"Hat die Geschichte überhaupt Zeit?" – Achim Landwehr ist 'Zu Gast bei L.I.S.A.'
60 Minuten
Podcast
Podcaster
Beschreibung
vor 11 Monaten
"Hat die Geschichte überhaupt Zeit?" – Achim Landwehr ist
'Zu Gast bei L.I.S.A.' 04.01.2021
(Hördauer 60 Minuten)
Raum und Zeit sind die zwei Achsen des Koordinatenssystems
Geschichte. Der Mensch bewegt sich im Raum und erfährt Zeit. Doch
aber was genau verstehen wir unter dem Begriff "Zeit"?
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft? Was davon ist real, was vom
Menschen konstruiert? Ist die Abfolge von Tag und Nacht oder von
Winter, Frühling, Sommer und Herbst nur eine menschliche
Erfindung oder gibt es etwas Unhintergehbares, das wir Zeit
nennen und das vom Menschen unbeeinflusst ist? Und wenn Zeit
menschengemacht ist, von welchen Menschen? Welche
Zeitverständnisse dominieren die Welt? Und welche anderen gibt es
noch? Mit diesen Fragen setzt sich der Frühneuzeithistoriker
Prof. Dr. Achim Landwehr von der Universität Düsseldorf in seinem
neuen Buch auseinander und wendet sie dabei auf die
Geschichtsschreibung an.
Sind wir alle gleichzeitig jetzt? Geschichtsschreibung unter den
Bedingungen der Vielzeitigkeit. Die Geschichte - sie ist überall
präsent. Seit mehr als zwei Jahrhunderten sind nicht nur
westliche Gesellschaften gewohnt, in diesem Kollektivsingular zu
denken und mit ihm zu leben. Dieser übermächtigen Gesamtheit
alles Geschehen(d)en wird nicht nur eine umfassende Wirkmacht,
sondern eine ebenso grundlegende Erklärungsfunktion
zugeschrieben. Das paradoxe Ergebnis: Alles hat eine Geschichte,
außer die Geschichte selbst. Spätestens jedoch seit sich die
europäisch-westlich geprägte Geschichtswissenschaft mit ihrem
sehr speziellen Begriff von Geschichte im Rahmen postkolonialer
Diskussionen auch mit anderen Verständnissen von Zeitlichkeit und
Veränderung konfrontiert sieht, wird deutlich, wie problematisch
dieses Geschichtsverständnis ist. Allein, es mangelte an
Alternativen. Mit dem zentralen Begriff der Chronoferenz wird in
diesem Buch ein theoretischer wie auch in Einzelstudien erprobter
Vorschlag für eine andere Art der Historiographie gemacht - ein
Vorschlag, der die Fähigkeit des Menschen ernst nimmt,
gleichzeitig in und mit unterschiedlichen Zeiten zu leben. Denn
keine Gegenwart ist gleichzeitig mit sich selbst.
»Jede Gegenwart hat die Eigenschaft, ungleichzeitig mit sich
selbst zu sein, weil in ihr immer schon so viele andere Zeiten
vorkommen.« Achim Landwehr
Achim Landwehr, geb. 1968, ist Historiker und
Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.
Veröffentlichungen u. a.: Historische Diskursanalyse (2.
aktualisierte Aufl. 2018); Die anwesende Abwesenheit der
Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie (2016); Geburt der
Gegenwart. Eine Geschichte der Zeit im 17. Jahrhundert (2014).
Georgios Chatzoudis absolvierte sein Studium der
Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft und Anglistik an der
Universität zu Köln. Im Rahmen eines DFG-Projekts namens "ACACIA"
forschte er von 2001 bis 2004 über den Nationsbildungsprozess in
Namibia. Nach seiner akademischen Tätigkeit arbeitete Chatzoudis
als Journalist, unter anderem für den Westdeutschen Rundfunk
(WDR). Seit 2010 leitet er die Online-Redaktion der Gerda Henkel
Stiftung und ist dort für das Wissenschaftsportal L.I.S.A.
verantwortlich. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Nation und
Nationalismus, Deutschlandpolitik sowie afrikanische Geschichte,
insbesondere die Nationsbildung in Namibia. Chatzoudis' Expertise
liegt im Bereich der Neueren Geschichte.
Originalbeitrag bei L.I.S.A.
Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, dann mögen Sie vielleicht
auch diesen.
Hörbahn on Stage - live im Pixel –
Autor*innen im Gespräch - besuchen Sie uns!
Realisation Uwe Kullnick
Weitere Episoden
23 Minuten
vor 3 Tagen
11 Minuten
vor 4 Tagen
In Podcasts werben
Kommentare (0)