Air India Absturz Update
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Analysen zur globalen Lage und für alle, die sich nicht mit Überschriften zufriedengeben
Für Leser*innen aus der DACH-Region, die wissen wollen, wie globale Prozesse ihr Land betreffen
Für Medienkritiker, Politikinteressierte und geopolitisch Denkend...
Beschreibung
vor 7 Monaten
Der Absturz von Air India 171 – Eine erschütternde
Analyse der bisherigen Erkenntnisse
Vorläufige Untersuchungsergebnisse stehen bevor
In wenigen Tagen soll der vorläufige Untersuchungsbericht zum
tragischen Absturz von Air India Flug 171 veröffentlicht werden.
Bereits jetzt kursieren wesentliche Details in führenden Medien
weltweit, darunter Reuters, The Air Current und The Wall Street
Journal. Besonders Letztere zitieren frühe Erkenntnisse, denen
zufolge ein manuelles Abschalten der Treibstoffzufuhr zu einem
plötzlichen Schubverlust und in der Folge zum Absturz geführt
haben könnte. Im Zentrum steht ein zentrales Bedienelement: der
sogenannte „Fuel Control Switch“.
Was geschah: Der Ablauf der Katastrophe
Der Zwischenfall ereignete sich unmittelbar nach dem Start. Der
Flug hob ab, konnte jedoch kaum mehr als 60 Sekunden in der Luft
bleiben. Bereits wenige Sekunden nach dem Abheben verlor das
Flugzeug augenscheinlich an Auftrieb – ein klares Anzeichen
dafür, dass beide Triebwerke ihren Schub verloren hatten. Der
Verlust des Auftriebs führte dazu, dass sich die Nase des
Flugzeugs senkte und die Maschine schließlich in Gebäuden am Ende
der Startbahn zerschellte.
Ein entscheidender technischer Hinweis war das sofortige
Ausfahren der sogenannten „Ram Air Turbine“ (RAT), einem
Notfallaggregat, das nur bei vollständigem Ausfall der
elektrischen und hydraulischen Systeme oder bei beidseitigem
Triebwerksausfall aktiviert wird. Das RAT wurde nur Sekunden nach
dem Abheben aktiviert, was laut Fachleuten wie dem
Luftfahrtexperten und Kapitän Dr. Steve ein deutliches Indiz für
einen beidseitigen Triebwerksausfall ist. Dieser Schluss wurde
inzwischen durch die Berichte der Wall Street Journal bestätigt.
Wie es geschah: Die möglichen Ursachen des
Triebwerksausfalls
Bereits in früheren Analysen wurden zwei Haupttheorien
diskutiert: Entweder war der Treibstoff verunreinigt, oder die
Triebwerke wurden durch das manuelle Umlegen der
Treibstoffschalter („Fuel Control Switches“) abgeschaltet.
Letzteres ist nun offenbar der Fall gewesen. Beide Schalter
befanden sich kurz nach dem Start in der „Cutoff“-Position – das
bedeutet, dass der Treibstofffluss zu den Triebwerken
unterbrochen wurde.
Normalerweise werden diese Schalter nur am Ende eines Fluges
benutzt, wenn das Flugzeug geparkt und gesichert wird. Der
verantwortliche Pilot weist dann den Copiloten an, beide Schalter
auf „Cutoff“ zu stellen, um die Triebwerke abzuschalten. Dieser
Vorgang findet ausschließlich am Boden statt – niemals während
des Flugs.
Im Flug gibt es lediglich eine einzige Situation, in der beide
Treibstoffschalter auf „Cutoff“ gestellt werden: ein beidseitiger
Triebwerksausfall. In diesem Fall müssen beide Schalter
kurzzeitig auf „Cutoff“ und dann sofort wieder auf „Run“ gestellt
werden – ein standardisiertes Notfallverfahren. Doch laut den
bisherigen Erkenntnissen wurden die Schalter auf „Cutoff“
gestellt und dort belassen – ein Vorgehen, das in keinem Handbuch
vorgesehen ist und in der Geschichte der zivilen Luftfahrt ohne
Beispiel ist.
Ausschluss technischer Fehler: Trainingsstandards und
Abläufe
In der Pilotenausbildung ist der Triebwerksausfall beim Start ein
zentrales Trainingsszenario. Es gibt exakt definierte Abläufe,
die eingehalten werden müssen. Mindestens bis zu einer Flughöhe
von 400 Fuß – in der Regel sogar bis zu 1.000 Fuß – wird bei
einem Triebwerksausfall keinerlei Eingriff in die Systeme
vorgenommen. Erst dann beginnt die strukturierte Abarbeitung
einer Notfallcheckliste mit doppelter Bestätigung jeder Handlung.
Besonders kritisch ist der Moment, in dem der Treibstoffschalter
bedient wird. Dieser Schritt erfolgt immer mit klarer Ansage und
gegenseitiger Bestätigung durch beide Piloten. Eine
versehentliche Betätigung ist durch das Verfahren nahezu
ausgeschlossen.
Die physikalische Beschaffenheit der Schalter: Ein
versehentliches Umschalten ist ausgeschlossen
Die „Fuel Control Switches“ selbst sind so konstruiert, dass sie
nicht einfach zufällig bewegt werden können. Sie sind
federgelagert, verfügen über Sicherheitsrasten (Detents) und
müssen mit zwei Fingern aktiv gehoben, gezogen und über eine
mechanische Sperre geführt werden, um zwischen „Run“ und „Cutoff“
zu wechseln. Ein einfaches Anstoßen oder versehentliches Umlegen
– wie bei einem Lichtschalter – ist unmöglich.
Diese Schalter sind absichtlich gegen unbeabsichtigte Betätigung
gesichert, insbesondere während des Flugs. Dass beide Schalter
unmittelbar nach dem Start auf „Cutoff“ standen, kann daher nur
durch bewusste menschliche Handlung geschehen sein.
Die Frage nach dem „Warum“: Ein psychologischer
Blick
Mit der technischen Analyse endet die Suche nach Antworten nicht.
Die Frage, warum diese Handlung ausgeführt wurde, steht nun im
Raum. Dr. Steve, der nicht nur Kapitän, sondern auch promovierter
Psychologe und langjähriger Berater ist, deutet an, dass dieser
Aspekt ebenso ernst genommen werden muss. Er hat in über 30
Jahren zahllose Menschen in schwierigen Lebenslagen beraten –
darunter auch viele Kollegen während langer Flüge.
Die psychologische Dimension dieses Vorfalls rückt zunehmend ins
Zentrum. Es ist nicht auszuschließen, dass hier menschliches
Verhalten außerhalb des Normbereichs eine Rolle gespielt hat.
Doch selbst für einen erfahrenen Psychologen sei es schwierig, zu
einer abschließenden Bewertung zu gelangen. Es bleiben viele
offene Fragen.
Psychischer Druck im Cockpit: Verantwortung – Belastung –
Folgen
Die Erkenntnis, dass eine bewusste Betätigung der
Treibstoffschalter zum Absturz führte, lenkt das Augenmerk
unweigerlich auf den Menschen hinter den Instrumenten. Kapitän
Dr. Steve betont, wie immens der psychische Druck auf Pilotinnen
und Piloten ist: ständige Reisen, chronische Müdigkeit,
Verantwortung für hunderte Menschenleben und zugleich das
Bemühen, ein stabiles Privatleben aufrechtzuerhalten. Die Summe
dieser Faktoren kann zur sprichwörtlichen Druckkammer werden.
Ein Erlebnis, das alles veränderte
Sein Interesse an psychologischer Beratung begann vor rund 35
Jahren, als er noch Marinefliegerausbilder war. Während einer
letzten Ausbildungswoche mit zwei talentierten Flugschülern
zeigte einer der beiden beim Morgendebrief auffällige
Zerstreutheit. In der Luft versagten plötzlich seine Fähigkeiten;
auf Nachfrage brach der Schüler in Tränen aus. Er hatte bis drei
Uhr morgens seinen Vater davon abgehalten, Suizid zu begehen.
Sofort übernahm der Ausbilder das Kommando, beendete den Flug,
verschaffte dem Schüler mindestens eine Woche Auszeit und
erklärte der Einsatzleitung, dass familiäre Stabilität Vorrang
habe. Der junge Mann kehrte zurück, der Vater bekam Hilfe, und
der Schüler erwarb schließlich doch seine begehrten „Wings of
Gold“.
Seit diesem Tag stellt Dr. Steve jedem Cockpitpartner vor dem
Start eine ernste, nicht oberflächliche Frage: „Wie geht es dir –
wirklich?“ Diese kurze, aber aufrichtige Nachfrage kann die
entscheidende Tür öffnen. In den allermeisten Fällen bestätigen
beide Pilotinnen oder Piloten, dass alles in Ordnung sei. Doch
gelegentlich führt die Frage zu einem ehrlichen Gespräch, das
offenlegt, dass jemand psychisch oder familiär unter Wasser
steht. Dann, so Dr. Steve, müsse das Team den Mut haben zu sagen:
„Wir fliegen heute nicht.“
Investition in Kolleginnen und Kollegen: Eine Kultur der
Offenheit
Im Licht des Absturzes von Air India 171 gewinnt diese Haltung
dramatische Bedeutung. Denn fest steht: Ein Mensch im Cockpit
nahm beide „Fuel Control Switches“ von „Run“ auf „Cutoff“.
Technik und Triebwerke arbeiteten einwandfrei. Die schwierige
Wahrheit lautet deshalb: Ohne mentale Stabilität jedes einzelnen
Besatzungsmitglieds kann kein noch so perfektes Flugzeug absolute
Sicherheit garantieren.
Deshalb appelliert Dr. Steve eindringlich an Pilotinnen und
Piloten aller Ränge, die ernstgemeinte Frage nach dem Befinden in
jede Vorflugroutine zu integrieren. Das Gespräch über Belastungen
darf nicht Tabu sein; es kann im Ernstfall Leben retten – nicht
nur das des Gesprächspartners, sondern das aller an Bord.
Der nächste Schritt: Fachliche Aufarbeitung
Der Kanal von Kapitän Dr. Steve bereitet ein vertiefendes
Interview mit einem renommierten Experten für psychische
Gesundheit in der kommerziellen Luftfahrt vor. Dieser Fachmann
hat Präventionsprogramme bei zahlreichen großen Airlines
initiiert und wird erläutern, welche Strukturen heute existieren,
um Pilotinnen und Piloten in seelischen Krisen beizustehen. Ziel
ist, Passagiere ebenso wie Crews zu beruhigen: Fliegen bleibt
sicher, weil die Branche gelernt hat, auch die unsichtbaren
Faktoren ernst zu nehmen.
Abschließende Überlegungen
Den Absturz von Air India 171 zu begreifen, ist schmerzhaft. Doch
um zukünftige Katastrophen zu verhindern, müssen wir das
Unfassbare akzeptieren und die Konsequenzen ziehen. Wenn das
scheinbar Unmögliche ausgeschlossen ist, dann, so zitierte Sir
Arthur Conan Doyle, muss das Verbliebene – wie unwahrscheinlich
es auch wirkt – die Wahrheit sein. In diesem Fall ist die
Wahrheit, dass eine bewusste Handlung im Cockpit das Unglück
auslöste. Die Aufgabe der Luftfahrtgemeinschaft lautet nun, das
„Warum“ zu ergründen und präventiv zu handeln.
Kapitän Dr. Steve schließt mit seinem traditionellen Gruß, der
aktueller klingt denn je:
Fly safe.
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