Podcaster
Episoden
25.12.2025
27 Minuten
In der zweiten Folge ihres KI-Doppels sprechen Inga
Bergen und Sven Jungmann sehr konkret
darüber, was Künstliche Intelligenz heute bereits für
Patient:innen bedeutet – und wie stark sie Erwartungen,
Rollenbilder und das Arzt-Patienten-Verhältnis verändert. Das
Gespräch bleibt dabei nicht abstrakt, sondern lebt von Studien,
Anekdoten aus der Praxis und ehrlichen Widersprüchen. Genau das
macht diese Episode so hörenswert.
Von „Dr. Google“ zu ChatGPT: informierte Patient:innen als neue
Realität
Zu Beginn zeichnen Inga und Sven nach, wie sich der Umgang mit
Information verschoben hat. Während Ärzt:innen früher vor allem
„Dr. Google“ kritisch gegenüberstanden, stehen sie heute einer
ganz anderen Qualität von Vorbereitung gegenüber. KI-Systeme wie
ChatGPT ermöglichen es Patient:innen, ihre Symptome, Befunde und
Krankengeschichten strukturiert auszuwerten – oft deutlich
tiefergehend, als es in einem 15-minütigen Arztgespräch möglich
wäre. Dadurch verändert sich nicht nur das Informationsniveau,
sondern auch die Erwartungshaltung an medizinisches Personal.
Was Ärzt:innen oft nicht sehen – und warum KI das sichtbar
macht
Inga macht früh deutlich, dass viele Ärzt:innen gar nicht wissen,
wie intensiv sich Patient:innen bereits heute vorbereiten. Ob
Nahrungsergänzungsmittel, alternative Therapien oder eigene
Recherchen: Ein Großteil davon wird nicht offen angesprochen. KI
könnte hier paradoxerweise für mehr Transparenz sorgen, weil
Patient:innen mit konkreten Fragen, Hypothesen und sogar
Therapieoptionen in die Praxis kommen. Ein eindrückliches
Beispiel ist der Fall eines Patienten, der seine komplette
Krankenakte in ChatGPT analysieren ließ – und damit einen klaren
Paradigmenwechsel auslöste.
Zahlen, die aufrütteln: Vertrauen, Nutzung und Widersprüche
Studien und Umfragen unterstreichen diese Dynamik. Ein
erheblicher Teil der Bevölkerung nutzt KI bereits für
Gesundheitsfragen, viele bewerten ihren Einsatz in der Medizin
grundsätzlich positiv. Gleichzeitig zeigt sich ein Widerspruch:
Patient:innen vertrauen Ärzt:innen statistisch weniger, wenn
diese offen angeben, KI einzusetzen. Die Diskussion macht klar,
dass hier weniger Technikfeindlichkeit als vielmehr Unsicherheit
mitschwingt – etwa die Sorge, Ärzt:innen könnten sich zu stark
auf Systeme verlassen oder diese nicht kompetent genug bedienen.
Wenn KI besser diagnostiziert als Mensch und Maschine zusammen
Besonders nachdenklich stimmt die Diskussion um Studien, in denen
KI bei komplexen Fällen bessere Ergebnisse erzielt als Ärzt:innen
– und sogar besser als Ärzt:innen mit KI-Unterstützung. Das
stellt die klassische Arbeitsteilung infrage. Sven und Inga
diskutieren offen, ob Ärzt:innen derzeit eher „Bremser“ als
Verstärker der KI sind, weil sie deren Potenzial noch nicht
richtig in ihre Entscheidungsprozesse integrieren können.
Schatten-KI im Klinikalltag: zwischen Risiko und Notwendigkeit
Ein TikTok-Beispiel aus der Notaufnahme verdeutlicht, wie
Realität und Regulierung auseinanderklaffen. Ärzt:innen nutzen KI
informell, oft aus purer Notwendigkeit heraus, etwa bei
Überlastung oder fehlender Supervision. Dieses Phänomen der
„Schatten-KI“ zeigt, dass KI längst Teil des Alltags ist –
unabhängig davon, ob Organisationen darauf vorbereitet sind oder
nicht.
Wenn Patient:innen genauer hinschauen als Ärzt:innen
Anhand mehrerer Praxisbeispiele wird deutlich, wie sich Macht-
und Vertrauensverhältnisse verschieben. Patient:innen prüfen
Laborwerte selbst nach, hinterfragen Aussagen und erwarten
Erklärungen auf Augenhöhe. Fehler oder Nachlässigkeiten fallen
dadurch schneller auf. Die Folge: Wer als Ärzt:in keine KI nutzt,
könnte künftig eher als unsorgfältig wahrgenommen werden – nicht
umgekehrt.
KI als Chance bei seltenen und komplexen Erkrankungen
Besonders eindrucksvoll sind die Beispiele aus der Neurologie und
Onkologie. KI-Systeme helfen, Differenzialdiagnosen zu
identifizieren, auf die erfahrene Fachärzt:innen nicht gekommen
wären. Gerade bei seltenen Erkrankungen oder ungewöhnlichen
Symptombildern zeigt sich, dass menschliche Expertise und KI sich
sinnvoll ergänzen können – wenn man sie richtig einsetzt.
Die eigentliche Aufwertung: Kommunikation, Beobachtung,
Beziehung
Ein zentraler Gedanke der Folge ist, dass medizinisches Wissen
durch KI „billiger“ wird – und damit andere Fähigkeiten an Wert
gewinnen. Kommunikation, Empathie, Beobachtungsgabe und das
Erfassen des Ungesagten rücken stärker in den Fokus. Inga und
Sven machen klar: Die Ärzt:innen der Zukunft werden weniger über
reines Faktenwissen definiert, sondern über ihre Fähigkeit,
Menschen zu verstehen, einzuordnen und durch ein komplexes System
zu begleiten.
Navigation durch das Gesundheitssystem als neue Kernaufgabe
Über das einzelne Gespräch hinaus wird auch der Weg durch das
Gesundheitssystem thematisiert. Termine, Facharztüberweisungen,
Therapien, Krankenkassen – all das überfordert viele
Patient:innen. KI kann hier unterstützen, doch gleichzeitig
wächst der Bedarf an menschlicher Begleitung. Medizinische Arbeit
wird dadurch breiter, nicht kleiner.
Effizienzgewinne und neue Erwartungen
KI kann Ärzt:innen massiv entlasten – etwa bei Dokumentation,
Verwaltung und Kommunikation. Diese gewonnene Zeit schafft
Spielraum für bessere Versorgung. Gleichzeitig steigen jedoch
auch die Erwartungen der Patient:innen: Sie wollen gesehen,
verstanden und ernst genommen werden. Effizienz allein reicht
nicht mehr.
Fazit: KI wird Teil der Aufklärungspflicht
Am Ende wird deutlich: KI ist kein optionales Extra mehr, sondern
Teil des medizinischen Werkzeugkastens – und damit auch Teil der
ärztlichen Verantwortung. Ärzt:innen müssen künftig nicht nur
über Medikamente und Eingriffe aufklären, sondern auch über den
sinnvollen und kritischen Einsatz von KI. Wer sich darauf
einlässt, kann die Arzt-Patienten-Beziehung stärken. Wer es
ignoriert, riskiert Vertrauen.
Diese Folge lohnt sich für alle, die verstehen wollen,
warum KI nicht das Ende der Medizin bedeutet, sondern ihren Kern
neu definiert. Sie zeigt ehrlich, wo Unsicherheiten
liegen, und macht gleichzeitig Mut, die eigene Rolle aktiv
weiterzuentwickeln. Wer wissen will, wie Medizin im KI-Zeitalter
wirklich aussieht, sollte unbedingt reinhören.
Der Beitrag KI in der Medizin – Wie sich Medizin gerade
grundlegend verändert erschien zuerst auf Visionäre der
Gesundheit.
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18.12.2025
1 Minute
– mit Sven Jungmann & Inga Bergen
Der Ausgangspunkt des Gesprächs liegt in einer gemeinsamen
Beobachtung: Immer mehr Patientinnen und Patienten interessieren
sich für KI, spüren das enorme Potenzial, sind gleichzeitig aber
verunsichert. Zwischen Hoffnung, Neugier und Angst entsteht ein
Spannungsfeld, das im Gesundheitswesen bislang kaum strukturiert
aufgegriffen wird.
Inga Bergen und Sven Jungmann wollen genau hier ansetzen. In
dieser ersten von zwei Crossover-Episoden erklären
sie, wie KI heute schon sicher, sinnvoll und
selbstbestimmt von Patient:innen genutzt werden
kann – nicht als Ersatz für Ärzt:innen, sondern als
Werkzeug für bessere Kommunikation, mehr Verständnis und mehr
Selbstwirksamkeit.
KI als Übersetzer zwischen Medizin und Patient:innen
Ein zentrales Thema der Folge ist
die Kommunikationslücke im
Gesundheitswesen. Medizinische Sprache ist komplex,
Arztbriefe sind nicht für Patient:innen geschrieben und Gespräche
bleiben oft unvollständig im Gedächtnis.
KI kann hier eine Schlüsselrolle übernehmen. Anhand konkreter
Beispiele zeigen die Hosts, wie man Arztbriefe –
datenschutzkonform anonymisiert – mit KI verständlich erklären
lassen kann. Dabei geht es nicht nur um Übersetzung in einfache
Sprache, sondern um echtes Verstehen: Was bedeutet diese
Diagnose? Welche Konsequenzen hat sie? Welche Rückfragen sollte
ich stellen? KI ermöglicht es erstmals, medizinische
Informationen dialogisch zu erschließen – mit unbegrenzten
Rückfragen, ohne Zeitdruck und ohne Scham.
Vorbereitung auf Arztgespräche mit KI
Das Gespräch macht deutlich: Gute medizinische Versorgung beginnt
oft vor dem Arzttermin. Viele Menschen
können ihre Symptome nur schwer beschreiben, vermischen
Beobachtung und Interpretation oder vergessen entscheidende
Informationen.
Hier kann KI als eine Art Trainingspartner dienen. Patient:innen
können mithilfe von KI lernen, ihre Beschwerden strukturiert zu
schildern, relevante Vorerkrankungen einzuordnen und sich gezielt
auf Facharzttermine vorzubereiten.
Besonders wirkungsvoll ist dabei die Möglichkeit, sich typische
Rückfragen, notwendige Unterlagen oder mögliche Untersuchungen
vorab erklären zu lassen. Das verändert die Gesprächsdynamik
grundlegend – weg vom reinen Abfragen, hin zu einem Dialog auf
Augenhöhe.
Symptome einordnen und Diagnosen besser verstehen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung von KI
zur ersten Einschätzung von Symptomen.
Dabei unterscheiden die Hosts klar zwischen allgemeinen
Sprachmodellen wie ChatGPT und spezialisierten, teils
zertifizierten medizinischen KI-Systemen. Entscheidend ist nicht,
eine Diagnose „aus der KI zu bekommen“,
sondern Unsicherheit zu reduzieren:
Muss ich mir Sorgen machen? Sollte ich handeln? Was könnte
dahinterstecken – und was eher nicht?
Sven Jungmann betont, wie wichtig dabei eine saubere Beschreibung
ohne vorschnelle Interpretation ist. KI kann helfen,
Wahrscheinlichkeiten einzuordnen, sogenannte
„Can’t-miss-Diagnosen“ zu identifizieren und sinnvolle nächste
Schritte vorzuschlagen – immer als Vorbereitung, nicht als Ersatz
für ärztliche Entscheidungen.
KI, Evidenz und der Umgang mit Fehlern
Ein häufig geäußerter Vorbehalt gegenüber KI ist das sogenannte
„Halluzinieren“. Die Folge geht differenziert darauf ein und
zeigt konkrete Strategien, wie Patient:innen damit umgehen
können. Durch gezielte Nachfragen, den Vergleich mehrerer
KI-Modelle und die explizite Anforderung evidenzbasierter Quellen
lässt sich die Qualität der Antworten deutlich erhöhen. KI wird
so vom vermeintlich allwissenden Orakel zu einem überprüfbaren
Recherche-Werkzeug. Besonders wertvoll ist dabei die Fähigkeit,
Studien, Leitlinien und medizinische Standards verständlich
einzuordnen – ein Zugang, der früher fast ausschließlich
Fachpersonal vorbehalten war.
Medikamente, Therapien und Behandlungsprozesse verstehen
Auch im Umgang mit Medikamenten zeigt sich das Potenzial von KI.
Ob Beipackzettel, Wechselwirkungen oder Einnahmezeitpunkte – KI
kann komplexe Informationen personalisiert erklären.
Die Hosts zeigen, wie Patient:innen KI nutzen können, um
Therapievorschläge besser nachzuvollziehen, Nebenwirkungen
realistisch einzuordnen und informierte Rückfragen zu stellen.
Dabei geht es nicht um Misstrauen gegenüber Ärzt:innen, sondern
um Transparenz und Sicherheit.
KI bei chronischen Erkrankungen und Lebensstil-Anpassung
Besonders eindrücklich wird die Folge dort, wo es
um langfristige Erkrankungen geht.
Inga Bergen teilt persönliche Erfahrungen und zeigt, wie KI
helfen kann, Therapie, Lebensstil und mentale Gesundheit
miteinander zu verbinden. KI ermöglicht es, evidenzbasierte
Empfehlungen zu Bewegung, Ernährung oder Schlaf individuell zu
interpretieren und in den eigenen Alltag zu integrieren.
Studienwissen wird so praktisch nutzbar – und motivierend. Hier
wird deutlich: KI kann Patient:innen nicht nur informieren,
sondern aktiv begleiten.
Mentale Gesundheit und emotionale Entlastung durch KI
Ein sensibler, aber zentraler Teil der Episode widmet sich
der mentalen Dimension von Krankheit.
Diagnosen lösen Ängste aus, verändern Rollen in Familien und
werfen existenzielle Fragen auf. KI kann in solchen Situationen
ein niedrigschwelliger Gesprächspartner sein – nicht als
Therapeut:in, aber als strukturierende, entlastende Instanz. Die
Hosts diskutieren offen Chancen und Risiken: von emotionaler
Unterstützung bis zur Gefahr unkritischer Bestätigung.
Entscheidend ist der bewusste, reflektierte Einsatz von KI – als
Ergänzung, nicht als Ersatz für menschliche Beziehungen.
Gesundheitsdaten, Tracking und personalisierte Prävention
Wearables, Schlaftracking und Fitnessdaten erzeugen heute riesige
Datenmengen, die im klassischen Gesundheitssystem kaum genutzt
werden. KI eröffnet hier neue Möglichkeiten.
Indem persönliche Daten mit KI reflektiert werden, entsteht eine
neue Form der personalisierten Prävention.
Fragen wie „Ist dieser Wert normal?“ oder „Was bedeutet diese
Veränderung?“ lassen sich individuell einordnen – jenseits
starrer Normwerte. Die Folge zeigt eindrucksvoll, wie KI helfen
kann, Gesundheit aktiv zu gestalten, statt nur auf Krankheit zu
reagieren.
KI als Unterstützung im Umgang mit Bürokratie und
Versicherungen
Ein oft unterschätztes Einsatzfeld von KI ist die Kommunikation
mit Krankenkassen, Behörden und Institutionen. Anträge,
Widersprüche oder Leistungsanfragen scheitern häufig an Sprache
und Struktur. KI kann helfen, Sachverhalte klar, korrekt und
rechtssicher zu formulieren – ein echter Vorteil für Menschen mit
sprachlichen Barrieren oder wenig Erfahrung im System. Damit wird
KI zu einem Werkzeug für mehr Gerechtigkeit im Gesundheitswesen.
Verantwortung, Datenschutz und klare Grenzen
Zum Abschluss der Episode betonen Inga Bergen und Sven Jungmann
die Grenzen von KI. Medizinische Entscheidungen sollten niemals
ausschließlich auf KI basieren. Vertrauen, Beziehung und
ärztliche Expertise bleiben zentral. Gleichzeitig wird auf
Datenschutz hingewiesen: Anonymisierung, bewusste Modellwahl und
reflektierter Umgang mit persönlichen Informationen sind
essenziell, um KI sicher zu nutzen.
Fazit: KI als Werkzeug für selbstbestimmte Gesundheit
Diese erste Crossover-Episode macht deutlich: KI ist
kein Zukunftsthema mehr, sondern ein reales Werkzeug für bessere
Gesundheitskompetenz. Wer bereit ist, Verantwortung zu
übernehmen, Fragen zu stellen und KI bewusst einzusetzen, kann
Kommunikation verbessern, Entscheidungen fundierter treffen und
die eigene Gesundheit aktiver gestalten. Die Folge liefert keine
einfachen Antworten – aber sie öffnet Räume, zeigt Möglichkeiten
und macht Lust, tiefer einzusteigen.
Jetzt reinhören: KI, Gesundheit und echte Selbstwirksamkeit
Diese Episode ist ein fundierter, ehrlicher und praxisnaher
Einstieg in das Thema KI im
Gesundheitskontext. Wer verstehen will, wie KI
Patient:innen heute schon stärken kann – und wo ihre Grenzen
liegen – sollte sich diese Folge unbedingt komplett anhören.
Dr. Sven Jungmann — Keynotes zu Medizin, Innovation und
Künstlicher Intelligenz
https://www.ingabergen.de
Der Beitrag Wie Patient:innen KI für ihre Gesundheit nutzen
können erschien zuerst auf Visionäre der Gesundheit.
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04.12.2025
43 Minuten
Dr. Vera Rödel ist Juristin mit einem Master in
Medizin und Gründerin von Prof. Valmed, der
ersten generativen KI-Medizinprodukt der Klasse IIb in Europa.
Gemeinsam mit dem Neurologen Prof. Heinz Wiendl entwickelt sie
KI-Lösungen, die klinische Entscheidungsprozesse sicher, valide
und datenschutzkonform unterstützen. Ihre seltene Kombination aus
juristischem und medizinischer Fachwissen und technischer
Expertise macht Dr. Vera Rödel zu einer zentralen Gestalterin der
medizinischen KI-Zukunft. Ihr Ziel ist es, eine verlässliche
Alternative zu unregulierter „Shadow AI“ zu schaffen – mit einem
System, das sich streng an Leitlinien orientiert und medizinische
Erkenntnisse nachvollziehbar abbildet.
Zertifizierte KI für die Medizin
Gleich zu Beginn erklärt Dr. Vera Rödel, warum sie den
anspruchsvollen Weg der Zertifizierung als Klasse
IIb-Medizinprodukt gewählt hat. Für sie war klar, dass nur diese
höhere Klassifizierung genügend Spielraum bietet, um medizinische
Datenbanken fortlaufend aktualisieren zu dürfen und gleichzeitig
die Qualität der Entscheidungsunterstützung abzusichern. Während
viele KI-Tools bewusst geringere regulatorische Anforderungen
wählen, setzt Prof. Valmed auf maximale Transparenz und
medizinische Validität. Damit reagiert Dr. Vera Rödel auf den
zunehmenden Einsatz von KI im klinischen Alltag, der bisher meist
unkontrolliert und datenschutzrechtlich bedenklich stattfindet.
KI wird unverzichtbar im Klinikalltag
Im Gespräch zeigt sich, wie stark das Gesundheitswesen bereits
jetzt auf KI zurückgreift. Dr. Vera Rödel beschreibt, dass viele
Medizinerinnen und Mediziner ChatGPT oder ähnliche Modelle auf
privaten Geräten nutzen, weil die Zeit im Alltag fehlt, komplexe
Leitlinien nachzuschlagen. Genau hier sieht sie die dringende
Notwendigkeit einer regulierten, sicheren und medizinisch
geprüften Alternative. Für sie ist klar: KI darf im klinischen
Umfeld nicht dem Zufall überlassen werden. Sie muss Ärztinnen und
Ärzte entlasten, ihnen aber gleichzeitig die Sicherheit geben,
dass jede Empfehlung auf valider Evidenz beruht.
Wie Prof. Valmed funktioniert
Die Oberfläche des Tools orientiert sich bewusst an modernen
Sprachmodellen. Anwenderinnen und Anwender können Fragen so
formulieren, wie sie es im Gespräch mit Kolleginnen oder Kollegen
tun würden. Die KI antwortet ausschließlich auf Basis geprüfter
Daten, zeigt Quellen an und verweist auf die zugrunde liegenden
Leitlinien. Dr. Vera Rödel hebt hervor, dass das System lieber
bewusst keine Antwort gibt, als falsche Inhalte zu generieren.
Zudem arbeitet Prof. Valmed ohne personenbezogene Daten, was die
Nutzung in sensiblen klinischen Umgebungen erleichtert. Das
Ergebnis ist ein vertrautes, intuitives Interface, das dennoch
strenge medizinische Standards erfüllt.
Integration in klinische Systeme
Besonders wirkungsvoll wird Prof. Valmed, wenn es direkt in
bestehende KIS-Systeme integriert ist. Dr. Vera Rödel beschreibt,
wie sich dadurch der Workflow spürbar verändert: Die KI erscheint
genau dort, wo Entscheidungen getroffen werden, und liefert
Vorschläge, ohne dass zusätzliche Fenster oder Programme geöffnet
werden müssen. Diese Integration sorgt für Akzeptanz und führt
dazu, dass medizinische Teams das Tool selbstverständlich in den
Alltag übernehmen. Kooperationen wie jene mit Medatixx zeigen,
wie stark die Nachfrage nach eingebetteten KI-Lösungen wächst.
Die medizinische Datenbasis
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Systems ist die umfassende
Datenbasis. Prof. Valmed verarbeitet rund 2,5 Millionen
medizinische Dokumente, darunter Leitlinien, PubMed-Artikel im
Open Access, Cochrane Reviews und EMA-Dokumente. Auch
internationale Richtlinien, etwa aus Italien, sind eingebunden.
Dr. Vera Rödel betont, dass diese Daten laufend aktualisiert
werden und eine außergewöhnliche Breite medizinischer
Sachverhalte abbilden. Das ermöglicht sichere Entscheidungen
selbst bei seltenen Erkrankungen.
Nutzen im Alltag
Besonders eindrücklich beschreibt Dr. Vera Rödel das Feedback aus
der Versorgungspraxis. Anwenderinnen und Anwender berichten über
deutliche Zeitersparnis und bessere Entscheidungen, weil
Leitlinien nicht länger mühsam recherchiert werden müssen.
Gleichzeitig steigt die Behandlungsqualität, da die Empfehlungen
immer evidenzbasiert sind. Interessant ist, dass nicht nur
Ärztinnen und Ärzte, sondern auch Pflegekräfte, Apotheker und
pharmazeutische Unternehmen von dem Tool profitieren. Alle
erhalten schnellere, klarere und nachvollziehbare Informationen
für ihre täglichen Aufgaben.
KI für Patientinnen und Patienten
Ein spannender Teil der Diskussion widmet sich der Frage, wie
Patientinnen und Patienten künftig selbst mit KI arbeiten werden.
Dr. Vera Rödel weist darauf hin, dass Menschen immer weniger
googeln und stattdessen sofort KI-Systeme befragen – oft ohne zu
wissen, woher die Informationen stammen. Für sie ist das ein
Risiko, aber auch eine Chance. Deshalb plant sie eine Version von
Prof. Valmed, die medizinisch korrekte Informationen direkt für
Betroffene zugänglich macht. So könnten patientenseitige
Recherchen zuverlässiger werden und das Gespräch mit Ärztinnen
und Ärzten auf einer besseren Basis stattfinden.
Herausforderungen und Wandel im Gesundheitssystem
Im weiteren Verlauf beleuchtet Dr. Vera Rödel die strukturellen
Hürden im europäischen Gesundheitssystem. Datenschutz,
fragmentierte IT-Infrastrukturen und konservative
Ausbildungsstrukturen erschweren den Einsatz neuer Technologien.
Gleichzeitig sieht sie die Notwendigkeit, KI-Kompetenzen stärker
in der medizinischen Ausbildung zu verankern, damit zukünftige
Generationen sicherer und selbstbewusster mit KI arbeiten können.
Europa müsse lernen, moderne Technologien schneller und mutiger
zu integrieren, ohne dabei die eigenen Werte zu gefährden.
Prof. Valmed Academy und Zukunftspläne
Zum Schluss erklärt Dr. Vera Rödel, wie Prof. Valmed mit der
eigenen KI-Weiterbildung, der Prof. Valmed Academy, Vertrauen
schafft. Ärztinnen und Ärzte können dort CME-Punkte erwerben und
lernen, wie KI-Systeme funktionieren, welche Grenzen sie haben
und warum sie zuverlässig genutzt werden können. Zudem berichtet
sie über die breite Einführung des Tools: Mehr als 2000 Ärztinnen
und Ärzte nutzen Prof. Valmed bereits, dazu mehrere
Universitätskliniken sowie medizinische Einrichtungen in Italien,
im Mittleren Osten und in Asien. Dass Prof. Valmed vollständig
bootstrapped ist, ermöglicht schnelle Entscheidungen und eine
klare Ausrichtung an medizinischen Bedürfnissen
Der Beitrag Dr. Vera Rödel – CEO von Prof. Valmed – schafft
sicheres „ChatGPT für die Medizin“ statt riskanter Schatten-KI
erschien zuerst auf Visionäre der Gesundheit.
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20.11.2025
38 Minuten
Dr. Johanna Ludwig ist Chirurgin,
Gesundheitssystem-Visionärin und leitet seit Kurzem die neue
Leiterin der Stabsstelle Versorgung bei der gematik. Nach
mehreren Jahren klinischer Tätigkeit – unter anderem im
Unfallbehandlungszentrum Berlin-Marzahn – absolvierte sie ein
Zusatzstudium in Oxford, das ihr die Bedeutung von
Prozessanalyse, Organisationsentwicklung und Digitalisierung im
Gesundheitswesen verdeutlichte. Sie verbindet medizinische
Expertise mit einem tiefen Verständnis für Versorgungsprozesse,
Lean Management und digitale Transformation. In ihrer neuen Rolle
bringt Dr. Johanna Ludwig Erfahrungen aus Klinik, Forschung,
Startup-Arbeit und internationaler Weiterbildung ein, um die
digitale Versorgung in Deutschland patientennah, alltagstauglich
und zukunftsfähig zu gestalten.
Ein ungewöhnlicher Weg: Von der Chirurgie zur Digitalstrategie
Zu Beginn berichtet Dr. Johanna Ludwig, wie
sie von der klassischen Chirurgie in eine Rolle wechselte, die es
ihr ermöglicht, Versorgung systemisch zu verbessern. Im
Klinikalltag wurde ihr immer wieder bewusst, wie viel Zeit
Ärztinnen und Ärzte mit Workarounds verbringen – mit Tätigkeiten,
die eigentlich nur dazu dienen, Lücken in Prozessen zu
überbrücken. Gerade diese täglichen Ineffizienzen weckten ihren
Wunsch, Strukturen zu verändern und Organisationen zu
modernisieren. Das Zusatzstudium in Oxford hat ihr dann gezeigt,
dass Wissen allein nicht ausreicht, sondern dass man sein Umfeld
aktiv gestalten muss, wenn man Versorgung verbessern will.
Digitalisierung und Weiterbildung gehören zusammen
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Frage, weshalb
Digitalisierung oft nicht dort ankommt, wo sie eigentlich
benötigt wird. Dr. Johanna
Ludwig betont, dass digitale Lösungen nur
funktionieren, wenn sie in echte Arbeitsabläufe eingebettet sind
und wenn das Personal die Möglichkeit erhält, sich
weiterzubilden. Besonders die Verknüpfung aus digitaler Kompetenz
und strukturierter Weiterbildung hält sie für entscheidend. Ohne
diese Verbindung könne der große Hebel digitaler Technologien
nicht wirksam werden.
Die Rolle der neuen Stabstelle Versorgung bei der gematik
Viele Außenstehende unterschätzen die Größe und Komplexität der
gematik. Dr. Johanna Ludwig erklärt,
dass ihre Aufgabe als Leiterin der Stabstelle Versorgung darin
besteht, zwischen allen Akteuren zu vermitteln – von
Krankenhäusern über Ärztinnen und Ärzte bis hin zu
Industriepartnern und Selbstverwaltung. Es gehe nicht darum,
analoge Abläufe einfach zu digitalisieren, sondern
Digitalisierung so zu gestalten, dass sie die Versorgung
tatsächlich verbessert. Die Stabstelle soll dafür sorgen, dass
sowohl digital affine Praxen als auch kleine Landarztpraxen
gehört werden und dass digitale Lösungen echten Mehrwert bieten.
Warum digitale Lösungen häufig Frust auslösen
Anhand eines Beispiels aus dem NHS beschreibt Dr.
Johanna Ludwig, warum digitale Lösungen scheitern
können, wenn sie an der Realität vorbeigeplant werden. Eine
digitalisierte Überweisung hat zwar organisatorisch Sinn ergeben,
aber gleichzeitig wertvolle ärztliche Kommunikation eliminiert,
die zuvor nebenbei stattfand und für den Austausch zwischen
Hausärzten und Fachärzten essenziell war. Die Folge war Frust
statt Entlastung. Diese Geschichte zeigt, wie wichtig es ist,
Digitalisierung aus Sicht der Anwenderinnen und Anwender zu
denken und die Funktionsweise der Versorgung genau zu
verstehen. johanna-inga
Fragmentierung, Ressourcenmangel und der Alltag der Kliniken
Ein weiterer Schwerpunkt ist die enorme Fragmentierung des
deutschen Gesundheitssystems. Viele unterschiedliche Systeme,
zahlreiche IT-Anbieter, regionale Unterschiede und finanzieller
Druck erschweren einheitliche digitale Lösungen. Dr.
Johanna Ludwig macht deutlich, dass Digitalisierung
gerade in diesem Umfeld ein enormer Hebel sein könnte, wenn sie
richtig umgesetzt wird. Sie sieht die Herausforderung darin, alle
Beteiligten wieder auf eine gemeinsame Vision einzuschwören und
den Fokus auf das gemeinsame Ziel zu richten: eine bessere
Versorgung für Patientinnen und Patienten.
Die elektronische Patientenakte: Ein großes Versprechen
Im Gespräch zeigt sich Dr. Johanna
Ludwig deutlich optimistischer als viele andere
Stimmen im System. Auf die Frage, wie groß das Potenzial der
elektronischen Patientenakte sei, gibt sie die höchste Bewertung.
Schon heute könne ein sauber geführter Medikationsplan Leben
retten. Zwar sei die ePA aktuell noch von PDFs geprägt und oft
unvollständig, doch allein die Bündelung wichtiger Informationen
bringe spürbare Erleichterungen. Ihr Ziel ist es, dass Ärztinnen
und Ärzte künftig sagen: „Dieses digitale Tool erleichtert meinen
Alltag wirklich.“
Weiterbildung im KI-Zeitalter – und warum Deutschland aufholen
muss
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um die Zukunft der
medizinischen Weiterbildung. Dr. Johanna Ludwig erläutert, dass
Weiterbildung Zeit und Geld kostet, in Kliniken aber oft als
Belastung wahrgenommen wird. Logbücher werden häufig ausgefüllt,
ohne dass die Inhalte wirklich vermittelt wurden. International,
etwa in Kanada, sei man deutlich weiter und arbeite seit vielen
Jahren mit kompetenzbasierten Modellen. Angesichts der rasanten
Entwicklungen in KI und Entscheidungsunterstützungssystemen müsse
sich das Rollenbild von Ärztinnen und Ärzten verändern. In
Zukunft brauche es nicht nur Fachwissen, sondern besonders
Fähigkeiten wie Kommunikation, Teamarbeit und Patientenführung.
Was nötig ist, damit der Kulturwandel gelingt
Dr. Johanna Ludwig betont, dass es eine
klare Vision braucht – ähnlich wie in einem Startup. Systeme und
Weiterbildungsstrukturen müssen so gestaltet werden, dass sie
gute Praxis unterstützen statt behindern. Im Mittelpunkt steht
für sie der Mensch: Pflegende und Ärztinnen sollen Zeit für
Patientinnen und Patienten haben, statt mit redundanten
Dokumentationen oder fehlerhaften IT-Systemen kämpfen zu müssen.
Nur wenn digitale Lösungen den Arbeitsalltag wirklich
erleichtern, kann eine positive digitale Kultur entstehen.
Persönliches Ziel: Die erste wirklich geliebte digitale Lösung
Zum Ende definiert Dr. Johanna
Ludwig ein persönliches Ziel: Sie möchte, dass es
künftig mindestens ein digitales Produkt gibt, über das Ärztinnen
und Ärzte sagen: „Das ist wirklich gut.“ Dieser Satz wäre für sie
ein Zeichen dafür, dass Digitalisierung nicht mehr als Belastung,
sondern als echte Verbesserung wahrgenommen wird. Ebenso wünscht
sie sich, dass ihr Buch über Wege aus der Klinik irgendwann nicht
mehr gebraucht wird, weil Menschen im Gesundheitssystem wieder
das Gefühl haben, etwas bewegen zu können, ohne
auszubrennen.
Mehr über unseren Podcast, alle erschienen Folgen und uns Inga
Bergen & Larissa Middendorf findet ihr auf
www.visionaere-gesundheit.de Mehr von uns gibt es auch in
unserem englischsprachigen Podcast „Visionaries of
Health“ denn ihr auf allen gängigen Podcastplattformen
findet.
Ihr habt Themenvorschläge oder Anregungen für uns? Melde euch
gerne unter info@visionaere-gesundheit.de
Der Beitrag Dr. Johanna Ludwig: Warum ihre Vision für die
digitale Versorgung Mut macht erschien zuerst auf Visionäre der
Gesundheit.
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06.11.2025
45 Minuten
Dr. Ebru Yildiz ist eine der profiliertesten Stimmen für
interkulturelle Kommunikation im deutschen Gesundheitswesen. Sie
ist Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie und leitet das
Transplantationszentrum der Universitätsmedizin Essen. Zusätzlich
engagiert sie sich als Mentorin für Frauen im Gesundheitswesen.
Was sie besonders auszeichnet: Sie hat ihre Karriere in der
Pflege begonnen – ein Weg, der sie gelehrt hat, Medizin aus
unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen. In dieser Podcastfolge
spricht sie mit Inga Bergen über strukturelle Barrieren, Chancen
für mehr Vertrauen in der medizinischen Versorgung und den
Unterschied zwischen „medizinisch versorgen“ und „gesund leben
lassen“.
Der Weg vom Pflegeberuf zur ärztlichen Leitung
Dr. Ebru Yildiz beginnt ihre berufliche Laufbahn in der Pflege,
während sie parallel ihr Medizinstudium abschließt. Diese
Erfahrung prägt ihren heutigen Führungsstil und ihr Verständnis
für Teamarbeit im Klinikalltag. Sie weiß, wie es ist, auf der
Seite der Assistenz zu stehen – und erkennt die strukturellen
Hürden, denen sich insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund
stellen müssen. Diese Perspektive macht sie zu einer
Fürsprecherin für mehr Durchlässigkeit in der Gesundheitsbranche.
Warum Kommunikation der Schlüssel ist – und oft scheitert
Ein zentrales Thema im Gespräch ist die Rolle der Kommunikation
zwischen Ärzt:innen und Patient:innen. Dr. Ebru Yildiz macht
deutlich, dass viele Missverständnisse im klinischen Alltag nicht
medizinischen, sondern kulturellen Ursprungs sind. Sprache sei
dabei nur ein Aspekt – viele Patient:innen verstünden
beispielsweise das Konzept von Organspende nicht oder hätten
kulturell geprägte Vorstellungen von Tod, Körper und Familie, die
mit dem medizinischen System kollidieren. Sie fordert daher ein
systematisches Training in kultursensibler Kommunikation – für
alle Berufsgruppen im Gesundheitswesen.
Organspende: Wenn Vertrauen fehlt, hilft keine Aufklärung
Als Leiterin eines Transplantationszentrums erlebt Dr. Ebru
Yildiz täglich, wie schwierig es ist, über Organspende zu
sprechen – insbesondere in Familien mit Migrationsgeschichte.
Nicht, weil diese ablehnend wären, sondern weil Vertrauen fehle.
Wer schlechte Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem gemacht habe
oder sich nicht gesehen fühle, wird sich schwer tun,
Entscheidungen zu treffen, die so tief ins eigene Leben und in
den Körper eingreifen. Sie plädiert für mehr kulturelle
Übersetzungsarbeit, um Ängste abzubauen und Räume für echte
Gespräche zu schaffen.
Warum sie für „gesunde Lebensjahre“ kämpft – nicht nur für
medizinische Versorgung
Dr. Ebru Yildiz unterscheidet klar zwischen Medizin und
Gesundheit. Während das medizinische System häufig auf Krankheit
reagiere, brauche es einen Paradigmenwechsel hin zur Förderung
gesunder Lebensjahre. Dabei gehe es nicht nur um Prävention,
sondern auch um gesellschaftliche Teilhabe, Bildung, Ernährung
und Arbeitsbedingungen – also um die sozialen Determinanten von
Gesundheit. Besonders betroffen von ungerechten
Gesundheitschancen seien Frauen, Menschen mit niedrigem
sozioökonomischen Status und jene mit Migrationsgeschichte.
Vertrauen, Haltung und Kommunikation auf
Augenhöhe
Dr. Ebru Yildiz betont im Gespräch mehrfach, dass Vertrauen die
wichtigste Währung in der Medizin ist – besonders bei sensiblen
Themen wie Organspende, Transplantation oder chronischer
Erkrankung. Sie schildert, wie entscheidend es ist, Patient*innen
auf Augenhöhe zu begegnen und eine Sprache zu finden, die nicht
ausgrenzt, sondern einbindet. Dabei geht es ihr nicht nur um
sprachliche Barrieren, sondern auch um kulturelle, soziale und
emotionale Unterschiede. Als Beispiel nennt sie, wie auch
gesundheitliche Kommunikation über Social Media neue Wege geht –
und verweist auf Formate wie „Fit Dad Hendrik“, die
niedrigschwellig Wissen vermitteln und dabei diverse Zielgruppen
erreichen. Solche Initiativen zeigen, wie moderne
Gesundheitskommunikation auch außerhalb klassischer medizinischer
Kontexte funktionieren kann – nahbar, authentisch und lebensnah.
Interkulturelle Medizin ist mehr als Diversity-Tag
Gegen Ende des Gesprächs warnt Dr. Ebru Yildiz vor
oberflächlichen Diversity-Initiativen. Für sie ist
interkulturelle Medizin keine PR-Maßnahme, sondern ein
struktureller Umbau: medizinische Versorgung muss konsequent auf
die Bedürfnisse einer vielfältigen Gesellschaft ausgerichtet
werden. Das heißt: Dolmetscherstrukturen, mehrsprachige
Aufklärung, divers zusammengesetzte Teams und
Entscheidungsfindung, die kulturelle Konzepte mitdenkt. Nur so
könne Vertrauen entstehen – und echte Wirksamkeit.
Unterschied von Herkunft und Haltung
Im gesamten Gespräch wird deutlich: Für Dr. Ebru Yildiz bedeutet
interkulturelle Medizin nicht, Menschen nach ihrer Herkunft zu
sortieren. Vielmehr gehe es darum, Haltung zu zeigen – eine
Haltung, die offen, lernbereit und respektvoll ist. Medizin darf
nicht nach Schema F funktionieren, sondern muss individuell und
kontextsensibel sein.
Ebru Yildiz fordert: Mehr Menschlichkeit, mehr Struktur, mehr
Verständnis
Diese Podcastfolge mit Dr. Ebru Yildiz zeigt eindrücklich, wie
wichtig kulturelle Kompetenz im Gesundheitswesen ist – und dass
es nicht reicht, Wissen zu vermitteln. Es braucht Haltung,
strukturelle Veränderungen und eine Medizin, die Kommunikation
und Vertrauen in den Mittelpunkt stellt. Wer mehr über
Organspende, interkulturelle Kommunikation,
Gesundheitsgerechtigkeit und den persönlichen Weg einer
beeindruckenden Ärztin erfahren möchte, sollte unbedingt
reinhören.
Der Beitrag Dr. Ebru Yildiz über interkulturelle Medizin,
Organspende und Kommunikation auf Augenhöhe erschien zuerst auf
Visionäre der Gesundheit.
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Wir sprechen mit inspirierenden Persönlichkeiten über ihre Vision
der Zukunft der Gesundheit.
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