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Episoden

34 Minuten
Wie zufrieden bin ich mit dem, was ich Tag für Tag tue? Diese Frage taucht in kaum einem psychiatrischen Befund auf – und ist für das Wohlbefinden von Menschen mit psychischen Erkrankungen doch entscheidend.

In dieser Folge sprechen Werner Höhl und Andreas Pfeiffer mit dem Ergotherapeuten Julius Reckert, der in einer Duisburger Praxis im Fachbereich Psychiatrie und Psychosomatik arbeitet. Es geht darum, wie ein Alltag kippt – leere Tage, verschobene Rhythmen, verlorene Rollen – und was Menschen hilft, wieder zu einem Tag zu finden, der sich für sie gut anfühlt.

Ein wiederkehrender Gedanke dabei: Zufriedenheit ist keine Frage der Menge. Manche Menschen tun sehr viel und sind unzufrieden, andere tun wenig und leben gut damit. Genau diese Lücke macht ein Instrument sichtbar, das Julius in seiner Praxis erprobt hat: das SDO – Satisfaction with Daily Occupations, entwickelt von Mona Eklund an der Universität Lund und seit 2026 auch auf Deutsch erhältlich.

Ein Gespräch über kleine Schritte, realistische Ziele, den Umgang mit Rückschlägen – und darüber, wem der Maßstab für ein gelungenes Leben eigentlich gehört.

Transparenzhinweis: Werner Höhl und Andreas Pfeiffer sind selbst an der deutschsprachigen Fassung des SDO beteiligt. Diese Folge ist keine Werbung, sondern ein Gespräch über Praxiserfahrungen.

Zum Gast

Praxis für Ergotherapie und Handrehabilitation Ina Beyer, Duisburg, Team

http://ergotherapie-duisburg.com/Team/

Das SDO auf Deutsch

Satisfaction with Daily Occupations (SDO) – Interviewbasiertes Screening zur Zufriedenheit mit täglichen Betätigungen. Mona Eklund, deutsche Übersetzung und Adaption von Leonie Esenwein und Caroline Züger, 1. Auflage 2026

https://www.skvshop.de/ergotherapie/satisfaction-with-daily-occupations-sdo-978-3-8248-1379-7.html

Kostenlose Leseprobe inkl. Inhaltsverzeichnis: https://www.skvshop.de/shop/images/files/editor/file/Leseproben/Leseprobe_SDO.pdf

Forschung zum SDO (international)

Vidaña-Moya, L. et al. (2020): Cross-Cultural Adaptation, Validation and Reliability of the Spanish SDO-OB. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(23), 8906 (Open Access): https://www.mdpi.com/1660-4601/17/23/8906/pdf

Test-Retest-Reliabilität und Konstruktvalidität einer japanischen Version des SDO-OB für Menschen mit psychischen Erkrankungen (2025):

https://www.researchgate.net/publication/393334561_Test-retest_reliability_and_construct_validity_of_a_Japanese_version_of_the_Satisfaction_with_Daily_Occupations_and_Occupational_Balance_for_people_with_mental_illness

Eklund, M. (2004): Satisfaction with Daily Occupations – A Tool for Client Evaluation in Mental Health Care (die Originalpublikation, Abstract): https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/11038120410020700
42 Minuten
Wann gilt eine an Magersucht erkrankte Person eigentlich als geheilt? Diese Frage beschäftigt unseren Gast Maren Pruss seit vielen Jahren – als Psychologin, systemische Therapeutin und Inhaberin einer Praxis mit Schwerpunkt Essstörungen in Düsseldorf. Die häufigste Antwort, die sie in Vorträgen für Eltern hört, lautet: „wenn sie wieder normal isst“. Genau daran zeigt sich, wie wenig über diese Erkrankung oft bekannt ist.

Wir sprechen darüber, was bei einer Anorexia nervosa psychisch geschieht, was systemische Therapie dabei leisten kann und was Angehörige wissen sollten – zwischen Sorge, Unsicherheit und gut gemeinten, aber nicht immer hilfreichen Reaktionen.

Und diese Folge hat eine besondere Seite: Maren Pruss spricht zum ersten Mal öffentlich über ihre eigene, über 35 Jahre zurückreichende Erfahrung mit Magersucht. Eine Perspektive, die im öffentlichen Gespräch – das oft von jüngeren Betroffenen geprägt ist – selten zu hören ist.

Aufgenommen haben wir diese Folge vor Ort in Düsseldorf. Nach Folge 27 mit Maja Schelewsky ist das unsere zweite Folge zum Thema Magersucht – diesmal aus der therapeutischen Perspektive. Und diese folge ich auch ein schönes Beispiel für persönliches Recovery.

Wichtiger Nachtrag von Maren Pruss:

Im Podcast habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Kinder unter 14 Jahren haben grundsätzlich eine ebenso gute Heilungsprognose wie ältere Jugendliche. Meine Aussage bezog sich ausschließlich auf die Prävention, da jüngere Kinder durch soziale Medien besonders beeinflussbar sein können. Für die Heilungsprognose sind vor allem eine frühe Diagnose und ein rascher Therapiebeginn entscheidend.

Shownotes

Unser Gast

Praxis Pruss, Düsseldorf – Website (dort auch alle Kontaktdaten): https://www.praxis-pruss.de/

Schwerpunkt „Special Ess-Störung“: https://www.praxis-pruss.de/specialessstörungen

Hilfe und Beratung

Infotelefon zu Essstörungen des BIÖG (früher BZgA) – anonym und kostenlos, Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr, Tel. 0221 892031: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/welche-beratung-gibt-es/telefonberatung/

Beratungsstellen-Suche des BIÖG – Angebote in Wohnortnähe finden: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/wie-finde-ich-beratung/datenbank-essstoerungen/

Weiterführende fachliche Informationen

Deutsche Gesellschaft für Essstörungen (DGESS) – Informationen für Betroffene und Angehörige, mit Selbsttest und Adressen: https://www.dgess.de/hilfe/fuer-betroffene-und-angehoerige

S3-Leitlinie und Patientenleitlinie „Diagnostik und Therapie der Essstörungen“ (AWMF-Register 051-026): https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/051-026

Passend dazu aus unserem Podcast

Unsere Folge 27 „Anorexie“ – mit Maja Schelewsky, aus der Betroffenenperspektive: https://open.spotify.com/episode/6QE768gi5kxcUWk4tgUPpN

https://podcasts.apple.com/de/podcast/anorexie/id1507379225?i=1000586713869
1 minute
Forschung in der Psychiatrie – das klingt nach Medikamentenstudien und Hirnscans. Doch was ist mit den Berufen, die im Alltag psychisch erkrankter Menschen oft am nächsten dran sind: Pflege, Soziale Arbeit, Ergotherapie und die vielen psychosozialen Therapien? Sie leisten enorm viel – haben aber, anders als Medizin und Psychotherapie, keine lange Forschungstradition. Und genau das wird zum Problem: Was nicht erforscht ist, verliert mit der Zeit an Anerkennung und an Finanzierung.

In dieser Folge sprechen Andreas und Werner mit Dr. Sebastian Voigt-Radloff – gelernter Ergotherapeut und heute Forscher am Universitätsklinikum Freiburg. Als langjähriger Mitarbeiter von Cochrane und heutiger Versorgungsforscher ist er ein Pionier für wissenschaftliches Arbeiten in den Therapieberufen. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, warum Forschung gerade in diesen Bereichen so wichtig ist, was es heißt, die eigene Arbeit an Evidenz auszurichten, welche Rolle Leitlinien und die Evidenz-Datenbank des Deutschen Verbandes Ergotherapie spielen – und warum sich die psychosozialen Berufe unbedingt aktiv in die Leitlinienarbeit einbringen sollten.

Ein Gespräch über Erfahrung und Evidenz, über Legitimation und Finanzierung – und über die Zukunft einer ganzen Berufsgruppe.

Unser Gast

Forschungsprofil Dr. Sebastian Voigt-Radloff (ResearchGate): https://www.researchgate.net/profile/Sebastian-Voigt-Radloff

Sektion Versorgungsforschung und Rehabilitationsforschung (SEVERA), Uniklinik Freiburg: https://www.uniklinik-freiburg.de/imbi/severa.html

E-Mail:sebastian.voigt@uniklinik-freiburg.de

Erwähnte Projekte

PrioPEG – Projektseite: https://priopeg.de/

PrioPEG bei der Uniklinik Freiburg: https://www.uniklinik-freiburg.de/imbi/severa/priopeg.html

Evidenz & Forschung in den Gesundheitsfachberufen

Cochrane Deutschland: https://www.cochrane.de/

Cochrane Deutschland – Seite speziell zu den Gesundheitsfachberufen (mit Forschungsleitfaden): https://www.cochrane.de/gesundheitsfachberufe

Cochrane Kompakt – verständliche Evidenz für alle: https://www.cochrane.org/de/evidence

Deutscher Verband Ergotherapie (DVE)

DVE – Startseite: https://www.dve.info/

DVE – Datenbank für evidenzbasierte Praxis (EBP-Datenbank): https://ebp.dve.info/

Leitlinien

AWMF – Portal der medizinisch-wissenschaftlichen Leitlinien in Deutschland: https://www.awmf.org/
1 minute
Andreas und Werner sprechen zum dritten Mal mit Jens Jüttner – und das aus gutem Grund: Seine beiden bisherigen Folgen (39 und 41) gehören zu den meistgehörten des Podcasts. Nach Krankheitsbeginn, akuten Phasen und Genesung geht es diesmal um eine entscheidende Frage: Wie übernimmt man nach einer schweren psychischen Erkrankung wieder selbst das Steuer?

Jens ist bei diesem Thema Fachmann in mehrfacher Hinsicht: Er ist selbst betroffen gewesen und kennt die Erkrankung aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig ist er Jurist, Betriebswirt, Autor und heute als EX-IN-Genesungsbegleiter – als Experte aus Erfahrung – in der Psychiatrie tätig. So erlebt er Empowerment aus einer doppelten Perspektive: in der Begleitung von Klientinnen und Klienten und immer wieder bei sich selbst.

Gemeinsam füllen die drei den oft abstrakten Begriff „Empowerment“ mit konkretem Leben: vom Weg aus dem Kontrollverlust zurück zur Selbstbestimmung, über das Verstehen der eigenen Frühwarnzeichen und das Mitentscheiden bei der Behandlung bis hin zum Umgang mit Stigma und Selbststigma. Es geht um Selbstwirksamkeit, Hoffnung und Sinn – aber auch ehrlich um die Grenzen von Empowerment, das niemals zum neuen Druck werden darf. Und um einen befreienden Gedanken von Jens: dass Recovery ein nie abgeschlossener Prozess sein darf – und das vollkommen in Ordnung ist. Eine Mut machende Folge für Betroffene, Angehörige und Fachleute.

Unser Gast

Jens Jüttner (Autor & Referent): https://www.jensjuettner.com/

Buch: „Als ich aus der Zeit fiel – Mein Weg durch die paranoide Schizophrenie“ (pinguletta Verlag, ISBN 978-3-948063-11-5).

pinguletta Verlag: https://www.pinguletta-verlag.de/

Empowerment, Recovery & Peer-Arbeit

EX-IN Deutschland (Genesungsbegleitung / Experten aus Erfahrung): https://ex-in.de/

Andreas Knuf: „Empowerment und Recovery“ (Psychiatrie Verlag): https://psychiatrie-verlag.de/product/recovery-und-empowerment/

Hintergrund zum Krankheitsbild

psychenet.de – Was ist eine Psychose?: https://www.psychenet.de/de/entscheidungshilfen/entscheidungshilfe-psychose/was-ist-eine-psychose/was-ist-eine-psychose-2.html

Unsere früheren Folgen mit Jens Jüttner

Folge 39 – Schizophrenie Teil 1: Krankheitsbeginn und akute Phasen

Folge 41 – Schizophrenie Teil 2: Krankheitsbewältigung, Genesung und Teilhabe am Leben in der Gesellschaft
1 minute
Psychische Erkrankungen betreffen nie nur eine Person – sie verändern das Leben aller, die nah dabei sind. In dieser Folge sprechen Werner und Andreas mit Andrea, die als Angehörige hautnah erlebt hat, was es bedeutet, wenn ein geliebter Mensch psychisch erkrankt. Andrea erzählt offen über Sorge, Erschöpfung, Schuldgefühle und die Suche nach Hilfe – aber auch darüber, was Kraft gegeben hat. Eine Folge, die zeigt: Angehörige brauchen nicht nur starke Nerven, sondern auch starke Unterstützung.

Angebote für Angehörige

EX-IN Hamburg: Die von Andrea gemachte Aus-/Fortbildung https://ex-in-hamburg.net/angehoerigenbegleitung

und Angehörigenbegleitung in der Praxis EX-IN Hamburg: https://ex-in-hamburg.net/angehoerigenbegleitung-2

Fragen direkt an Andrea: Andrea.Roosch@web.de

BApK – Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e.V. Der wichtigste Bundesverband für Angehörige – mit Beratung, Selbsthilfe-Vermittlung und der telefonischen Beratungshotline „SeeleFon". https://www.bapk.de  SeeleFon: 0228 71002424

NAKOS – Nationale Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe Bundesweite Vermittlung lokaler Selbsthilfegruppen und -kontaktstellen. https://www.nakos.de

psychenet – Selbsthilfe, Trialog und Hilfe für Angehörige https://psychenet.de/de/hilfe-finden/hilfesystem-im-ueberblick/selbsthilfe-und-trialog.html

Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7, anonym) 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222

Hintergrund: MUT-TOUR (über die wir Andrea kennengelernt haben)

https://www.mut-tour.de Unsere frühere Folge zur MUT-TOUR: https://open.spotify.com/episode/41fKbLTGE2tcPaMUj8DSUx

Podcast „Psychiatrie im Alltag" https://andreas-pfeiffer.de/?page_id=1033
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Über diesen Podcast

Psychiatrische Krisen sind alltäglich… über ein Drittel aller EU Bürger sind im Laufe des Lebens von einer behandlungsbedürftigen psychiatrischen Erkrankung betroffen. Andersherum wirken sich seelische Erkrankungen stark auf den Alltag der Menschen aus, die davon betroffenen sind. Andreas Pfeiffer (Ergotherapeut) und Werner Höhl (Psychologe) wollen durch Gespräche mit Experten über die Auswirkungen auf den Alltag, Herausforderungen und Chancen informieren.
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„Psychiatrie im Alltag“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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