Beschreibung

vor 11 Monaten

In letzter Zeit fällt mir auf, wie viele Begegnungen in den
Evangelien zwischen Jesus und Pharisäern bzw. Schriftgelehrten
geschildert werden. Wenn ich spontan die Beziehung zwischen Jesus
und Pharisäern beschreiben sollte, dann fällt mir Konflikt bzw.
Gegner ein.


Meine Sichtweise ist geprägt von dem Denken, im Fall von
diskutierenden Parteien zwischen gut und böse zu unterscheiden.
Damit bin ich aber zu schnell mit meinem Urteil.


Denn offensichtlich sind die Pharisäer Jesus wichtig. Er nimmt
Einladungen zum Essen an, geht auf Diskussionen ein, trifft sich
mit ihnen, geht ihnen nicht aus dem Weg.


Ich nehme diese Zuwendung von Jesus weniger wahr, als wenn
offensichtlich hilfsbedürftige Menschen zu ihm kommen. Aber Jesus
ist auch für die Pharisäer und Schriftgelehrten da.


Welche Seite der Pharisäer entdecke ich in mir?


Die Seite, die es richtig machen will, die Seite, die Gott,
Religion und Regeln sehr ernst nimmt. Die Seite, die die Bibel
studiert, Wissen erwerben möchte. Die Seite, die sich schon lange
für Gott entschieden hat und versucht das Leben nach ihm
auszurichten.


Es ist auch die Seite, die von Jesus bestätigt haben möchte, es
richtig und gut zu machen. Und auch die arrogante Seite, die
vergleicht und zum Schluss kommt, es besser zu wissen, besser zu
machen, mehr verstanden zu haben und daraus ein Recht zu
bestimmen ableitet.


Es ist die Kopfseite und anscheinend fällt es dieser Seite
besonders schwer, neben dem Kopf auch das Herz zu beteiligen.
Daran scheitern die Pharisäer in den biblischen Geschichten immer
wieder. Es gelingt ihnen nicht, die Liebe über die Regeln zu
stellen. Und sie sind nicht mehr bereit, ihre Einstellung in
Frage stellen zu lassen


Und weil Jesus ihre Art nicht bestätigt, schlägt die Stimmung
immer mehr in Aggression um. Weil die Bestätigung ausbleibt,
sehen sie in Jesus eine Gefahr.


Jesus Zuwendung besteht nicht nur in Heilung und der Erzählung
von Gleichnissen, die man ohne theologische Vorbildung verstehen
kann. Mit Jesus kann man auch über die Schriften diskutieren,
sein Unverständnis, seinen inneren Konflikte mit der Bibel
vorbringen.


Und Jesus gibt uns deutliche Hinweise in den Gesprächen mit den
Pharisäern, dass trotz aller ernsthaften Bemühungen die Gefahr
besteht, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren und aus einer
eigenen Überbewertung für andere zum Hindernis zu werden und die
wichtigen Dinge des Gesetzes beiseite zu lassen: das Recht, die
Barmherzigkeit und den Glauben, so steht es in Matthäus 23,23.


Eine gesegnet Woche wünscht Christine Sommer

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