Ich bin ein totales Verpackungsopfer. Es gibt bestimmte
Produktverpackungen im Supermarktregal, die mich einfach so sehr
ansprechen, dass ich zum Beispiel unfassbar viele Sorten Tee im
Regal habe. Obwohl ich eigentlich viel mehr Kaffeetrinkerin
bin. Kennst du das? Wenn du Dinge kaufst, einfach weil du
denkst, du müsstest sie haben wollen, obwohl du irgendwie weißt,
dass du sie eigentlich gar nicht brauchst? Und heute ist das
ja oft noch ein bisschen verrückter. Als gläserner Kunde weiß der
Versandhändler manchmal schon vor mir, was ich angeblich benötigen
könnte. Werbung wird immer gezielter. Es geht darum, meine
Aufmerksamkeit zu bekommen. Mich irgendwie zu ködern. Und bei
diesem Wort muss ich über den Begriff des "Menschenfischens"
schmunzeln. Denn im Lukasevangelium sagt Jesus tatsächlich zu
Simon: "Von jetzt an wirst du Menschen fangen."Und ja: Menschen
fangen. Das steht da wirklich so. Ich finde das heute erst
einmal einen ziemlich befremdlichen Ausdruck. Menschen sind doch
keine Beute. Sie sollen nicht geködert, eingefangen oder
festgehalten werden. Aber die Geschichte dazu finde ich
spannend. Simon und die anderen Fischer waren die ganze Nacht
draußen. Sie haben gearbeitet, ihre Netze ausgeworfen und nichts
gefangen. Die Netze sind leer. Und dann sagt Jesus zu Simon: Fahr
noch einmal raus. Wirf die Netze noch einmal aus. Simon macht
es. Obwohl er eigentlich allen Grund hätte zu sagen: Das bringt
doch sowieso nichts. Und plötzlich sind die Netze so voll,
dass sie fast reißen. Eigentlich könnte die Geschichte hier
wunderbar zu Ende sein. Leere Netze, Vertrauen auf Jesus, volle
Netze. Erfolgsgeschichte. Fertig. Aber sie geht
weiter. Denn ausgerechnet jetzt lassen die Fischer ihre vollen
Netze zurück und folgen Jesus. Und deshalb glaube ich auch nicht,
dass Jesus mit dem Menschenfischen einfach nur das nächste volle
Netz meint. Möglichst viele Menschen einfangen. Möglichst viele
Follower sammeln. Interessanterweise benutzt das
Lukasevangelium an dieser Stelle sogar ein besonderes Wort. Eines,
in dem es darum geht, Menschen lebendig zu fangen, sie für das
Leben zu gewinnen. Und vielleicht muss ich dieses
Menschenfischen deshalb ganz anders verstehen. Ich stelle mir
diese neuen Netze gerne als Lebensnetze vor. Netze aus Menschen,
aus Begegnungen, aus Beziehungen und Liebe. Denn vielleicht
gibt es einfach ganz unterschiedliche Arten von Fülle. Mein
Warenkorb kann voll sein. Mein Teeregal kann voll sein. Mein
Kleiderschrank kann voll sein. Und daran ist nicht alles schlimm.
Aber mein Leben kann eben auch voll sein. Voll mit Menschen.
Mit Begegnungen. Mit Beziehungen. Mit Liebe. Und vielleicht
ist das die Art von vollen Netzen, zu denen Jesus seine Jünger
losschickt. Netze, die ich immer wieder auswerfen kann. Auch
dann, wenn ich denke: Das bringt doch sowieso nichts. Auch dann,
wenn sie gerade ziemlich leer aussehen. Im Vertrauen darauf, dass
mein Leben sich füllen kann. Und meinen Tee darf ich trotzdem
behalten.
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