"Die frühen Christen " – Hartmut Leppins Gespräch mit Uwe Kullnick – Von den Anfängen bis Konstantin – Histothek on Stage
1 Stunde 14 Minuten
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Beschreibung
vor 2 Jahren
Die frühen Christen bildeten keineswegs eine homogene Gruppe,
geschweige denn eine Kirche. Von ihrem Wirken in der Welt, aber
auch von den Irritationen, die sie bei Zeitgenossen auslösten,
handelt dieses Buch. Es soll zugleich die modernen Leser
irritieren: Die antiken Christen sind durch eine lebendige
Erinnerung und durch ein gemeinsames textliches Erbe – die Bibel
– eng mit der heutigen Welt verbunden, selbst für diejenigen, die
dem christlichen Glauben fernstehen. Allenthalben stoßen wir auf
Kirchengebäude, christliche Feiertage rhythmisieren unsere Zeit,
weite Teile der Kunst sind durch christliche Motive geprägt,
selbst noch in der Persiflage. Doch die sichtbare Nähe kann eine
scheinbare sein.
Vieles an den frühen Christen ist uns fremd und weit entfernt von
dem, was heute als Christentum gilt. Dieser doppelten Irritation
– aus der Sicht der Heutigen und der antiken Zeitgenossen – geht
der Autor des vorliegenden Buches nach und lässt uns die
Fremdheit eines nur scheinbar vertrauten Christentums erkennen.
Zugleich fragt er danach, wie eine kleine, sozial schwache Gruppe
aus der Peripherie sich ausbreiten konnte und welchen
Herausforderungen ihre Angehörigen sich gegenübersahen.
So legt er auch keine lineare Geschichte vom Urchristentum zur
Großkirche vor. Es wird vielmehr deutlich, dass die Geschichte
der Christen keiner zwingenden inneren Logik folgt und auch nicht
durch höhere Kräfte bestimmt scheint. Stattdessen lassen
zahlreiche Beispiele erkennen, wie sich frühe Christen in
bestimmten Situationen um Problemlösungen bemühten und
unterschiedliche Wege diskutierten – von denen sich manche aber
nie durchsetzten. Was wir erkennen, ist mithin auch keine
folgerichtige Entwicklung, sondern eine tastende, gleichsam
experimentelle Bewegung, die sich oft hinter späteren Dogmen und
Konzilsbeschlüssen verbirgt.
Hartmut Leppin studierte Geschichte und
Klassische Philologie in Marburg, Heidelberg, Pavia und Rom. Nach
dem Staatsexamen 1988 in Marburg wurde er dort 1990 promoviert.
1995 habilitierte er sich an der Freien Universität Berlin.
1995/6 vertrat er eine Professur in Greifswald. Danach erhielt er
ein Feodor-Lynen- und ein Heisenberg-Stipendium, die er für
Forschungsaufenthalte in Nottingham und Göttingen nutzte; seit
2001 ist er Professor für Alte Geschichte in Frankfurt am
Main. Er ist Träger des Leibniz-Preises der Deutschen
Forschungsgemeinschaft und des Erwin Stein-Preises.
Redaktion und Realisation Uwe Kullnick
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