Podcaster
Episoden
10.01.2026
29 Minuten
Er galt als einer der ganz Grossen im Schweizer Journalismus. Als
Bundeshausjournalist deckte Markus Häfliger nationale Skandale auf.
Zuletzt den «Unterschriften-Bschiss» bei Volksinitiativen. Dann
wechselte er zur Heilsarmee. Welche Rolle spielt dabei sein Glaube?
Die Kasachstan-Affäre, die Libyen-Affäre, Korruption beim Bafu:
Seine Recherchen erschütterten die Schweiz. Nach knapp 30 Jahren im
Journalismus wechselte Markus Häfliger zur Heilsarmee. Seit gut
einem Jahr lautet seine Funktion «Verantwortlicher Public Affairs».
Er ist damit Lobbyist für eines der wichtigsten Sozialwerke der
Schweiz. Die Heilsarmee betreibt zum Beispiel Kinderheime,
Notschlafstellen oder Flüchtlingsunterkünfte. Finanziert werden die
Projekte durch Spenden, Erbschaften und vor allem von der
öffentlichen Hand. Die Heilsarmee ist gleichzeitig auch eine
Freikirche im evangelikalen Spektrum. Für die Lobbyarbeit ist das
nicht immer einfach. «Da gibt es viele Missverständnisse», so
Markus Häfliger. Darüber sprechen wir in dieser
Perspektiven-Sendung und über Dom Hélder Câmara († 1999), den
brasilianischen Erzbischof und Befreiungstheologen, der einmal
sagte: «Wenn ich den Armen Brot gebe, nennen sie mich einen
Heiligen. Wenn ich frage, warum sie arm sind, nennen sie mich einen
Kommunisten.» Autorin: Anna Jungen
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03.01.2026
29 Minuten
Kirchen verlieren Mitglieder, der Glaube an Gott nimmt ab und
Religion wird immer seltener an die nächste Generation
weitergegeben. Die Säkularisierung schreitet voran, trotz vieler
spiritueller Angebote. Wohin uns das führt, erklärt
Religionssoziologe Detlef Pollack im Interview. Sei es in der
Schweiz oder in Polen. In den USA oder in Südkorea. Überall wächst
die Gruppe der Konfessionslosen. Und überall sind die jüngeren
Generationen weniger religiös als die älteren. Das zeigt die grosse
Studie «Religion und Moderne» von Detlef Pollack. Auf über 600
Seiten beschreibt der Religionssoziologe, wie der Glaube an Gott
schwindet, wie die religiöse Praxis abnimmt (etwa der
Gottesdienstbesuch oder das Gebet) und wie spirituelle Angebote
zwar rege genutzt werden, den Rückgang der Religion aber nicht
kompensieren können. Auffällig ist dabei, dass in jedem einzelnen
der untersuchten Länder die Gründe für den Rückgang der Religion
anders sind. Der Trend bestätigt sich aber – selbst in so
religiösen Ländern wie Italien oder den USA. Erfolg hat Religion
nur in einer «verflüssigten» Version, wie Pollack die diversen
spirituellen Angebote zusammenfasst, oder als dogmatischer
Fundamentalismus. Was das für unsere Gesellschaft bedeutet – und ob
die Krisen der heutigen Zeit zu einem Revival der Religion führen
könnten, erklärt Detlef Pollack in «Perspektiven». Autorin: Nicole
Freudiger Buchhinweis: Detlef Pollack und Gergely Rosta. Religion
und Moderne. Ein internationaler Vergleich. Campus Verlag, 2025.
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31.12.2025
29 Minuten
Seit jeher erzählen Menschen Geschichten über den Ursprung und das
Ende der Welt. Die Wissenschaft liefert heute viele Erkenntnisse
dazu. Der deutsche Astrophysiker Heino Falcke beschreibt diese
«grosse Geschichte» in seinem neuen Buch «Zwischen Urknall und
Apokalypse». Vor sechs Jahren war Heino Falcke massgeblich an der
ersten Fotografie eines Schwarzen Loches beteiligt. Nun nimmt er
die Leserschaft mit auf eine atemberaubende Reise durch Raum und
Zeit, in der für ihn das göttliche in all den kleinen und grossen
Wundern des Kosmos immer wieder aufblitzt. Denn: Heino Falcke ist
nicht nur Forscher, er ist auch gläubiger Christ. Für ihn stehen
Wissenschaft und Glaube nicht im Widerspruch – im Gegenteil. Wer
sich mit dem Anfang und einem möglichen Ende unseres Universums
auseinandersetzt, stösst zwangsläufig an die Grenzen des Wissbaren:
Was war vor dem Urknall? Woher kommen die Naturgesetze? Hört das
Universum irgendwann auf zu existieren? Kulturredaktor Igor Basic
sucht in dieser Perspektiven-Sendung Antworten auf diese Fragen.
Autor: Igor Basic
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27.12.2025
29 Minuten
«Früher» waren Pfarrer im TV-Krimi noch die Guten: Pater Brown und
Schwester Camilla überführten ihre Mörder zuverlässig humorvoll in
45 Minuten. Aber heute werden religiöse Figuren oft zwielichtig
gezeichnet und rasch zu Tatverdächtigen. Theologe Beat Föllmi hat
den Vorabendkrimi «obduziert». Eigentlich ist der Schweizer Beat
Föllmi Professor für Kirchenmusik an der Universität Strassburg.
Aber der reformierte Theologe ist eben auch Fan zeitgenössischer
Kultur. Rund 900 Serienfolgen deutschsprachiger Vorabend-Krimis hat
er sich reingezogen. Er zeigt, dass religiöse Menschen darin fast
nur noch stereotyp auftreten, wenn überhaupt. Unheimlich,
wahnsinnig oder / und betrügerisch kommen Sekten, Esoterik-Konzerne
und super-fromme Milieus in TV-Krimis vor. Beat Föllmi hat das
alles in einer Studie untersucht. Was sagt sein Befund über das
Image von Religion und Kirche insgesamt - in der Mitte der
Gesellschaft? Der Träger des Schweizer Krimipreises 2025 Raphael
Zehnder erklärt, warum es Religion in Krimis schwer hat. Und die
christkatholische Diakonin und Literaturwissenschaftlerin Susanne
Cappus outet sich als entspannte Krimileserin. Religion
funktioniere im Krimi eben meist nur durch Überzeichnung. Autorin:
Judith Wipfler Buchhinweis: Beat Föllmi, Kruzifix und
Geisterbeschwörung. Religion in deutschen Vorabendkrimis,
Aschendorff Verlag, Münster 2023.
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24.12.2025
29 Minuten
Mit feisten roten Wangen pusten sie in Posaunen und Trompeten oder
singen im Chor: die Engel. Jenseits vom Weihnachtskitsch entdeckte
der Luzerner Theologe Wolfgang W. Müller: «Wo von Engeln gesprochen
wird, ist von Musik die Rede.» Musik ist also nicht nur eine
horizontale Brücke zwischen Menschen, Kulturen und Religionen.
Musik schlage auch eine vertikale Brücke hoch zum Himmel, zur
Transzendenz. Wer, wenn nicht die Engel, könnten dies ganz
wunderbar versinnbildlichen: diese Mittlerwesen zwischen Himmel und
Erde. Ihre Botschaften zu verlautbaren, dazu eignen sich Posaunen
und Trompeten vorzüglich. Oder haben Sie schon mal eine
Barockkirche ohne musizierende Putti gesehen? Die theologische
Tiefendimension von Musik beschäftigt den emeritierten
Dogmatikprofessor und Dominikaner Wolfgang W. Müller schon sein
langes Forscherleben lang: «Engelsmusik erlaubt einen
niederschwelligen Zugang zu Fragen der Religion und des Glaubens
und hat überdies eine interreligiöse Dimension.» Der anhaltende
«Engelboom» sei ihm jedoch eher ein Anstoss. Denn Engel würden
heute – etwa in der kommerziellen Werbung - allzu oft «in der
Immanenz aufgelöst», bedauert er. Dabei komme im Engelskonzert doch
beides zusammen: Musik und Religion. Und beide - Musik und Religion
– vermögen es, über das Unaussprechliche zu sprechen. Autorin:
Judith Wipfler Buchhinweis: Wolfgang W. Müller, Musik der Engel.
Eine Kulturgeschichte, Schwabe Verlag, Basel 2024.
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Über diesen Podcast
Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur
rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube,
Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und
sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der
Spur.
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