Amerika hat Probleme. Aber inconvenience gehört eher selten dazu. Drive-through Pharmacy. Drive-through Bank. How can we make this easier for you?
Wir Almans sind derweil kulturell darauf konditioniert, dass Dinge ein bisschen umständlich sein müssen, damit sie seriös wirken. Ein Amt ohne Wartezeit? Suspekt. Deutschland so: Sie rufen außerhalb der Öffnungszeiten an. Warum sollte es ausgerechnet für Sie einfacher sein?
Deutsche machen in den USA einfach inconvenience detox. Doch irgendwann wird aus Convenience mehr als nur die Frage, ob man für seinen Kaffee aus dem Auto steigen muss. Denn hinter Same-Day Delivery stehen Menschen, die dafür sorgen, dass unser Leben bequem bleibt. Und natürlich hat Convenience noch einen anderen Preis. Denn was passiert eigentlich, wenn wir unser gesamtes Leben auf möglichst wenig Reibung optimieren?
Wir fahren zum Drive-through, statt ins Café zu gehen. Bestellen Lebensmittel, statt an der Kasse zu stehen. Lassen Essen vor die Tür stellen – am besten contactless. Home Office, alleine Netflix & chill.
Und beim kontaktlosen Drive through durchs Leben optimieren wir ausgerechnet die kleinen, völlig banalen Begegnungen weg, aus denen Gesellschaft besteht. Der kurze Satz mit der Kassiererin. Der Nachbar vor der Haustür. Der Mensch, der neben einem in der Schlange steht und offensichtlich auch seit sieben Minuten bereut, hierhergekommen zu sein. Alles eben Kontakt. Hmmmm…führt dieser kontaktlose Drive-through durchs Leben etwa zur Einsamkeit im Alter?
Denn Gemeinschaft entsteht vielleicht nicht erst dann, wenn wir sie brauchen. Sondern nebenbei. Über Jahre. Durch Orte, Routinen, Nachbarschaften und Menschen, denen wir immer wieder begegnen. Wenn wir jede Reibung aus unserem Alltag entfernen – entfernen wir dann irgendwann auch ein Stück Verbindung?
Wir sprechen darüber,
– warum die USA selbst aus Dingen ein Service-Erlebnis machen, von denen Deutsche gar nicht wussten, dass sie unbequem sind.
– warum Deutschland Umständlichkeit gerne mit Qualität verwechselt.
– wie wir menschliche Begegnungen Stück für Stück aus unserem Alltag wegoptimieren und im Alter maximal inconvenient einsam werden.
– und ob Lebensqualität wirklich bedeutet, möglichst niemanden mehr für irgendetwas zu brauchen.
Eine Folge über Zeit, Service, Effizienz, Gemeinschaft – und die überraschend kurze Strecke vom Drive-through-Schalter zur gesellschaftlichen Isolation.
Convenience. Kann man kritisch sehen. Aber bitte erst, nachdem mein Kaffee ans Auto gebracht wurde.
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