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Episoden

1 Stunde
Was bedeutet Patientensicherheit für jemanden, der täglich im OP steht – und das in immer wechselnden Teams und Kliniken? In dieser Folge sprechen wir mit Franziska Lauermann, vielen bekannt als „OTAfranzi“ auf Instagram. Seit fast zehn Jahren arbeitet sie als OTA, aktuell in Elternzeit, und hat sich bewusst für den Weg der Leiharbeit entschieden. Dadurch erlebt sie, wie unterschiedlich Patientensicherheit und Hygienevorgaben in verschiedenen Häusern tatsächlich gelebt werden. Franzi berichtet offen aus ihrem Arbeitsalltag: von den Momenten, in denen sie als „einfache OTA“ mutig auf Chefärzt*innen hinweisen muss, wenn Hygieneprozesse nicht eingehalten werden – und davon, wie viel Stärke das erfordert. Gleichzeitig erklärt sie, wie sie versucht, immer so zu handeln, als würde ein geliebter Mensch auf dem OP‑Tisch liegen. Für sie ist das eine Haltung, die selbstverständlich sein sollte. Wir sprechen außerdem über ihre Ausbildung, ihren Werdegang, und darüber, wie sie über Social Media und eigene Produkte Tools entwickelt, die anderen OTAs helfen, sicherer und selbstbewusster zu arbeiten. Eine ehrliche Folge über Verantwortung, Mut und die Realität im OP – und darüber, was passieren kann, wenn alle gemeinsam für Patientensicherheit einstehen.
1 Stunde 32 Minuten
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Steffen Haug, Facharzt für Orthopädie, der seit vielen Jahren nicht mehr in Deutschland praktiziert. Stattdessen arbeitet er in Bulgarien, der Schweiz und im Oman – und bringt damit eine außergewöhnlich internationale Perspektive mit. Wir beginnen mit seinem Werdegang: Seine Auslandskarriere startete, als sein damaliger Chef ihn fragte, ob er beim Aufbau eines deutschen Krankenhauses in Bahrain mitwirken wolle. Die Idee: hochqualitative elektive Orthopädie auf deutschem Niveau im Ausland. Dieser Schritt prägte ihn so sehr, dass er schließlich blieb: 2018 gründete er eine eigene Praxis in der Schweiz und ist gleichzeitig regelmäßig als Trainer in Bulgarien tätig, wo er junge Kolleginnen und Kollegen ausbildet. Warum blieb er nicht in Deutschland? Für Dr. Hauck war es eine Mischung aus Fernweh, neuen beruflichen Perspektiven und der Möglichkeit, aus verschiedenen Systemen das Beste für sich mitzunehmen. Er bewertet Länder nicht als „gut“ oder „schlecht“ – sondern danach, wo er als Arzt am wirksamsten arbeiten kann. Im Mittelpunkt dieser Folge steht der systematische Vergleich unterschiedlicher Gesundheitssysteme. Wir sprechen über: Patientensicherheit im internationalen Vergleich Wie wird Sicherheit verstanden? Welche Prioritäten setzen Länder? Dr. Haug gibt Einblicke in Strukturen, technische Möglichkeiten und kulturelle Unterschiede: Unterschiedliche Leistungen und Ressourcen Dr. Haug macht deutlich, wie sehr Zeit, Infrastruktur und Material medizinische Entscheidungen beeinflussen. Während in Deutschland praktisch alles operiert werden kann, fehlen in anderen Ländern Implantate, Strukturen oder Kapazitäten. Das wirkt sich direkt auf Behandlungsmöglichkeiten aus. Teams, Zusammenarbeit und Kommunikation Wir sprechen über die Teamdynamiken in verschiedenen Ländern, hierarchische Strukturen, Entscheidungswege und die Frage, wie gut Informationen zwischen Berufsgruppen fließen. Und ein zentrales Thema: Sprache Für Dr. Haug ist klar: Die Sprache der Medizin ist Englisch. Krankheitsbilder, Forschung, Literatur, Kongresse – fast alles findet auf Englisch statt. Deshalb ist er überzeugt, dass bereits das Studium englischsprachig sein sollte. Für ihn wäre das ein entscheidender Schritt, um Missverständnisse zu vermeiden und die Kommunikation – und damit die Patientensicherheit – massiv zu verbessern. Diese Folge zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich Medizin weltweit funktioniert – und wie ähnlich gleichzeitig die Ziele sind.
1 Stunde 28 Minuten
In dieser Folge sprechen wir mit Dr. Flesch, Facharzt für Unfallchirurgie, Orthopädie und Krankenhaushygiene am BG‑Klinikum Tübingen. Er gibt einen offenen Einblick in die Realität der Patientensicherheit – und zeigt, warum unser Gesundheitssystem dringend neue Standards und klare Strukturen braucht. Dr. Flesch zieht deutliche Vergleiche zur Luftfahrt: Dort sorgen Technologien, klare Prozesse und gelebte Routinen dafür, dass schwere Fehler heute selten geworden sind. In der Medizin hingegen wird Sicherheit häufig über Dokumentation versucht – statt über funktionierende Systeme, verbindliche Regeln und echte Kontrolle. Besonders eindrücklich wird das im Blick auf die Zahlen: Jährlich gibt es in Deutschland rund 18 Millionen Krankenhausbehandlungen. Dabei entstehen 600.000 bis 800.000 Krankenhausinfektionen, am häufigsten postoperative Wundinfektionen. Etwa 30.000 Menschen sterben jedes Jahr an nosokomialen Infektionen – und laut Dr. Flesch wären ein Drittel dieser Todesfälle vermeidbar, wenn Hygienevorgaben konsequent eingehalten würden. Wir sprechen darüber, warum kurze Liegezeiten, hoher Zeitdruck und die zunehmende Ambulantisierung die Lage zusätzlich verschärfen. Für Dr. Flesch steht fest: Das aktuelle Setting ist für ambulante Eingriffe in dieser Dimension nicht ausgelegt – weder strukturell noch organisatorisch. Darüber hinaus berichtet er aus seiner Tätigkeit als Gutachter vor Gericht und mit welchen Fällen er immer wieder konfrontiert ist. Zum Abschluss werfen wir gemeinsam einen Blick darauf, wie das Gesundheitssystem sich weiterentwickeln müsste: weg von reiner Dokumentation, hin zu gelebten Standards, klaren Prozessen und einem Sicherheitsdenken, das Technik und menschliches Verhalten gleichermaßen berücksichtigt. Eine Folge voller Klartext, Einordnung und Impulse – für alle, die Gesundheitsversorgung verbessern wollen.
57 Minuten
In dieser Folge widmen wir uns einem Thema, das im Gesundheitswesen lange übersehen wurde: dem Second-Victim-Phänomen – der Belastung, die Mitarbeitende erleben, wenn ihnen ein Fehler passiert oder ein unerwarteter Zwischenfall sie persönlich trifft. Prof. Dr. Reinhard Strametz erklärt, warum dieses Phänomen so alt ist wie die Medizin selbst und weshalb es heute aktueller denn je ist. Gemeinsam definieren wir, was ein „Second Victim“ eigentlich ist, welche Symptome typisch sind – von Schlafstörungen über Isolation bis hin zu Schuld- und Schamgefühlen – und warum mehr als die Hälfte aller Beschäftigten im Gesundheitswesen im Laufe ihres Berufslebens betroffen sind. In einer Studie, die Prof. Strametz gemeinsam mit seiner Doktorandin durchgeführt hat, gaben sogar 60–93 % der Befragten an, bereits selbst Second Victim gewesen zu sein. Wir sprechen über Ursachen und Schlüsselmomente, die ein solches Erlebnis auslösen können, und über die schwerwiegendsten Folgen. Manche Second Victims tragen langfristige psychische oder körperliche Belastungen davon – im schlimmsten Fall kann ein Vorfall sogar zum Suizid führen, vor allem dann, wenn Betroffene zusätzlich bestraft oder stigmatisiert werden. Der wichtigste Satz dieser Folge: „Second Victims brauchen Hilfe statt Bestrafung – denn das Phänomen selbst ist oft härter als jedes Urteil.“ Ein Schwerpunkt ist die Frage, wie Second Victims am besten unterstützt werden können. Prof. Strametz erklärt die fünf Stufen der Second-Victim-Hilfe und warum Peer Support dabei das wirksamste Instrument ist: Unterstützung durch Kolleg*innen, die das Umfeld kennen und Situationen realistisch einschätzen können. Studien, u. a. von Hannah Rösner, zeigen zudem, dass Peer Support nicht nur menschlich sinnvoll ist, sondern auch ökonomisch: Ein Krankenhaus mit 1.000 Pflegekräften spart im Durchschnitt mehrere tausend Euro pro Pflegekraft, wenn es ein solches Programm etabliert. Besonders eindrücklich ist der Blick auf die Verbindung zwischen Mitarbeitersicherheit und Patientensicherheit. Denn: Das eine gibt es nicht ohne das andere. Second Victims zu schützen – auch wenn ihnen ein Fehler passiert ist – ist ein zentraler Bestandteil gelebter Patientensicherheit. Eine tiefgehende, wichtige Folge über die Menschen im System, ihre Verletzlichkeit und die Frage, wie wir ein Arbeitsumfeld schaffen, das unterstützt statt verurteilt.
1 Stunde 18 Minuten
In der zweiten Folge mit Prof. Dr. med. habil. Reinhard Strametz sprechen wir darüber, wo Deutschlands Krankenhäuser heute in Sachen Patientensicherheit wirklich stehen – und warum wir uns noch viel zu oft darauf verlassen, Fehler erst dann zu beheben, wenn sie längst passiert sind. Für ihn befinden sich die meisten Kliniken auf einer frühen Entwicklungsstufe, weit entfernt von einer proaktiven Sicherheitskultur. Wir gehen der Frage nach, warum es deutschen Häusern so schwerfällt, Risiken frühzeitig zu identifizieren, und weshalb andere Länder bei der Erfassung kritischer Ereignisse bereits weiter sind. Prof. Strametz erklärt, welche Rolle ein funktionierendes Meldesystem spielen könnte, warum bestimmte Fehler – wie Patienten- oder Seitenverwechslungen – immer noch auftreten und wie man sie deutlich früher erkennen könnte, als es heute der Fall ist. Gemeinsam schauen wir auf typische Risikoherde wie Medikationssicherheit, Hygiene, Kommunikation oder Personalmanagement – Bereiche, in denen kleine Schwachstellen enorme Auswirkungen haben können. Wie groß diese Auswirkungen im gesamten Gesundheitswesen tatsächlich sind, verdeutlichen einige Zahlen, die Prof. Strametz mitbringt: Sie zeigen, wie häufig es zu vermeidbaren Schäden kommt und warum jede einzelne Klinik ihre eigenen Muster kennen muss. Alles Weitere dazu erfährst du in der Folge – inklusive Einordnung, wie Deutschland im internationalen Vergleich abschneidet. Besonders eindrücklich ist der Blick auf die menschliche Seite: Hinter jedem Fehler stehen Menschen, Schicksale und Angehörige. Und oft sind es nicht nur große Katastrophen, sondern viele kleine Ereignisse, die langfristige Folgen haben. Eine wichtige und aufrüttelnde Folge darüber, warum Patientensicherheit nicht erst beginnt, wenn etwas schiefgeht – sondern lange vorher. Und darüber, wie viel wir gewinnen würden, wenn Kliniken Risiken endlich proaktiv angehen.
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Über diesen Podcast

Clog Talk – Zwischen Herz, Hektik und Hygiene Staffel 1: Patientensicherheit neu gedacht Was bedeutet Patientensicherheit wirklich – für Patient*innen und für alle, die im Krankenhaus arbeiten? In Staffel 1 von Clog Talk sprechen wir offen, respektvoll und ohne Schuldzuweisungen über Situationen, in denen im Klinikalltag Fehler passieren können. Nicht, um Angst zu machen. Nicht, um jemanden an den Pranger zu stellen. Sondern, um besser zu verstehen – und gemeinsam besser zu werden. Wir geben Menschen eine Stimme, die Patientensicherheit aus unterschiedlichen Perspektiven erleben: Betroffene, die erzählen, wie kritische Situationen ihr Leben beeinflusst haben. Pflegekräfte, die täglich unter hoher Belastung Verantwortung tragen. Ärztinnen und Ärzte, die Entscheidungen und Strukturen transparent machen. Expert*innen, darunter ein Professor für Patientensicherheit und ein Hygieniker, die wissenschaftlich einordnen und zeigen, wie Prävention im Alltag funktionieren kann. Dabei betrachten wir bewusst beide Seiten der Patientensicherheit: die Gesundheit und Sicherheit der Patient*innen und die Belastung der Mitarbeitenden, für die Fehler ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen können Unser Anliegen: Aufklären statt anklagen. Brücken bauen statt Vorwürfe. Und gemeinsam Wege finden, die Versorgung nachhaltig sicherer zu machen – für alle Beteiligten. Ein Podcast für alle, die im Krankenhaus Verantwortung tragen. Und für alle, die Gesundheit menschlich und sicher denken wollen.

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