Morgenimpuls Archiv
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Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian und Maximian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung, er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet. Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Schutzpatron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste, ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt. Und wenn wir zurzeit schauen, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgte Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze drumherum ja auch nicht so verkehrt.
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Der Noch-Präsident hält seine Abschiedsrede an die Nation und warnt vor diesem neuen Typen von Oligarchen, die unfassbar reich sind und glauben, Politik mit Geld machen zu können. Der zukünftige Präsident hat in den Wochen seit seiner Wahl mit Ideen sich neue Länder ins Land einzuverleiben, schon dermaßen viel Unruhe gestiftet, dass man mit Angst und Sorge in die Zukunft schaut. An einen völlig anders tickenden Menschen denken wir in der Kirche heute: Antonius, der Mönchsvater, geboren 251 in Kome in Mittelägypten, war der Sohn wohlhabender christlicher Eltern. Nach deren Tod hat er seinen Besitz verschenkt und sich in die Wüste zurückgezogen, um für Gott zu leben. Sein Ruhm hat sich dort aber sehr schnell verbreitet, weil er ein so klares Denken hatte, ein solch geistvoller Mensch geworden war, dass viele Menschen gekommen sind, um ihn um Rat zu bitten und um sein Gebet. Oder wollten bei ihm lernen, wie auch sie als Geistliche und Asketen leben konnten. Sie haben gespürt, dass dieser Mann ernst gemacht hat mit dem, was ihn einmal gepackt hatte: die Anfrage Gottes an ihn und seine radikale Antwort. Und er wurde kein weltfremder Asket und komischer Heiliger, sondern einer, der die Fragen und Themen der Menschen, der Politik und der Länder kannte und eine sehr energisch eigene Meinung dazu hatte. In allen christlichen Religionen wird er heute gefeiert und dient immer noch vielen Menschen als Vorbild. Aber auch mit den Mächtigen seiner Zeit, mit Kaiser Konstantin und seinen Söhnen wechselte er Briefe und beriet sie in Staatsangelegenheiten. Gegen Ende seines Lebens verließ er nochmals die Wüste, um in Alexandrien gegen die Irrlehre des Arius zu predigen. Antonius gewann dadurch Bedeutung, dass er einzelne Einsiedlergemeinden zusammenführte, denen er durch sein Leben und durch seine Weisungen zum Vorbild wurde. Daher wird er mit Recht "Der Große" genannt. Wir haben immer die Wahl zwischen dem Guten und dem Bösen und tragen immer selbst die Verantwortung für unser Tun vor Gott und für die Menschen.
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Vorgestern kam am frühen Morgen einer unserer Laudes-Mitbeter zur Haustür herein und meinte strahlend: Es ist etwas Maikühl heute. Wieviel Grad sind es denn? war meine Frage zurück. Nun, es sind Minus 13 Grad und es ist herrlich draußen, seine Antwort. Ja genau, es ist sehr unterschiedlich, wie wir Dinge wahrnehmen oder damit umgehen.Wie zum Beispiel unsere indische Mitschwester. Sie ist in der Ausbildung zur Krankenschwester. Die Schule ist mit dem Bus nur knapp 10 Minuten entfernt im nächsten Dorf. Aber der Bus ist am Nachmittag nach Schulschluss nicht gefahren wegen Schnee, Eis, Kälte, Personalmangel oder was auch immer. Unsere Schwester und noch weitere Schülerinnen, die nach Olpe zurück wollten, sind also gelaufen. "We made a rosaryprocession", war ihr trockener Kommentar. Also wir haben eine Rosenkranzprozession gemacht. Ganz einfach eben. Wenn kein Bus fährt, läuft man bei minus 6 Grad, auch wenn man indische Temperaturen um plus 30 Grad eher gewohnt ist. Und man betet den Rosenkranz dabei. Ganz einfach. Und dann habe ich ihr erzählt, dass ich vor meinem Eintritt immer zu meinem Krankenhaus die drei Kilometer bergauf und nach der Schicht bergab gelaufen bin und unterwegs den Rosenkranz gebetet habe.Ein bisschen habe ich mich ertappt gefühlt, weil ich das schon lange nicht mehr tue – das Laufen zu einem Termin oder ins Mutterhaus und dabei den Rosenkranz beten. Ich fahre mit dem Auto, weil es objektiv schneller geht. Und subjektiv? Oder spirituell? Daran hindert uns, glaube ich, schon unser rationell gewordenes Leben und Denken. Aber Spiritualität bedeutet, dass alles, was ich im Alltag tue, geprägt ist von meinem Glauben. Beten ist immer – pflegte eine meiner alten Mitschwestern zu sagen – ob Putzen, ob Kochen, im Dienst im Büro, bei allem. Weil wir es nicht trennen sollten – weil Leib und Seele eins ist und erst durch unser Tun und Lassen deutlich wird, ob ich an einen guten und menschenliebenden Gott glaube.Und dann kann minus 13 Grad wunderbar Maikühl sein und ein paar Kilometer nach Hause laufen eine gut genutzte Möglichkeit, zusammen zu beten und sich warmzulaufen und das sonnige Traumwetter dabei zu genießen.
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Heute wird Birgit beerdigt. Fit und vital und munter wird sie plötzlich heimgerufen zu Gott. Sie ist eine außergewöhnliche Frau. Fast ihr ganzes berufliches Leben hat sie in Einrichtungen unserer Ordensgemeinschaft gearbeitet. Im Kinderheim Josefshaus, im Kindergarten und dann später mehr als 25 Jahre als pädagogische Leiterin unseres Kinderhospizes Balthasar. Sie war eine zarte und sehr warmherzige Frau deren Dienst an Kindern und Jugendlichen ihr Berufsleben erfüllt hat. Und sie hat den Dienst der Trauerbegleiterin forciert und Weiterbildungskurse dazu angeboten und geleitet. Seit vielen Jahren ist sie mit uns Schwestern herzlich verbunden und hat manchmal verwundert geäußert, dass sie irgendwann verpasst hat, bei uns einzutreten. Und wir sind viele Jahre lang mit Jugendlichen und mit Birgit nach Assisi gefahren. In der Stadt von Franziskus und Klara hat sie ihre Leidenschaft fürs Franziskanische entdeckt und besonders für Klara. Zunächst war sie nicht sehr angetan von ihr und hat irgendwann entdeckt, dass nur die Darstellung in frommen Büchern so falsch war, in der Klara als fromme Nonne hinter Klostermauern beschrieben worden war. Sie hat sich so hineinversetzt in diese Frau und das Leben der Schwestern in San Damiano, dass sie zu einer Expertin für Klara und das Leben dort geworden ist. In Vorträgen und Einkehrtagen hat sie uns viel Neues vermittelt und eine aktuellere Sicht und eine Begeisterung, die bis heute anhält. Nach dem Ausstieg aus dem Berufsleben hat sie losgelegt mit all den Dingen, die ihr auch immer schon am Herzen gelegen haben. Mit unendlich vielen Frauen hat sie in Elspe hier im Sauerland den ersten Klaraweg in Deutschland angelegt mit Stationen zum Leben der Klara für heute. Viele tausend Menschen gehen jedes Jahr diesen Pilgerweg und werden angesteckt von dieser Begeisterung für eine der prägenden Frauen in unserer Kirche. Auf der Traueranzeige der Angehörigen für Birgit steht das wunderbare letzte Wort der Heiligen Klara an ihre eigene Seele: "Geh hin in Sicherheit, denn du hast ein gutes Reisegeleit. Geh hin, der dich erschaffen hat, hat dich geheiligt. Er hat dich stets behütet wie eine Mutter ihr Kind und dich mit zärtlicher Liebe geliebt."
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Am Sonntag war hier in Olpe der Abschlussgottesdienst der Sternsingeraktion dieses Jahres. Mit dem Einzug der vielen Sternsingerkinder und Jugendlichen, den Sternen und den vielen schönen Gewändern war es eine Pracht. Kyriegebete aus dem Mund von Kindern klingen anders und gehen ins Herz. Und bei der Predigt hat der Pastor die Kinder gefragt, wie denn der Ablauf der Segnungen an den Häusern war und dann, was sie an die Haustüren geschrieben oder geklebt haben. Die Antwort eines pfiffigen Kindes hat die volle Kirche in Heiterkeit versetzt. Es hat gesagt: Wir haben angeklebt zwanzig + c + m + b = fünfundzwanzig.Es war zu schön und eine sehr tiefsinnige Rechnung. Man nehme also die 20 des Jahrhunderts, addiere dazu "Christus mansionem benedicat", dass Christus dieses Haus segne, dann kann nichts Besseres dabei herauskommen als ein gesegnetes Jahr 25. Traumhaft. Und dann war ja noch der weiterführende Spruch: Christus segne dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus. Und auf die Frage, wer denn da ein- und ausgeht, kamen viele Antworten: die Familie selber, Nachbarn, Freunde, Postbote, Schornsteinfeger und so weiter und das letzte Kind bemerkte trocken: und der Glasfaser und meinte damit die Teams, die seit Wochen die Anschlüsse der Glasfasernetze in den Straßen erledigen. Und wieder große Heiterkeit bei den Gottesdienstfeiernden.Es werden also alle gesegnet, egal was sie tun und machen und bringen und holen. Auch der Glasfaser, der dafür sorgt, dass die Verbindungen ins Internet schneller, die Bilder deutlicher und die Arbeit fürs Homeoffice rationeller wird.Vor mir in den Bänken haben Eltern gesessen, denen man angemerkt hat, dass sie nicht so oft im Gottesdienst sind und etwas unsicher waren, was sie wann machen sollen und dann immer suchend nach links und rechts geschaut haben. Wenn bei ihnen aus diesem Gottesdienst hängen bleibt, dass alles unter Gottes Segen steht, was in diesem Jahr geschieht und auch der Glasfaser den Segen bekommt, dann war es die beste Botschaft, die sie bekommen konnten. Den Kindern und Gott sei Dank.
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Der Alltag hat uns wieder. Mit dem Fest der Taufe Jesu, endet liturgisch gesehen, die Weihnachtszeit. Und gleich heute früh ist die Lesung sehr alltäglich, aber sofort auch herausfordernd. Da geht es im Brief des Paulus an die Thessalonicher unter anderem darum: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Alle sollen in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und ihr selbstverdientes Brot essen. Nein, nein, keine Sorge. Es geht nicht um Arbeitssuchende, um Kranke oder Arbeitsunfähige. Es geht um die, die nicht arbeiten WOLLEN. Die ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Die Ermahnungen des Paulus haben damit zu tun, dass in den jungen Gemeinden seiner Zeit Tendenzen da waren, auf die Wiederkunft Jesu zu warten und sich nicht mehr um das alltägliche Leben zu kümmern. Aber die Wiederkunft Jesu wird sich ereignen, während wir mit dem Alltäglichen beschäftigt sind: das Brot und alles was wir brauchen verdienen, uns um die Kinder, die Kranken, die Alten kümmern, das Haus, die Wohnung, das Feld bestellen und was alles unseren Alltag ausmacht. Das ordentliche Leben bedeutet, in der Ordnung leben, die ein gutes Miteinander in der Gesellschaft möglich macht. Paulus ermahnt die Christen, so zu leben. Er gebietet im Namen Jesu Christi des Herrn. Das hat bis heute eine Ausstrahlung auf das Umfeld in dem wir leben. Selbst in tiefen DDR-Zeiten waren die hauptsächlich katholischen/christlichen Orte, Dörfer und Städte anders: aufgeräumt, gepflegt und schön gestaltet, das Zusammenleben enger und von nächstenliebender Sorge geprägt. "Ihr aber, Brüder und Schwestern werdet nicht müde, Gutes zu tun“ ist die letzte Aufforderung unserer Lesung. Tut, was dran ist und was von euch verlangt ist. Aber darüber hinaus tut Gutes für Eure Brüder und Schwestern und werdet darin nicht müde. Los geht’s!
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Wir haben bei uns immer mal Mitbetende zu den Laudes oder auch zur Vesper. Ein evangelischer Mitchrist fragte dann am Montag, als er sein Stundenbuch am gewohnten Platz fand: Oh, ist noch Weihnachtszeit? Das ist noch das Buch dazu.Und dann haben wir ein bisschen gealbert, dass bei uns Katholiken noch bis zum Fest der Taufe Jesu am kommenden Sonntag Weihnachtszeit ist. Bis zur Liturgiereform in den 1960er Jahren war sogar erst der 2. Februar der Schlusstag der Weihnachtszeit.Ein bisschen spüren wir immer, dass die Zeit vor Weihnachten immer mehr nach vorn ausgedehnt wird und die Leute gern schon im Herbst die typischen Süßigkeiten kaufen und schon Anfang Dezember den Weihnachtsbaum aufstellen. "Damit man was davon hat". Aber die Zeit nach Weihnachten wird relativ schnell beendet, der Baum entsorgt und die Deko in den Keller geräumt. Ich glaube schon, dass dieses Umgehen mit der Weihnachtszeit im tiefsten Grund damit zusammenhängt, dass es so schwer ist, zu denken, dass dieser Gott wirklich als Neugeborenes in die Welt gekommen ist um uns wieder in Beziehung zu Gott zu bringen. Da wird plötzlich sehr real, was Schüler manchmal fragen: "Glauben Sie das wirklich?“ Wenn ich es wirklich glaube, dann habe ich Freude daran, dieses Fest zu feiern und auszukosten. Wenn mir aber der Inhalt dieses Festes so fern ist und als Fest der Liebe, der Familie und des Schenkens bleibt, dann sind ein paar Tage Weihnachten auch genug und es fehlt nichts weiter. Wie ist es mit Ihnen: Glauben Sie das wirklich mit diesem Gott als Kind in der Krippe? Und wenn Ja, hat es Konsequenzen?Von Howard Thurman stammt folgender Text: "Wenn der Gesang der Engel verstummt ist, wenn der Stern am Himmel untergegangen, wenn die Könige und Fürsten heimgekehrt, die Hirten mit ihren Herden fortgezogen sind, dann erst beginnt das Werk von Weihnachten: die Verlorenen finden, die Zerbrochenen heilen, den Hungernden zu essen geben, die Gefangenen freilassen, die Völker aufrichten, den Menschen Frieden bringen, in den Herzen musizieren!“ Feiern wir also noch fröhlich 3 Tage Weihnachten und seien wir dann konsequente Christen.
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Als ich vor einigen Wochen in einem Gymnasium war, hat mich eine Schülerin nach meinem Lieblingsgebet gefragt. Ich wusste es genau, aber ich war komischerweise so angestrengt, dass mir der Text nicht einfiel. So habe ich den Inhalt beschrieben und dass es der Heiligen Franziskus gebetet hat. Und später bei der Rückfahrt und in den Tagen danach habe ich überlegt, dass mein am meisten gesprochenes und in mir bewegtes Gebet ein anderes ist. Und das hat nur zwei Worte: Ach Gott. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr spüre ich, dass es alles sagt und so unendlich vielfältig ist. Es kann Klage sein und Bitte, es kann Lob sein und Ratlosigkeit, es kann Anbetung sein und Wortlosigkeit, es kann Sehnsucht sein und Erfüllung, es kann Litanei sein und der Anfang einer wunderbaren langen Stille, es kann ärgerlich sein und sehr zufrieden und Beginn und Ende eines langen Tages. Und dann habe ich, mittendrin, ein Büchlein geschenkt bekommen mit dem Titel: "ACH! Das kleine Buch vom großen Staunen."Und im Vorwort steht etwas, das mich sehr berührt hat. "Welchen Namen hat Gott?" wurde ein Mönch gefragt. "Keinen. Jeder Name wäre zu klein für ihn" antwortete er. "Aber wie rufen Sie ihn denn?" Der Mönch schwieg einen Moment und sagte dann: "Nicht Herr, nicht Allmächtiger, nicht Mutter. Ach! werde ich rufen"Was soll ich noch sagen. Ich habe mich ein bisschen ertappt gefühlt und verstanden und nicht mehr so, als habe ich ein viel zu kleines Gebet für diesen großen Gott.Ich liebe auch lange Litaneien, die versuchen, das Geheimnis Gottes zu beschreiben und ins Wort zu bringen oder die gleichmäßigen Perlengebete des Rosenkranzes oder die immer neuen sehr alten Psalmen des Stundenbuches. Und zurzeit verblüfft es mich immer neu, wenn ich in unserer Hauskapelle das hölzerne Christkind mit ausgebreiteten Armen auf einer Wurzel liegen sehe und darüber das Allerheiligste, verborgen in einer Hostie aus Mehl und Wasser. Und dann sitze ich da und kriege es nicht in mein Gehirn und nur mein Herz kann staunen und immer wieder sagen: Ach Gott.
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Vielfach verschiedene Nachrichten haben die letzten Tage geprägt:- ein weiteres Opfer des Anschlags in Magdeburg ist gestorben- Präsident Biden betont, dass der Sturm aufs Kapitol vor vier Jahren nicht umgeschrieben werden darf, aber der künftige Präsident erwägt bereits, die verurteilten Straftäter zu begnadigen- Schnee, Glatteis und Kälte halten den einen Teil Deutschlands im Griff, zu hohe Temperaturen, Tauwetter und Hochwassergefahr den anderen- In Syrien versucht man ein vorsichtiges Herangehen an eine neue Ordnung und die türkische Regierung versucht gleichzeitig mit Bomben und Raketen die Kurden im Norden Syriens zu vertreiben- Die Ukraine unternimmt einen Überraschungsgegenstoß in Russland und Präsident Putin treibt die militärische "Spezialoperation" weiter, ohne Rücksicht auf die vielen toten Soldaten aus Russland und Nordkorea- die Menschen in Deutschland beklagen die Inflation und die hohen Butterpreise und haben 180 Millionen Euro für Silvesterfeuerwerke ausgegeben.Und dann lese ich das heutige Schlussgebet aus den Laudes und schon der erste Satz bestätigt mein Empfinden wenn ich lese: Gütiger Gott, wir gehen durch eine Welt voll Zwielicht und Schatten. Ja genau, das ist die Beschreibung der Realität, die wir sehen und unter der wir leiden. Aber unser Beten bleibt dabei nicht stehen. Denn die nächste Zeile lautet: Lass dein Licht in unseren Herzen aufstrahlen und führe uns durch das Dunkel dieses Lebens in deine unvergängliche Klarheit. Die Bitte um SEIN Licht in unser Herz betont die Hoffnung, die wir haben können, im Glauben an den Gott der gekommen ist, unser Leben voller Zwielicht und Schatten zu teilen und durch Leiden und Tod hindurch zum Ewigen Leben bei ihm zu führen.
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Gestern haben wir das Fest der Epiphanie, der Erscheinung des Herrn gefeiert und heute fängt hier die Schule wieder an und für viele auch wieder der normale Arbeitsalltag. Und irgendwie fühlt sich Weihnachten schon sehr entfernt an. Aber da ist noch die Sache mit dem Stern. Der Stern, der den Sterndeutern den Weg gewiesen hat, der Stern, der überm Stall in Bethlehem stehengeblieben ist, der Stern, der verkündet hat, dass hier, mitten im Elend bei den armen Leuten der Heiland geboren ist. Hat sich der Stern da nicht geirrt? Vom verehrten Bischof Klaus Hemmerle stammen folgende Zeilen, die ich für sehr bedenkenswert halte.„Der Stern hat sich nicht geirrt, als er die Fernsten rief, aufzubrechen zum nahen Gott.Der Stern hat sich nicht geirrt, als er den Wüstenweg wies, den untersten, den härtesten Weg. Der Stern hat sich nicht geirrt, als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute: dort ist die große Zukunft geboren.Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es sich aufmachte, den Unbekannten zu suchen. Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es nicht aufgab in der sichtlosen Ungeduld. Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es sich beugte vor dem Kind.“Manche Menschen haben ihr Leben lang nach Gott und dem Sinn ihres Lebens gesucht und ihn dann in einem Weihnachtsgottesdienst gefunden, den sie nur wegen der Stimmung besucht haben. Sich aufmachen, um den Unbekannten Gott zu suchen, geht immer und das Herz, dass immer unruhig bleibt, bis es Ruhe findet in Gott, irrt nie. Und sich beugen vor dem Kind, in der Krippe oder unter den Nachbarskindern, im Flüchtlingslager oder im Kinderhospiz, dazu ist unser Herz geschaffen, vom Schöpfer aller Dinge, dem kleinen großen Gott. Beugen wir also heute und in den kommenden Tagen unsere Knie und unser Herz vor diesem Kind, dass sich nicht gescheut hat, unter den kleinen Leuten auf die Welt zu kommen, damit die kleinen Leute groß werden vor aller Welt.
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In einer machtvollen Kathedrale in Burgund gibt es eine faszinierende Steinmetzarbeit. Sie stammt von Meister Gislebertus aus dem Jahr 1220 und stellt die Sterndeuter, die Heiligen Drei Könige dar. Sie liegen fest schlafend unter einer kostbaren Decke und ein Engel zeigt ihnen im Traum sehr energisch den Stern und versucht ganz vorsichtig, am kleinen Finger des obersten Königs die drei zu wecken. Er will sie wecken aus den dunklen Tiefen und sie ermutigen, sich wieder auf die Suche nach dem Licht zu machen, dass sie am Himmel hatten aufgehen sehen und dem sie schon bis zu König Herodes gefolgt sind. Und dort hatten sie erfahren, dass nicht dieser widerwärtige Kerl der neue König ist, sondern dass sie nach einem Kind suchen müssen, dass wohl noch keine zwei Jahre alt ist. Und in meiner Phantasie sehe ich sie losstürzen und aufbrechen und dann, Gott sei Dank, den Stern wieder sehen, der sie bisher geleitet hat und dem sie sich nun wieder anvertrauen. Diesem Stern sind im Laufe der Jahrhunderte Millionen von Menschen gefolgt um nach dem Licht für ihr Leben zu suchen und diesem Christus nachzufolgen. Auf dem Vierungsturm des Kölner Doms wird der große Stern noch bis zum 10. Januar angestrahlt. Die Illuminierung soll die Weihnachtsbotschaft von Jesu Geburt besonders sichtbar machen und in herausfordernden Zeiten Trost geben. Herausfordernde Zeiten gab es in den letzten zwei Jahrtausenden immer und auch wir Christen müssen immer wieder neu schauen, dass wir dem richtigen Stern folgen und nicht irgendwelchen Herrschern, Königen, Kanzlern oder Erzbischöfen folgen, statt nach dem göttlichen Kind zu suchen, das für uns gekommen ist und zu unserem Heil die Herrlichkeit des Himmels verlassen und zu uns in die reale Welt gekommen ist, um unser Leben hell zu machen und die göttlichen Gaben an alle Menschen weiter zu geben.
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Ich kann mich erinnern, dass meine Oma und auch noch meine Mutter, wenn sie erstaunt oder erschrocken waren, gerufen haben: "Ach herrje" Erst viel später habe ich entdeckt, dass es die Abkürzung war für "Ach Herr Jesus" - also war die Anrufung des Namens Jesu immer noch tief in gläubigen Menschen verankert. Heute denken wir mit der Kirche an den Heiligsten Namen Jesu. Es ist der Name, den der Engel verkündet hat, als er Maria die frohe Botschaft gebracht hat und den auch Josef im Traum verheißen worden ist, als er sich eigentlich von Maria trennen wollte. Der Apostel Paulus bringt die große Bedeutung des Namens Jesu in den Zeilen des Philipperbriefes auf den Punkt. Da heißt es: "Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt 'Jesus Christus ist der Herr' – zur Ehre Gottes, des Vaters"Der Name ist schon von seiner Übersetzung her gewissermaßen Programm. Denn "Jesus" (von Jeschua oder Jehoschua) bedeutet wörtlich übersetzt "Gott rettet". Somit spricht jeder, der den Namen Jesu nennt, immer auch ein kurzes Glaubensbekenntnis. In den Jahrhunderten ab 1500 haben die Franziskaner und die Jesuiten, die Gesellschaft Jesu, die Verehrung des Namens Jesu, und damit des menschgewordenen Gottessohnes besonders gefördert. Seit 2002 ist er wieder im liturgischen römischen Kalender. In der Ostkirche hat sich das immerwährende Jesusgebet, auch Herzensgebet genannt, erhalten und viele Menschen beten es. Es ist ganz einfach und heißt: "Jesus Christus, erbarme Dich meiner". Nehmen Sie sich zwischendurch in einer Pause, beim Warten an der roten Ampel, auf die Bahn oder beim Weg zum Einkaufen vor, dieses kleine Gebet zu beten: Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Sie bekennen und vertiefen Ihren Glauben an den rettenden Sohn Gottes und an den, der gesagt hat: Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt!
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In den letzten Wochen des alten Jahres sind immer wieder Debatten hochgekocht, die sich an Themen orientiert haben, die scheinbar alle beschäftigen. Und "hochgekocht" scheint da wirklich das richtige Wort. Da wird ein Satz, ein scheinbarer Sachverhalt genommen und los geht es mit für und wider. Aber ein Für und Wider in den Sachverhalten wären ja gut, oft sind es aber sofort beleidigende Aussagen über die Person, die anderer Meinung ist, statt zum Thema, um das es eigentlich geht. Also werden in Familien, in Freundeskreisen und unter Kollegen alle Themen weggelassen, die vielleicht kontrovers sind.Aber wie sollen wir voneinander wissen, von allem, was uns beschäftigt und bewegt und wie wir geworden sind, wenn wir nicht erzählen und austauschen. Viele von uns sind per WhatsApp und Social Media vielfach vernetzt und scheinen alles mitzubekommen, was so passiert, was die anderen preisgeben. Aber wir wissen auch, dass das nicht so selten nur das ist, was an einer selbstgestalteten Biografie interessant erscheint und in der weggelassen wird, was nicht gesagt werden soll.Basilius der Große und Gregor von Nazianz, die beide im 4. Jahrhundert gelebt haben, waren da anders. Sie haben beide immer wieder betont, wie sehr ihnen die Dispute miteinander, die gegenseitige Korrektur ihrer Reden und Texte und die vielen Briefe geholfen haben, sich selbst und ihren Glauben besser kennenzulernen und im Austausch darüber gelernt zu haben, ins Wort zu bringen, was sie beschäftigt hat. Beide sind große Kirchenlehrer der alten Kirche geworden und haben die Theologie der ersten christlichen Jahrhunderte geprägt.Vielleicht ist heute und in den nächsten Tagen ein bisschen Zeit und Lust, dass wir erzählen und einander Anteil geben an dem, was uns wichtig ist, was wir glauben und was uns beschäftigt.
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Und wie geht es Ihnen heute früh? Wenn Sie das jetzt schon hören, sind sie noch wach von gestern oder schon wach, weil sie immer früh auf sind. Einen Abend Party, eine kurze Nacht und schon ist ein neues Jahr einfach da. Es ist ja nur so da, weil das vor vielen hundert Jahren mal festgelegt worden ist, dass der Silvestertag der letzte eines Jahres ist und der Neujahrstag der erste des neuen Jahres. Aber wir lieben und brauchen Rituale, weil ein Leben ohne Feste ein langer Weg ohne Einkehr wäre und ziemlich traurig.Heute ist der Oktavtag von Weihnachten, also der achte Tag nach dem großen Fest. Gefühlt ist das schon eine Ewigkeit her und es war schon wieder so viel. Wie soll man sich das alles merken? An diesem 1. Januar feiern wir mit der Kirche das Hochfest der Gottesmutter Maria. Und im Evangelium für heute steht ein interessanter Satz, der uns da gut helfen kann. Nach all dem Vielen, was Maria und Josef in den letzten Monaten und erst recht Tagen erlebt hatten: die beschwerliche Wanderung nach Bethlehem, die Suche nach einer Unterkunft, die Geburt im Stall, der Besuch von den Hirten und allem was sie erzählt haben über die Engel und deren Botschaft, steht danach der kurze Satz: "Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen."Wir sind heute so voll von täglichen Nachrichten, dass wir am Ende eines Jahres oft ganz erschrocken sind und sagen: "Ach, das war auch alles dieses Jahr?" Es ist eine gute Idee, es wie Maria zu halten und alles, was wir sehen und hören, im Herzen zu erwägen, zu bedenken und es sacken zu lassen. Dann kommt vieles, was unwichtig und unnötig ist, von selbst abhanden, aber die Worte und Botschaften, die Erlebnisse und Ereignisse, die von Bedeutung sind, bleiben eher in unserem Bewusstsein, in Hirn und Herz. Und dann kann es ein erfülltes, ein gutes, ein gesegnetes Jahr 2025 werden, auf die Fürsprache der Gottesmutter mit Gottes Hilfe.
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Wir wissen, dass Silvester ein Papst war, der es 314 wurde und am 31.12.337 gestorben ist. Wie bei vielen Heiligen wird der Todestag als Gedenktag in der Kirche gefeiert und so auch der Tag des heiligen Silvester. Dass wir diesen Tag aber so feiern, dass er weltweit diesem Tag seinen Namen gegeben hat, ist schon erstaunlich und hat einen guten Grund: Bis in die Jahre vor seinem Pontifikat wurden die Christen teilweise grausam verfolgt und die römischen Kaiser haben versucht, sie zu liquidieren. Erst mit Kaiser Konstantin und dem Mailänder Toleranzedikt beginnt die konstantinische Wende. Sie bedeutete den grundlegenden Friedensschluss zwischen dem Römischen Reich und dem Christentum. Unter Kaiser Konstantin wandelte sich also die Zeit der Christenverfolgung in die Anerkennung dieser Religion und es beginnt die Zeit der freien Ausübung der Religion.Für uns ist Silvester der letzte Tag des Jahres und auch ein Übergang, der Übergang ins Neue Jahr. In vielen Klöstern, so auch in unserem Konvent, wird die letzte Stunde des alten Jahres in der Kapelle im Gebet verbracht. Wir erinnern uns an Stationen und Situationen im nun fast vergangenen Jahr und bringen alles Schwere und alles Schöne vor Gott und bitten ihn, zu Ende zu bringen, was wir nicht so hinbekommen haben.Und wir bitten um Gottes Segen und Geleit für das Neue Jahr 2025. Wenn es dann vom Kirchturm nebenan endlich läutet, stimmen wir mit großer Freude das Te Deum, das "Großer Gott wir loben dich", an und freuen uns dann auf die großen Feuerwerke ringsum, das Anstoßen mit Sekt und die vielen guten Wünsche für das neue Jahr.Vielleicht finden Sie ja heute zwischen letzten Einkäufen und Vorbereitungen für die Silvesterparty ein bisschen Zeit, auf Ihr Jahr zurückzuschauen, weil ihr ganz persönliches Jahr das Jahr ist, das Gott mit Ihnen gegangen ist. Und ich und Sie können fest darauf vertrauen, dass Gott auch im neuen Jahr mit uns geht durch alle Höhen und Tiefen, Rennstrecken und Slalomläufe, Abstürze und Comebacks, von denen wir heute noch nichts ahnen. Gott sei Dank!