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08.05.2026
39 Minuten
In dieser Folge sprechen wir mit Roy, der einen Behandlungsfehler erlebt hat, der ihn körperlich wie psychisch schwer belastete. Seit seiner Kindheit kämpfte Roy mit Hautproblemen und war über Jahre medizinisch in Behandlung. Eine neue Therapie weckte Hoffnung: Eine operative Behandlung mit Elektrolytverfahren sollte endlich Besserung bringen. Doch der Eingriff endete anders als erwartet. Nach dem Aufwachen merkte Roy sofort, dass etwas nicht stimmte. Statt Benommenheit verspürte er einen stechenden Schmerz am Steißbein – und stellte fest, dass er auf einer großen, nässenden Verbrennung lag, rund 20 bis 25 Zentimeter im Durchmesser. Die Ursache: mutmaßlich hat er nass gelegen und das Desinfektionsmittel hat in Verbindung mit der Hochfrequenzchirurgie zu einer Verbrennung geführt. Als der diensthabende Chefarzt den Befund bestätigte, reagierte er jedoch nüchtern und mit einer Haltung, die Roy später als „kann passieren“ beschreibt. Diese fehlende Empathie traf ihn fast härter als der körperliche Schmerz. Erst ein anderer Arzt erwähnte beiläufig, dass er rechtliche Schritte einleiten könnte. Roy entschied sich direkt am nächsten Tag dazu – aus dem Gefühl heraus, nicht ernst genommen worden zu sein. Die Wochen nach dem Vorfall waren für ihn extrem belastend. Die Verbrennung befand sich an einer Stelle, über die man ungern spricht und die im Alltag kaum geschont werden kann. Schlafen, sitzen, stehen, arbeiten, Auto fahren – alles wurde zur Herausforderung. Hinzu kam die psychische Belastung: Angst, Scham, Wut, Hilflosigkeit. Für Roy war es vor allem ein Gedanke, der ihn nicht losließ: Er kam schlechter aus der Behandlung heraus, als er hineingegangen war. Im Gespräch wird deutlich, wie sehr ihn nicht nur der Fehler selbst, sondern vor allem der Umgang damit getroffen hat. Was Roy sich gewünscht hätte: Verständnis, eine klare Entschuldigung, Aufklärung – und das Gefühl, dass sein Schmerz ernst genommen wird. Diese Folge zeigt eindrücklich, warum Patientensicherheit nicht nur aus Prozessen und Standards besteht, sondern auch aus Haltung, Sprache und Empathie. Und weshalb der Umgang mit Betroffenen nach einem Fehler oft den Unterschied macht – zwischen Heilung und zusätzlicher Verletzung.
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08.05.2026
59 Minuten
In dieser Folge sprechen wir mit Anna – auf Social Media bekannt als mrsannnna, die mit Anfang 20 zu einer eigentlich harmlosen Kniespiegelung ins Krankenhaus ging – und mit einer schweren Infektion, monatelangen Komplikationen und schließlich der Amputation ihres Beins daraus hervorging. Was als Routineeingriff begann, entwickelte sich zu einem medizinischen Albtraum: Ihr Knie versteifte sich unmittelbar nach der OP, die Infektion breitete sich aus, es folgten zahlreiche Operationen, Blutvergiftungen und sogar ein multiples Organversagen. Zwei Jahre lang war das Krankenhaus ihr Lebensmittelpunkt, und mehrfach stand ihr Leben auf Messers Schneide. Anna erzählt offen, wie es war, in dieser Zeit immer wieder nicht ernst genommen zu werden. Obwohl sich ihr Bein selbst unter Narkose nicht bewegen ließ, wurden ihre Beschwerden oft als psychisch dargestellt. Sie berichtet von verletzenden Situationen – darunter ein Arzt, der ihr die Gehhilfen wegtrat und sie beschimpfte – und davon, wie sehr diese wiederholte Abwertung sie zusätzlich belastete. Als klar wurde, dass die Infektion im Bein weiterhin schlummerte und jederzeit zurückkehren konnte, sowie der Fuß zunehmend lahm wurde, traf Anna nach langem Ringen eine mutige Entscheidung: die Amputation. Wir sprechen darüber, wie sie diesen schweren Schritt erlebt hat, wie es war, nach der Operation zum ersten Mal die Prothese zu tragen und welchen Einfluss dieser Moment auf ihr Leben hatte. Ein großes Thema ist zudem die Rolle von Social Media: Die Unterstützung und der Zuspruch, den sie dort fand, wurden zu einer wichtigen Stütze in ihrer emotionalen und körperlichen Genesung. Heute – acht Jahre später – erzählt Anna, wie ihr Alltag aussieht, was sie zurückgewonnen hat, welche Herausforderungen geblieben sind und warum sie trotz allem mit beeindruckender Stärke und Klarheit auf ihren Weg blickt. Eine Folge über Schmerz, Fehlannahmen und Ungerechtigkeit – aber vor allem über Mut, Selbstbestimmung und eine außergewöhnliche innere Kraft.
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Über diesen Podcast
Clog Talk – Zwischen Herz, Hektik und Hygiene Staffel 1:
Patientensicherheit neu gedacht Was bedeutet Patientensicherheit
wirklich – für Patient*innen und für alle, die im Krankenhaus
arbeiten? In Staffel 1 von Clog Talk sprechen wir offen,
respektvoll und ohne Schuldzuweisungen über Situationen, in denen
im Klinikalltag Fehler passieren können. Nicht, um Angst zu machen.
Nicht, um jemanden an den Pranger zu stellen. Sondern, um besser zu
verstehen – und gemeinsam besser zu werden. Wir geben Menschen eine
Stimme, die Patientensicherheit aus unterschiedlichen Perspektiven
erleben: Betroffene, die erzählen, wie kritische Situationen ihr
Leben beeinflusst haben. Pflegekräfte, die täglich unter hoher
Belastung Verantwortung tragen. Ärztinnen und Ärzte, die
Entscheidungen und Strukturen transparent machen. Expert*innen,
darunter ein Professor für Patientensicherheit und ein Hygieniker,
die wissenschaftlich einordnen und zeigen, wie Prävention im Alltag
funktionieren kann. Dabei betrachten wir bewusst beide Seiten der
Patientensicherheit: die Gesundheit und Sicherheit der
Patient*innen und die Belastung der Mitarbeitenden, für die Fehler
ebenfalls tiefe Spuren hinterlassen können Unser Anliegen:
Aufklären statt anklagen. Brücken bauen statt Vorwürfe. Und
gemeinsam Wege finden, die Versorgung nachhaltig sicherer zu machen
– für alle Beteiligten. Ein Podcast für alle, die im Krankenhaus
Verantwortung tragen. Und für alle, die Gesundheit menschlich und
sicher denken wollen.
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