Haus Britanien
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Audio-Podcast: 5:41 min - Kennen Sie… das Haus Britanien?
Trier ist die Stadt am Fluss, die den Anschluss an selbigen
verloren hat.
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vor 2 Jahren
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Audio-Podcast: 5:41 min Kennen Sie… das Haus Britanien?
Trier ist die Stadt am Fluss, die den Anschluss an selbigen
verloren hat. Im Straßennamen der Krahnenstraße ist das einstige
Leben am Fluss jedoch lebendig geblieben. Mit dem direkt an der
Mosel liegenden Krahnen wurden einst Handelswaren aus Schiffen an
Land gehoben. Die Straße war über Jahrhunderte eine wichtige
Verkehrsachse ins Stadtzentrum. Mit dem Ausbau der großen
Autostraße am östlichen Moselufer veränderte sich nicht nur die
Straßenführung, auch die Optik in der Krahnenstraße wurde
aufgefrischt, mit gotischen Bauten – echt aus den siebziger Jahren.
Täglich nehmen noch heute viele Rad- sowie schlendernde Touristen
den Weg von der Innenstadt an die Mosel, der im Spätmittelalter
eine wichtige Handelsroute war und bis zum 1413 errichteten Krahnen
des Trierer Hafens führte. Im Krahnenviertel siedelten Schiffer,
Schiffsbauer und Fischer in stattlichen Bürgerhäusern in der
Nachbarschaft von großen Klöstern. In seinem Buch “Das Bürgerhaus
in Trier und an der Mosel” schreibt Klaus Freckmann: “Als Herz des
mittelalterlichen und neuzeitlichen Güterumschlages ist die
Krahnenstraße anzusehen, wo noch um 1850 Schiffer lebten.” In
typischer Bauweise standen hier diverse mehrgeschossige steinerne
Giebelhäuser. Der Stadtteil wurde in dem Moment weniger attraktiv,
als die Handelsschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung
verlor und das Viertel verarmte. Hiermit einher ging der Verfall
der Häuser, die auch immer wieder vom Hochwasser betroffen waren.
1930 schließlich wurde der Hochwasserschutzdamm fertiggestellt und
die Straße zumindest für Autofahrer zur Sackgasse. Die Barmherzigen
Schwestern vom heiligen Karl Borromäus, die 1970 Richtfest für
ihren großen Krankenhausneubau feierten, errichteten am unteren
Ende der Krahnenstraße ein Schwesternwohnheim. Hier wurden Anfang
der sechziger Jahre ebenfalls gotische Bürgerhäuser abgerissen, um
Platz für die vierspurige Schnellstraße zu schaffen. Das Schicksal
ereilte nicht nur Wohnhäuser, sondern auch die weiter nördlich
stehende imposante Mühle des Klosters St. Martin. Genau zwischen
der Krahnenstraße und der Martinsmühle stand das Haus Britanien,
auch ein gotisches giebelständiges Gebäude. Wie seine Nachbarn
stand es im Weg, es wurde abgerissen, die Autos hatten Vorfahrt.
Und doch ist dieses Haus im Stadtbild von Trier noch präsent. Das
Landesamt für Denkmalpflege forderte die Rekonstruktion des Hauses,
dessen Original nach dendrochronologischen Untersuchungen aus dem
Jahr 1337 stammt, wie in der Denkmaltopographie der Stadt Trier
nachzulesen ist. Da am Krahnenufer aus geschilderten Gründen aber
kein Platz mehr war, siedelte man das neue gotische Haus in der
Krahnenstraße 18 an. Dort standen einfache Häuser, welche aber
wegen zu großen Verfalls nicht mehr zu retten waren. Ein Artikel
aus der Trierer Landeszeitung von 1959 zeigt einen ramponierten
Straßenzug. Die Bildunterschrift macht deutlich, wie man sich die
Krahnenstraße Ende der 50er Jahre in etwa vorstellen muss: „Das
Haus ist über 500 Jahre alt und baufällig: in ihm wohnen neun
Familien mit zehn Kindern. Wohnen kann man nicht gut sagen, denn
die Räume sind ein Notquartier. […] Die Stromgebühren übersteigen
das Doppelte der Miete, weil die Einwohner wegen der Dunkelheit der
Zimmer tagsüber Licht brennen lassen müssen. Für die Kinder sind
die Wohnverhältnisse in gesundheitlicher Hinsicht alles andere als
fördernd.“ Um ein interessantes Ensemble mit dem neu entstehenden
Schwesternwohnheim zu kreieren, entschloss man sich, 1970/1971
sowohl dieses Haus als auch die beiden links davon stehenden
Giebelhäuser abzureißen. In die große Baulücke hinein wurden links
die beiden Giebelhäuser rekonstruiert, das rechte, historisch
anmutende Haus ist die Rekonstruktion des ehemals direkt am Ufer
stehenden Hauses Britanien. Das gesamte Ensemble wurde zu
Wohnzwecken für den pflegerischen Nachwuchs geplant, weswegen
hinter den historisierenden Fassaden Zweckbauten stecken. Im
Stadtmodell des Stadtmuseums Simeonstift ist das Haus Britanien an
seinem ursprünglichen Ort sowie die gesamte Uferbebauung um 1800
gut zu sehen und die damalige Topographie gut nachzuvollziehen. Das
Haus Britanien trägt seinen Namen wohl schon seit langer Zeit. Aus
dem Jahr 1904 stammt eine einleuchtende Erklärung, welche der
Beigeordnete a.D. Lück in der Trierischen Chronik liefert. Das
lateinische Wort “prytaneum” bedeutet genau wie “horrea”
„Getreidespeicher“ und stellt so die räumliche Nähe zu den
römischen Getreidespeichern im heutigen Irminenfreihof her. Die
heute durch die Krahnenstraße Flanierenden sehen also Fassaden, die
den gotischen Bürgerhäusern nachempfunden sind, die einst an dieser
Stelle standen. Dieser Eindruck, ein historisches Ensemble zu
entdecken, welches an die mittelalterlichen Glanzzeiten der
Handelsstraße erinnert, mag zwar ein falscher sein, doch ist dieser
Straßenzug einer der wenigen Triers, in der ein wenig die Zeit
stehengeblieben zu sein scheint – wären hier nicht wieder die
vielen Parkplätze.
Audio-Podcast: 5:41 min Kennen Sie… das Haus Britanien?
Trier ist die Stadt am Fluss, die den Anschluss an selbigen
verloren hat. Im Straßennamen der Krahnenstraße ist das einstige
Leben am Fluss jedoch lebendig geblieben. Mit dem direkt an der
Mosel liegenden Krahnen wurden einst Handelswaren aus Schiffen an
Land gehoben. Die Straße war über Jahrhunderte eine wichtige
Verkehrsachse ins Stadtzentrum. Mit dem Ausbau der großen
Autostraße am östlichen Moselufer veränderte sich nicht nur die
Straßenführung, auch die Optik in der Krahnenstraße wurde
aufgefrischt, mit gotischen Bauten – echt aus den siebziger Jahren.
Täglich nehmen noch heute viele Rad- sowie schlendernde Touristen
den Weg von der Innenstadt an die Mosel, der im Spätmittelalter
eine wichtige Handelsroute war und bis zum 1413 errichteten Krahnen
des Trierer Hafens führte. Im Krahnenviertel siedelten Schiffer,
Schiffsbauer und Fischer in stattlichen Bürgerhäusern in der
Nachbarschaft von großen Klöstern. In seinem Buch “Das Bürgerhaus
in Trier und an der Mosel” schreibt Klaus Freckmann: “Als Herz des
mittelalterlichen und neuzeitlichen Güterumschlages ist die
Krahnenstraße anzusehen, wo noch um 1850 Schiffer lebten.” In
typischer Bauweise standen hier diverse mehrgeschossige steinerne
Giebelhäuser. Der Stadtteil wurde in dem Moment weniger attraktiv,
als die Handelsschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts an Bedeutung
verlor und das Viertel verarmte. Hiermit einher ging der Verfall
der Häuser, die auch immer wieder vom Hochwasser betroffen waren.
1930 schließlich wurde der Hochwasserschutzdamm fertiggestellt und
die Straße zumindest für Autofahrer zur Sackgasse. Die Barmherzigen
Schwestern vom heiligen Karl Borromäus, die 1970 Richtfest für
ihren großen Krankenhausneubau feierten, errichteten am unteren
Ende der Krahnenstraße ein Schwesternwohnheim. Hier wurden Anfang
der sechziger Jahre ebenfalls gotische Bürgerhäuser abgerissen, um
Platz für die vierspurige Schnellstraße zu schaffen. Das Schicksal
ereilte nicht nur Wohnhäuser, sondern auch die weiter nördlich
stehende imposante Mühle des Klosters St. Martin. Genau zwischen
der Krahnenstraße und der Martinsmühle stand das Haus Britanien,
auch ein gotisches giebelständiges Gebäude. Wie seine Nachbarn
stand es im Weg, es wurde abgerissen, die Autos hatten Vorfahrt.
Und doch ist dieses Haus im Stadtbild von Trier noch präsent. Das
Landesamt für Denkmalpflege forderte die Rekonstruktion des Hauses,
dessen Original nach dendrochronologischen Untersuchungen aus dem
Jahr 1337 stammt, wie in der Denkmaltopographie der Stadt Trier
nachzulesen ist. Da am Krahnenufer aus geschilderten Gründen aber
kein Platz mehr war, siedelte man das neue gotische Haus in der
Krahnenstraße 18 an. Dort standen einfache Häuser, welche aber
wegen zu großen Verfalls nicht mehr zu retten waren. Ein Artikel
aus der Trierer Landeszeitung von 1959 zeigt einen ramponierten
Straßenzug. Die Bildunterschrift macht deutlich, wie man sich die
Krahnenstraße Ende der 50er Jahre in etwa vorstellen muss: „Das
Haus ist über 500 Jahre alt und baufällig: in ihm wohnen neun
Familien mit zehn Kindern. Wohnen kann man nicht gut sagen, denn
die Räume sind ein Notquartier. […] Die Stromgebühren übersteigen
das Doppelte der Miete, weil die Einwohner wegen der Dunkelheit der
Zimmer tagsüber Licht brennen lassen müssen. Für die Kinder sind
die Wohnverhältnisse in gesundheitlicher Hinsicht alles andere als
fördernd.“ Um ein interessantes Ensemble mit dem neu entstehenden
Schwesternwohnheim zu kreieren, entschloss man sich, 1970/1971
sowohl dieses Haus als auch die beiden links davon stehenden
Giebelhäuser abzureißen. In die große Baulücke hinein wurden links
die beiden Giebelhäuser rekonstruiert, das rechte, historisch
anmutende Haus ist die Rekonstruktion des ehemals direkt am Ufer
stehenden Hauses Britanien. Das gesamte Ensemble wurde zu
Wohnzwecken für den pflegerischen Nachwuchs geplant, weswegen
hinter den historisierenden Fassaden Zweckbauten stecken. Im
Stadtmodell des Stadtmuseums Simeonstift ist das Haus Britanien an
seinem ursprünglichen Ort sowie die gesamte Uferbebauung um 1800
gut zu sehen und die damalige Topographie gut nachzuvollziehen. Das
Haus Britanien trägt seinen Namen wohl schon seit langer Zeit. Aus
dem Jahr 1904 stammt eine einleuchtende Erklärung, welche der
Beigeordnete a.D. Lück in der Trierischen Chronik liefert. Das
lateinische Wort “prytaneum” bedeutet genau wie “horrea”
„Getreidespeicher“ und stellt so die räumliche Nähe zu den
römischen Getreidespeichern im heutigen Irminenfreihof her. Die
heute durch die Krahnenstraße Flanierenden sehen also Fassaden, die
den gotischen Bürgerhäusern nachempfunden sind, die einst an dieser
Stelle standen. Dieser Eindruck, ein historisches Ensemble zu
entdecken, welches an die mittelalterlichen Glanzzeiten der
Handelsstraße erinnert, mag zwar ein falscher sein, doch ist dieser
Straßenzug einer der wenigen Triers, in der ein wenig die Zeit
stehengeblieben zu sein scheint – wären hier nicht wieder die
vielen Parkplätze.
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