Paybackgesicht vs. Aluhut – Sollten Gesichtserkennungs-Technologien verboten werden? – Rechtsbelehrung Folge #73

Paybackgesicht vs. Aluhut – Sollten Gesichtserkennungs-Technologien verboten werden? – Rechtsbelehrung Folge #73

Ein Zuwachs an Sicherheit und Bequemlichkeit oder der Weg in die totale Überwachung ohne Privatsphäre? Wir diskutieren über die Vorteile, Nachteile und den rechtlichen Rahmen der Gesichtserkennungstechnologien.
1 Stunde 17 Minuten

Beschreibung

vor 6 Jahren

Bringt die Gesichtserkennungs-Technologie einen Zuwachs an
Sicherheit und Bequemlichkeit oder ist sie der Weg in die totale
Überwachung ohne Privatsphäre? Wir diskutieren in dieser Folge
über die Vorteile, Nachteile und den rechtlichen Rahmen der
Gesichtserkennungstechnologien.
Effektive und günstige Sicherheit?

Die Gesichtserkennungs-Technologie wird vor allen von
Sicherheitsbefürwortern angepriesen. So soll die Sicherheit durch
automatische Erkennung von verdächtigen Subjekten anhand
biometrischer Gesichtsmerkmale effektiver und kostengünstiger
werden.


Aber auch über Sicherheitszwecke hinaus, kann Gesichtserkennung
kommerziell, z. B. zwecks Darstellung einer auf das Geschlecht
oder Alter zugeschnittener Werbeanzeigen oder zur Steigerung der
Bequemlichkeit als eine Mensch-Maschine-Schnittstelle eingesetzt
werden.
Verlust der Privatsphäre?

Kritiker finden dagegen, dass das Risiko der Erstickung
freiheitlicher Grundwerte durch diese mutmaßlichen Vorteile
keineswegs aufgewogen wird. Vielmehr sehen sie die Gefahr einer
flächendeckenden Überwachung, die jederzeit von politischen
Kräften missbraucht werden kann. Sie fordern daher, dass die
Gesichtserkennung per Gesetz verboten oder nur in einem engen
Rahmen erlaubt wird.
Clearview-Skandal

Wir besprechen beide Positionen und beginnen mit dem Skandal um
die von über 600 US-Polizeidienststellen eingesetzte
Gesichtserkennungssoftware Clearview. Sie hilft den Behörden
potentielle Täter (aber wohl auch Opfer zu erkennen) und greift
auf Bilder zu, die in sozialen Netzwerken hochgeladen oder über
die Google Bildersuche zu finden sind.


Dabei betrachten wir den rechtlichen Rahmen für
Sicherheitsbehörden, als auch für Unternehmen und Privatpersonen
nach der DSGVO.
Von der Überwachungsgesellschaft zur totalen Kontrolle

Anschließend diskutieren wir über die möglichen Risiken für die
Meinungsfreiheit und die Privatsphäre als Grundlagen einer
freiheitlich-demokratischen Gesellschaft. Dabei fragen wir uns,
ob die Gesichtserkennungstechnologien eine Zäsur der Überwachung
darstellen.


Die heutigen Überwachungsstrukturen werden mit einem panoptischen
Modell beschrieben. D.h. die überwachten Personen sollen sich aus
Angst, dass ihr Verhalten beobachtet wird, von sich aus
disziplinieren.


Wenn dieser „jemand“ jedoch durch Maschinen ersetzt wird, an ein
das Netz bereits vorhandener Überwachungskameras und das Internet
gekoppelt sowie jedermann zur Verfügung gestellt wird, dann
nähern wir uns einer so genannten Kontrollgesellschaft.


Anders als bisher, wird die Überwachung dann von örtlichen und
menschlichen Schranken losgelöst und kann durch jedermann, zu
jederzeit und überall stattfinden (auch bezeichnet als
Superpanoptikum oder Postpanoptikum).


Diese totale Kontrolle könnte vor allem dazu führen, dass
Menschen sich im öffentlichen Raum nicht mehr frei fühlen können.
Die Angst vor Sanktionen für die kleinste unerwünschte Abweichung
von sozialen Normen könnte sie daran hindern, sich politisch zu
betätigen, Kritik an Misständen zu üben oder gar Ideen
austauschen und sich mit anderen Menschen zu treffen.
Ihre Meinung und Vorschlag für die nächste Folge

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Hören und freuen uns auf Ihre
Ansichten. Dabei sind wir gespannt ob Sie unsere Gedanken teilen,
vielleicht doch zu viel Dystopie heraushören oder die Risiken gar
noch höher einschätzen.


P.S. Diese Folge widmet sich den Grundsätzen des Rechts und
orientiert sich vor allem an philosophischen und
sozial-wissenschaftlichen Ideen.


Daher fragen wir am Ende, ob Sie sich in den kommenden Folgen
„handfesteres Recht“ zum Thema Videoüberwachung wünschen. D.h.
Erläuterungen wann z.B. Überwachungskameras bei der Arbeit oder
auf dem Privatgrundstück, Klingelkameras an der Haustür, Dashcams
im Auto oder Kamera in Drohne eingesetzt werden dürfen. Falls ja,
bitte sagen Sie uns in den Kommentaren Bescheid.
Zeitmarken

00:03:00 – Der Clearview-Skandal.

00:08:00 – Gesichtserkennung und biometrische Daten.

00:11:30 – Ist die Gesichtserkennung rechtlich erlaubt?

00:19:0 – Wann bedarf die Gesichtserkennung einer
ausdrücklichen Einwilligung und wann darf sie von Polizeibehörden
eingesetzt werden?

00:23:00 – Erfahrungen beim Test der Gesichtserkennung am
Bahnhof Südkreuz in Berlin und Einsatz der
Gesichtserkennungstechnologien beim G20-Gipfel in Hamburg.

00:28:30 – Dürfen öffentlich verfügbare Bilder, z.B. aus
sozialen Netzwerken, für Zwecke der Gesichtserkennung verwendet
werden?

00:39:00 – Wäre ein Verbot der Gesichtserkennung durch die EU
sinnvoll?

00:42:00 – Gesellschaftliche Worst-Cases durch Erstickung der
freien Meinung und Verfestigung sozialer Ausgrenzung.

00:55:30 – „Paybackgesichter vs. Aluhüte“ oder der Einsatz
der Gesichtserkennung in der Wirtschaft und Wirksamkeit von
Einwilligungen der Betroffenen.

01:04:00 – Gesichtserkennung als Grundlage der Augmented
Reality.

Weiterführende Links

Hinweis: Die Links stammen aus unserer Podcastvorbereitung. Wegen
des Umfangs verzichten wir diesmal auf die Nennung einzelner
Autoren oder Namen der Onlinemagazine und Webseiten.


The Secretive Company That Might End Privacy as We Know It

Clearview-Enthüllungen: Gesichtserkennung erlaubt?

Zum Verbot des Scrapings von Datenbanken und Inhalten auf
Webseiten. EuGH, 15.01.2015 – C-30/14; BGH, 30.04.2014 – I ZR
224/12; High Court of Ireland Decisions (Ryanair Ltd v
Billigfluege.de GmbH – [2010] IEHC 47).

Clearview: Warum Gesichtserkennung so gefährlich ist –
Digital – SZ.de.

Gesichtserkennung: Clearview AI verkauft fragwürdige Technik
an US-Behörden.

BKA an Bord: EU treibt europaweiten Abgleich von
Gesichtsbildern voran.

Gesichtserkennung: VG Hamburg erlaubt biometrische Datenbank.

BfDI für Verbot von biometrischer Gesichtserkennung im
öffentlichen Raum.

Stoppt Brüssel die flächendeckende Gesichtserkennung?.

Bericht: EU-Kommission möchte Gesichtserkennung nicht
verbieten, aber strenger regulieren.

San Francisco Bans Facial Recognition Technology.

How facial recognition works.

Facial Recognition Is Suddenly Everywhere. Should You Worry?

Do you need to be concerned about facial-recognition
technology?

Facial recognition: A solution in search of a problem?

Gesichtserkennung – Angst vor der Totalüberwachung – Digital
– SZ.de

Gesichtserkennung sollte der Polizei verboten werden –
Digital – SZ.de.

Facial recognition revisited – can it save lives and actually
protect privacy?

Facial Recognition Is the Perfect Tool for Oppression.

Facial Recognition ‚Epidemic‘ in the UK.

ICO statement in response to an announcement made by the
Metropolitan Police Service on the use of live facial
recognition.

Facial recognition in King’s Cross prompts call for new laws.

Automatisierte Gesichtserkennung – Gefährliches Potenzial.

Gesichtserkennung: Microsoft-Manager bezeichnet Verbote als
regulatorische „Hackebeile“.

Gesichtserkennung – Sieben bizarre Blicke in die Glaskugel.

Gesichtserkennung französischen Schulen: Datenschützer sind
entsetzt.

I spy with my little eye… – datenschutz-notizen | News-Blog
der datenschutz nord Gruppe.

Montreal grapples with privacy concerns as more Canadian
police forces use facial recognition.

China’s new 500 megapixel ’super camera‘ can identify
thousands of people simultaneously.

Chinese Telecoms Companies Confirm Mandatory Facial
Recognition For New Numbers.

Beijing Daxing Airport: Facial Recognition at Customs, Duty
Free.

In Hong Kong Protests, Faces Become Weapons.

Missing Link: Hongkong-Proteste – mit Low-Tech gegen digitale
Massenüberwachung.

Schutz vor Ladendieben: Gesichtserkennung in Supermärkten –
Datenschut

Schutz vor Ladendieben: Gesichtserkennung in Supermärkten.

Facial recognition service uses online footprint to get
real-time data on interests, habits.

Comparing the new Washington Privacy Act to the CCPA.



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Gesichtserkennungs-Technologien verboten werden? –
Rechtsbelehrung Folge #73 erschien zuerst auf Rechtsbelehrung.

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