Morgenimpuls Archiv
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"Du sollst deinen Nächsten lieben, du sollst deine Feinde lieben. Wahrscheinlich, weil es oft die gleichen Menschen sind." Dieser provokante Satz stammt von Gilbert Keith Chesterton, einem englischen Autor. Feinde machen das Leben nicht leichter. Man kann sich an ihnen abarbeiten. Sie verursachen Ärger und doch führen sie manchmal zu ungeahnten Verbindungen. Vielleicht hat Siegmund Freud deshalb von der Unmöglichkeit der Feindesliebe gesprochen, doch wer ist eigentlich mein Feind? Manchmal sogar ich selbst. Und wie kann man Feindesliebe überhaupt erreichen? König David und König Saul aus dem Alten Testament sind ein bekanntes Beispiel dafür. Saul hat Angst, dass David seine Amt will. David zeigt Können, verschont aber Saul, seinen Schwiegervater. Er achtet die Auserwählung des gesalbten Königs. David ist dabei kein Engel. Im Gegenteil: Intrigen, Ehebruch, Machtspiele; er hat alles drauf. Und trotzdem endet der Streit bei ihm. Saul und David begegnen sich danach nie wieder. Die Feindschaft hat ihr Ende, zumindest bei David. Feindesliebe heißt nicht naiv zu sein. Es heißt, Feindschaft und Verantwortung klar zu benennen. Vergeben bedeutet nicht gut heißen, aber: "Jesus ist der Meister des Unmöglichen", sagt Charles de Foucauld. Die Gemeinde in Korinth war völlig zerstritten. Paulus gibt das menschlich Unmögliche nicht auf, indem er die göttliche Möglichkeit in den Streit der Menschen hineinbringt. Er erinnert uns daran, was ist unser Streit, wenn wir das Himmelreich als Ziel in Jesus Christus nicht vergessen. Denn dieses Vergängliche, so schreibt er, muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit. Ein Perspektivwechsel kann Wunder wirken; wer ist Freund und wer ist Feind, wer ist mein Feind und wie kann ich ihn überwinden? Indem ich mich von Gott lieben lasse, kann ich auch im anderen Gott lieben. Indem ich mich von Gott tragen lasse, kann ich den Feind in mir selbst überwinden. Beileibe: Feindesliebe ist kein leichter Weg und nicht etwas, das man so nebenbei macht, aber sie ist möglich durch Liebe, Geduld und Vertrauen in Gott.
5 Minuten
Sommerzeit ist Urlaubszeit und so darf ich euch heute alle begrüßen beim DOMRADIO-Morgenimpuls. Ich darf euch in den nächsten Wochen ein bisschen intensiver begleiten, denn Schwester Katharina hat sich in ihren wohlverdienten Sommerurlaub aufgemacht und so grüßen wir sie ganz, ganz herzlich hier aus dem DOMRADIO in Köln und wir sagen auf Wiedersehen, bis sie zum nächsten Mal wieder hier bei uns sein wird (24. August). Auf Wiedersehen, für Gott, tschüss, adieu – Worte, die wir jeden Tag verwenden, fast automatisch.Verabschiedungen sind mehr als Floskeln. Sie tragen immer auch eine Botschaft, einen Wunsch, eine Zusage, manchmal sogar eine Erwartung. Sie zeigen, wir nehmen den anderen in unsere Gedankenwelt mit, auch wenn wir gerade auseinandergehen.In der Liturgie der Kirche werden wir am Ende der Messe mit den Worten verabschiedet: „Gehet hin in Frieden!“ Frieden? Ein Auftrag oder eine Hoffnung? Vielleicht beides. Es ist nicht einfach, ein leises Tschüss, sondern ein Aussenden, ein Gesendetsein.Wir sind aufgerufen, den Frieden weiterzutragen, Hoffnung sichtbar zu machen, anderen Menschen ein Zeichen von Vertrauen, Geborgenheit und Zuversicht zu schenken. Hoffnung ist dabei aber nicht nur ein schönes Gefühl, sie ist eine Tugend, eine innere Haltung, aus der wir handeln. Tugenden prägen unser Leben, sie formen unseren Blick auf die Welt, sie lenken unsere Entscheidungen, sie wirken in unseren Handlungen.Hoffnung zeigt uns, dass es über das Hier und Jetzt etwas gibt, das uns trägt, dass das Leben nicht nur ein Immer-Weiter-So ist, sondern Sinn hat, dass Gott uns hält und dass das Ewige Leben eine reale Perspektive ist. „Gehet hin in Frieden“ - diese Verabschiedung ist nicht nur für uns selbst.Wir werden gesendet, wir dürfen hinausgehen in die Welt, in unsere Familien, in unsere Nachbarschaft, an unsere Arbeitsplätze und ein Stück Hoffnung weitertragen. Wir dürfen Menschen zeigen, dass es mehr gibt als Sorgen, Konflikte und Hektik, dass Vertrauen, Frieden und Geborgenheit möglich sind. Jede Verabschiedung kann so ein kleiner Anfang sein, ein Zeichen dafür, dass wir Hoffnung haben, dass wir aus Frieden handeln und dass wir ausgesandt sind.Und so verabschieden wir uns nicht nur im Alltag, sondern im Leben mit Hoffnung, mit Frieden und mit der Gewissheit, dass wir gesendet sind, um Zeichen des Lebens und der Liebe in diese Welt zu bringen. Info der Redaktion: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina außerhalb ihres Sommerurlaubs von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.
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Haben Sie eigentlich eine Lebensversicherung? Keine Angst, ich will Ihnen keine verkaufen. Aber viele Menschen haben Lebensversicherungen, um sich abzusichern für das Alter oder um den Angehörigen etwas zu hinterlassen. Aber wie seltsam ist das eigentlich? Wir versuchen unser Leben zu versichern, etwas, das wir nicht verlängern oder zurückholen können. Unser Leben ist nämlich endlich. Und dann? Und dann gibt es die Ewigkeit. Daran glauben wir als Christen und zugleich können wir sie uns kaum vorstellen.Unser Verstand ist nämlich auf Zeitlichkeit ausgerichtet. Anfang, Ende, Abläufe. Ewigkeit kennt keinen Anfang, kennt kein Ende, kein Mehr, kein Besser, keine Routine.Jesus spricht von dieser Ewigkeit und sie unterscheidet sich radikal von allem, was wir kennen. Es ist nicht bloß unendliche Zeit. Es ist Begegnung mit Gott, Erfüllung, die alles, was wir kennen, übersteigt.Der heilige Irenaeus von Lyon beschreibt es so: Die Menschen werden Gott schauen und dadurch leben, denn durch das Schauen werden sie unsterblich und tauchen ein in Gott. Ewigkeit ist keine Langeweile, sie ist kein mehr Desgleichen, sie ist Fülle, sie ist Ganzheit oder ein bisschen fromm gesagt, sie ist Liebe.Und wir können schon jetzt einen kleinen Schritt in diese Ewigkeit investieren. Tägliches Gebet, in der Heiligen Schrift lesen, Gottes Wirken im Alltag wahrnehmen. Glauben lebt durch Vergebung, Demut und gute Taten.Das Ewige Leben wird nicht verändert, aber der Glaube an das Ewige Leben verändert, wie wir hier und jetzt leben. Wie bei einer Lebensversicherung zahlen wir regelmäßig ein, wir investieren Zeit und Vertrauen in Gott, in die Liebe, in die Hoffnung, in den Glauben und wir wissen, Gott hält sein Versprechen. Gott selbst versichert uns durch seinen Sohn Jesus Christus, sein Tod und seine Auferstehung sind unsere Lebensversicherung, über den Tod hinaus in seine Ewigkeit.Wer an ihn glaubt, lebt mit der Perspektive, die über das Irdische hinausgeht. Wer auf ihn vertraut, lebt getragen von der Hoffnung: Du lebst und Gott ist bei dir, jetzt und in Ewigkeit.
4 Minuten
"Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Fast 80 Jahre ist es her, dass Luchino Visconti den Roman "Il Gattopardo" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa verfilmte. Ein 168-minütiges Meisterwerk der Filmgeschichte! Buch und Film erzählen die Geschichte des Niedergangs des Adels in Sizilien. Don Fabrizio, der Fürst von Salina, sieht seine Welt zerfallen, während sich die Zeit wandelt. Im Zentrum des Romans steht aber auch Tancredi, sein Lieblings-Neffe, der über die Transformation nachdenkt und den berühmten Satz prägt: "Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern." Ein Gedanke, den man manchmal als Gattopardismo bezeichnet: Wandel inszenieren, um alles beim Alten zu belassen. Doch die Geschichte zeigt, dass dieser Ansatz trügerisch ist. Denn die Veränderungen, die kommen, halten sich nicht an Pläne und niemand entkommt dem Fluss der Geschichte. Die Erzählung macht eindrücklich sichtbar, wie schwierig es ist, das Alte zu bewahren und gleichzeitig Neues zu wagen. Don Fabrizio erkennt, dass seine Zeit vorbei ist: dass Macht, Besitz und Status zerfallen; alles scheint zu zerbrechen und doch eröffnet gerade der Wandel neue Perspektiven - auch für die Kirche, für Gesellschaft und für jeden einzelnen gilt: Ohne die Bereitschaft zu bewahren, was wertvoll ist, gibt es keinen echten Wandel und ohne Scheitern kein Lernen, keine Neuausrichtung. Der Roman und der Film zeigen: Fortschritt ist nie einfach, er erfordert Geduld, Blick für das Wesentliche, Mut zur Veränderung und manchmal das Loslassen von dem, was vertraut ist. Der Regisseur Visconti selbst sah sein Werk als Sinnbild dieser Spannung: Alte Regeln und Strukturen brechen, während sich Neues formiert, oft widersprüchlich, manchmal widerspenstig. So entsteht Erneuerung; nicht durch den abrupten Bruch, sondern durch die stetige Bewegung zwischen bewahren und wandeln. Giuseppe Tomasi di Lampedusa erlebte den Erfolg seines Romans nicht mehr. Er starb, bevor das Buch veröffentlicht wurde. Seine Geschichte ist ein stiller Hinweis: Wandel ist unausweichlich. Doch wer das Bewahren, das Lernen aus der Vergangenheit ernst nimmt, wird fähig, den Wandel zu gestalten. Und so bleibt das Motto von Tancredi ein Denkanstoß für uns heute: Alles kann sich ändern und doch hängt alles davon ab, was wir bewahren. Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.
5 Minuten
Dank einer Kanonenkugel zum Ordensgründer. Ein Stoff für Hollywoodm, aber tatsächlich geschehen. Ignatius war das zwölfte Kind einer Adelsfamilie in Loyola.In seiner Jugend war er bis 1517 Bediensteter am Hof von Ferdinand V. von Kastilien Er war ein Lebemann, kam mit dem Gesetz in Konflikt, wurde Offizier im Dienst des Vizekönigs von Navarra und Pamplona, und sein Lebensplan war eine Karriere beim Militär. Dann zwang ihn eine steinerne Kanonenkugel, die ihn am 20. Mai 1521 bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen traf und sein Bein zertrümmerte, für lange Zeit aufs Krankenbett zuhause im Schloss von Loyola. Während seiner Genesung hat er gelesen - weil es im Schloss nichts anderes zu lesen gab - religiöse Schriften wie das „Leben Christi“ des Kartäusers Ludolf von Sachsen und die Heiligenlegenden der “Legenda Aurea“, was zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu verschreiben. In einem unglaublich energischen Kampf und Weg wird er Gründer des Jesuitenordens und betreibt sehr erfolgreich die katholische Reform in Europa. In den geistlichen Übungen entdeckt er einen Weg, den jeder Mensch gehen kann, der sich in den Dienst Gottes und der Menschen stellen will und schreibt diese Übungen in seinem Exerzitienbüchlein nieder. Ich habe ein paar Zitate gefunden, die uns Heutigen, fünfhundert Jahre später, immer noch sehr aktuelle Weisung sein können. Er sagt zum Beispiel: "Wer Seelenfrieden sucht, kann ihn nicht finden, solange er den Grund des Unfriedens in sich selbst hat." Ich glaube, das kennen viele von uns. Es gibt einen inneren Unfrieden und bis der nicht geklärt, nicht gelöst und nicht befriedet ist, kann es auch keine äußere Ruhe geben. Und vielleicht noch einen ganz konkreten Tipp für heute und jeden Tag der Woche. "Reserviere eine bestimmte Zeit für dich selbst und halte dich ruhigen Gemüts in Erfolg und Misserfolg, frei von Unruhe und Verwirrung, sowohl bei frohen als bei traurigen Anlässen."Mir scheinen das auch zwei gute Weisungen in meinen Urlaub in den nächsten drei Wochen zu sein. Es geht ja zum einen immer um Tapetenwechsel, um andere Leute, andere Städte, andere Gegenden kennen zu lernen, aber auch, um ein wenig innere Sortierung, Befreiung von Sorgen, Ängsten, Zwängen und anderen inneren Unruheherden. Ich bin gespannt und freue mich darauf und die Worte des Ignatius können mich und vielleicht auch Dich dabei gut begleiten.Sr. Katharina geht für drei Wochen in den Urlaub. Den täglichen Morgenimpuls gibt es aber dennoch, Pfarrer Stefan Wißkirchen und Vanessa Grbavac übernehmen für diese Zeit die Impulse am Morgen.
4 Minuten
Priester-, Ordens- und Ehejubiläen sind eine wunderbare Gelegenheit, sich mit vielen Menschen zu treffen, einen festlichen Gottesdienst zu feiern und bei einem Glas Sekt oder feinem Essen sich zu erinnern und Anekdoten und Geschichten aus langen Jahren zu erzählen.Ein sechzigjähriges Priesterjubiläum konnten wir am Wochenende hier in Olpe mitfeiern. Diamantenes Jubiläum nennt man das auch. Und wenn man nach Bedeutung eines Diamanten nachforscht, erhält man zur Antwort: der Diamant als Symbol steht für Härte, Stärke und Unzerbrechlichkeit und soll bedeuten, dass nach so vielen Jahren eine Beziehung ein Dienst so wertvoll und stark wie ein Diamant geworden ist.Hart, stark und unzerbrechlich wirkte der Jubilar gar nicht, aber ich war schon erstaunt über seine klare Stimme und die noch sichere Art den Gottesdienst zu feiern.In der Predigt habe ich dann Erklärungen gehört, die mir sehr viel besser zu diesem alten Priester und seinem jahrzehntelangen Beten, Arbeiten und Leben zu passen schienen.Da hieß es: „Du bist und warst da zum Heilen. Wenn heilen nicht mehr ging, zum Lindern, wenn lindern nicht mehr ging, zum Trösten und wenn auch trösten nicht mehr ging und geht, warst und bist Du immer da.“ Treu da sein war und ist das, was zählt. Da sein im Dienst und vielfältigen Aufgaben, da sein in schwierigen eigenen Lebenslagen, da sein, wenn Ansprüche und Aufgaben von außen zu groß scheinen, da sein, wenn es bleibt, bei und mit denen zu sein, die in Alter, Schwachheit und Krankheit aushalten und da sein, wenn einstige Weggefährten sterben. Von Detlef Jöcker gibt es ein Lied, dass genau diese Eigenschaften Gottes besingt:1. Du bist da, wo Menschen leben, du bist da, wo Leben ist.2. Du bist da, wo Menschen lieben, du bist da, wo Liebe ist. 3. Du bist da, wo Menschen hoffen, du bist da, wo Hoffnung ist.Und wenn man von einem Menschen nahezu dasselbe sagen kann, was man in diesem Lied von Gott singt, kann man wohl ins Staunen geraten und für ein gelungenes Leben danken.
5 Minuten
Gleich nachher setzen wir uns mit einer Handvoll Schwestern ins Auto und fahren nach Paderborn zum Liborifest. Wer es nicht kennt, dem kann man es auch kaum beschreiben.Es ist seit vielen Jahrhunderten eines der großen und ältesten Volksfeste in Deutschland. „Mittendrin – Libori 26!“ Unter diesem Motto lädt das Erzbistum Paderborn ein. Gemeinsam mit der Stadt feiert man den gemeinsamen Patron, den heiligen Liborius. Vor über 1000 Jahren überreichte der Bischof von Le Mans in Frankreich dem jungen Bistum Paderborn die Reliquien des Bischofs Liborius – seitdem wird sein Gedenktag mit Hingabe begangen. Damals wollte man versuchen, mit dieser Verbindung zu dem Heiligen Liborius, den Glauben der Menschen des jungen Bistums zu stärken und ihnen die universelle Kirche deutlich zu machen. Das Libori-Fest vereint Kirche, Kirmes und Kultur zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Gottesdienste und Gebetszeiten und die typischen Kirmesangebote sind einfach so herrlich verquickt, dass man merkt, dass es echt zusammengehört. Die Verbindung von Le Mans in Frankreich und Paderborn in Deutschland ist die weltweit älteste Städtepartnerschaft und sie hat unglaubliche Widerstände und Katastrophen in diesen 1000 Jahren erlebt und überstanden. Selbst die Erzfeindschaft der beiden Völker und die großen Kriege des 20. Jahrhunderts konnten dieser Partnerschaft nichts anhaben. Die einzelnen Tage des Festes sind einzelnen Gruppen zugeordnet und heute ist der Tag der Ordensleute und Missionare und der Missionare auf Zeit. Missionare und Missionare auf Zeit zeigen seit vielen Jahren, dass es ein wechselseitiges Geben und Nehmen ist, wenn Christen aus aller Welt zu uns kommen und junge Missionare auf Zeit hinaus in ferne Länder gehen, um miteinander zu arbeiten, zu leben, zu dienen und zu beten. Und Ordenschristen als die, die in der Kirche immer auch Vorreiter waren und sind: im Engagement für die Armen und Benachteiligten, für eine Liturgie, in der es um Christus geht, für eine Form des Zusammenlebens, die ihre Ämter und Dienste demokratisch und auf Zeit wählt, für unerschütterliches Stehen zur Kirche auch in nicht gerade begeisternden Zeiten und in der Treue zum Gebet und zur Anbetung Gottes die deutlich macht: Gott ist immer der Größere und immer mittendrin.
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In den Laudes hier bei uns im Konvent singen wir meist die angegebenen Hymnen im Stundenbuch. Und es gibt einen Hymnus für das Morgenlob, den ich sehr gern mag und ihn auch immer mal zwischendurch auswähle. Nicht nur, weil er auch eine schöne Melodie hat und wir ihn gern singen, sondern auch, weil er mir mal ganz klar und deutlich Handlungsanweisungen gibt. Da singen wir:Öffne meine Augen, Herr, für die Wunder deiner Liebe. Mit dem Blinden rufe ich: Heiland, mache, dass ich sehe.Öffne, meine Ohren, Herr, für den Anruf meiner Brüder. Lass nicht zu, dass sich mein Herz ihrer großen Not verschließe.Öffne meine Hände, Herr, Bettler stehn vor meiner Türe und erwarten ihren Teil. Christus, mache, dass ich teile.Aber wenn ich noch ein bisschen müde in der Kapelle sitze und mit dem Gebet anfangen will, beginnt das genauso, wie jetzt der Hymnus: Da muss ich auch erst bitten, dass mir Gott die Lippen öffnet, damit ich überhaupt in der Lage bin, ihn zu loben.Im Hymnus bitte ich dann zunächst, dass er mir die Augen öffnet, damit ich fähig werde, die Wunder der Herrlichkeit zu sehen, die immer da sind und für die ich oft keinen Blick habe vor lauter Alltagskram. In Städten ist manchmal aufs Straßenpflaster gemalt: Blick heben! Und dann tut man das automatisch. Dann bitte ich um offene Ohren, damit ich mitbekomme, wenn jemand auch nur ganz leise flüsternd oder in verklausulierter Sprache um Hilfe bittet. Und dann kann ich um offene Hände bitten, damit ich großzügig geben kann, wenn andere Bittende vor unserer Tür stehen, oder eine Mail schicken, oder am Telefon ganz kompliziert einen einfachen Wunsch haben. Manchmal wundere ich mich darüber, wie genau und aktuell manche Lieder und Gebete sind und wiesehr sie uns in die richtige Richtung des Lebens als Christen hinweisen.
4 Minuten
"Ich bin dann mal weg" – mit diesem Slogan, dem Titel eines Buches von Hape Kerkeling, ist etwas wieder in den Vordergrund des Bewusstseins gekommen, dass es immer gab, aber dann, zumindest im deutschsprachigen Raum, zum Boom geworden. Das Pilgern auf den Jakobswegen nach Santiago de Compostela, zum Grab des Apostels Jakobus, dessen Fest wir am Samstag gefeiert haben. Jakobus gehörte mit seinem jüngeren Bruder Johannes zu den ersten Jüngern Jesu. Jakobus und Johannes – die Söhne des Zebedäus – und Simon Petrus waren den Evangelien zufolge sowohl bei der Verklärung Jesu als auch bei seiner Gefangennahme im Garten Getsemani anwesend. Die Apostelgeschichte geht weniger auf das weitere Leben von Jakobus ein. Es wird aber berichtet, dass er während der Herrschaft von König Herodes Agrippa I. im Jahr 43 n. Chr. in Judäa hingerichtet wurde. Jakobus war damit der erste Märtyrer der Apostel.Aber die Pilgerwege zu seinem Grab haben über die Jahrhunderte eine unglaubliche Bedeutung gehabt. Es ging sogar so weit, dass verurteilte Verbrecher, wenn sie den Jakobsweg gegangen und wieder zuhause angekommen sind, alle Strafen erlassen bekommen haben und als freie Menschen ihrer Wege gehen konnten. Manche Pilger, die heute den Jakobsweg gehen, tun das aus sportlichen Gründen und weil die Herausforderung sie reizt. Viele andere gehen den Weg, weil sie ahnen, dass es etwas mit ihrem Glauben an Christus und den nächsten Stationen ihres Lebensweges zu tun haben könnte. Und manche machen Erfahrungen und treffen Entscheidungen, die ihr ganzes Leben prägen werden.Viele Geschichten ranken sich um die Pilger und ihre Wege. Von Königen und Fürsten, die diesen Weg inkognito gegangen sind, um ihre Untertanen kennenzulernen, von Verzweifelten, die unterwegs wieder Lebensmut gefunden haben, von verfeindeten Geschwistern, die unterwegs wieder zueinander gefunden haben. Eine besonders hübsche ist die, dass die Jakobspilger ja unterwegs oft anhalten und erstmal arbeiten mussten, um wieder Geld für die weiteren Weg zu haben. Und in Köln haben sie dann als Kellner in den vielen Brauhäusern der Stadt ihr Geld verdient. Jakobspilger hießen auf gut Kölsch "Köbes" also "kleines Jaköbchen" und so heißen die Kellner dort noch heute.Pilgern ist weiterhin absolut in und vielleicht hast Du ja einen Plan oder eine Idee und wenn es nur für ein kurzes Pilgern am nächsten Wochenende ist.
4 Minuten
In den Ferien mag ich besonders die Tage, an denen wir keinen Plan haben. Tage, an denen nichts im Kalender steht. Tage, an denen ich keine Armbanduhr trage. Für viele meiner Schüler sowieso eher ein unnötiges Schmuckstück.An solchen Tagen weiß ich morgens manchmal noch gar nicht, was ich später tun möchte. Und genau das liebe ich.Ausschlafen. Kaffee trinken. Irgendwann überlegen, ob man lesen möchte, spazieren geht oder einfach nur in der Hängematte liegen bleibt.Irgendwie stelle ich mir so manchmal das Paradies vor. Keine Termine. Kein Zeitdruck. Kein "Ich muss noch schnell…".Und gleichzeitig merke ich ziemlich schnell: So ganz würde ich vermutlich gar nicht ins Paradies passen. Zumindest nicht in meiner Vorstellung davon. Nach ein oder zwei Tagen ohne Aufgabe werde ich unruhig. Dann mache ich doch wieder irgendwas für die Schule. Nicht offiziell natürlich. Aber ich lese Fachliteratur oder notiere Ideen. Dann liege ich mit schwerer pädagogischer Kost, gerne auch theologischer, in der Hängematte und rede mir ein, das wäre Erholung.Und vielleicht ist genau das der Punkt: Ich glaube nämlich gar nicht mehr, dass das Paradies einfach nur ein Ort ist, an dem man nichts tut. Ich glaube, das Paradies ist eher ein Zustand. Ein Zustand, in dem der Mensch zufrieden ist. Nicht dauerhaft glücklich oder euphorisch. Ich glaube, das würde mich auf Dauer sogar anstrengen. Aber zufrieden.In dem Wort Zufriedenheit steckt für mich auch Frieden.Und Frieden bedeutet vielleicht gar nicht, dass alles perfekt ist. Sondern dass etwas in mir ruhig wird. Dass mein eigenes Ich befriedet ist. Dass Ansprüche und Erholung, Sehnsucht und Wirklichkeit irgendwie in Balance kommen.So wie ich in der Hängematte liege, mit einem Buch auf dem Bauch und plötzlich merke: Genau jetzt muss ich gerade nirgendwo anders sein. Hier bin ich richtig.Und ich glaube, genau in solchen kleinen Momenten kann man Gottes Gegenwart spüren. Nicht laut. Nicht spektakulär. Sondern leise. Wie Frieden eben manchmal ist. Eben leise, schnell zu überhören.
3 Minuten
Man merkt sofort, wenn Ferien anfangen.Plötzlich gibt es viele To-Dos.Reisepass suchen.Koffer vom Speicher holen.Nochmal Wäsche waschen.Fenster putzen.Und wenn’s regnet, vielleicht endlich den Kleiderschrank ausmisten.Oder bei gutem Wetter doch endlich das Gartenhaus streichen.Ferien haben ja oft diesen heimlichen Auftrag:Jetzt muss endlich alles gut werden und in Ordnung gebracht werden. Ordentlich. Erholt. Leicht.Und genau das setzt mich manchmal unter Druck.Dann denke ich von Urlaub zu Urlaub.Von Ferien zu Ferien.Immer in der Hoffnung: Danach wird’s ruhiger in mir.Aber Frieden funktioniert bei mir selten auf Knopfdruck.Eher in kleinen Momenten.Wenn ich plötzlich nicht mehr gegen mich selbst arbeite.Wenn Gedanken, Erwartungen und Gefühle für einen Augenblick nicht in meinem Kopf durcheinanderlaufen. Vielleicht ist Frieden genau das:nicht alles im Griff haben — sondern für einen Moment im Einklang sein.Im Einklang sein mit dem, was mir geschenkt wird. Zeit.Im Einklang sein mit dem, was ich mir vorgenommen habe.Im Einklang sein mit dem, wofür ich überhaupt grade Kraft habe.Und ich glaube, solche Momente kann man nicht machen.Man bekommt sie geschenkt.
4 Minuten
Hier gegenüber von uns zwei Straßen weiter liegt das St. Martinus-Hospital. Und weil zwei Autobahnen in Stadtnähe sind, hören wir häufig Hubschrauber, die von Rettungseinsätzen kommen, Unfallopfer bringen oder Schwerkranke in andere Krankenhäuser verlegen. Es geht da immer um Geschwindigkeit, weil sie erheblich schneller sind als die Rettungswagen im oft dichten Straßenverkehr. Und die meisten der Rettungshubschrauber heißen "Christoph" und tragen zur Unterscheidung eine Nummer.In Deutschland gibt es aktuell 37 Rettungshubschrauber, die den Namen "Christoph" tragen. Die Bezeichnung geht auf den ersten deutschen Rettungshubschrauber zurück, der 1970 von der Deutschen Luftrettung in Betrieb genommen wurde. Und der Name erinnert tatsächlich an den heiligen Christophorus. Im Kölner Dom gibt es eine riesige Figur des Christophorus, der das Jesuskind trägt. Die Legende erzählt, dass er gelobt hatte, nur dem höchsten und wichtigsten Herrn dienen zu wollen und dann, wegen seiner Größe und Kraft, an einer tiefen Furt Menschen durch den reißenden Fluss getragen hat. Eines Tages trägt er ein Kind zur anderen Seite und es wird ihm immer schwerer und schwerer und es outet sich ihm dann als Jesus Christus, der der Herrscher der Welt ist.So wie also Christophorus, dessen Name übersetzt "Christusträger" bedeutet, Menschen aus den Gefahren des Reisens gerettet hat, so sind es die Besatzungen der Rettungsflieger, die Menschen nach Unfällen und schweren Krankheiten retten und begleiten. Heute können wir selbst in wenigen Stunden oder Tagen an fast jeden Ort der Welt gelangen. Diese technische Entwicklung vergrößert unsere Freiheit. Zugleich hilft uns die Technik aber nicht bei der Entscheidung, wie wir mit diesen Möglichkeiten umgehen. Sie nimmt uns keine Wahl ab. An diesem Punkt kann uns der Blick auf den heiligen Christophorus helfen. Er suchte ebenso nach einer Orientierung in seinem Leben. Er fand sie in der Beziehung zu Jesus und dessen Botschaft. Die Ausrichtung des heiligen Christophorus auf Jesus hin kann für uns eine Inspiration sein.
4 Minuten
Heute denken wir an eine höchst interessante Frau, die in den nordeuropäischen Ländern, besonders in Schweden sehr verehrt wird. Birgitta Birgersdotter wird 1303 in Finsta, Schweden, in eine aristokratische Familie geboren und zeigte bereits als Kind eine besondere Frömmigkeit. Mit 13 Jahren heiratete sie den Adligen Ulf Gudmarsson, mit dem sie acht Kinder hat. Trotz ihres anstrengenden Familienlebens widmet sie sich intensiv der Wohltätigkeit in ihrem Umland, lässt Kirchen und Schulen bauen, stiftet Spitäler und speist täglich 12 Bedürftige in ihrem Haus.Birgitta hatte seit ihrer Kindheit Visionen und erlebt zahlreiche Offenbarungen über das Leiden Christi. Sie entwickelt eine tiefe spirituelle Praxis und lehrt vielen Menschen einfache Gebete zu Jesus Christus. Ihre Visionen führten zur Gründung des Ordens des Heiligsten Erlösers, auch bekannt als Birgittenorden, dessen erste Äbtissin ihre Tochter Katharina wird. 1341/1342 unternimmt Birgitta mit ihrem Ehemann eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela und später ins Heilige Land. Sie wirkt als Beraterin von Adeligen und Päpsten, setzt sich für Friedenspolitik ein und engagierte sich für die Einheit der Kirche während politischer und kirchlicher Krisen.Birgitta stirbt am 23. Juli 1373 in Rom, wo sie für ihre Nächstenliebe und ihren Einsatz für die Armen als "Engel von Rom" verehrt wird. 1999 erhebt Papst Johannes Paul II. sie zusammen mit Katharina von Siena und Edith Stein zur Patronin Europas. Sie galt in ihrer Zeit als sehr prophetische Frau, die immer wieder vor Fürsten und Könige getreten ist, um zu mahnen und zu bitten und viele ihrer Vorhersagen sind eingetroffen.Ich bin auch hier wieder beeindruckt von einer Frau, die ihre vielfältigen Möglichkeiten und Gaben eingesetzt hat. Und allein der Gedanke, dass diese Frau mit ihrem Mann zu Fuß von Schweden nach Santiago de Compostela und ins Heilige Land und wieder zurück pilgert, imponiert mir zutiefst. Und dieser so einfach klingende Satz "Sie wirkt als Beraterin von Adeligen und Päpsten, setzt sich für Friedenspolitik ein und engagierte sich für die Einheit der Kirche während politischer und kirchlicher Krisen" sagt nur rein äußerlich, was ihr im tiefsten Inneren wichtig ist: Aus ihrer Verehrung des Leidenden Christus wird ihr Engagement für die leidenden Völker und die leidende Kirche.
5 Minuten
Die Fußballweltmeisterschaft ist vorbei und jetzt gilt für die wirklichen Fußballfans die kurze Pause bis zum Bundesligastart Ende August zu überbrücken. Was bleibt von dieser Weltmeisterschaft? Vor allem – ehrlicherweise – Gott sei Dank, dass Spanien Weltmeister geworden ist und nicht Argentinien mit seiner Spielzerstörung und den vielen kleinen und großen Fouls und Unsportlichkeiten, die sich sogar noch nach Abpfiff des Finales weiter ereignet haben. Und es bleiben die Erinnerungen an manche kleine Mannschaft, die bei diesem Megaturnier die Chance hatten sich zu präsentieren. Und das hat beispielhaft Kap Verde wunderbar getan und mit Energie, Siegeswillen und Lust am Spiel, einige große Mannschaften an den Rand einer Niederlage gebracht. Deren Torwart hat so großartige Paraden gezeigt und war so ein großer Rückhalt seiner Mannschaft, dass er fast allein so viel möglich gemacht hat. Das ist es, glaube ich, was weltweit, trotz allem politischen Desaster um Infantino und Trump, so viele Milliarden Menschen am Fußball so begeistert: Man weiß nie, wie es ausgeht und die Hoffnungen der Fans und die Unterstützung für die eigene Mannschaft macht so vieles möglich.Wie ist das so – jenseits vom Fußball – bei Dir und mir? Wo fühle ich mich verbunden, begeistert, gesehen und unterstützt? Und wo unterstütze ich selbst Gruppen und Kreise, Vereine und Gemeinden? "Was Du von den anderen erwartest, dass tu ebenso für sie," ist die goldene Regel in der Bibel, in allen anderen Weltreligionen und im Zusammenleben der Völker, der Gesellschaften, der Nachbarschaften und Familien. Und das ist manchmal ganz groß und notwendend und friedensstiftend und manchmal kleiner aber ebenso notwendig für das Leben von benachteiligten Menschen.Ein schönes Beispiel war dafür am vergangenen Wochenende ein Ausflug in den Panoramapark hier im Sauerland für mehr als 100 alleinerziehende Elternteile und ihre Kinder, ausgerichtet und unterstützt vom Sozialdienst katholischer Frauen und dem Dekanat Siegen. Gefördert mit kirchlichen Finanzmitteln, einer Bank und einer Bürgerstiftung wurde möglich gemacht, dass Eltern und Kinder diese Auszeit vom Alltag erleben und einen Tag lang ihre schwierigen Lebensumstände mal hinter sich lassen konnten. Mit dem großem Engagement Einzelner ist so viel möglich und schenkt dem Leben vieler einen Lichtblick.Wo bist Du heute ein Lichtblick für Menschen in Deiner Umgebung?
5 Minuten
Vor einigen Wochen habe ich euch von unserem Rosenstrauch in Olpe erzählt, der hier bei uns im Garten beim Konvent wächst. Eigentlich war der komplett hinüber. Eine riesige Holzkabeltrommel wurde auf den Rosen über Wochen wegen einer Baustelle gelagert und als die weg war, war auch von den Rosen nichts mehr zu sehen. Aber nach einiger Zeit kamen sie doch wieder und in diesem Jahr haben sie so wunderbar geblüht, als wäre nichts gewesen.Es geht aber auch in die andere Richtung. So eine Sonnenblume sieht ja toll aus, sie steht sinnbildlich für den Sommer. Oft wachsen sie sehr schnell und werden richtig groß. Dann bilden sie mit ihrer großen Blüte und den Kernen drin eine wirklich beeindruckende Pflanze.Jetzt ist aber eine so genannte Zwergsonnenblume gerade im Topf eingegangen. Aber warum? Sie hatte genug Wasser bekommen, viel Sonne, aber auch nicht zu viel, die Erde war gut, der Topf auch nicht zu klein, außerdem soll sie für Topfhaltung besonders geeignet sein und es war kein Ungeziefer an ihr. Und trotzdem: Die Blätter werden welk, sie lässt den Kopf schon etwas hängen und bald ist sie hin, ein wundersames Comeback wie bei den Rosen ist ausgeschlossen.Ohne das Bild von der Sonnenblume überstrapazieren zu wollen: Geht es uns nicht oft ähnlich? Die Voraussetzungen stimmen, die Umstände scheinen zu passen und trotzdem scheitern wir. Man fängt einen neuen Job an, der genau zu passen scheint, die Kollegen sind nett. Und doch bekommt man recht schnell das Gefühl: Das passt ja doch nicht und nach einigen Monaten merken beide Seiten: Das geht beruflich so nicht weiter.Oder ich muss an die vielen Paare denken, die am Anfang ganz verliebt sind, alles scheint zu passen, die Voraussetzungen für eine harmonische Partnerschaft sind da, gemeinsame Interessen, ähnliche Vorstellungen und Erwartungen an das Leben. Und trotzdem kommt es oft genug zu einer schmerzhaften Trennung und eine große Enttäuschung darüber, dass das Leben zu zweit gescheitert ist.Wir können vieles in unserem Leben kontrollieren, zu unseren Gunsten beeinflussen. Oder wir werden sogar positiv überrascht; um im Bild zu bleiben: die platt gewalzten Rosen treiben doch wieder aus.Schwieriger wird es, wenn wir unser Bestes gegeben haben, wenn wir uns wirklich bemüht haben und trotzt allem steht da eine Enttäuschung.Wie können wir damit umgehen? Mir hilft der Gedanke, dass da einer ist, der uns vorbehaltlos liebt und immer bei uns ist. Der in seinem am Kreuz gescheiterte Sohn zeigt, dass am Ende das Leben, die Hoffnung und nicht der Tod, die Verzweiflung gewinnt.Gott gibt jedem Menschen seine Würde und liebt jede und jeden von uns, egal ob vermeintlich erfolgreich oder gescheitert. Das nimmt die Enttäuschung nicht weg – aber kann uns helfen, damit und mit all den schwierigen Phasen in unserem Leben umzugehen.