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  4. Wenn ein langes Leben endet
Heute wird eine unserer Mitschwestern beerdigt. Die dritte in
diesem Jahr. Sie war im 100. Lebensjahr und wirklich eine sehr
starke und besondere Frau. Und bei den Überlegungen, was wir
in den Totenbrief schreiben könnten, war die Auswahl zunächst
schwierig. Sie hat im Laufe ihres langen Ordenslebens in so vielen
sozialen und karitativen Einrichtungen gearbeitet, sich mit
Fortbildungen immer gut qualifiziert und mit hohem Engagement
eingesetzt. Das ist immer die eine Seite des Ordenslebens. Die
nächste Seite ist das geistliche Leben in Gebet und Bibellektüre,
Exerzitien und auch hier Fortbildungen, das ganze Leben
lang. Und die dritte Seite das Leben in der Gemeinschaft, im
Kloster, in der Provinzgemeinschaft mit den jeweiligen Schwestern.
Und in unseren Überlegungen sind uns ein paar Dinge besonders ins
Auge gefallen. Sie war eine herzliche und immer sehr
authentische Schwester. Ihr Augenmerk lag auf den Anliegen und
Sorgen der einzelnen Schwestern. Wobei sie besonders die im Blick
hatte, die sonst nicht so gesehen wurden. Oft werden ja auch in den
Familien erst die beachtet, die hervorragende Dinge leisten oder
auch die, die immer Probleme und Sorgen machen. Und da fallen die
stilleren, ruhigeren und zurückgezogenen oft durchs
Aufmerksamkeitsraster. Bei ihr nicht. Sie hat immer versucht
und meist geschafft, Brücken zu bauen zu den Einzelnen. Und sie war
eine biblisch fundiert gläubige und zutiefst fromme Frau, die ihr
Interesse an Kirche und Ordensgemeinschaft immer gepflegt hat.
Vielen Schwestern ist ihre Begeisterung für die Gestaltung von
Festen und Feiern in bester Erinnerung sowie die Liebe zum Detail
und zu einer schönen ästhetischen Gestaltung von Räumen und
festlichen Tafeln. Das hat mir echt gefallen. Jemand die immer
in verantwortlichen Positionen gestanden hat und viele lange und
anstrengende Zeiten kannte, und den Schwestern fallen da eher
hunderte Geschichten ein, wie sie andere beschenkte, mit herzlichen
Kleinigkeiten Freude gemacht hat und eine Begeisterung dafür hatte,
Feste und Feiern im Kloster schön zu gestalten und heitere Ästhetik
zu vermitteln. Und dann waren noch die letzten, etwas mühsamen
Monate, in denen sie an den Gebrechen ihres hohen Alters gelitten
hat und aber ganz klar gesagt hat: Ich nehme das in Ruhe an, aber
ich bin auch bereit zum Sterben und freue mich auf die Begegnung
mit meinem Herrn Jesus Christus. Eine solche Frau ist ein starkes
Vorbild fürs Leben und für den Umgang mit dem herannahenden
Tod. Und da stellt sich für mich und auch für Dich vielleicht
die Frage: was möchte ich, das man später mal über mich sagt oder
schreibt? 
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„Wenn ein langes Leben endet“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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