Podcaster
Episoden
16.06.2026
1 Stunde 7 Minuten
Volha Hapeyeva legt ein ebenso poetisches wie persönliches und politisches »Wörterbuch« über ihre Nomadenjahre zwischen Belarus, Deutschland, Kreta und Japan vor. Einzelne, vermeintlich unscheinbare Wörter sind der Ausgangspunkt und öffnen ganze Denk- und Erfahrungswelten. So ist der gedankliche Weg von »sad« (Ziergarten) und »harod« (Nutz- oder Gemüsegarten) zum Garten Eden, zu Stadt- und Staatsgrenzen nicht weit – und schon stehen wir vor den Fragen: Wie frei sind wir wirklich in der globalisierten Welt? Und wie sehr entscheidet der richtige oder falsche Pass über einen Teil unseres Lebens? Hapeyevas Buch ist ein poetisches Nachdenken über Sprache, Identität und Zugehörigkeit. Sie stellt Fragen nach Heimat und Fremdsein, nach Geschlecht und Patriarchat, nach der Möglichkeit, »Mensch« zu sein jenseits von Zuschreibungen. Volha Hapeyeva, geboren in Minsk, Belarus (1982), ist Lyrikerin, Autorin, Übersetzerin, Künstlerin und promovierte Linguistin. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Preise und Auszeichnungen, u.a. den English PEN Translates Award für das Buch In My Garden of Mutants (2021), den Wortmeldungen-Literaturpreis 2022, Rotahorn-Preis 2021 und den manuskripte-Preis 2025. 2019-2020 war Volha Hapeyeva Stadtschreiberin von Graz. 2021-2022 Writer-in-Exile den PEN-Zentrum Deutschland, 2022-2023 Stipendiatin des Berliner Künstlerprogramms DAAD und 2023-2024 erhielt sie das Clara und Eduard Rosenthal Literaturstipendium (Jena). Volha Hapeyevas Gedichte wurden in mehr als 15 Sprachen übertragen. 2020 erschien auf Deutsch Mutantengarten, 2023 Trapezherz. Ihr Debütroman Camel Travel erschien 2021. 2024 erschien ihr Roman Samota. Die Einsamkeit wohnte im Zimmer gegenüber. Sie ist häufig Gast auf internationalen Festivals. Als Künstlerin arbeitet Volha Hapeyeva mit Objekten und Texten (Archiv der kleinen Wesen, Ausstellung in Graz 2024 und Marschroots der Wörter, Ausstellung in Jena, 2024–2025). Seit 2020 schreibt Volha Hapeyeva auch auf Deutsch und wohnt als Nomadin in Österreich und Deutschland. Moderation: Stefan Petermann Aufzeichnung einer Veranstaltung in der Weimarer LiteraturEtage vom 30.04.2026.
Mehr
21.04.2026
1 Stunde 11 Minuten
»Grundsätzlich war es bisher schön gewesen. Ich war glücklich, vielleicht so, wie niemals zuvor. Nähme man alle bereits absolvierten und noch im Verlauf befindlichen Menschenleben zusammen, müsste meins im oberen Viertel angesiedelt sein, ziemlich sicher sogar. Hinter alle fünf Stufen der Bedürfnispyramide konnte ich fette Haken setzen. Dennoch: Etwas fühlte sich schief an.« Nachts schreit ein Mann. Eine Frau bleibt stehen und will einfach nicht weitergehen. Ein Vater disrupiert sein Haus. Eine Mutter wird wütend auf Grönland. Ein Sohn baut das World Trade Center aus Butter nach. Eine Tochter schafft es nicht zum Mond. Haie schwimmen in den vierten Stock. Und eine liest das Letzte aller Bücher. Der neue Erzählband von Stefan Petermann enthält Fragmente von Vergnügen. Vor allem aber Halluzinationen einer Gegenwart, die im Begriff ist, sich aufzulösen. Mit energischer Poesie erzählt er von Menschen, die in Momenten des Übergangs stehen. So erschafft er mit einem unbestechlichen Gespür für Zwischentöne kleine Welten, die leuchten, auch wenn sie schon im Verschwinden begriffen sind. Im Zentrum seiner Texte steht die Liebe, ihr Versuch, den Abbrüchen zu trotzen, dabei mal scheitert, mal triumphiert. Geschichten, die anfassen und schubbern machen, samt Blenden ins Künftige. Über den Autor Stefan Petermann, geboren in Werdau, hat mehrere Romane und Erzählbände veröffentlicht, dazu den Reportagenband »Jenseits der Perlenkette«. Einige seiner Geschichten wurden verfilmt. Er war an zahlreichen Ausstellungen und Kunstprojekten beteiligt, zuletzt »Der Thüringer Blumenwurf«. Er unterrichtet an der Bauhaus-Universität Literarisches Schreiben und lebt in Weimar. www.stefanpetermann.de Moderation: André Schinkel Aufzeichnung einer Lesung in der Weimarer LiteraturEtage vom 26.02.2026
Mehr
20.01.2026
1 Stunde 3 Minuten
Paula ist schwer erkrankt. Paula ist Katjas Tochter und mit 14 Jahren viel zu jung für ihr Schicksal. Katja ist Paulas Mutter, alleinerziehend, Lehrerin in ihrem normalen Leben, aber davon ist nicht mehr viel übrig. Paula war einmal unangepasst, ein selbstbewusstes Mädchen, wie ihre Mutter mit eigenem Kopf. Nun aber ist sie verängstigt. Und Katja ist es auch, obgleich sie doch stark sein will für ihre Tochter. Sie droht, an diesem Widerspruch zu zerbrechen – und an den Schuldgefühlen, die sie empfindet. In dieser Ausnahmesituation, kurz vor und nach der Operation, beginnt Katja, Paula eine Geschichte zu erzählen, über einen Fuchs und ein Mädchen, das von einem Schatten verfolgt wird und fliehen muss, wenn sie nicht von ihm verschlungen werden will. Martin Beyer, geboren 1976, hat mit 18 Jahren seine erste Erzählung veröffentlicht und macht seitdem nichts lieber, als an seinen Geschichten zu arbeiten und daraus vorzulesen. Für seine Texte wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Walter-Kempowski-Literaturpreis und dem Bayerischen Kunstförderpreis. In Workshops vermittelt Martin Beyer kleinen und großen Menschen den Zauber des Erzählens und hilft ihnen, ihre künstlerische Identität zu stärken. Er lebt mit seiner Familie in Bamberg. Moderation: Stefan Petermann Aufzeichnung einer Lesung in der Weimarer LiteraturEtage vom 16.01.2026
Mehr
17.12.2025
1 Stunde 35 Minuten
Marie-Elisabeth Lüdde hat mit ihrem vielseitigen Wirken, ihrem geistigen Vermögen und ihrer unerschrockenen solidarischen Empathie sehr viele, gerade junge Menschen erreicht, bewegt, ermutigt, inspiriert, insbesondere in der bewegten Zeit vor, während und nach der friedlichen Revolution. Daneben war sie als Schriftstellerin im Bereich von Literatur und Dichtung und im Grenzbezirk von Theologie, Ethik und Kunst tätig. Aus der Kombination von schmerzlicher persönlicher Erfahrung, Glauben, umfassendem Wissen und gesellschaftlichem Engagement hat sie ihre unnachahmliche Haltung entwickelt, deren Unbestechlichkeit bis heute ihresgleichen sucht. WeggefährtInnen, Kollegen, Freund*innen, Mitstreiterinnen erinnern sich an Marie-Elisabeth Lüdde: mit Textabschnitten aus deren Werk sowie aus einer von ihr angelegten Lyrik-Sammlung und im Gespräch über religiöse oder intellektuelle Impulse, persönliche und politische Begegnungen. Mit Andrea Richter, Horst Samson, Ulrike Müller, Walter Sachs, Christine Hansmann, Thomas A. Seidel, Jens Kirsten. Aufzeichnung einer Kooperationsveranstaltung von Thüringer Literaturrat und LGT in der Weimarer LiteraturEtage vom 1. Oktober 2025.
Mehr
Über diesen Podcast
Die Literarische Gesellschaft Thüringen fördert seit 1991 die
Literatur und Kultur in Weimar und Thüringen. Sie organisiert
Festivals und Wettbewerbe, Werkstätten und Lesungen, veröffentlicht
Bücher und Magazine. In unserem Podcast stellen wir euch die
Literatur und das literarische Leben rund um die LGT vor.
Redaktion: Guido Naschert, Stefan Petermann Einzelne Folgen sind an
jedem 3. Dienstag im Monat von 22:00–23:00 Uhr auf dem Weimarer
Stadtsender www.radiolotte.de zu hören.
www.literarische-gesellschaft.de
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.