, orientiere
sich am sogenannten Nasrallah-Modell: gezielte Tötungen von
Führungspersonen und massive Bombardierungen sollen eine
feindliche Organisation oder einen Staat destabilisieren. Doch
auch dieses Modell sei für den Iran nicht geeignet – ein Land,
das nicht nur über stabile Strukturen verfüge, sondern sich zudem
als äußerst widerstandsfähig erwiesen habe. Scott Ritter
analysiert die geopolitische Strategie der Vereinigten Staaten
und Israels gegenüber dem Iran und ordnet sie in einen
historischen, politischen und strukturellen Kontext ein.
Er beginnt mit der Feststellung, dass Israel seit Beginn des
aktuellen Konflikts versucht habe, das iranische System durch
eine gezielte Tötung von Führungspersonen zu destabilisieren.
Dabei sei insbesondere der sogenannte Nasrallah-Modell zur
Anwendung gekommen – benannt nach Hassan Nasrallah, dem Anführer
der libanesischen Hisbollah. Dieses Modell beruht auf der
Annahme, dass das gezielte Ausschalten von
Führungspersönlichkeiten – insbesondere der mittleren und oberen
Ebenen – zu einem Zusammenbruch des gesamten Systems führen
würde.
Laut Ritter glaubte Israel, mit diesem Ansatz bereits bei der
Hisbollah Erfolg gehabt zu haben, und übertrug ihn deshalb auf
den Iran. Konkret nennt er den gescheiterten Versuch, den
Obersten Führer Ali Khamenei in der ersten Nacht des Konflikts zu
töten. Es habe intensive Jagdoperationen auf ihn gegeben, aber
man habe ihn nicht lokalisiert.
Dennoch seien andere hochrangige und mittlere Führungsfiguren
getötet worden. Scott Ritter kritisiert diese Strategie als
zutiefst fehlerhaft und weist darauf hin, dass die Vereinigten
Staaten diese israelische Denkweise vollständig übernommen haben.
Er argumentiert, dass diese Sichtweise den Charakter des
iranischen politischen Systems fundamental missversteht.
Der Iran sei keine Diktatur wie Saddam Husseins Irak oder
das autoritäre Regime von Bashar al-Assad. Auch wenn der Oberste
Führer eine zentrale Rolle spiele, sei er durch die Verfassung
und durch institutionelle Mechanismen beschränkt. Ritter betont,
dass selbst der Oberste Führer abgesetzt werden könne – durch die
sogenannte Expertenversammlung (Assembly of Experts), sollte er
gegen den Willen des Volkes handeln. In einem funktionierenden
System wie dem iranischen existierten zudem andere Machtzentren
wie das Parlament, die Präsidentschaft, der Wächterrat und der
Schlichtungsrat. Ritter betont explizit, dass es sich beim Amt
des Obersten Führers um eine institutionelle Position handelt,
nicht um eine Person. Sollte Ali Khamenei sterben – er sei über
90 Jahre alt –, existiere bereits eine Liste mit 3 bis 5
Nachfolgekandidaten. Diese werde von der Expertenversammlung
geführt, wie es die Verfassung vorsieht.
Das System sei also auf eine Nachfolge vorbereitet und könne
nicht einfach durch den Tod einer Einzelperson zerstört werden.
Scott Ritter unterstreicht, dass das iranische System trotz aller
Mängel seit Jahrzehnten stabil funktioniere. Es sei kein junges,
unausgereiftes Regime, sondern ein System, das durch Krisen und
Stressphasen erprobt sei. Zwar gebe es eine sinkende
Wahlbeteiligung bei nationalen Wahlen, was die Führung
beunruhige, aber er prognostiziert, dass angesichts der aktuellen
Lage das Bewusstsein für nationale Souveränität zunehme – und
damit auch die politische Mobilisierung.
Für Ritter ist der zentrale Fehler des Westens gewesen, den Iran
immer wieder zurückzuweisen. Der Iran habe über viele Jahre
versucht, sich dem Westen anzunähern – ein Verlangen, das Ritter
als verwundbaren Punkt bezeichnet. Hätte der Westen dem Iran
diese Öffnung gewährt, hätte es durchaus zu einem tiefgreifenden
Wandel kommen können, vielleicht sogar zur Destabilisierung der
Islamischen Republik. Doch durch ständiges Zurückweisen habe der
Westen genau das Gegenteil erreicht: Er habe den Iran dazu
gezwungen, sich zu konsolidieren und in eine alternative,
multipolare Weltordnung zu integrieren.
Scott Ritter zieht an dieser Stelle eine Parallele zu
Russland. Auch dort habe der Westen nach dem Ende der Sowjetunion
versucht, Russland über wirtschaftliche und kulturelle
Einflussnahme zu steuern – nur um schließlich durch Sanktionen
und Konfrontation genau das Gegenteil zu erreichen: Russland habe
sich abgeschottet, konsolidiert und sei nicht mehr bereit, den
Westen in das eigene politische System einzulassen. Gleiches sei
nun im Iran der Fall. Laut Ritter werde der Iran Teil der
multipolaren Weltordnung, etwa durch BRICS.
Daraus folge, dass der Iran sowohl die Vereinigten Staaten als
auch Israel in einem langfristigen geopolitischen Ringen
überdauern werde. Ritter bezweifelt, dass die Vereinigten Staaten
oder Israel bereit oder fähig seien, in einen offenen Krieg mit
dem Iran einzutreten. Für Donald Trump wäre dies politisch
katastrophal, und Israel sei bereits durch die jüngsten
Entwicklungen schwer getroffen – mit gebrochenen Rippen, wie
Ritter es metaphorisch ausdrückt.
Für ihn sei der „Regimewechsel-Fantasie“ gescheitert. Dennoch
werde weiterhin versucht, den Iran durch eine Mischung aus dem
Inspektionsfallenmodell, dem Nasrallah-Modell sowie Erfahrungen
aus den Irak- und Syrienkonflikten zu schwächen. Er verweist auf
iranische Reformer und westlich orientierte Eliten wie Mohammad
Javad Zarif, den früheren Außenminister. Diese hätten einst
geglaubt, durch Annäherung an den Westen eine positive
Entwicklung anzustoßen. Ritter sieht jedoch, dass diese Gruppen –
in Iran wie zuvor in Russland – von westlicher Seite als schwach
und ausnutzbar betrachtet worden seien. Dadurch hätten sie in der
eigenen Gesellschaft an Einfluss verloren und seien zunehmend
isoliert. Diese Entwicklung vergleicht er mit der politischen
Transformation von Dmitri Medwedew in Russland, der vom westlich
orientierten Hoffnungsträger zur radikal antiwestlichen Figur
geworden sei.
Ritter erläutert, dass viele westliche Iran- und
Russlandexperten auf falschen Vorstellungen beruhen. In den USA
gebe es kaum noch echte Russlandexperten – stattdessen habe sich
eine Expertenschicht etabliert, deren Russlandbild auf den 1990er
Jahren basiere, einer Zeit, in der Russland ein von außen
ausgebeutetes, zusammengebrochenes Land war. Diese Generation von
Experten – etwa Michael McFaul – habe nicht verstanden, was der
Aufstieg Putins bedeutete: das Ende der Ausbeutung und die
Wiederherstellung staatlicher Souveränität. Barack Obamas
sogenannte Reset-Politik sei nicht als ehrliche Versöhnung
gedacht gewesen, sondern habe ein Ziel verfolgt: die dauerhafte
Entfernung Putins von der Macht.
Ritter beschreibt, wie der Plan vorsah, Dmitri Medwedew als
Präsidenten zu halten, da dieser als offener gegenüber dem Westen
galt. Putin jedoch kehrte zurück und beendete sofort die
westliche NGO-Präsenz in Russland. Die Parallele im Iran sei
ähnlich: Es gebe keine echten Iran-Experten im Westen. Die
Debatte werde dominiert von Exilgruppen, die das Mullah-Regime
stürzen und die Monarchie zurückbringen wollen, was jedoch mit
der Realität im Iran nichts zu tun habe.
Ritter betont, dass Personen wie Zarif westlich geprägt, aber
zugleich iranische Patrioten seien. Er geht davon aus, dass
solche Personen – wenn sie erkennen, wie sehr sie vom Westen
getäuscht und ausgenutzt wurden – sich vom Westen abwenden und
sogar radikaler auftreten könnten als die bisherigen Hardliner,
ähnlich wie Medwedew in Russland. Scott Ritter schließt mit einer
Analyse des psychologischen Effekts dieser westlichen
Zurückweisung: Der Westen habe viele dieser Akteure in Iran und
Russland wie nützliche Idioten behandelt – formbar, ausnutzbar,
letztlich aber entbehrlich.
Diese Erfahrung führe zu einem tiefsitzenden Misstrauen
und einer Hinwendung zur nationalistischen,
souveränitätsorientierten Position, auch unter denen, die einst
dem Westen zugewandt waren. Die Folge sei nicht die Öffnung,
sondern die endgültige Abschottung gegenüber dem Westen. Scott
Ritter betont, dass es in Iran keine nennenswerte Bewegung von
pro-westlichen Kräften gebe, die versuchen könnten, das Land von
innen heraus zu destabilisieren. Stattdessen beobachtet er eine
gegenteilige Entwicklung: Viele Iraner, die zuvor mit dem Westen
sympathisiert hätten, seien nun aufgrund der westlichen Haltung
gegenüber Iran desillusioniert.
Diese Menschen würden sich nun eher hinter das theokratische
System und insbesondere hinter die nationale Identität Irans
stellen. Ritter sieht darin eine zunehmende nationale
Geschlossenheit gegenüber äußeren Einflüssen, insbesondere aus
dem Westen. Bezogen auf die Situation in Israel äußert sich Scott
Ritter äußerst kritisch über das Verhalten von Donald Trump
gegenüber Benjamin Netanjahu.
Aus Ritters Sicht wäre es für Trump eigentlich der ideale Moment,
sich von Netanjahu zu distanzieren und ihn politisch zu
entmachten, doch stattdessen versuche Trump, ihn zu retten – was
Ritter als unverständlich und beschämend empfindet. Er kritisiert
die Tatsache, dass Trump offen Forderungen an das israelische
Justizsystem unterstütze, die eine Schwächung der Gewaltenteilung
bedeuten würden. So fordere Trump etwa indirekt die Freilassung
Netanjahus trotz laufender Gerichtsverfahren und drohe bei
Nichtbefolgung mit Sanktionen. Ritter sieht darin einen krassen
Widerspruch zu den grundlegenden Prinzipien der amerikanischen
Verfassung, die eine Trennung der Gewalten vorsieht. Dieses
Verhalten Trumps sei zutiefst unamerikanisch und kompromittiere
die demokratischen Werte der Vereinigten Staaten. Scott Ritter
stellt zudem die These auf, dass Trumps Verhalten möglicherweise
so extrem sei, dass es gezielt ins Gegenteil umschlagen solle –
dass Trump durch sein übertriebenes Unterstützen Netanjahus in
Wahrheit dessen politisches Ende beschleunigen wolle. Diese
Strategie erinnert Ritter an ein absurdes Filmskript – so
unrealistisch, dass es kaum glaubwürdig sei.
Trumps Handeln sei „kindlich“, unausgereift und in hohem
Maße peinlich für die Vereinigten Staaten. Im Hinblick auf Trumps
Position gegenüber Israel erkennt Ritter widersprüchliches
Verhalten: Einerseits stütze Trump Netanjahu, andererseits
spreche er sich für Waffenruhen und Druck auf Israel aus. Ritter
glaubt, dass Trumps Vorgehen nicht auf einem durchdachten
strategischen Plan beruht, sondern vielmehr auf
opportunistischem, impulsivem Verhalten. Trumps Haltung sei stark
von Taktik, Manipulation und kurzfristigem Machtkalkül
geprägt.
Dies untergrabe die Glaubwürdigkeit der USA in internationalen
Verhandlungen, weil niemand mehr sicher sein könne, welche
Position Trump tatsächlich vertrete. Diese Unberechenbarkeit habe
andere Mächte, insbesondere Iran, Russland und China, dazu
veranlasst, eigene Strategien zu entwickeln. Ritter interpretiert
das jüngste sicherheitspolitische Zusammenkommen der
Verteidigungsminister Russlands, Chinas und Irans in Peking als
Zeichen einer neuen Sicherheitsarchitektur im Osten. Er sieht
darin eine Reaktion auf das von den USA betriebene Prinzip „Teile
und Herrsche“ (divide and conquer), das darauf abzielt, einzelne
Staaten wie Iran zu isolieren und zu destabilisieren. Iran sei
für Russland und China ein zentraler geopolitischer Partner –
auch im Rahmen von BRICS und der Shanghaier Organisation für
Zusammenarbeit (SCO).
Insbesondere der Ausbau der Nord-Süd-Transportkorridore und der
Neuen Seidenstraße seien entscheidende strategische Projekte, bei
denen Iran eine zentrale Rolle spiele. Da BRICS und SCO bisher
keine ausreichenden sicherheitspolitischen Schutzmechanismen
bieten, erwartet Ritter neue bilaterale oder multilaterale
Sicherheitsabkommen zwischen Iran, Russland und China, die
mögliche Angriffe durch die USA oder Israel abschrecken sollen.
Er glaubt allerdings nicht, dass SCO zu einem östlichen
Gegenstück der NATO werde – vielmehr sei eine flexiblere
Koordination zu erwarten, die dennoch effektiv sei, um Iran zu
schützen. Zur Ukraine-Frage äußert sich Scott Ritter ebenso klar:
Er sieht keine realistische Chance für eine diplomatische Lösung,
solange die Positionen zwischen Russland und der Ukraine derart
unvereinbar bleiben.
Die USA seien nicht willens oder fähig, als Vermittler
aufzutreten. Trumps Kritiken an Putin hätten der Sache zusätzlich
geschadet. Ritter betont, dass sich jede politische Strategie der
Realität einer russischen militärischen Überlegenheit anpassen
müsse – andernfalls werde man scheitern. Die Tatsache, dass
Russland nun auch Zugriff auf große Vorkommen seltener Erden im
Donbass erlangt habe, sei ein Rückschlag für die USA. Trumps
politische Position sei widersprüchlich und inkonsistent – er
habe etwa große Anstrengungen für Israel unternommen,
gleichzeitig aber bei der Ukraine eine eher lauwarme Haltung
eingenommen. Trotz positiver öffentlicher Äußerungen Putins über
Trump – was Ritter als gezielte psychologische Einflussnahme
interpretiert – werde Russland niemals von seinen strategischen
Zielen abweichen. Trump könne sich dadurch in eine Lage
manövrieren, in der er keine handlungsfähige Option mehr habe.
Ritter betont: Russland habe keine Hoffnung mehr auf eine
diplomatische Lösung mit den USA oder der Ukraine – der
militärische Sieg sei das erklärte Ziel. Russland werde Städte
wie Odessa, Charkiw und Dnipro einnehmen, die Donbass-Region
komplett befreien, sich eventuell auch das rechte Ufer von
Cherson sowie Sumy zurückholen. Die einzige Form von
„Verhandlung“, die Ritter am Ende dieses Krieges sieht, sei die
vollständige und bedingungslose Kapitulation der Ukraine. Er
vergleicht dies mit dem Treffen zwischen General Hans Krebs und
General Wassili Tschuikow 1945 in Berlin, wo keine Bedingungen
mehr akzeptiert wurden – nur die Kapitulation. Ritter betont,
dass die Ukraine keinen Einfluss mehr auf die Bedingungen haben
werde. Der Friedensschluss werde einseitig von Russland
diktiert.
Auch eine mögliche überraschende Wende durch Trump, wie etwa ein
militärischer Eingriff oder eine plötzliche diplomatische Lösung
in der Ukraine, hält Ritter für ausgeschlossen. Anders als im
Iran-Konflikt sei die USA in der Ukraine kein direkter
militärischer Akteur. Russland habe seine Fähigkeit bewiesen,
westliche Waffenhilfe zu neutralisieren. Ritter sieht keine
Maßnahme, die die USA jetzt noch ergreifen könnten, um Russlands
militärischen Erfolg zu verhindern. Ausführliche, detaillierte
Zusammenfassung der Aussagen von Scott Ritter Scott Ritter betont
abschließend, dass die Vereinigten Staaten in der aktuellen
geopolitischen Lage keinerlei wirksame Mittel zur Verfügung
haben, um den Kriegsverlauf in der Ukraine zu ihren Gunsten zu
beeinflussen oder Druck auf Russland auszuüben. Aus seiner Sicht
gibt es keinen politischen, diplomatischen oder militärischen
Hebel, den Washington derzeit einsetzen könnte, um die
strategische Entwicklung in der Region zu verändern.
Die Dynamik des Konflikts habe sich bereits so weit verfestigt,
dass die Vereinigten Staaten nicht mehr als Akteur auftreten
könnten, der das Gleichgewicht in Richtung Kiew kippt. Was jedoch
möglich wäre, so Ritter, wäre Druck auf die Ukraine selbst und
auf die NATO-Staaten auszuüben, um den Krieg auf eine Weise zu
beenden, die für Russland akzeptabel ist.
Das bedeutet: Die USA könnten theoretisch eine Führungsrolle
einnehmen, indem sie sowohl Kiew als auch ihre europäischen
Verbündeten zu Kompromissen zwingen, die auf die Bedingungen
Moskaus eingehen. Doch das würde erfordern, dass Washington
bereit ist, sich offen gegen den Widerstand aus Kiew und aus
Europa zu stellen und dort seinen Willen durchzusetzen. Scott
Ritter hält dies jedoch für äußerst unwahrscheinlich.
Besonders im Hinblick auf Donald Trump zweifelt er daran, dass
dieser bereit oder fähig wäre, einen solch radikalen Kurswechsel
einzuleiten. Ritter glaubt nicht, dass Trump entschlossen genug
wäre, sowohl die ukrainische Führung als auch die europäischen
Staaten unter Druck zu setzen, um das amerikanische Ziel eines
Kriegsendes in Moskaus Interesse durchzusetzen. Vielmehr sieht er
Trumps bisheriges außenpolitisches Verhalten als sprunghaft,
widersprüchlich und taktisch motiviert – nicht aber als
langfristig strategisch fundiert. Damit schließt Ritter seine
Analyse mit einer nüchternen Einschätzung: Es sei nicht
realistisch zu erwarten, dass die Vereinigten Staaten – weder
unter Trump noch unter einem anderen Präsidenten – in naher
Zukunft eine Führungsrolle übernehmen könnten, die diesen Krieg
zu einem für Russland akzeptablen Ende bringt. Damit stellt er
die geopolitische Wirksamkeit amerikanischer Außenpolitik
grundsätzlich in Frage, zumindest in ihrer aktuellen Ausprägung
gegenüber Russland und im Kontext des Ukraine-Krieges.
Scott Ritter war früher Geheimdienstoffizier beim US
Marine Corps und UN-Waffeninspektor im Irak.
Seine Analysen beruhen oft auf militärstrategischen,
geopolitischen und nachrichtendienstlichen Einschätzungen. Er
vertritt seit Jahren eine sehr kritische Sicht auf die
NATO-Politik, den Einfluss der USA im globalen Süden und
besonders auf die westliche Haltung gegenüber Russland. In Bezug
auf den Ukrainekrieg geht Ritter davon aus, dass Russland
militärisch gewinnen wird und der Westen keine kohärente
Strategie besitzt, um diesen Trend aufzuhalten.
Seine Forderung nach einem amerikanischen Strategiewechsel – der
realistisch betrachtet eine Kapitulation westlicher Ambitionen in
Osteuropa bedeuten würde – zielt auf die Anerkennung der neuen
Machtverhältnisse auf dem eurasischen Kontinent. Ritter sieht in
Donald Trump weder einen ernstzunehmenden Vermittler noch eine
Figur mit geopolitischer Weitsicht, um diese tiefgreifenden
Umbrüche zu gestalten. Damit endet seine Einschätzung mit einer
ernüchternden Botschaft: Die Vereinigten Staaten verlieren an
Einfluss, weil sie unfähig sind, die geopolitischen Realitäten
anzuerkennen und entsprechend zu handeln.
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