Geheiligt werde dein Name

Geheiligt werde dein Name

3 Minuten

Beschreibung

vor 2 Jahren

Je länger man das Vaterunser betet,
je mehr sieht man ein, wie wenig man es versteht,
und wie wert es ist verstanden zu werden,
um unbekannten Schätzen auf die Spur zu kommen.
Diesen starken Satz von Matthias Claudius sage ich mir und
anderen immer wieder.


Mir ist die Fülle und die Tiefe des Vaterunsers wieder neu
aufgegangen, als wir im letzten Herbst in unserer Gemeinde den
Kurs von Stufen des Lebens vorbereitet und durchgeführt haben:
„VATERUNSER – ein beinahe alltägliches
Gespräch“. Was für ein unverdientes Vorrecht hat
uns Jesus zugespielt. Wir dürfen den ewigen, heiligen,
gerechten Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde wie ein
kleines Kind Vater, sogar Papa nennen. Abba hat Jesus in seiner
Muttersprache Gott genannt.
Dass das alles andere als selbstverständlich ist, spürt man an
der feierlichen Einleitung der alten Kirche zum Vaterunser. Die
heißt: „Weil Jesus es uns geboten hat, wagen wir es freimütig und
unvermessen zu beten: Vater unser im Himmel“.


Gott uns kindlich, vertrauensvoll nahen, heißt aber nicht
ihn zu vereinnahmen oder zu haben. Das bringt die erste
der sieben Bitten zur Sprache: „Geheiligt werde dein
Name.“ Das ist eine heilsame Spannung. Gott ist Gott,
der ewige und heilige, der gerechte und allmächtige. Er steht uns
nicht beliebig zur Verfügung. Aber durch Jesus ist er uns nahe
gekommen wie ein Vater oder eine Mutter ihrem kleinen Kind ganz
nahe ist. Und doch Gott bleibt der Heilige. Nähe und Distanz in
Anrede und erster Bitte des Vaterunsers. Das ist eine heilsame
Spannung.


Wie sieht das mit der Heiligung aus? Zum einen Gott
mit Ehrfurcht begegnen. Ihm alle Ehre geben. Ihn den dreieinigen
Gott, den Vater durch den Sohn im Heiligen Geist anbeten und
loben. Vor allen unseren eigenen Anliegen und Bitten ihn preisen.
Gottesdienst feiern.
Zum anderen, Gott bezeugen, ungeniert. Von ihm reden, seine
Geschichten in Wort und Bild bringen. Und unsere Nächsten spüren
lassen, sie sind wertvoll in Gottes Augen. Miteinander
respektvoll umgehen.


Die Spannung vom nahen und verborgenen Gott finden wir auch in
Luthers Kleinem Katechismus bei der Auslegung der 10 Gebote.
Jedes Gebot beginnt mit der Begründung:
„Wir sollen Gott fürchten und lieben“. Die Gottesfurcht bewahrt
vor Vereinnahmung. Die Gottesliebe vor Vereinsamung.


Schalom und liebe Grüße Hans-Martin Steffe

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