Geschichte(n) hören Archiv
547 Episoden
1 Stunde 14 Minuten
Unter strenger Geheimhaltung hat die Bundesrepublik bis 1989 rund 250.000 Deutschstämmige aus dem kommunistischen Rumänien freigekauft. Die Geheimsache «Kanal» begann 1968 und kostete die Bundesrepublik Millardenbeträge. Diesem weitgehend unbekannten Thema widmet sich der Dokumentarfilm "Deutsche gegen Devisen. Ein Geschäft im Kalten Krieg" des MDR, der in einer gemeinsamen Veranstaltung von MDR, Deutscher Gesellschaft und Bundesstiftung Aufarbeitung am 8. Januar 2014 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Im Anschluss sprachen der damalige deutsche Verhandlungsführer Dr. Heinz-Günther Hüsch, der Autor der TV-Dokumentation Răzvan Georgescu und der Zeitzeuge Helmuth Frauendorfer mit Moderatorin Dr. Katja Wildermuth über die wohl größte Freikaufaktion nach dem Zweiten Weltkrieg.
1 Stunde 55 Minuten
1989 war alles anders: Nach einer Phase der Hochrüstung zu Beginn der 1980er Jahre hatte Michael Gorbatschow die Breschnew-Doktrin und damit das imperiale Hegemoniestreben der Sowjetunion aufgegeben. Auch für Honecker sollten keine russischen Panzer mehr rollen. Die Menschen in der DDR erkannten ihre Chancen. Erst langsam und tastend, dann aber schnell und nachdrücklich beseitigten sie die SED-Herrschaft. Podiumsdiskussion mit: Schriftsteller György Dalos, Historiker Prof. Dr. Jürgen Kocka, Historiker Prof. Dr. Wilfried Loth und mit dem letzten Außenminister der DDR und Ratsvorsitzenden der Bundesstiftung Aufarbeitung Markus Meckel. Moderation: Harald Asel.
1 Stunde 50 Minuten
Den neuesten Band der Buchreihe »Erinnerungsorte an die kommunistischen Diktaturen« hat die Bundesstiftung Aufarbeitung dem Gedenken an die Opfer von Katyń gewidmet. Katyń steht nicht nur für den Mord an etwa 22.000 polnischen Offizieren und Intellektuellen durch die Sowjetunion 1940, sondern verdeutlicht auch, wie die Erinnerung an kommunistische Verbrechen politisch missbraucht wurde. Die ausgewiesenen Experten Claudia Weber und Heinrich Olschowsky diskutierten gemeinsam mit Bernd Faulenbach über die "schwierige Erinnerung" an die Verbrechen der beiden diktatorischen Systeme: Wie stellen wir uns in Deutschland und Polen unserer totalitären Vergangenheit? Welche Abgrenzungen zwischen Nationalsozialismus, Stalinismus und kommunistischer Diktatur sind dabei zu ziehen? Moderation: Dr. Helga Hirsch.
1 Stunde 55 Minuten
Eine massiv verschärfte Rüstungspolitik offenbarte zu Beginn der 1980er-Jahre das Heraufziehen eines »zweiten Kalten Krieges« zwischen den Supermächten. Die Stationierung neuer sowjetischer Mittelstreckenraketen (SS-20) und die von der Bundesregierung Schmidt initiierte Reaktion der NATO mit ihrem »Doppelbeschluss«, der dann von der Bundesregierung Kohl realisiert wurde, erhöhte die Spannungen zwischen den politischen Blöcken, zugleich regte sich Widerstand. So entwickelten sich sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR starke Friedensbewegungen. Im Laufe der Jahre kam es dabei über die Systemgrenzen hinweg auch zu gemeinsamen Aktionen. Wie aber konnte es zivilgesellschaftlichen Bewegungen überhaupt gelingen, trotz der schier unüberwindlichen Mauer gemeinsam politische Themen auf die Agenda zu setzen, auf welche Widerstände trafen sie und welche Folgen hatte ihr Agieren? Auf dem prominent besetzten Podium diskutierten: Otto Schily, Prof. Dr. Rupert Scholz, Prof. Dr. Dieter Klein, Ruth Misselwitz, Prof. Dr. Michael Wolffsohn. Moderation: Margit Miosga.
1 Stunde 40 Minuten
Zehntausende Mädchen und Jungen kamen unter widrigsten Bedingungen im sowjetischen Gulag zur Welt. Im Rahmen einer groß angelegten Studie hat der Berliner Historiker Meinhard Stark mehr als 100 Gulag-Kinder sowie einige ihrer Mütter und Väter nach ihren biografischen Erfahrungen befragt. Bei der Veranstaltung "Vergessene Opfer: Kinder des Gulag" wurde die Studie am 24. September 2013 gemeinsam vom Berliner Metropol-Verlag und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur vorgestellt. Beim Gespräch berichteten die Zeitzeugen Horst Hennig und Konrad Rayß von ihren persönlichen Erlebnissen im sowjetischen Gulag. Moderation: Dr. Jens Hüttmann (Bundesstiftung Aufarbeitung)
1 Stunde 44 Minuten
Der Weg zum deutsch-deutschen Kulturabkommen von 1986 war lang und mühsam. Seit 1973 war verhandelt worden. Vor allem die Biermann-Ausbürgerung und der Konflikt um die Rückführung von Kulturgütern verhinderten lange Zeit ein offizielles Abkommen zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Die jeweiligen politischen Ziele widersprachen sich grundlegend: Die DDR wollte ihr internationales Ansehen steigern und zugleich ihre These der zwei deutschen Kulturnationen unterstreichen. Die Bundesrepublik ging dagegen weiterhin von einer Nation mit unteilbarer Kultur aus und zielte darauf ab, den nationalen Zusammenhalt zu erhalten sowie durch Kunst und Kultur einen gesellschaftlich-politischen Wandel in der DDR zu befördern. Aus Angst vor westlicher Einflussnahme wurde der Kulturaustausch zwischen den beiden deutschen Staaten von der SED-Führung ideologisch überfrachtet und umfassend reglementiert. Die Möglichkeiten der kulturellen Präsentation westdeutscher Akteure in der DDR sowie ostdeutscher Kulturträger im Westen waren daher weitgehend abhängig von der Genehmigungspraxis Ost-Berlins.
Vortrag: Prof. Dr. Günther Rüther. Podiumsdiskussion mit Heinz Eilers, Elmar Faber, Rolf Schneider, Prof. Dr. Günther Rüther. Moderation: Maria Ossowski.
Vortrag: Prof. Dr. Günther Rüther. Podiumsdiskussion mit Heinz Eilers, Elmar Faber, Rolf Schneider, Prof. Dr. Günther Rüther. Moderation: Maria Ossowski.
1 Stunde 40 Minuten
Gemeinsam mit dem Aufbau Verlag präsentierte die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur die Lebenserinnerungen von Sonja Friedmann-Wolf. Als Kind jüdischer Emigranten kam Friedmann-Wolf 1934 in die Sowjetunion und wurde nur wenige Jahre später in die Verbannung nach Kasachstan geschickt. Nach mehr als fünf Jahrzehnten erscheint der Band "Im roten Eis - Schicksalswege meiner Familie 1933-1958" 2013 erstmals im Aufbau Verlag. Aus dem Buch las die Schauspielerin Fritzi Haberlandt. Die Lesung wurde von einem Podiumsgespräch umrahmt, in dem die Herausgeber, Reinhard Müller und Ingo Way sowie die Tochter der Autorin, Ester Noter, vom Schicksal Sonja Friedmann-Wolfs und der Entstehungsgeschichte des Buches berichteten. Dr. Ulrich Mählert von der Bundesstiftung Aufarbeitung moderierte das Gespräch.
1 Stunde 25 Minuten
Am 4. September 2013 fand in Kooperation mit der asisi GmbH die mittlerweile 10. Zeitgeschichtliche Sommernacht der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur statt. Sie stand unter dem Motto "ÜBER DIE MAUER...LEBENSWEGE - LEBENSTHEMEN". Inmitten des eindrucksvollen Panoramabildes "Die Mauer" von Yadegar Asisi sprachen im Panometer am Checkpoint Charlie die Schriftstellerin Annett Gröschner sowie die Künstler Yadegar Asisi und Thierry Noir darüber, wie das monströse Bauwerk ihr Leben und Schaffen geprägt hat und auch weiterhin bestimmt. Es moderierte Winfried Sträter (Deutschlandradio Kultur). Die Begrüßungsansprache hielt Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung.
2 Stunden 2 Minuten
Im offiziellen politischen Diskurs der beiden deutschen Staaten hatten Rassismus und biologistische Vorstellungen über die Ungleichwertigkeit von Menschen keinen Platz mehr. Im Alltagsleben und in den Institutionen verschwand die Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt hingegen nicht: Menschen wurden auch nach dem Ende der NS-Herrschaft aufgrund ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung, Behinderung oder Religion verfolgt und drangsaliert. Allein seit der deutschen Einheit im Jahr 1990 töteten Nazis über 250 Kinder, Frauen und Männer. Welche Ursachen besaßen Rassismus und Anti-Pluralismus im angeblich »antifaschistischen Staat« der SED? Welche Unterschiede und Parallelen zur alten Bundesrepublik existierten? Wie stellt sich die Situation heutzutage im Ost-West-Vergleich dar, welche Ansätze bildungspolitischer und sozialtherapeutischer Intervention sind erfolgsversprechend? Es diskutierten: Dr. Harry Waibel (Historiker und Autor einschlägiger Publikationen zum Thema), Anetta Kahane (Amadeu-Antonio-Stiftung) und Prof. Dr. Wilfried Schubarth (Erziehungswissenschaftler, Universität Potsdam). Moderation: Justus Kliss (rbb).
1 Stunde 25 Minuten
Drei Monate nachdem die SED-Führung die Schließung der innerstädtischen Grenze in Berlin befohlen hatte, und die Berliner Mauer die deutsche Teilung für die nächsten 28 Jahre zementierte, nahm im niedersächsischen Salzgitter die »Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen für DDR-Unrecht« ihre Arbeit auf. Bis 1992 registrierte sie über 42.000 Gewaltakte in der DDR, darunter Hinweise auf vollendete oder versuchte Tötungshandlungen, Unrechtsurteile aus politischen Gründen, Misshandlungen im Strafvollzug oder politische Verfolgung in der DDR. In Salzgitter wurde die Unmenschlichkeit im anderen Teil Deutschlands dokumentiert und aktenkundig gemacht. Erfuhr die westdeutsche Gesellschaft von den Unrechtstaten in der DDR? Wie nahmen Politik, Medien und Gesellschaft in der Bundesrepublik das in der DDR geschehene Unrecht wahr, und wie reagierten sie darauf? Welchen Blick warf die westdeutsche Wissenschaft auf die DDR? Diese und andere Fragen standen im Fokus des Podiumsgesprächs, das im Anschluss an die Berlin-Premiere des Dokumentarfilms zur Unrechtserfassungsstelle Salzgitter stattfand. Es diskutierten: Dr. Hans-Jürgen Grasemann, Roland Jahn, Thomas Raufeisen, Dr. Jens Hüttmann. Moderation: Sven Felix Kellerhoff.
1 Stunde 31 Minuten
In der Lutherstadt Wittenberg diskutierten am 19. Juli 2013 die Schauspieler Uta Koschel, Thomas Pötzsch und Andrej Kaminsky zum Thema "Das DDR-Theater in der Friedlichen Revolution 1989". Das Gespräch moderierte Dr. Ulrich Mählert von der Bundesstiftung Aufarbeitung. Die Veranstaltung war Teil der 9. Promovierendentage zur deutsch-deutschen Zeitgeschichte, die auf Einladung des Instituts für Hochschulforschung Halle-Wittenberg und der Bundesstiftung Aufarbeitung vom 18. bis 21. Juli 2013 in Wittenberg stattfanden.
26 Minuten
Am 10. Juli 2013 hatten die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Lehrstuhl für die Geschichte Osteuropas der Humboldt-Universität Berlin zu einem Filmabend mit anschließendem Publikumsgespräch eingeladen. Gezeigt wurde David Satters Dokumentation "Age of Delirium: The Decline and Fall of the Soviet Union", die auf dem gleichnamigen Buch basiert, das Satter bereits 2001 veröffentlichte. Nach der Filmvorführung hatte das Publikum die Gelegenheit mit dem Filmemacher ins Gespräch zu kommen. Durch den Abend führte Prof. Dr. Jörg Baberowski von der HU Berlin. Hinweis: Mitschnitt ist in englischer Sprache.
54 Minuten
SED-Verfolgte leiden oft stark an der zum Teil verweigerten politischen und gesellschaftlichen Anerkennung ihres erlittenen Unrechts. Dies kann erheblich zu gesundheitlichen Folgeschäden beitragen. Was genau ist unter "Anerkennung" zu verstehen? Der Philosoph Axel Honneth hat hierzu eine vielbeachtete Gesellschaftstheorie ausgearbeitet, bei der wechselseitige Anerkennung eine zentrale Rolle spielt: Menschen sollen sich als Anerkannte erfahren; wird ihnen diese Anerkennung vorenthalten, so reagieren sie empört. Der daraus resultierende Kampf um Anerkennung könne sich gesellschaftsverändernd auswirken, im Sinne zunehmender sozialer Freiheit. In der Veranstaltung wurde Honneths Anerkennungstheorie auf SED-Unrecht angewandt und aktuelle Forderungen an Politik und Gesellschaft hergeleitet. Dr. habil. Arnd Pollmann erörtere dies aus menschenrechtlicher Sicht. Prof. Dr. med. Jörg Frommer ging auf die vielfach verweigerte Anerkennung von gesundheitlichen Folgeschäden ein.
51 Minuten
Zum 60. Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR vom 17. Juni 1953 organisierte die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur am 24. Mai 2013 eine Journalistenfahrt zu zentralen historischen Schauplätzen in Berlin. Eine Station führte zum ehemaligen RIAS-Funkhaus am Hans-Rosenthal-Platz, heute Sitz des Funkhauses von Deutschlandradio in Berlin. Professor Egon Bahr, im Juni 1953 Chefredakteur des RIAS, berichtete von seinen Erinnerungen an den Volksaufstand. Dabei ging es auch um die Rolle des RIAS bei der Ausbreitung des Aufstandes und dessen Wahrnehmung in West-Berlin und der Bundesrepublik. Das Gespräch wurde moderiert von Peter Lange, Chefredakteur von Deutschlandradio Kultur.
2 Stunden
Die Sorge der DDR-Regierung, dass »ihre« Jugend vom bundesdeutschen »Klassenfeind« ideologisch infiziert werden könnte, war übergroß. Gleichzeitig wollten die Jugendlichen in der DDR zumindest durch Musik und Kleidung ihren eigenen Weg zum Erwachsenwerden betonen. Mit den Weltjugendfestspielen 1973 in Ost-Berlin versuchte die SED diese Bedürfnisse für ihre Zwecke zu nutzen. Die Festspiele boten als »Rotes Woodstock« eine Möglichkeit des direkten Kontakts ost- und westdeutscher Jugendlicher, konnten wegen ihrer Größe jedoch nicht vollständig durch die Staatssicherheit der DDR kontrolliert werden. Einen zentralen Beitrag zum innerdeutschen Austausch leisteten auch die bundesdeutschen Jugendreisen in die DDR, die dort von staatlicher Seite nur unter strenger Organisation und Aufsicht geduldet wurden. Wie erlebten sich die Jugendlichen beider deutschen Staaten gegenseitig? Gab es wegen Verwandtschaft, gemeinsamer Musikvorlieben und Sprache eine gemeinsame Basis? Wie agierten hierbei die Regierungen der beiden deutschen Staaten? Diese und weitere Fragen wurden im Rahmen der Veranstaltung diskutiert. Der Historiker Dr. Stefan Wolle führte mit einem Vortrag in das Thema ein. Anschließend diskutierten der damalige Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendringes Konrad Gilges, der damalige Mitarbeiter der Westabteilung beim Zentralrat der FDJ, Dr. Michael Herms, und der Theologe Martin-Michael Passauer, ehemaliger Generalsuperintendent von Berlin. Dr. Ulrich Mählert von der Bundesstiftung Aufarbeitung moderierte das Gespräch.