Digitale Werkzeuge und die Archäologie

Digitale Werkzeuge und die Archäologie

Mit Friederike Fless von der Freien Universität Berlin und dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI)
55 Minuten

Beschreibung

vor 6 Monaten
Die Digitalität ist für die Archäologie ein vielschichtiges
Phänomen. Digitale Werkzeuge und Analysemethoden schaffen neue
Möglichkeiten des Auffindens, Untersuchens und Dokumentierens von
Kulturgütern. Daten, die dabei erfasst werden, lassen
Forschungsfragen zu, die mit analogen Mitteln und ohne Big Data und
KI kaum denkbar gewesen wären – die schiere Menge an Optionen,
denen Forscher:innen dabei zur Verfügung stehen, nötigt aber auch
zur Reflexion: im Einzelfall sind Einschränkungen nötig, um gut
begründet bestimmte Daten nicht zu erfassen. Und innerhalb der
Community müssen Standards etabliert werden. Auch nach außen sind
die Effekte digitaler Archäologie sichtbar: Digitale Zwillinge
antiker Funde und Stätten entstehen, die anschaulich vermitteln,
was Wissenschaftler:innen über frühere Kulturen herausfinden. Und
wo der Verlust der originalen Kulturgütern droht, etwa durch große
Bauprojekte, Umweltkatastrophen, Kriege oder Terrorismus, können
die Methoden der digitalen Archäologie auch wenigstens das Wissen
um diese Güter mittels digitaler Dokumentation retten. Nicht
zuletzt ist archäologische Forschung auch durch Medienbrüche des
digitalen Zeitalters herausgefordert: Frühe digitale Datenträger,
auf denen große Mengen archäologischer Befunde dokumentiert sind –
und die für Langzeitarchivierung alles andere als geeignet waren –
müssen erschlossen, und die darauf archivierten Informationen in
neu entstehende Datensysteme und Archive integriert werden. Eine
komplexe Aufgabe, der sich das Fach erst langsam nähert. Friederike
Fless ist Professorin für Klassische Archäologie an der Freien
Universität Berlin und war über Jahre Sprecherin des
Exzellenzclusters TOPOI zur Antiken Welt. Seit 2011 ist Sie
Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Im
Digitalgespräch erklärt die Expertin, für welche Zwecke die
Archäologie digitale Werkzeuge einsetzt, wie sie entwickelt werden,
und wie sich dabei Workflows verändern. Fless beschreibt, wie
moderne Ausgrabungen organisiert sind, erklärt den Prozess hinter
Einsätzen zur Kulturgutrettung etwa in Syrien,und gibt Einblick in
die internationale Zusammenarbeit. Mit den Gastgeberinnen Marlene
Görger und Petra Gehring diskutiert Fless, warum der tägliche
Umgang mit Möglichkeiten und Grenzen digitaler Datenerfassung
angesichts der Vergänglichkeit von Kulturgütern einen beherzten
Pragmatismus erfordert, welche neuen Trends für die digitale
Präsentation und Vermittlung antiker Kulturen wichtig werden, wie
Wissenschaft mit dem Problem „alternativer Fakten“ umgehen sollte,
die über archäologische Themen im Internet kursieren – und welche
Fragen zu Datensouveränität und Eigentum bei digitaler
Kulturguterfassung im internationalen Kontext aufkommen. Link zum
Originalbeitrag:
https://zevedi.de/digitalgespraech-068-friederike-fless Link zur
Webseite des Projekts „KulturGutRetter“:
https://www.kulturgutretter.org/ Link zur Webseite des DAI:
https://www.dainst.org/

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15