Heute ist der Tag des positiven Denkens. Eigentlich interessant,
dass man einen solchen Tag braucht. Der Glaube will aber genau auch
das in unserem Leben erwirken, positives Denken. Dabei beginnt der
Glaube oft nicht am helllichten Tag, sondern in der Nacht, so wie
bei Nikodemus. Er kommt zu Jesus mit Fragen, mit Unsicherheit, mit
einer Sehnsucht nach mehr. Nicht als Gegner, sondern – das macht
ihn besonders – als Suchender.Das Johannesevangelium beschreibt
Glauben dabei nie als Besitz. Glauben ist kein Substantiv, kein
Haben, es ist ein Verb. Glauben heißt sich anvertrauen, sich
binden, sich in Bewegung setzen, nicht nur etwas für wahr halten,
sondern jemandem das eigene Leben anvertrauen, positiv zu denken,
könnte man auch sagen. Jesus spricht mit Nikodemus von einer neuen
Geburt, von einem Leben aus dem Geist und er benutzt ein starkes
Bild: Der Wind weht, wo er will. Der Geist Gottes ist nicht
verfügbar. Er ist kontrollierbar, aber nicht erfahrbar, wie der
Wind unsichtbar und doch mit spürbarer Wirkung.Dieses Leben aus dem
Geist steht quer zu vielem, was unseren Alltag prägt, zu
Selbstoptimierung, Leistungsdruck, ständiger Vergleichbarkeit. Ein
Leben aus dem Geist lebt nicht aus reiner Selbstüberzeugung. Es
lebt aus Beziehung, aus dem Vertrauen, dass mein Wert nicht
gemacht, sondern geschenkt ist, positives Denken eben. Im Zentrum
steht dabei ein Wort Liebe, nicht irgendeine Liebe, sondern Agape,
eine Liebe, die nicht berechnet, nicht festhält, nicht sich selbst
sucht.So liebt Gott die Welt, nicht als heile Idylle, sondern in
all ihrer Ambivalenz und Gottesferne. Und das Ziel dieser Liebe ist
nicht bloß ein Leben nach dem Tod. Es ist ewiges Leben, Leben in
Gemeinschaft mit Gott. Nikodemus bleibt ein Suchender. Er versucht
positiv zu denken und darin wächst er und am Ende tritt er ins
Licht.Vielleicht ist das auch unsere Frage: Wo suche ich nach Sinn,
Wahrheit, Orientierung? Wo beginnt mein Glaube vielleicht noch in
der Nacht und wo lädt Gott mich ein, einen Schritt ins Licht zu
wagen, auch wenn sich manches verändert? Denn wo wir uns dem Geist
öffnen, da beginnt Leben, nicht perfekt, aber echt, eben positives
Denken.
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