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Auf Buchfühlung Archiv

89 Episoden
46 Minuten
Diesen Podcast-Sommer haben wir dem Thema “kreative Kollektive” gewidmet und gehen mit unseren Gästen der Frage nach Zusammenarbeit, Support und Miteinander in der Literatur und Kultur nach. Nach einem Gesprächen mit Kaska Bryla und Eva Schörkhuber vom Autorinnenkollektiv PS - Politisch Schreiben treffen wir heute die beiden Autoren Raoul Eisele und Martin Peichl im LOT, auf das wir in der Folge natürlich kurz zu sprechen kommen. Raoul Eisele ist 1991 in Eisenstadt geboren und lebt in Wien, wo er auch Komparatistik und Germanistik studiert hat. In diesem Jahr erschien bereits sein zweiter Lyrikband, "einmal hatten wir schwarze Löcher gezählt" im Berliner Verlag Schiler & Mücke, davor - 2017 - “morgen glätten wir träume” in der Edition Yara. Raoul hat mehrere Preise und Stipendien erhalten, u. a. 2020 das Startstipendium für Literatur der Stadt Wien. Er war Artist in Residence im Salzburger Künstler*innenhaus und 2021 brachte ihm gleich mehrere Schreibaufenthalte. Martin Peichl ist 1983 im Waldviertel geboren; heute lebt und schreibt er in Wien. Für sein literarisches Schaffen hat Martin unter anderem den Limburg-Preis 2019 sowie das Hans-Weigel-Stipendium und das Wiener Literaturstipendium erhalten. Am 13. September erscheint sein aktuelles Buch “Gespenster zählen”, übrigens auch ein Kooperationsprojekt - nach dem Roman "Wie man Dinge repariert" und dem Band "In einer komplizierten Beziehung mit Österreich - Bierdeckelgeschichten" ist es schon dein drittes Buch.
1 Stunde 7 Minuten
In den vergangenen Monaten haben wir mit unseren Gästen häufig über Kanon und Konkurrenz, über Hierarchien und Marginalisierung im Literaturbetrieb gesprochen. Diesen Sommer möchten wir in einer kleinen Reihe von Gesprächen Autor*innen und Künstler*innen zu Wort kommen lassen, die auf unterschiedliche Weise einen Gegenentwurf zu ausschließendem Konkurrenzdenken und dem Erfolgsstreben des einzelnen “Genies” leben. Wir widmen uns kreativen Kollektiven - in ganz verschiedenen Ausformungen und mit unterschiedlichen Zielsetzungen und Arbeitsweisen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie das kreative Potenzial von Gemeinschaft nutzen. Das erste Gespräch dieser Reihe führten wir mit Kaśka Bryla und Eva Schörkhuber, beide sind Teil des Netzwerks und der Redaktion der 2015 gegründeten Zeitschrift PS. Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch Schreiben, deren sechste Ausgabe am 8. Juni 2021 im Literaturhaus Wien präsentiert wurde. An dem Abend, von dem ihr im Laufe dieser Folge immer wieder O-Töne hören werdet, lasen Eva Geber, Julia Knaß, Kaśka Bryla und Jessica Beer und es moderierten Jiaspa Fenzl und Eva Schörkhuber. Kaśka Bryla ist zwischen Wien und Warschau aufgewachsen. Nach einem VWL-Studium in Wien, hat sie das das Deutsche Literaturinstitut ist Leipzig besucht und dort 2015 die PS 2015 mitbegründet. Darüber hinaus gibt sie Kurse zum kreativen Schreiben in Gefängnissen und für Menschen mit Migrationshintergrund, arbeitet derzeit mit dem ongoing project Theater Leipzig an einem Projekt mit dem Titel Das verkommene Land sowie nach Roter Affe an ihrem zweiten Roman, der im nächsten Jahr im Residenz Verlag erscheinen wird. Eva Schörkhuber hat Germanistik und Komparatistik in Wien und Marseille studiert und arbeitet als Herausgeberin, Lektorin, Dramaturgin, Autorin und Literaturwissenschaftlerin. 2021 ist ihr dritter Roman, Die Gerissene in der Edition Atelier erschienen, er folgte auf die Romane Nachricht an den Großen Bären (2017) und Quecksilbertage (2014), darüber hinaus die Erzählung Die Blickfängerin (2013). Daneben arbeitete Eva an mehreren Anthologien mit, u. a. an einer mit Beiträgen zu 100 Jahren Frauenwahlrecht.
1 Stunde 17 Minuten
2020 jährte sich der Geburtstag der österreichischen Schriftstellerin Marlen Haushofer zum 100. Mal. Haushofer gilt neben Ingeborg Bachmann und Ilse Aichinger als eine der bedeutendsten österreichischen Schriftstellerinnen der Nachkriegszeit, dennoch wurde gerade im Jahr des Doppeljubiläums 2020 z. B. durch das Fehlen einer Werkausgabe, auf das wir in der Folge zu sprechen kommen, besonders deutlich, dass sie dennoch nicht die Rolle in der Literaturgeschichte spielt, die ihr zustünde. Widersprüchlich ist nicht nur die Rezeption der Autorin, voll von Widersprüchen scheint sie auch selbst gewesen zu sein. Daniela Strigl schreibt in ihrer Biographie: “Marlen Haushofer durchschaute alles und tat nichts. Sie kritisierte die Welt feministisch und blieb Hausfrau. Sie war freundlich und einnehmend und verfügte doch über so manchen Widerhaken [...]. Sie war bescheiden und selbstbewußt, angepaßt und widerspenstig, sanft und zornig, depressiv und humorvoll, leidenschaftlich und nüchtern, ehrgeizig und menschenscheu [...]. Diese Widersprüche ließen und lassen sich nicht auflösen, nicht zu einem glatten Bild einebnen. Die ‚wahre Marlen Haushofer‘ gibt es nicht. Letztlich ist jedes Leben ein Geheimnis. Und das ist gut so.” In unserer REVISITING-Reihe stellen wir euch in unregelmäßigen Abständen das Werk eines bekannten Autors / einer bekannten Autorin aus Österreich – und fallweise auch darüber hinaus – vor und sprechen mit Expertinnen und Experten. Den Auftakt hat eine Folge über Thomas Bernhard im Februar gemacht, diesmal wollen wir euch Marlen Haushofer und ihr Werk näherbringen und sprechen dazu im zweiten Teil der Episode mit der Germanistin, Literaturkritikerin und Haushofer-Biographin Daniela Strigl über die Autorin. Marlen Haushofer, Fotografie, Linz 1935. (c) Sybille Haushofer. Teilnachlass Marlen Haushofer, OÖ. Literaturarchiv / Adalbert-Stifter-Institut des Landes Oberösterreich.
36 Minuten
Mit der Autorin und Verlegerin Katy Derbyshire schließen wir unseren Schwerpunkt zum Thema Sprachen ab. Mit ihr werfen wir einen Blick nach Großbritannien und schauen uns an, welche Schritte sie und ihr Verlag V&Q Books gegen den kulturellen Bruch mit Europa unternommen haben. Katy ist in Großbritannien geboren, lebt seit vielen Jahren in Berlin und übersetzt zeitgenössische deutsche Belletristik ins Englische. Ihre Übersetzung von Bricks and Mortar (Im Stein) von Clemens Meyer wurde 2017 für den Man Booker Prize nominiert und gewann 2018 den Straelener Prize for Translation. Derbyshire war überdies Jurymitglied des Internationalen Literaturpreises in Deutschland und des International Dublin Literary Award. Sie war nicht nur maßgeblich an der Einrichtung des seit 2017 jährlich vergeben Warwick-Preises für Übersetzerinnen beteiligt, sondern unterstützte auch die Women in Translation-Bewegung und die Gründung des Women in Translation Month. In unserem Gespräch mit Katy Derbyshire geht es vor allem über ihre kürzlich begonnene Tätigkeit als Verlegerin, denn im Herbst 2020 erschien der erste aus dem deutschsprachigen Raum ins Englische übersetzte Titel im Verlag V & Q Books, dessen Schwerpunkt auf dem Vertrieb in Großbritannien und Irland fokussiert. Als britischer Ableger des unabhängigen deutschen Verlags Voland & Quist veröffentlicht V & Q Books 5 bis 6 Titel pro Jahr und will damit dazu beitragen, die durch den Brexit größer gewordene Kluft zwischen den EU-Ländern und Großbritannien zu überbrücken. Katy setzt sich aber auch stark mit den Geschlechterverhältnissen im Literaturbetrieb, speziell im Bereich der Übersetzungen, auseinander - auch darüber und über einiges mehr wollen wir heute mit ihr sprechen.
1 Stunde 30 Minuten
Clemens J. Setz gilt als einer der unberechenbarsten und vielseitigsten Autoren der Gegenwart. Neben Romanen wie Indigo (2012) oder Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (2015) verfasst er Erzählungen, Theaterstücke, journalistische Texte, Lyrik - die er übrigens vornehmlich auf Twitter veröffentlicht - und ist als Übersetzer tätig. Für seine Werke wurde er vielfach ausgezeichnet, zuletzt u. a. mit dem renommierten Kleist-Preis. Wir haben Clemens Setz eingeladen, mit uns über sein neues Werk, Die Bienen und das Unsichtbare, zu sprechen. Er geht darin der Erfindung von Sprachen wie Esperanto, Blissymbolycs, Klingonisch oder Volapük nach und erzählt Anekdoten rund um diese Plansprachen, verwebt aber auch seine eigene, ganz persönliche Geschichte mit diesen Erzählungen. Es gelingt ihm auf großartige Weise, ein scheinbar abseitiges Thema originell und spannend aufzubereiten und gleichzeitig viel mehr zu liefern, als spröde Informationen über Sprachen, die heute scheinbar nur mehr als “nerdiges” Hobby gelernt und gesprochen werden.
39 Minuten
Nachdem wir zuletzt mit Omar Khir Alanam über seine Erfahrungen mit der deutschen Sprache und der österreichischen Kultur gesprochen haben, und auch die in Sarajevo geborene und in Wien lebende Übersetzerin, Dolmetscherin und Autorin Mascha Dabić bei uns zu Gast war, sprechen wir in dieser Folge mit der freien Autorin, Literaturwissenschaftlerin, Sprachtrainerin und Gründerin der Literaturplattform Litrobona, Barbara E. Seidl. In ihren Forschungsprojekten setzt sie sich mit literaturwissenschaftlicher Emotionsforschung und Mehrsprachigkeit in der Literatur auseinander, 2018 leitete sie einen Workshop zu kreativen Sprachbiographien. Ihre literarischen Texte verfasste sie bisher zumeist auf Englisch und hat auch den Versuch gestartet, sich selbst zu übersetzen. Darüber und über viele weitere Themen sprechen wir mit Barbara in der neuen Episode von Auf Buchfühlung. Es erwartet euch jedoch nicht nur eine neue Schwerpunkt-Folge zum Thema Sprache, sondern auch das akustische Aufeinandertreffen zweier junger Literaturprojekte: Litrobona und Auf Buchfühlung. Denn Barbara ist heute nicht nur als Autorin und Literaturwissenschaflterin bei uns im Podcast zu Gast, sondern sie erzählt uns auch über ihre Literaturplattform Litrobona. Mehr zu ihren literarischen und wissenschaftlichen Projekten findet ihr unter https://beseidl.com sowie auf https://litrobona.com.
1 Stunde 8 Minuten
Omar Khir Alanams Muttersprache ist Arabisch, eine Sprache, die sehr facettenreich, voller Metaphern und sprachlicher Bilder ist. Seit 2014 lebt er in Österreich, seit einigen Jahren schreibt und performt er auf Deutsch. Wir haben uns und schließlich den in Graz lebenden Autor Omar Khir Alanam gefragt wie der Schreibprozess bei ihm eigentlich abläuft. Wir wollten wissen, wie eigentlich der Schaffensprozess eines Autor aussieht, dessen Muttersprache eine ganz andere ist? Ist da das Schreiben dann ein kontinuierliches hin und her übersetzen, oder ist das Schreiben dann ein Prozess, der nur in einer Sprache funktioniert? Ist man eigentlich mit Kritik von Seiten der Gesellschaft konfrontiert, wenn man als Autor die österreichische Gesellschaft kritisch kommentiert und wie ist es ihm überhaupt gelungen das Schreiben und Performen zum Beruf zu machen. Omar Khir Alanam ist in einem Vorort von Damaskus geboren. Er hat dort sowie in Latakia Betriebswirtschaftslehre studiert, bevor ihn der Krieg zur Flucht über den Libanon in die Türkei zwang. Denn er hatte, so schildert er es eindrücklich in seinem Buch, Danke! Wie Österreich meine Heimat wurde, nur drei Möglichkeiten: in al-Assads Armee zu töten, als Wehrdienstverweigerer getötet zu werden, oder aus Syrien zu flüchten. Seit November 2014 lebt er in Österreich, genauer gesagt in Graz. Nur drei Jahre später gewann er den dritten Platz bei den österreichischen Poetry Slam-Meisterschaften. Er publizierte zahlreiche Texte in Literaturzeitschriften und gibt Workshops zu Flucht und Migration, aber auch zu Poetry Slam und literarischem Schreiben. 2020 erschien nach Danke und dem Lyrikband Auf der Reise im Dazwischen bereits sein drittes Buch. Sisi, Sex und Semmelknödel ist in der edition a erschienen und ist nichts weniger als eine Erkundung der österreichischen Seele aus arabischer Sicht. Schon in Danke schildert Omar seinen Weg nach Österreich und sein neues Leben in Österreich, berichtet unter anderem auch vom Spracherwerb und dem Schreiben, das ihn in Syrien schon begleitet hat und das er jetzt zum Beruf gemacht hat. Wir haben uns Ende März auf den Weg nach Graz gemacht, um unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnahmen, persönlich mit Omar zu sprechen.
1 Stunde 14 Minuten
Für das Auftaktgespräch zu unserem Schwerpunkt “Zur S(pr)ache” konnten wir die in Sarajevo geborene und in Wien lebende Übersetzerin, Dolmetscherin und Autorin Mascha Dabić gewinnen. Sie studierte Translationswissenschaft sowie Politikwissenschaft, arbeitet als Dolmetscherin im Asyl- und Konferenzbereich, aber auch in der Psychotherapie und lehrt am Institut für Translationswissenschaft der Uni Wien. Daneben ist sie als Literaturübersetzerin tätig und hat Werke von Barbi Marković ebenso ins Deutsche übertragen wie von Goran Ferčec, Emir Kosturica, Damir Ovčina und anderen. 2017 ist ihr Roman Reibungsverluste im Verlag Edition Atelier erschienen, in dem sie aus dem Leben einer Dolmetscherin erzählt und deren Wahrnehmung und Erfahrungen in diesem Arbeitsbereich schildert. In der literarischen Form gelingt es ihr aufzuzeigen, wie Übersetzen und Dolmetschen funktioniert, welche Denkprozesse stattfinden, während ein Text von einer Sprache in eine andere ver-mittelt wird. „Reibungslos“, so heißt es im Roman, „sollte die Kommunikation [beim Dolmetschen] ablaufen, das war das Ideal, keine Reibung, keine Verluste.“ Darüber, ob das möglich ist, warum sie einen Roman darüber geschrieben hat und über vieles mehr durften wir am 18. März via Skype mit Mascha Dabić sprechen.
1 Stunde 27 Minuten
Kaśka Bryla hat mit "Roter Affe" einen Roman verfasst, der die gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit kaleidoskopartig einfängt und mit den großen, überzeitlichen Fragen in Verbindung bringt. Es geht um Fluchtursachen und Auswirkungen von Migration, um Krankheit, Suizid, die politische Situation in Polen, den Antisemitismus in Osteuropa, Polizeigewalt, um Täter- und Opferschaft, Schuld und Sühne und nicht zuletzt um Freundschaft. Das ist ganz schön viel – eben so, wie die gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart ganz schön viele sind. Der Autorin gelang es, trotz der Themen oder gerade mit diesen Themen einen spannenden, psychologisch intensiven, sprachlich starken Text zu schreiben über den wir am 19. Februar via Skype mit ihr gesprochen haben. Kaśka Bryla ist in Wien geboren und dort sowie in Warschau aufgewachsen. Sie hat nach einem VWL-Studium in Wien am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert. Seitdem lebt sie abwechselnd in Leipzig und Wien und hat mit Kommilitoninnen die Zeitschrift "PS. Politisch Schreiben. Anmerkungen zum Literaturbetrieb" gegründet, für die sie regelmäßig schreibt. Auch für das feministische Magazin "an.schläge" war sie als Redakteurin tätig. Darüber haben wir mit der Autorin ebenso gesprochen wie über ihre Schreibworkshops für Gefängnisinsassen sowie für Frauen mit Migrationserfahrung, über die Bedeutung des Kollektivs, das Zusammenleben mit Tieren, Perspektivwechsel (in der Literatur und überhaupt) – und natürlich über ihren Debütroman "Roter Affe", der 2020 im Residenz Verlag erschienen ist.
1 Stunde
Auf BuchFRÜHLING – Das waren Herbst und Winter, was bringt der Frühling 2021? Mit Veronika Schuchter und den Verlagen Residenz, Jung und Jung und dem Verbrecher Verlag Es mag meteorologisch noch eine Weile Winter sein, sobald die Verlagsvorschauen eintrudeln ist aber klar: alle Zeichen stehen auf Frühling – jedenfalls im Literaturbetrieb. Wir werfen deshalb in dieser Folge einen Blick zurück auf den Herbst und Winter und haben bei Veronika Schuchter vom Innsbrucker Zeitungsarchiv nachgefragt, was sich im letzten halben Jahr in den Feuilletons getan hat. Im zweiten Teil der Episode schauen wir auf den Bücherfrühling 2021 und haben drei Verlage gebeten, uns ihr Frühjahrsprogramm kurz vorzustellen: Den Auftakt macht Jessica Beer, die die Programmleitung Literatur des Residenz Verlags mit Sitz in Salzburg und Wien inne hat. Sein 20jähriges Bestehen feiert heuer der Salzburger Jung und Jung Verlag. Wir haben deshalb auch bei Anna Jung nachgefragt, mit welchen Büchern dieses Jubiläum begangen wird. Ausgerechnet im Krisenjahr 2020 feierte der Berliner Verbrecher Verlag sein 25-jähriges Jubiläum. Das Verleger-Ehepaar Kristine Listau und Jörg Sundermeier wirft schließlich mit uns einen Blick zurück auf die spannende Verlagsgeschichte und stellt uns die Bücher vor, mit denen der Verlag den Frühling einläutet. Eine ähnlich angelegte Folge wird es auch im Herbst – und von jetzt an regelmäßig zweimal jährlich geben – dann mit jeweils anderen Verlagen.
1 Stunde 15 Minuten
Am 9. Februar 1931 wurde Thomas Bernhard geboren. Er gilt heute, 90 Jahre später, als einer der international bedeutendsten Autoren aus Österreich. Grund genug für uns, mit ihm eine neue Reihe innerhalb unseres Podcasts zu eröffnen: In unregelmäßigen Abständen wollen wir uns für euch das Werk einer bekannten Autorin oder eines bekannten Autors aus Österreich – und fallweise auch darüber hinaus – vornehmen und euch einen Einblick geben. Wir werden mit Expertinnen und Experten sprechen und euch einzelne Werke vorstellen. Wer war Thomas Bernhard? Ein Klassiker der Weltliteratur, stolzer Traktor-Besitzer, skandalumwitterter Theaterautor, Schuhfetischist, Anti-Heimat-Literat, Weltverbesserer, Übertreibungskünstler, beinahe-Burgtheaterdirektor, Störenfried, in höchstem Maß polarisierend und österreichisches Phänomen. Hinter jedes dieser Schlagwörter, die den Autor natürlich – oder, um in seinem Vokabular zu bleiben: naturgemäß nicht zu fassen vermögen, könnte man ein Fragezeichen setzen. Wir versuchen, uns ihm über fünf kurze Prosatexte anzunähern, die als seine Autobiographischen Schriften im Residenz Verlag erschienen sind. Im zweiten Teil der Folge sprechen wir mit dem Salzburger Germanisten und Bernhard-Biographen Dr. Manfred Mittermayer. Auf über 400 Seiten hat der Leiter des Literaturarchivs Salzburg Leben und Werk des Autors in eine große Erzählung gefasst, die die Vielschichtigkeit des öffentlichen Thomas Bernhard, aber auch die privaten Lebensstationen nachzeichnet und alles das in Bezug zur österreichischen Nachkriegsgeschichte setzt, die untrennbar mit Thomas Bernhard und seinem Werk verbunden ist.
1 Stunde 2 Minuten
Mit Hippocampus hat die in Wien geborene und in Niederösterreich lebende Autorin Gertraud Klemm einen feministischen Revenge-Roadtrip geschrieben, bei dem das feministische 68er Urgestein Elvira Katzenschlager und ihr junger Sidekick Adrian, mit einem alten VW-Bus auf einen Rachefeldzug durch Österreich und bis nach Süditalien gehen. Im Namen der mit Elvira befreundeten, erst kürzlich verstorbenen Autorin Helene Schulze, die von der Kritik nie die Aufmerksamkeit geschenkt bekommen hat, die ihrem Werk zugestanden hätte, legen die beiden bei ihrem feministischen Kreuzzug 12 Station weiblicher Demütigung - zugefügt vom patriarchal geprägten Literaturbetrieb - in aktionistischen Kunstinstallationen offen. Dabei wird die viel zu klein ausgefallene Bachmann Statue in Klagenfurt ebenso bedacht wie das Penismuseum in Neapel. Es geht um den männlich dominierten Buchmarkt, der Werke von Frauen allenfalls mit dem Siegel “Fräuleinwunder” betiteln mag und darum, dass Künstlerinnen-Biografien da enden, wo das erste Kind geboren wird. Es geht um Literatur von Frauen in einer von Männern dominierten Welt. Hippocampus ist 2019 bei Kremayr & Scheriau erschienen.
60 Minuten
Mareike Fallwickl ist überzeugt davon, dass Bookstagram die deutlich heilere und wohlwollendere Welt im ansonsten rauen Umfeld der klassischen Literaturkritik ist. “Das Feuilleton konzentriert sich sehr auf Verrisse. Ich persönlich kann immer weniger verstehen, dass man den Platz auf einer Seite in der Zeitung - der ohnehin schrumpft und schrumpft und schrumpft - dafür nutzt, Bücher, Autorinnen und Autoren schlecht zu machen. Ich will doch eigentlich wissen, was ich lesen soll und nicht, was an einem Buch besonders schlecht ist. Auch die männliche Dominanz im Feuilleton und generell im gesamten Literaturbetrieb, bei Verleger*innen, Literaturagent*innen etc. war Thema unseres Gesprächs. Dabei beziehen wir uns selbstverständlich auch und sehr eingehend auf Mareike Fallwickls Roman “Das Licht ist hier viel heller”. Aus mehreren Perspektiven erzählt sie die Geschichten des ehemaligen Bestseller Autors Max Wenger, der, angekommen in einer deutlich kritischeren Gesellschaft, noch immer einer jener lauten, dominanten able bodied weißen Männer ist, die ihre Machtposition, wo auch immer es geht, ausnutzen. Kontrapunktisch zu seiner Geschichte erzählt Fallwickl aber auch die Geschichte seiner Tochter Zoey, die sich in einer kritischen Phase ihres Erwachsenwerdens auf der einen Seite erfolglos um die Liebe und das Interesse ihrer Eltern bemüht und auf der anderen Seite alleine mit einem sexuellen Übergriff umgehen muss. Und sie erzählt, in Form von wortgewaltigen Briefen, die in Wengers neuer Wohnung einlangen und eigentlich an seinen Vormieter adressiert sind, die Geschichte einer Buchhändlerin, die ebenfalls mit sexuellen Übergriffen und männlicher Dominanz konfrontiert war. Mareike Fallwickl wurde 1983 in Hallein bei Salzburg geboren und arbeitet als Texterin und Literaturbloggerin. 2018 erschien ihr literarisches Debüt »Dunkelgrün fast schwarz« in der Frankfurter Verlagsanstalt, das für den Österreichischen Buchpreis sowie das »Lieblingsbuch der Unabhängigen« nominiert wurde.”Das Licht ist hier viel heller” erschien vor ziemlich genau einem Jahr ebenfalls in der Frankfurter Verlagsanstalt. Und unter dem Namen The Zuckergoscherl ist Mareike Fallwickl auf Instagram bekannt. Ihre Rezensionen, die in Stories und Beiträgen nahezu täglich erscheinen, bieten Tausenden Menschen Lektüretipps.
1 Stunde 24 Minuten
Ihr habt die Bücher unserer Gäste des (fast) vergangenen Jahres schon alle gelesen? Ihr seid auf der Suche nach den ultimativen Buchtipps für Weihnachten? Ihr vermisst die Empfehlungen eure*r lockalen Buchhändler*in im Lockdown und seid verzweifelt auf der Suche nach guten Büchern? Die gute Nachricht ist: wir haben für euch gesammelt! Alle unsere Gäste haben uns einige ihrer Favoriten kurz vorgestellt und wir freuen uns, sie jetzt mit euch teilen zu dürfen und damit gleichzeitig einen Blick zurück auf unser erstes Podcast-Jahr zu werfen.
35 Minuten
Kann man sich an Krimis sattlesen? Natürlich nicht! Davon ist die Krimiexpertin Kirsten Reimers überzeugt. Und weil sie nicht nur privat, sondern auch professionell am Krimi interessiert ist, betreibt die promovierte Germanistin nicht nur die Seite mord-und-buch.de, sondern gibt auch den Krimidetektor heraus, Der Krimidetektor ist eine internationale Presseschau für Kriminalliteratur. Seit 2019 ist sie außerdem Sprecherin und Organisatorin des Deutschen Krimipreises. Kirsten Reimers studierte in Göttingen, Hamburg und Gießen. An der Elbe lebt und arbeitet sie inzwischen als freie Literaturkritikerin, u. a. für den Deutschlandfunk, den Freitag und andere Medien. Sie ist als Lektorin und Übersetzerin tätig, eingeladen haben wir sie in diese Folge von Auf Buchfühlung aber vor allem deshalb, weil sie DIE Krimi-Expertin schlechthin ist: