Ich singe dir mit Herz und Mund - Entdeckungen und Anregungen
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Beschreibung
vor 5 Monaten
Herbstzeit. Erntezeit. Staunen. Empfangen dürfen. Loben, den
Schöpfer und Ernährer. Gott.
Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Trauben, Nüsse dankbar genießen,
Menschenskind.
Paul Gerhardt, mein evangelischer Lieblingsliederdichter hat ein
wunderbares Herbstlied gedichtet. Es erschien in einer Ausgabe
seiner vertonten Lieder fünf Jahre nach dem Dreißigjährigen
Krieg, 1653. Zig Generationen haben es seither gesungen.
Ich habe das Lied abgeschrieben und angemalt. Ich habe entdeckt,
dass es ein kunstvolles Werk ist. Ein großartiges Gedicht. Es
lohnt sich, es auswendig zu lernen. Jedes Jahr singe und
meditiere ich es einen Monat lang. Mein Herbstlied in 18 kurzen,
vierzeiligen Strophen.
Sein Aufbau ist ebenfalls kunstvoll. Es beginnt und schließt mit
einem Selbstbeschluss:
„Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr meines Herzens Lust“
Und:
„Ich weiß, dass du der Brunn der Gnade und ewge Quelle
bist“.
So beginnen die beiden ersten Strophen. Und die letzte ein
bisschen fromm-frech:
„Ei nun, so lass ihn ferner tun und red ihm nicht darein,
so wirst du hier im Frieden ruhn und ewig dankbar sein.“
Auf den Selbstbeschluss folgt eine Selbstklärung.
Vier Strophen mit neun Fragen.
Fragen wollen zum Nachdenken anregen. Sie nehmen nichts für
selbstverständlich. Sie verwehren Oberflächlichkeit. „Was sind
wir doch? Wer wärmet uns in Kält und Frost? Wer hat das schöne
Himmelszelt hoch über uns gesetzt?“
Die Selbstklärung führt in fünf Gebetsstrophen:
„Ach, Herr, mein Gott, das kommt von dir“.
Das Lied bleibt nicht in einer anonymen Dankbarkeit stecken, auch
wenn Dankbarkeit als Lebenshaltung wertvoll ist. Biblisches
Denken kommt aus dem Beten und führt ins Beten.
Beten umfasst beides: Loben und Klagen. Beten bindet uns an den
Schöpfer, Retter und Tröster, den dreieinigen Gott. Beten
schließt nichts aus, sowohl das nicht, was uns begeistert, als
auch das nicht, was uns bedrückt.
Was für eine tröstliche, zärtliche Sprache in diesem gedichteten,
gesungenen Gebet:
„Du zählst, wie oft ein Christe wein und was sein Kummer
sei;
kein Zähr und Tränlein ist zu klein, du hebst und legst es bei.“
Aus dem Beten folgt das Bekennen. Was ich mit Gott
erfahren habe, möchte ich anderen weitersagen. Christenmenschen
leben wie alle anderen Zeitgenossen in Ängsten und Sorgen.
Aber sie setzen auf einen Widerstandsgeist:
„Was kränkst du dich in deinem Sinn und quälst dich Tag und
Nacht?
Nimm deine Sorg und wirf sie hin / auf den, der dich gemacht.“
Ein paar Entdeckungen aus meinem Lieblingsherbstlied von Paul
Gerhardt als Anregung, das ganze Lied zu singen, zu beten,
auswendig und inwendig zu lernen.
Schalom und liebe Grüße Ihr und Euer Hans-Martin Steffe,
Linkenheim-Hochstette
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