Die langen Schatten der Nan-a-Maru
16 Minuten
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Beschreibung
vor 5 Monaten
Ein unscheinbarer Fund im Keller des argentinischen Obersten
Gerichtshofs hat ein verdrängtes Kapitel der Vergangenheit neu
aufgerissen: Tausende Mitgliedsbücher der Deutschen Arbeitsfront,
Propagandafotos und Nazi-Symbole lagerten dort jahrzehntelang
unbeachtet. Was wie ein kurioser Zufall wirkt, entpuppt sich als
Spiegelbild der argentinischen Erinnerungspolitik – geprägt von
Verdrängung, selektiver Aufarbeitung und politischer
Instrumentalisierung.
Die Kisten waren bereits 1941 im Zuge von Polizeirazzien
sichergestellt worden, doch statt transparenter Aufarbeitung
verschwanden sie im Gerichtskeller. Historiker sprechen von
Verschleierung. Präsident Javier Milei inszeniert die späte
Wiederentdeckung nun als Akt der Transparenz, doch Kritiker sehen
darin vor allem Imagepflege. Denn Argentinien war nach 1945 nicht
nur Zufluchtsort für NS-Verfolgte, sondern auch für Täter wie
Eichmann oder Mengele – ein ambivalentes Erbe, das bis heute
fortwirkt.
Der Fund wirft daher zentrale Fragen auf: Sind Archive Orte der
Aufklärung oder der politischen Selbstrechtfertigung? Geht es um
historische Verantwortung – oder um ein Marketingprojekt für eine
Regierung, die sich weltoffen geben will, während sie das
Gedenken zugleich ökonomisiert? Die „Störfrequenz“-Folge zeigt,
wie eng Erinnerung, Macht und Schweigen verknüpft bleiben. Und
wie brüchig der Versuch ist, Geschichte mit Ausstellungen und
Pressekonferenzen zu bändigen, solange die eigentlichen Konflikte
nicht öffentlich verhandelt werden.
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