Die fünf größten Fehler bei der Arbeit mit User Stories

Die fünf größten Fehler bei der Arbeit mit User Stories

Oliver & Tim im Gespräch
37 Minuten

Beschreibung

vor 7 Monaten
User Stories sind aus der agilen Produktentwicklung kaum
wegzudenken, dennoch verursachen sie regelmäßig Reibung,
Missverständnisse oder sogar echten Schaden im Entwicklungsprozess.
In dieser Folge schauen sich Oliver und Tim die größten Fehler bei
der Arbeit mit User Stories an und sprechen offen darüber, wie sie
selbst immer wieder in diese Fallen getappt sind. Ein häufiger
Fehler beginnt schon beim Schreiben: Statt sich gemeinsam ein Bild
vom Nutzerproblem zu machen, werden Storys im stillen Kämmerlein
formuliert und (nur) in Schriftform ins Sprint Planning gebracht.
Dabei soll die Story eher ein Erinnerungspunkt für ein Gespräch
sein, nicht das Gespräch ersetzen. Die Diskussion über das
zugrundeliegende Problem, also das gemeinsame Verstehen der
Nutzerbedürfnisse – ist der Schlüssel. Storytelling und entwickeln
von Problemempathie mit dem Team führen zu besseren Lösungen. Und
genau dafür braucht es ein Gespräch, kein perfekt ausgefülltes
Template oder "Ticket". Der nächste Trugschluss: User Stories
müssten irgendwie "abgenommen" werden. Diese Idee stammt noch aus
einer Projektlogik und widerspricht dem agilen Grundgedanken.
Akzeptanzkriterien dienen nicht als Vertrag, sondern als Einladung
zur gemeinsamen Einschätzung: Haben wir das gemeinsam verstandende
Problem gut genug gelöst? Abnahme-Rituale im Sprint Review mit
"Daumen hoch oder runter" führen hier meist in die Irre. Vielmehr
geht es um Reflexion ob die gefundene Lösung zum Nutzerproblem
passt – im besten Fall sogar mit Feedback der eigentlichen
Nutzer:innen. Besonders schädlich wird es, wenn Product Owner
anfangen, in User Stories ihre Lösungen dertailliert vorzugeben.
Dann bleibt wenig Raum für Kreativität oder bessere Ideen aus dem
Team. Eine gute User Story wird im Problemraum formuliert und darf
dabei auch gerne eine LösungsIDEE mitbringen. Sie macht Wirkung und
Ziel verständlich – nicht den genauen Umsetzungspfad. Wenn alles
schon vorgegeben ist, gibt es keine echte Zusammenarbeit mehr. Auch
beim Schneiden von User Stories wird viel Potenzial verschenkt. Zu
große Storys, die sich über mehrere Sprints ziehen, nehmen uns die
Chance für kurzfristiges Feedback und verlangsamen damit die
Lernkurve. Und wenn denn geschnitten wird sorgen horizontale
Schnitte entlang technischer Komponenten eher für Abhängigkeiten
statt echten Mehrwert. Der Weg zu kleinen, vertikal geschnittenen
Storys ist nicht immer leicht, aber entscheidend für schnelles
Feedback bzgl. der erwünschten Wirkung (Outcome). Und dann wäre da
noch das "Connextra"-Template. Es kann helfen, den Einstieg zu
finden. Aber wer alles in das Format "Als (Nutzer) möchte ich…,
damit …" zwängt, läuft Gefahr, das Denken zu verengen. Nicht jede
Aufgabe ist eine User Story und nicht jede User Story braucht eine
feste Form in diesem Template. Es braucht ein Gefühl für das
Problem, nicht nur eine korrekt ausgefüllte Schablone. Der größte
Fehler ist oft der Versuch, mit der falschen Haltung an User
Stories heranzugehen. Wenn das Format über das Verständnis gestellt
wird, wenn Gespräche durch Jira-Tickets ersetzt werden, wenn
Stories zu Mikro-Aufträgen oder Fachfeinspezifikationen verkommen,
geht der Sinn für die Arbeit mit User Stories verloren. User
Stories sind ein Mittel zur Zusammenarbeit, kein bürokratischer
Selbstzweck. Wer das versteht, nutzt sie, um gemeinsam zu denken,
nicht nur um Aufgaben ans Team zu dokumentieren. In dieser Folge
wurde auf eine ganze Reihe früherer Episoden verwiesen: -
Erfolgreich mit User Stories arbeiten - Wer nimmt User Stories ab?
- User Story Splitting: Wie geht das "richtig"? - Arten von
Product-Backlog-Einträgen: Was gibt's neben User Stories noch? -
Akzeptanzkriterien richtig einsetzen - Mit Storytelling andere von
Deinen Produktideen überzeugen Welche Fehler bei der Arbeit mit
User Stories beobachtest du in deinem Team bzw. hast sie
überwunden? Was funktioniert bei euch gut – und was weniger? Wir
sind gespannt auf deine Erfahrungen, Perspektiven und Fragen.

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