Morgenimpuls Archiv
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In der Woche vor Weihnachten war ich in einem Gymnasium in Aachen in einer 10. Klasse zu Gast. Sie hören immer mal morgens mit ihrem Lehrer den Morgenimpuls und sind auf die Idee gekommen mich einzuladen. Bis vor zwölf Jahren waren an dieser Ursulinenschule noch Schwestern mit einem Konvent, aber das haben diese Schülerinnen ja nicht mehr erlebt. Also war es spannend für sie, eine Ordensfrau live und in Farbe zu erleben und fast zwei Stunden auszufragen.Im Oratorium, einem Gebetsraum der Schule, wurden zwei Sitzkreise gebildet und dann konnte es losgehen. Ich habe sehr schnell gespürt, dass die Fragen sehr gut durchdacht und reflektiert waren und es ein wirkliches Gespräch geworden ist. Ich spüre an Schulen immer, dass die Wissbegierde groß ist, da es nur noch so wenige Ordensleute gibt die diese, so exotisch anmutende, Lebensform vorstellen können. Schon fast ganz am Anfang kam die Frage, wie ich denn auf die Idee gekommen bin, diesen Lebensweg einzuschlagen. Und so habe ich von meinem Weg erzählt: vom Christwerden im Elternhaus, vom Gegenwind durch Schule und staatliche Repressionen in der DDR, vom Erleben von Ordensfrauen im Dorf und im katholischen Jugendbildungshaus und so weiter.Und da denke ich, ist es vielleicht auch für Sie heute früh, am vorletzten Tag des Jahres, die Frage, wie sich Ihr Leben entwickelt hat und wie sind sie dahin gekommen, wo und wie sie heute leben. Die letzten Tage des Jahres sind eine gute Möglichkeit, mal bei einem Spaziergang oder bei Kerzenschein und guter Musik, darüber nachzudenken.Und in der Schule, fast am Ende des Vormittags, bat der Lehrer, ob ich denn den Schülerinnen etwas mit auf den Weg geben könnte. Da blieb mit die Bitte an sie, gut zu überlegen, was sie mit ihrem Leben machen möchten, wie sie sich engagieren, welchen Beruf sie wählen und welche Art zu leben sie wählen möchten. Und die Bitte, das alles mit ihrem Glauben an Gott und ihrem Leben als Christinnen zu verbinden.
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Der heutige Gedenktag des Apostels und Evangelisten ist mit einem alten Brauch verbunden, der "Johannesminne". In meinen ersten Jahren im Kloster gab es am Johannestag einen Brauch, den ich nicht kannte und der uns jungen Schwestern ein bisschen komisch und witzig, weil eben fremd, war. Die Oberin hat eine Flasche des eigens in der Heiligen Messe geweihten Weines geöffnet, ein Glas eingeschenkt und ist von Schwester zu Schwester gegangen und hat feierlich gesagt: "Trinke die Liebe des heiligen Johannes!"In der vorchristlichen Antike kannten die Griechen und Römer ein besonderes Trankopfer zu Ehren ihrer Götter. Ähnliches begegnet uns bei den Volksstämmen der Germanen. Das Mittelalter wandelte diesen uralten Brauch zu einem "Trinken zu Ehren der Heiligen" um. Bis in die jüngere Zeit reichte man in der römischen Basilika San Nicola in Carcere am Tag des großen Volksheiligen Nikolaus Brot und Wein; die Pilger, die zur Heiligtumsfahrt nach Kornelimünster bei Aachen wallfahrteten, erhielten Kornelibrot und -wein. Aber sowohl die Römer als auch die Rheinländer – die in ihrer Mentalität ziemlich verwandt sind – dürften diese Form der Verehrung zu eifrig betrieben haben. In unseren Tagen muss sich der Gläubige an beiden Orten mit Brot alleine begnügen.Es ist ein sympathischer Brauch, mit einem guten Wein anzustoßen und auf den zu trinken, der so wunderbar in einem Brief gesagt hat: "Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm"
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Wir alle kennen das große Te Deum im Gotteslob: das "Großer Gott wir loben Dich, Herr wir preisen Deine Stärke. Vor Dir neigt die Erde sich, und bewundert Deine Werke." In der Version die wir kennen, wird die Größe und Herrlichkeit Gottes besungen, auch alle, die ihn loben und preisen werden aufgezählt: die Engel, die Apostel und die Propheten, und die Blutzeugen, wie der Heilige Stephanus, an den wir heute denken. Und dann geht es in den nächsten Strophen um unsere Versprechen, ihm zu dienen und ihn zu ehren und an ihn zu glauben. Sehr machtvoll, sehr prächtig, sehr inbrünstig geschmettert an hohen Festtagen.Bei dem Schweizer Pfarrer Ueli Greminger habe ich eine Version des Liedes gefunden, die genau in unsere Zeit zu passen scheint. In die Zeit, die geprägt ist von Krieg und Krisen, von Diktatoren und Tyrannen, von Millionen Flüchtenden, von Katastrophen und Nöten, die unendlich viele Menschen betreffen. In seiner Version des "Großer Gott wir loben Dich" heißt es ganz anders:Kleiner Gott, wir lieben dich. Kind, uns rührt das Schwache, Zarte.Wieder zeigt an Weihnacht sich: Weiches bricht das Starke, Harte.Klein fängst du auf Erden an, dass der Mensch dich lieben kann.Gott zeigt sich als Menschenkind, denn wir fürchten seine Größe.Weil wir eingeschüchtert sind, zeigt sich Gott in seiner Blöße.Und er zittert und er friert, dass der Mensch die Angst verliert.Kleiner Gott, dich lieben wir. Klein ist noch dein Reich auf Erden.Schwache Menschen dienen dir, und dein Reich wird grösser werden.Friede sei in diesem Haus Und dring in die Welt hinaus.
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"Moment, ich verbinde", höre ich manchmal am anderen Ende der Telefonleitung, wenn ich jemand Wichtigen sprechen möchte und im Vorzimmer gelandet bin. Wichtige Leute haben meist ein Vorzimmer, das die Korrespondenz führt, Anfragen bearbeitet und auch unliebsame Kontaktanfragen abwimmelt. Und wenn ich Pech habe, dann bekomme ich diese wichtige Person gar nicht selbst zu sprechen, sondern nach einer Weile in der Warteschleife meldet sich das Vorzimmer wieder zurück und dann heißt es: "Der Herr Doktor lässt ausrichten, dass …". Ich gebe zu, dass mich das manchmal ganz schön nervt, weil es auch manchmal etwas wichtigtuerisch daherkommt. Andererseits denke ich aber, dass manche Leute ganz gut ein Vorzimmer gebrauchen können, das ihnen den Rücken freihält. Und was hat das nun mit Weihnachten zu tun?Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Hebräer, dass Gott viele Male und auf vielerlei Weise zu den Menschen gesprochen hat, allerdings meist durch die Propheten. Sie waren also ein solches Vorzimmer, das als Stimme Gottes gewirkt und seine Botschaft den Menschen gebracht hat. Doch jetzt spricht Gott selbst zu uns – ohne ein Vorzimmer, das ausrichten lässt "Gott wünscht, dass und das sollt ihr tun …". Er kommt nämlich selbst in diese Welt, indem er einer von uns wird. Das Vorzimmer wird plötzlich aufgelöst. Er kommt in seine Welt und wird in einem Stall in einem unbedeutenden Kaff am Ende der Welt geboren. Ganz normal, wie Tausende heute in armen, unbehausten, kriegerischen Situationen. Ein Gott, der so unmittelbar ist, dass er in unser Chaos kommt als ein kleines, verwundbares Kind, das zeigt, wie solidarisch er mit uns ist. Zeigen wir diese Solidarität allen Menschen, indem wir auch ihnen ganz nahe sind – live und in Farbe und in der Freude der Weihnacht.
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Aus irgendeiner Idee heraus habe ich mir das Video vom Krippenspiel im DOMRADIO im Dezember 2020 noch einmal angeschaut. In dieser Coronaweihnacht hatten wir mit Kindern vom Josefshaus aus Olpe und Dumicke und Schwestern und Nachbarn und Mitarbeitenden das Stück eingeübt und dann für den Nachmittag am Heiligen Abend aufgeführt und aufgezeichnet. Und als ich es mir nochmal angeschaut habe, sind mir an manchen Stellen die Tränen gekommen, so berührt war ich.Da war der Josef, der immer den Text vergessen hat, immer in die falsche Richtung geschaut und immer ganz schnell alles runtergerattert hat. Da war ein zartes Mädchen, das als Engel auf einen Hocker klettern musste, weil das Ambo zu hoch war und die dann, mit einem Bein wippend, die beste Botschaft der Welt ganz aufgeregt runtergelesen hat. Da war Maria, die sehr robust und wenig sanft und gütig sein wollte und die sich geweigert hat einen Rock oder sowas anzuziehen und die die Geschenke der Hirten kurz angeschaut und dann einfach auf den Altar gelegt hat, weil sonst kein Platz für die Gaben war. Da waren die Könige, die nicht mehr so genau wussten, was sie sagen wollten und die kleine Flötenspielerin, die, wenn sie sich verspielt hatte, unbeirrt weitergespielt hat.Am Ende aller Aufzeichnungen und nachdem alles "im Kasten" des Kameramannes war, merkte man die Erleichterung der Kinder, dass alles geschafft war und die Freude über den leckeren Kuchen, den die Erzieherinnen extra dafür gebacken hatten. Es war nichts perfekt an diesem Spiel, aber es hatte etwas von der wunderbaren Antiphon des heutigen Invitatoriums: "Heute sollt ihr wissen, dass der Herr kommt und morgen werdet ihr schauen seine Herrlichkeit!" Die Kinder und Jugendlichen wollten mit ihrem zauberhaften, nicht perfekten Spiel zeigen, dass die beste Botschaft der Welt auch in der heute nicht perfekten Welt verkündet werden muss, weil Gott wirklich Mensch geworden ist für uns.
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Heute ist Montag, aber irgendwie ein anderer Montag. Heute ist der Tag vor dem Tag und der Nacht vor dem Festtag. Heute stellen wir bei uns im Konvent den Christbaum auf und schmücken ihn. Mit Strohsternen und Holzfiguren, Glaskugeln, Lichterketten und echten Kerzen ist er jedes Jahr eine fröhlich glänzende Verheißung für das Fest.Und erst vor ein paar Tagen ich habe gelesen, dass im Mittelalter in den nächtlichen Christmetten zunächst ein Paradiesspiel gespielt wurde. Eine Tanne oder ein Buchsbaum wird mit Äpfeln geschmückt und an die Vorgeschichte erinnert: Adam und Eva wollten sein wie Gott und haben nicht auf sein Gebot gehört. Seit sie den Garten Eden verlassen mussten, waren die Menschen von Gott getrennt. Diese Trennung, wurde dann durch die Geburt Jesu aufgehoben."Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis" heißt es im schönen Weihnachtslied "Lobt Gott, ihr Christen alle gleich" Dieses Paradiesspiel ist in Vergessenheit geraten, aber ich finde, dass es nochmal deutlicher macht, dass es um die Versöhnung Gottes mit seinen Menschen geht und um die Verheißung dessen, der kommen wird und einen Plan für uns hat.Im heutigen Mittagsgebet gibt es eine schöne Zusage, die vom Propheten Jeremia dem Volk von Gott zugesagt worden ist. Da heißt es: "Ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben. Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden - Spruch des Herrn."Bleiben wir auf der Suche nach ihm, der uns Zukunft und Hoffnung geben will.
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Kurzer Impuls zum 4. AdventHeute gebe ich Ihnen ein paar Zeilen von Andreas Knapp mit in den 4. Adventssonntag.Er schreibt: Tag für Tagschließt sich leiseein Türchen deines Lebensund deine Möglichkeitenfallen unwiderruflichins Schlossdie verriegelte Türin der Mitte aberDu selbstöffnest Du Dichvielleicht schaut dich dannüberraschend ein Kind an.
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Kurzer Impuls zum Samstag der 3. Adventswoche- fast alle Türchen am Adventskalender sind geöffnet- fast alle Geschichten aus einem anderen gelesen- fast alle Abendgebete aus einem dritten gebetet- fast alle Teile aus einem Puzzleadventskalender zusammengebaut- fast alle Geschenke verpackt, verschickt, versteckt- fast alles fürs Fest vorgeplant, eingekauft, gebacken, vorgekocht, eingeladen- fast alles- Etwas fehlt noch - Einer- KOMM
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Mit mir am Tisch, beim Schwesternkaffee im Kinderhospiz, sitzt ein Ehepaar mit ihrem schwerstbehinderten Kind im Spezialrollstuhl und die Mama hat noch ein Handy mit dem Überwachungsbildschirm für das andere Kind, das mit ihnen hier ist. Wir haben uns unterhalten und dann sehr erstaunt ihre Geschichte gehört. Jung verheiratet haben sie die Diagnose bekommen, dass sie leider keine Kinder bekommen können. Und so haben sie beschlossen, als Pflegeeltern behinderte Kinder aufzunehmen. Gesagt getan, und weil es sehr an Pflegeplätzen mangelt, hatten sie sehr schnell 2 Pflegekinder. Als sich alles gut eingespielt hat, wird sie, gegen alle Diagnosen, schwanger und bekommt einen kerngesunden Sohn. Und nach weiteren Jahren und verschiedenen Pflegekindern bekommt sie noch eine Tochter. Die beiden Eltern machen einen wunderbar abgeklärten Eindruck und können mit Vergnügen Storys erzählen, die die Reaktionen von Mitmenschen deutlich machen. So sind sie im Campingurlaub mit zwei Campinganhängern und einer Handvoll Kinder. Die Nachbarn auf dem Campingplatz sehen schon ihre Urlaubsruhe dahingehen und sind dann sehr erstaunt, wie friedlich, freundlich und liebevoll das Miteinander der Großfamilie ist und wie gut das zusammen geht. Mich persönlich hat beeindruckt, dass sie, als sie die Diagnose bekommen haben, nicht kapituliert haben und resigniert sind, sondern aus ihrem Glauben an die Güte Gottes sich Kindern zugewandt haben, die sehr dringend hilfsbereite Ersatzeltern und viel Liebe und Pflege brauchen. Als ich nach ihrem Beruf gefragt habe hat sie gelacht und gesagt: ich bin Erzieherin und wollte immer gern viele Kinder. Sie hat sie bekommen. Anders als geplant, anders als diagnostiziert und anders, als sie selbst je gedacht hätte – mit viel Gottvertrauen und einem offenen bereiten Herzen.
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Wie in jedem Advent, werden wir Schwestern hier aus Olpe in unser Kinderhospiz "Balthasar" zum Schwesternkaffee eingeladen. Da kommen also ein Teil von uns Schwestern, alle Mitarbeitenden, die Dienst haben und alle Eltern mit ihren schwerkranken Kindern, die gerade im Kinderhospiz eine Auszeit vom stressigen Alltag mit Pflege und Betreuung ihrer Kinder erleben dürfen. Und es ist liebevoll gedeckt, wunderbarer Kuchen gebacken, es gibt Lieder und Geschichten und herrliche Plauderei an den Tischen. Und da habe ich Hannah wiedergetroffen. Sie war mit ihrer älteren Schwester jahrelang bei uns in den Mädchengruppen und Wochenenden. An einem der Wochenenden waren wir mit den Mädchen damals im Kinderhospiz, um zu zeigen, wie sich Menschen einsetzen für das Wohl anderer.Tja und jetzt studiert sie Heilpädagogik und macht ihr Praxissemester im Kinderhospiz. Ein klitzekleines bisschen Stolz bin ich schon. Und erfreut und begeistert von ihrem Engagement. Es ist ja oft so, dass man gar nicht ahnt, was man mit dem was man denkt und redet und vorlebt und tut, in Menschen anregt. Da sagt jemand zu mir: "Du hast mal an einem Einkehrtag gesagt, dass Gott will, dass man glücklich wird. Ich habe mich lange damit beschäftigt und dann mein Leben komplett umgekrempelt, damit ich und die Meinen wieder glücklich werden." Ich war echt sprachlos und habe dem Heiligen Geist gedankt, dass er mir immer wieder solche Worte gibt, die ich weitergeben kann, um Menschen auf seine Spur zu bringen. Die heutige Lesung gibt das aus dem Mund des Propheten Jesaja kund: Der sagt für damals und für uns heute: "Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem kommt sein Wort."Gehen wir heute auf Gottes Wegen und hören wir auf SEIN Wort.
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In vielen Kirchen gibt es noch die Feier der Roratemessen. Sie heißen bei den Gläubigen so, weil der uralte Text aus dem Buch Jesaja genommen wurde, in dem die tiefe Sehnsucht der Menschen nach Heil und Erlösung beschrieben wird. Im Lauf der Jahrhunderte ist dieser Text gerade im Advent vielfach gesungen worden und wird – eingebettet in eine stimmungsvolle Liturgie mit vielen Kerzen in einer dunklen Kirche – zu einem ahnungsvollen, stillen Hören. Der Rorategesang, der dort gesungen wird, packt mich immer neu. Darin heißt es in der vierten Sequenz: "Tröste Dich, tröste Dich, Volk meiner Gnade. Denn nahe ist Deine Rettung. Warum verzehrst Du dich in Trauer, da dich Dein Schmerz erneuert. Heil schenk ich Dir. Fürchte Dich nicht mehr. Denn ich bin der Herr Dein Gott und König. Der heilige Israels und Dein Erlöser."Der Ruf nach Erlösung und einem starken Erlöser, geht durch die Menschheitsgeschichte bis heute. Die Suche nach dem starken Mann mit den einfachen Lösungen und dem simplen Schwarz-Weiß-Denken kommt in allen Generationen bis in unsere Tage wieder hoch. Die Maos, Stalins, Hitlers, Jipings früherer und heutiger Tage wurden mächtig, weil sie den Massen suggeriert haben, dass sie die Lösung aller Probleme und Fragen parat haben und man ihnen nur die Macht in die Hand geben soll. In diesem Lied aber ist von Trost die Rede, nicht von billiger Vertröstung. Wirklicher Trost bietet die Zusicherung, mit mir durch dieses Leid, diese Katastrophe zu gehen. Mich darin nicht zu verlassen und mich stattdessen an die Hand zu nehmen und mir zu helfen, damit wir das das gemeinsam schaffen. In der Ankündigung, dass Rettung nahe ist, werden innere und äußere Kräfte freigesetzt, die mir helfen durchzuhalten und die Hoffnung, dass es gut ausgeht, nicht zu verlieren. "Tröste Dich, tröste Dich, Volk meiner Gnade. Denn nahe ist Deine Rettung" ist ein machtvollerer Trost als ein "das wird schon wieder, du wirst sehen"
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Ich bin immer wieder überrascht, dass überall Menschen nicht aufgeben um den Frieden zu beten. Andere denken, was hilft das schon, wenn Diktatoren oder Regimes einfach nur weiterbomben, um möglichst viel zu zerstören und kein Interesse am Frieden haben? Beten hilft: uns selbst, damit wir die Hoffnung nicht verlieren, und den Menschen in den Kriegsgebieten, die unsere innere und äußere Solidarität spüren und ahnen.Bei einem Friedensgebet hier in der St. Martinus-Kirche, hat die Leiterin ein Blatt mit einem Gebetstext ausgeteilt, mit dem Titel: Jesu Friedensgebet, das wir dann gemeinsam gebetet haben. Und es hat mich so gepackt, dass ich es jetzt in Ruhe mit Ihnen beten möchte:Gott Vater, Du bist im Himmel und genauso auch auf Erden,in unseren Tagen mit ihren vielen Notlagen, Klagen und Plagen.Dein Name soll in Ehren gehalten werden an allen Orten, zu allen Zeiten,von allen Menschen in allen Kulturen und Religionen.Dein Reich soll kommen überall dorthin, wo Menschen leben und lieben,aber leiden, hungern und kämpfen, hoffen und bangen.Dein Wille soll geschehen in allem, was geschieht, auch wenn wir es nicht verstehen und begreifen, nicht erklären und gutheißen können.Dein Brot soll uns täglich nähren und lehren, es mit allen zu teilen,deren Tisch, Tafel und Teller sonst völlig leer bleiben.Vergib uns unsere Schuld, die wir auf uns geladen haben,die wir nicht annehmen wollen, die wir auf andere abschieben.Wie auch wir vergeben all denen, die uns enttäuscht, abgelehnt,ausgenutzt, misstraut oder gekränkt haben.Führe uns in der Versuchung, die uns bedrängt und bedroht,verunsichert und belastet, gefährdet und verdirbt.Erlöse uns von dem Bösen, der Bosheit jeder Lüge, der Brutalität des Hasses, der Bestie des Krieges.Denn dein ist das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens. Amen.
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Wir sind in der dritten Woche des Advents und es geht ja nicht nur um die Erwartung auf Weihnachten hin, also auf das Geburtstagsfest Jesu, dass wir so typisch feiern wollen, oder auf die Erwartung des kommenden Jesus am Ende der Zeit, es geht auch darum, sich selbst auf den Weg zu machen. Auf Wege, die uns mehr zu uns selbst, zu unseren Mitmenschen, zu unserem Glauben und zu Gott führen.Und ich mache mich mit einigen Kollegen jetzt gleich auch auf einen besonderen Weg. Eine Schulklasse in Aachen hört mit einem ihrer Lehrer immer mal zu Beginn des Unterrichts den Morgenimpuls und dann sind sie auf die Idee gekommen, mich doch mal einzuladen und im Unterricht etwas zu erfahren über Orden und Ordensfrauen und das live und in Farbe. Also steige ich ins Auto, dann in den Zug und dann wieder in ein anderes Auto, um gemeinsam und pünktlich dorthin zu kommen.Ich muss also auch verschiedenes hoffen: dass mein Auto anspringt, dass kein Glatteis herrscht, dass der Zug nicht ausfällt, dass wir mit dem anderen Auto gut durch den Berufsverkehr kommen und so weiter und so fort. Irgendwas ist immer, das einen ausbremsen kann im wahrsten Sinn des Wortes: Wetterlagen, technische Probleme, Menschengemachtes und zufällig Passierendes. Aber das ist nicht das, das uns aufhalten sollte. Denn wir werden erwartet. Bei mir jetzt gleich zunächst von den Kollegen, die mich in Köln mitnehmen und dann von einer neugierigen und sicherlich schon gespannten und ein bisschen hibbeligen Schulklasse mit ihrem Lehrer und ihren vielen Fragen.Wir werden erwartet, weil es den Auftrag Jesu gibt hinauszuziehen in die ganze Welt und allen Geschöpfen das Evangelium zu verkünden. Manchmal ist die ganze Welt die neuen Nachbarn, die Kontakt und Anschluss suchen, manchmal sind es die fernen Notleidenden, die wir durch die Nachrichten kennenlernen, manchmal sind es die Arbeitskollegen, die vor Kurzarbeit oder Entlassung stehen und zu deren Demo wir mitgehen und manchmal ist es eben eine Schulklasse.Machen wir uns auf den Weg und freuen wir uns, dass wir gerufen sind, dass wir einen Auftrag haben und dass wir erwartet werden.
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Ein ganz freier Adventssonntag. Keine Verpflichtungen. Keine netten Einladungen anzunehmen.Kein noch so schönes Konzert. Kein Weihnachtsmarkt. Kein Basar. Keine Adventsfeier.Nur drei Kerzen anzünden. Und Dasein. Gaudete – Freue DichUnd wisse: Gott ist da.
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Zurzeit laufen Werbespots mit Günther Jauch unter anderem für eine Versicherung. Die sind manchmal ganz witzig und haben immer die Frage: Wo soll es denn hingehen? Ein kleines Mädchen, dass mit dem Fahrrad hingefallen ist, zeigt nach der Frage, wo es denn hingehen soll mit dem Finger in eine Richtung und jubelt: Da. Und Günther Jauch antwortet: Na schön, wenn die Richtung schonmal klar ist. Wo soll es bei Ihnen hingehen an diesem Samstag vor dem dritten Advent? Ist Ihnen Ihre Richtung auf Weihnachten hin auch so klar?