Podcaster
Episoden
21.02.2026
26 Minuten
Für den Petersdom in Rom malte der Bieler Reformierte Manuel Dürr
14 Kreuzweg-Bilder. Von jetzt an hängen sie neben Michelangelo,
Raffael und Bernini, immer zur Fastenzeit: Denn sie erzählen vom
Leiden und Sterben Jesu Christi. Darauf fällt bei Dürr immer etwas
Licht: das Licht von Ostern. Manuel Dürr ist Jahrgang 1989,
Künstler aus Biel und gläubiger evangelischer Christ. Für seine
Arbeit fühlte er sich nun tief ein in die «typisch katholische»
Kreuzweg-Frömmigkeit. Auch stilistisch passte sich der Künstler ins
Umfeld des Petersdoms ein. Dürr hat in Italien Malerei studiert und
liebt die alten Meister. Im klassisch katholischen Kreuzweg kommen
Szenen vor, die in der evangelischen Frömmigkeit und Kunst keine
Rolle spielen, etwa weil sie nicht in der Bibel stehen. Gerade die
fand Manuel Dürr besonders spannend. Beispielsweise das Motiv der
Heiligen Veronika: Auf dem Schweisstuch, das sie dem leidenden
Jesus reicht, bildet sich dessen Gesicht ab. Die tiefe Bild-Mystik
dieses Motivs könne er erst jetzt durch seine Arbeit für den
Petersdom richtig nachvollziehen, erzählt Dürr in seinem Atelier in
Biel. In «Perspektiven» spricht der junge Künstler Manuel Dürr über
seine Idee von christlicher Kunst im 21. Jahrhundert. Dabei
scheinen ihm Niederschwelligkeit für die Gläubigen und «die gute
Botschaft» wichtiger zu sein als Anerkennung durch die
Kunst-Avantgarde. Das Kreuz an sich sei schon «Intervention» genug.
Autorin: Judith Wipfler
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14.02.2026
29 Minuten
«Der Weg entsteht, indem er gegangen wird» – das ist einer der
vielen Sinnsprüche des chinesischen Gelehrten Zhuangzi, der vor
rund 2400 Jahren daoistische Texte weiterentwickelt hat. Das Buch
«Zhuangzi besser verstehen» zeigt, wie hilfreich die Lehren des Dao
heute sein können. Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus und
dem Buddhismus eine der drei grossen Lehren, die China massgeblich
geprägt haben. Im Zentrum des Daoismus steht die Idee eines
allumfassenden Wirkprinzips, das die Geschicke des Universums
lenkt. Gleichzeitig dient das «Dao» – zu Deutsch «der grosse Weg» –
auch als Anleitung für ein gelingendes und langes Leben. Der
Ursprung des Dao liegt über 2500 Jahre zurück und wird dem
chinesischen Gelehrten Laotse zugeschrieben, der der Legende nach
Weisheiten im sogenannten «Daodejing», der Gründungsschrift des
Daoismus, gesammelt haben soll. Rund hundert Jahre nach Laotse
taucht der chinesische Dichter und Philosoph Zhuangzi auf, der die
teilweise schwer verständlichen Texte aus dem Daodejing in kurzen,
lebhaften Geschichten greifbarer macht. Der Deutsche Didaktiker und
Autor Michael Wittschier wagt nun in seinem neuen Buch «Zhuangzi
besser verstehen» eine weitere Verständnisstütze, mit der das
Prinzip des Dao noch besser ins heute transportiert werden kann.
Was können uns die klugen und teilweise auch humorvollen
Gleichnisse von Zhuangzi heute vermitteln? Und wie kann uns in
Zeiten von Leistungsdruck und Selbstoptimierung die daoistische
Kunst des «Nicht-Tuns» Inspiration für mehr Gelassenheit geben?
Diesen und anderen Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach.
Autor: Igor Basic
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07.02.2026
29 Minuten
Über tausend Menschen mit Behinderungen flüchten jedes Jahr in die
Schweiz. Ohne fremde Hilfe können sie ihr Leben nicht meistern. In
der Schweiz stossen sie auf viele Hürden, oft bekommen sie die
nötige Versorgung nicht. Die christliche Stiftung David Dienst
Schweiz will unterstützen. Dmytro Zharyi floh, kurz nachdem
Russland die Ukraine angegriffen hatte, mit seinen alten Eltern in
die Schweiz. Der 41-jährige Menschenrechtsanwalt sitzt im
Elektrorollstuhl, ist auf viel Unterstützung angewiesen. Weil er
behindert in die Schweiz geflüchtet ist, hat er keinen Anspruch auf
Hilfe der Invalidenversicherung: Er bekommt den minimalen Support
von der Spitex und kann nur hier leben, weil ihn seine alten Eltern
tagsüber unterstützen. Marco Jörg von der Stiftung David Dienst
Schweiz gründete kurz nach Kriegsbeginn in der Ukraine die
nationale Koordinationsstelle für Flüchtlinge mit Handicap. Er
macht die Erfahrung, dass geflüchtete Menschen mit Behinderung in
der Schweiz auf vielerlei Barrieren stossen und grosse Mühe haben,
ihren Platz zu finden. Die Schweiz hat zwar die
UNO-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. Doch mit der
Umsetzung hapert es, gerade auch bei geflüchteten Personen mit
Behinderung. Für «Perspektiven» haben wir beim Staatssekretariat
für Migration nachgefragt. Autorin: Yvonn Scherrer
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01.02.2026
28 Minuten
Im «Perspektiven»-Schwerpunkt beleuchten wir die besonderen
Umstände von Ordensgemeinschaften, wenn es um Missbrauch geht und
fragen, welche Massnahmen zur Prävention und Aufarbeitung getroffen
werden. In dieser Folge liegt der Fokus auf Männergemeinschaften.
Die Pilotstudie zu sexualisierter Gewalt und spirituellen
Übergriffen im Kontext der römisch-katholischen Kirche hat die
Schweizer Ordensgemeinschaften überrumpelt. Sie hatten nicht mit
diesem Ausmass von Fällen gerechnet. Denn: Zum Thema gibt es kaum
Forschung. Wenige Ausnahmen sind Ordensgemeinschaften, die auch
Schule führen wie in Einsiedeln und bereits ab den 2010ern in die
Schlagzeilen gerieten. Sie entwickelten erste Schutzkonzepte und
Präventionsmassnahmen. Dank Betroffenen und durch medialen Druck
wurden ab 2023, nach Veröffentlichung der Pilotstudie, neue Fälle
sexualisierter Gewalt aufgedeckt. Vor allem das prestigeträchtige
Kloster St. Maurice stand monatelang in den Schlagzeilen. Der Druck
wurde so hoch, dass das Kloster eine eigene wissenschaftliche
Studie in Auftrag gab. Die Ergebnisse: Erschütternd. Und sie zeigen
auch, das bis in die jüngste Vergangenheit Täter gedeckt wurden.
Mit Blick in Gegenwart und Zukunft fragt sich: Wie steht es um die
Präventionsmassnahmen in Ordensgemeinschaften? Welche
kirchenrechtlichen Möglichkeiten und Pflichten gibt es für Klöster,
mit mutmasslichen oder verurteilten Tätern umzugehen? Eine
Auslegeordnung in «Perspektiven», u.a. mit der Soziologin Lorraine
Odier und der Kirchenrechtlerin Astrid Kaptijn, beide von der
Universität Freiburg. Es ist die zweite Sendung des Schwerpunkts
zur sexualisierten Gewalt in Schweizer Klöstern und Orden.
Autorinnen: Léa Burger und Nicole Freudiger
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24.01.2026
25 Minuten
Über sexuellen Missbrauch zu sprechen ist nie leicht. Besonders
schwer fällt es jenen, die ihn im Kloster erlebt haben. Im
«Perspektiven»-Schwerpunkt beleuchten wir die speziellen Umstände
und fragen, welche Massnahmen zur Prävention und Aufarbeitung in
Schweizer Orden getroffen werden. Lange war das Thema Tabu, die
Betroffenen haben geschwiegen, bis der Film «Gottes missbrauchte
Dienerinnen» deutlich machte: unter den Betroffenen von
sexualisierter Gewalt im kirchlichen Kontext gibt es auch Nonnen
und Ordensfrauen. Eine Studie zeigte letzten Sommer dann auf, dass
besonders Novizinnen gefährdet sind. Und: Dass es unter den
Ordensfrauen auch Täterinnen gibt. Die Wahrscheinlichkeit ist also
gross, dass Schweizer Klöster Betroffene beherbergen. Doch
erforscht ist die sexualisierte Gewalt in Schweizer
Ordensgemeinschaften kaum. Wie also verhalten sich die Schweizer
Ordensgemeinschaften gegenüber der Aufarbeitung? Wie gehen sie mit
hochbetagten Mitgliedern um, die sexualisierte Gewalt erlebt haben,
wenn diese Erlebnisse im Alter wieder hochkommen? Diese Frage
stellen wir in der «Perspektiven»-Sendung zu sexualisierter Gewalt
im Frauenkloster. Betroffene, die sich bei der «soeur sans domicile
fixe» der Sendung melden möchten, schreiben an:
chemins.de.vie3@gmail.com Autorinnen: Léa Burger und Nicole
Freudiger
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Über diesen Podcast
Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur
rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube,
Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und
sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der
Spur.
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