Der Weg zur Mitte
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Beschreibung
vor 1 Jahr
Die Passionszeit ermahnt mich, nach innen zu gehen. Jedes Jahr
aufs Neue merke ich, dass es nicht leicht geht. Lange Zeit hatte
ich nicht mehr an das Labyrinth gedacht, aber jetzt ist es mir
wieder sehr gegenwärtig und hilfreich. Wer ein Labyrinth geht
oder auch nur auf einem Blatt Papier den Labyrinthweg mit einem
Stift nachzeichnet, der merkt, dass es ein weiter Weg ist bis zur
Mitte. Da gibt es Wendungen und Überraschungen, aber dann
plötzlich ist man am Ziel, ganz innen, in der Mitte, im Herzraum.
Die Mitte, der Ort der Gottesbegegnung, der Ort, in dem die
wichtigen Entscheidungen fallen und der Ort, an dem wir am
liebsten bleiben wollen. Dass wir dort nicht bleiben können wird
sehr deutlich an der Geschichte des Petrus.
Jesus geht mit den Jüngern Johannes, Jakobus und Petrus auf den
Berg. Sie erleben wie Jesus verklärt wird. Elia und Mose, Männer
aus längst vergangener Zeit, unterhalten sich mit Jesus. Eine
Stimme vom Himmel bestätigt Jesus als Sohn Gottes. Ein ganz
besonderes Erlebnis. Petrus will diesen Augenblick unbedingt
festhalten. Er schlägt vor, Hütten dort zu bauen.
Aber auf dem Berg, in der Mitte können wir nicht bleiben. Es geht
wieder herunter vom Berg, heraus aus der Mitte, heraus aus dem
Labyrinth.
Für Petrus beginnt eine schwierige Zeit. Seine Beziehung zu Jesus
bekommt feine Risse. Er versteht nicht, warum Jesus unbedingt
nach Jerusalem will. Er versteht nicht, warum Jesus über sein
Leiden spricht. Das will Petrus unbedingt verhindern. „Das
geschehe dir nur ja nicht.“ Petrus versteht nicht, warum Jesus
ihm die Füße waschen will. Dann, bei Jesu Verhaftung im Garten
Gethsemane greift Petrus zum Schwert. Jesus ist nicht damit
einverstanden. Und zuletzt zerbricht die Stärke des Petrus
vollends. Er hatte von sich gedacht, dass er immer zu Jesus
halten würde, ja mit ihm sterben könnte. Im entscheidenden
Augenblick verleugnet er Jesus dreimal. Der Weg aus dem Labyrinth
heraus führt uns zur Barmherzigkeit und zur Demut. Petrus weiß
jetzt um sein Scheitern.
Nach Kreuzigung und Auferstehung Jesu hat Petrus wieder eine
Erfahrung der Mitte. Eines Morgens steht Jesus plötzlich am
Ufer. Er fragt die Jünger: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“
Dann wendet sich Jesus ganz allein Petrus zu und fragt ihn:
„Petrus liebst du mich?“ Dreimal fragt Jesus. Ein gereifter
Petrus, der um sein Versagen und sein Scheitern weiß, kann
dreimal sagen: „Ja Herr, ich liebe dich.“ Petrus erhält eine neue
Berufung.
Auf dem weiten Weg durch die Passionszeit grüße ich ganz
herzlich,
ihre und eure
Traudel Krause
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