Maria ist zum Streitfall geworden. Erst Maria 2.0 als Titel für
eine hervorragende Fraueninitiative, die um die Gleichberechtigung
von Frauen in unserer Kirche kämpft und als Antwort darauf Maria
1.0, die besagt, dass die Gottesmutter kein Update braucht und so
verehrt werden kann wie immer.Hm. Und nun? Wenn ich darauf schaue,
wer dieses junge Mädchen war, das in dem Glauben aufgewachsen ist,
dass ein jüdisches Mädchen den Messias zur Welt bringen wird, die
zu dieser Ungeheuerlichkeit der Verkündigung durch den Engel ja
gesagt hat, obwohl sie genau wusste, dass sie dafür gesteinigt
werden könnte, dann sehe ich keine stumme, liebliche, demütige und
im stillen Kämmerlein lebende Frau, sondern einen Ausbund an Mut
und Courage. Wer sich in der damaligen patriarchalischen
Gesellschaft als Frau zutraut, mehr auf Gott als auf die Menschen
zu hören, hat mehr als Mut. Sie hat ein Gottvertrauen, das über den
Tod hinausgeht. Und wenn man ihr Gebet liest, das wir als
Magnificat kennen und das sie beim Besuch ihrer Base Elisabeth
jubelt, dann kann man nicht nur zwischen den Zeilen eine sehr
offene Gesellschafts- und Religionskritik heraushören.Sie preist
Gott, der auf sie als nichtsbedeutende Frau ihrer Zeit schaut, und
weiß schon da, dass man in Jahrhunderten und Jahrtausenden von all
den männlichen Herrschern kaum noch etwas wissen wird, aber sie
selbst von allen gepriesen werden wird. Sie weiß, dass Gott auf
alle schaut, die als niedrig und nichtssagend in Welt und Kirche
gelten, und dass er die hochhebt, die vor ihm Achtung haben. Sie
ahnt, dass Gott die Hochmütigen in alle Winde zerstreut, weil er
alle Machthaber, egal welcher Couleur, von ihren Thronen stürzen
wird. Denen, die nach Ihm und seiner Gerechtigkeit hungern, wird er
beschenken, und die, die glauben alles zu besitzen, werden mit
leeren Händen dastehen. Eine solche Frau, die aus der Kraft des
Heiligen Geistes so leben und beten und mit ihrem Sohn bis unters
Kreuz gehen wird, ist es mehr als wert, sie zu beachten und zu
feiern und als Vorbild für Frauen und Männer in unserer Kirche zu
sehen.
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