Die Büchersammlerin

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Trailer: Die Büchersammlerin
17. September 2025
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17. September 2025

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Machtmissbrauch und Manipulation: Toxic Tantra von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen
26.04.2026
1 Stunde 1 Minute
Wenn ich an Yoga denke, denke ich an ruhige Musik, Kerzenlicht und einen Moment für sich selbst. Doch im Sachbuch „Toxic Tantra – Machtmissbrauch und Manipulation im Yoga" geht es um Yoga-Probestunden, Handouts mit der Aufschrift „Attention: secret information", abgenommene Pässe, Verschwiegenheitserklärungen – und am Ende Frauen, die ohne Wissen, wohin sie gebracht wurden, Entscheidungen treffen müssen, aus denen sie keinen Ausweg sehen. Für meine neueste Folge habe ich mit Christiane Havranek gesprochen. Sie ist Investigativreporterin beim Bayerischen Rundfunk und Co-Autorin des Buches. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Katja Paysen-Petersen hat sie ein Werk geschaffen, das sich liest wie ein Thriller, aber leider nicht erfunden ist. Die Autorinnen erzählten den ersten Teil der Geschichte zuerst als achtteiligen Serie für den Podcast „Seelenfänger“ (Staffel 4, ARD). Die Journalistinnen hörten danach nicht auf zu recherchieren. Was als deutscher Fall begann, entpuppte sich als weltweites Netzwerk: eine Yoga-Bewegung in rund 30 Ländern mit schätzungsweise 40.000 Anhängerinnen und Anhängern, an deren Spitze ein Guru steht, der sich aus Hinduismus, Buddhismus, Engeln, Dämonen und Katholizismus seine eigene Lehre gebaut hat und der sich aktuell in Untersuchungshaft befindet. Es gilt die Unschuldsvermutung. Sie kommen aus Deutschland, Frankreich, Rumänien, Tschechien, Dänemark, Großbritannien und vielen weiteren Ländern. Hinweise und Erzählungen von Frauen, die mutmaßlich einem Guru zugeführt wurden. In ihrem Sachbuch erzählen die Autorinnen von vier Protagonisten: Lilly, Melinda, Azrael – die es rausgeschafft haben. Und Ida die immer noch der Bewegung angehört. Über die Autorinnen Christiane Hawranek (Foto: Julia Knoblauch) Zu Gast in dieser Folge ist Christiane Hawranek. Sie ist Investigativ-Reporterin bei BR Recherche und Autorin von Dokus und Podcasts für den BR und die ARD. Sie hat sich auf gesellschaftlich bsonders sensible Themen spezialisiert und mehrere Preise gewonnen. Außerdem war sie für den für den Deutschen Radiopreis nominiert. In ihren Arbeiten deckt sie immer wieder Missstände auf – etwa im Gesundheitswesen oder im Umgang mit besonders schutzbedürftigen Gruppen. Ihre Recherchen reichen von illegalen Praktiken im Medizintourismus bis hin zur Aufarbeitung historischer Fälle, in denen etwa Heimkinder ohne Einwilligung medizinischen Tests ausgesetzt waren. Ihr Wissen gibt sie als Dozentin für Recherche und investigatives Storytelling weiter. Sie lebt mit ihrer Familie in München und durchquert gerne schwimmend Seen. Katja Paysen-Petersen arbeitet als Journalistin fürs Storyteam des Bayerischen Rundfunks. Sie ist Reporterin, Autorin und Host von Storytelling-Podcasts wie Entführt – der Fall Ursula Herrmann oder Seelenfänger und arbeitet als dramaturgische Beraterin. Ihren Kindern liest sie gerne Geschichten vor und staunt, womit sie sich fesseln lassen.  Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen (Foto: Julia Knoblauch) Themen dieser Folge Wie Manipulation beginnt – und warum man es erst merkt, wenn man schon mittendrin ist Was Tantra-Yoga wirklich ist und was daraus gemacht wurde Die Konfrontation einer Beteiligten Warum in Deutschland Ermittlungen eingestellt wurden – und was Frankreich anders macht Was Angehörige tun können und was sie lieber lassen sollten Wie man als Investigativjournalistin Menschen konfrontiert Christiane liest außerdem aus dem Buch eine Szene, die ich so schnell nicht vergessen werde. Shownotes 06:56 Herzlich willkommen Christiane Hawranek08:30 Zur Folge mit Vera Zischke "Ava liebt noch"14:00 Toxic Tantra: Machtmissbrauch und Manipulation im Yoga15:54 Was ist Tantra Yoga?21:18 Warum noch ein Buch zum Thema Toxic Tantra?24:58 Was kam nicht ins Buch?25:28 Bei Verdachtsbrerichterstattung immer die juristische Sicht26:19 Die erste RED FLAG!27:07 Geheimnisse …27:34 Eine Green Flag: man weiß vorher worauf man sich einlässt32:51 Die Konfrontation36:01 Intuition wird abtrainiert38:33 Kontakt halten und nicht dagegenreden40:38 Eine Seite aus Toxic Tantra45:27 Wie kam es zu den Protagonisten?52:07 In Deutschland ist Manipulation kein Straftatbestand52:39 Mehr Infos in der französischen Zeitung Libérations 53:25 Wäre das Thema auch als Roman umsetzbar gewesen?54:33 Ist ein weiteres Buch geplant?55:07 Welche Fanfiction wäre für Toxic Tantra denkbar?57:05 Welche Buchempfehlungen hat Christiane dabei?57:33 Die Routinen von Son Lewandowski, erschienen bei Klett-Cotta57:54 Love addict von Kate Davies erschienen bei S. Fischer "Toxic Tantra: Machtmissbrauch und Manipulation im Yoga" von Christiane Hawranek und Katja Paysen-Petersen Verlag: Econ (Ullstein)Seitenanzahl: 336 SeitenISBN: 978-3-430-21206-9Erscheinungstag: 30.10.2025 Affiliate-Links*: Hardcover Amazon | medimops Bücher | Genial lokal eBook Amazon | Genial lokal Genannte Buchempfehlungen Verlag: Klett-CottaSeitenanzahl: 276 SeitenISBN: 978-3-608-96716-6Erscheinungstag: 17.01.2026 Affiliate-Links*: Hardcover Amazon | medimops Bücher | Genial lokal eBook Amazon | Genial lokal Verlag: S. Fischer VerlagSeitenanzahl: 512 SeitenISBN: 978-3-596-70454-5Erscheinungstag: 25.10.2023 Affiliate-Links*: Hardcover Amazon | medimops Bücher Taschenbuch Amazon | medimops Bücher | Genial lokal eBook Amazon | Genial lokal *Dir entsteht kein Nachteil, wenn du über den Affiliate Link kaufst. Ich erhalte eine kleine Provision und kann damit diese Seite und den Podcast finanzieren.
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20.000 Elefanten in Berlin: Das Geschenk von Gaea Schoeters, übersetzt von Lisa Mensing
29.03.2026
23 Minuten
Was geschieht, wenn 20.000 Elefanten plötzlich durch Berlin spazieren? Diese scheinbar absurde Frage ist der Ausgangspunkt für Gaea Schoeters brillante Politsatire "Das Geschenk“. Ein Roman, der auf einer tatsächlich stattgefundenen diplomatischen Provokation basiert. Im April 2024 bot der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi Deutschland 20.000 Elefanten an (-> YouTube-Video zur Meldung). Der Grund: Deutschland wollte die EU-Einfuhrbeschränkungen für Jagdtrophäen verschärfen. Die damalige Umweltministerin Steffi Lemke von den Grünen befürwortete weitere Restriktionen zum Schutz der Elefanten. Doch in Botswana sah man das anders. Das Land hat ein Elefantenproblem. Allerdings anders, als man im Westen denkt. Zu viele Elefanten verursachen massive Konflikte zwischen den Großtieren und den Bauern vor Ort. Die Bedingung des Präsidenten war klar: Die Elefanten müssen frei in Berlin herumlaufen können. Eine perfekte Provokation, die die Widersprüche westlicher Moralpolitik entlarvt. Belgiens Parlament verabschiedete im Januar 2024 einstimmig ein Einfuhrverbot von Jagdtrophäen. Auch Frankreich und Finnland haben Verbote für bestimmte Tierarten erlassen (Quelle: humaneworld.org). In Deutschland gilt bis heute kein Verbot, aber strenge Regeln (Quelle: bfn.de). Literarische Brillanz auf 140 Seiten Gaea Schoeters verwandelt diese reale Begebenheit in eine messerscharfe Satire. In ihrem kompakten Roman von 144 Seiten lässt sie die Dickhäuter in Berlin auftauchen. Sie baden in der Spree, durchstreifen den Tiergarten und verursachen Verkehrschaos. Bundeskanzler Hans-Christian Winkler steht vor einem unlösbaren Problem: Zunächst sind es 38 Elefanten, dann 55 – von der Dunkelziffer ganz zu schweigen. Politische Satire trifft auf menschliche Abgründe "Das Geschenk" ist mehr als eine unterhaltsame Satire. Es ist eine Parabel über die Widersprüche westlicher Moral und kolonialer Denkstrukturen. Die gut gemeinte Umweltpolitik Deutschlands entpuppt sich als eurozentristische Bevormundung, die die realen Probleme der Menschen vor Ort ignoriert. Gaea Schoeters zeigt, wie schnell moralische Überlegenheit in Absurdität umschlägt, wenn man mit den Konsequenzen der eigenen Politik konfrontiert wird. Die Elefanten in Berlin sind nicht nur ein groteskes Bild, sie sind ein Spiegel, der die Heuchelei und Doppelmoral europäischer Politik schonungslos reflektiert. Die Kunst der Übersetzung: Lyonerwurst im Kaffee Besonders spannend sind die Einblicke in den Übersetzungsprozess. Ein Detail zeigt exemplarisch die kulturellen Herausforderungen: In der Originalversion tunkt eine Figur ihr Brötchen mit Lyonerwurst in ihren Kaffee. Lisa Mensing rief sofort an: "Das geht überhaupt nicht. Kein einziger Deutscher tunkt Wurst im Kaffee." Doch Gaea Schoeters hatte einen guten Grund für diese Szene. In Belgien machen das vor allem Arbeiter auf Baustellen, und sie wollte damit andeuten, aus welchem sozialen Hintergrund die Figur stammt. Autorin und Übersetzerin brainstormten länger als einen Tag, um eine kulturell passende Alternative zu finden, die die gleiche Bedeutung transportiert. Elefanten mit allen Sinnen erfassen Die Beschreibungen der Elefanten sind von beeindruckender Präzision. Gaea verrät ihr Geheimnis: Sie schaut sich YouTube-Videos an, weil man dort mehr Details sieht als in der Realität. Man kann pausieren, vergrößern, Details mehrfach anschauen. Während sie diese Bilder studiert, entsteht gleichzeitig die Geschichte. Das Beobachten als Recherche triggert in ihrem Kopf, was passiert – beides gehört zusammen. Ein Beispiel aus dem Buch zeigt diese Detailliebe: Der Elefant am Flussufer, der zögerlich mit der Rüsselspitze das ungewohnt kalte Wasser prüft, unbehaglich die Ohren rotieren lässt, gierig trinkt und dabei die Augen genüsslich schließt. Die aufgehende Sonne färbt das Tier gelb-grau ein, Wassertropfen glitzern im Sonnenlicht. Ein Film, der beim Lesen im Kopf abläuft. Fazit zu "Das Geschenk" "Das Geschenk" ist ein kleines literarisches Juwel, das mit nur 140 Seiten mehr bewirkt als mancher Wälzer. Schoeters gelingt es, eine komplexe politische Debatte in eine unterhaltsame, absurde und doch tiefgründige Geschichte zu verwandeln. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und gleichzeitig herrlich unterhält. Über die Autorin: Gaea Schoeters Gaea Schoeters (c) Sebastien Van Malleghem Gaea Schoeters, ist 1976 geboren und eine flämische Autorin, Journalistin, ausgebildete Dolmetscherin und Drehbuchautorin. Sie ist Teil des niederländisch-flämischen Kollektivs Fixdit, einer Vereinigung von zwölf Autorinnen, die sich für mehr Gleichberechtigung in der Literaturbranche einsetzt. Als klar war, dass ihr Roman ins Deutsche übersetzt werden würde, lernte Schoeters Deutsch, um Lesungen und Interviews auf Deutsch halten zu können. Für »Trophäe« wurde sie mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet. Sabam ist die belgische Gesellschaft der Urheber, Komponisten und Verleger. 2024 ist ihr Roman »Trophäe« aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, bei Zsolnay erschienen. Über die Übersetzerin: Lisa Mensing Lisa Mensing lebt in Münster und arbeitet als Literaturübersetzerin. In Utrecht und Münster hat sie Interdisziplinäre Niederlandistik und Literarisches Übersetzen studiert und ihr Studium mit dem Master of Arts abgeschlossen. Sie übersetzt Prosa, Theaterstücke, Essays, Libretti und Poesie aus dem Niederländischen, moderiert mit großer Freude Lesungen und schreibt Gutachten für verschiedene Verlage. 2018 wurde sie von der Dutch Foundation for Literature und Flanders Literature als Übersetzerin akkreditiert. Seit 2021 ist sie Mitglied im Verband deutscher Übersetzer:innen (VdÜ). 2024 erhielt sie den Förderpreis des Literaturpreises der Kunststiftung NRW – den Straelener Übersetzerpreis – für ihre Übersetzung von Caro Van Thuynes Birkenschwester.  Lisa Mensing (c) Markus Feger Themen dieser Folge Wie aus einer diplomatischen Provokation ein literarisches Meisterwerk wurde Warum Gaea Schoeters extra Deutsch lernte, um ihr Buch vorzustellen Die Herausforderungen der Übersetzung: Warum Deutsche keine Wurst in Kaffee tunken Schoeters' Methode: Wie YouTube-Videos beim Schreiben helfen Die politische Dimension: Westliche Moralpolitik trifft auf afrikanische Realität Einblicke in die enge Zusammenarbeit zwischen Autorin und Übersetzerin Shownotes 06:20 Warum hast du 20.000 Elefanten nach Berlin geschickt?07:44 Das Buch hat knapp 150 Seiten, stand das von vorneherein fest?09:26 "Das Geschenk" in Originalsprache gelesen von Gaea Schoeters11:23 Schöne Tierszenen in "Das Geschenk"12:16 War die Übersetzung einfacher?13:03 Paralleles schreiben und übersetzen13:43 Lyoner und Kaffee14:38 Viel Brainstorming im Übersetzunngsprozess15:11 "Das Geschenk" auf Deutsch gelesen von Lisa Mensing17:24 Elefantenbeobachtung um gut zu beschreiben18:29 Welche Geschichte sollte als Fanfiction erzählt werden?19:09 Was lesen Gaea und Lisa gerade?19:46 Was wird es neues geben?21:21. Hat's gefallen? Teile und bewerte meine Sendung!21:29 Folge auf Instagram @diebuechersammlerin_podcast 21:30 Abonniere meinen Newsletter 21:55 *Affiliate Link22:03 Teil 1: Trophäe "Das Geschenk" von Gaea Schoeters, übersetzt von Lisa Mensing Verlag: ZsolnaySeitenanzahl: 144 SeitenISBN: 978-3-552-07574-0Erscheinungstag: 22.07.2025 Affiliate-Links*: Hardcover Amazon | medimops Bücher | Genial lokal eBook Amazon | Genial lokal Hörbuch Amazon | Genial lokal *Dir entsteht kein Nachteil, wenn du über den Affiliate Link kaufst. Ich erhalte eine kleine Provision und kann damit diese Seite und den Podcast finanzieren. Weitere Rezensionen und Kritiken zu "Das Geschenk" Gaea Schoeters‘ „Das Geschenk“: Politische Satire über 20.000 Elefanten, die Berlin erobern - valerie-wagner.de Rezension von „Das Geschenk“: eine herrliche politische Satire über den Irrsinn unserer Zeit - dieschreibmaschine.net Gaea Schoeters: „Das Geschenk“ - kommunikativeslesen.com DAS GESCHENK von Gaea Schoeters - lust-auf-literatur.com Das Geschenk von Gaea Schoeters - lauschige-lesezeit.de 20.000 Elefanten in Berlin – Das Geschenk von Gaea Schoeters - das-buchzuhause.de
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Eine unangenehme Hauptfigur: Trophäe von Gaea Schoeters, übersetzt von Lisa Mensing
22.02.2026
28 Minuten
In dieser Folge von "Die Büchersammlerin" spreche ich mit der flämischen Autorin Gaea Schoeters und der Übersetzerin Lisa Mensing über den Roman "Trophäe" – ein Buch, das verstört, fasziniert und nicht loslässt. Hunter White, ein wohlhabender amerikanischer Jäger, reist nach Afrika, um das letzte Tier seiner "Big Five" zu erlegen: ein Nashorn. Doch als ihm Wilderer zuvorkommen, macht ihm sein Jagdführer ein unmoralisches Angebot: die "Big Six". Was folgt, ist eine literarische Auseinandersetzung mit Neokolonialismus, Machtstrukturen und der Frage: Wie weit geht Entmenschlichung? Die Autorin hat mit Hunter White bewusst eine zutiefst unsympathische Hauptfigur geschaffen. Warum? Weil sie eine Schwäche für unangenehme Charaktere hat, wie sie im Podcast-Gespräch erklärt. Es geht ihr darum, Menschen zu verstehen, die komplett anders sind als sie selbst. Selbst mit jemandem wie Hunter White versucht sie, etwas Gemeinsames zu finden; seine aufrichtige Liebe zur Natur zum Beispiel, um von dort aus ein Gespräch zu beginnen. Neokolonialismus als Botschaft Was "Trophäe" so kraftvoll macht, ist nicht nur die Geschichte selbst, sondern die Botschaft. Gaea beschreibt den modernen Neokolonialismus: Afrika als Vergnügungspark für reiche westliche Jäger, die sich einreden, durch ihre teuren Jagdlizenzen Artenschutz und den Bau von Schulen zu finanzieren. Die Autorin zeigt die fortbestehenden Abhängigkeitsverhältnisse zwischen ehemaligen Kolonialmächten und den Ländern des globalen Südens. Die Inspiration für das Buch kam von zwei Quellen: einem Foto des englischen Fotografen David Chancellor, das einen Jäger in seinem Trophäenraum zeigt, mit einem kleinen schwarzen Jungen im Vordergrund, den Schoeters für einen Moment für ausgestopft hielt. Die zweite Quelle war ein Zeitungsartikel über ein indigenes Volk in Botswana, das gezwungen wurde, sein Heimatdorf zu verlassen, und später "reintegriert" wurde, um das ökologische Gleichgewicht wiederherzustellen. Diese Wortwahl wird normalerweise für Tiere verwendet und machte deutlich, wie Menschen mit demselben Blick betrachtet werden wie Wildtiere. Ein verdichteter Schreibstil Besonders bemerkenswert ist der Schreibstil von Gaea Schoeters. Kein Wort, kein Satz ist zu viel. Alles ist auf den Punkt formuliert, verdichtet. Lisa Mensing, die das Buch aus dem Niederländischen übertragen hat, musste besonders an der Syntax arbeiten. Die langen, verschachtelten Sätze erforderten viel Feingefühl, um sie ins Deutsche zu übersetzen, ohne den Rhythmus und die Pointen zu verlieren. Lisa legt besonderen Wert darauf, dass ihre Übersetzungen nicht als solche erkennbar sind, sondern für deutsche Leser flüssig lesbar. Bei "Trophäe" bedeutete das, Nebensätze zu verschieben, die Struktur zu verändern und dabei den Stil des Originals beizubehalten. Ein besonderes Highlight: das Wort "zuckeln", das Gaea zu ihren Lieblingswörtern in der deutschen Übersetzung zählt. Der kreative Prozess An "Trophäe" hat Gaea Schoeters etwa sieben Jahre gearbeitet. Dieser Prozess begann nicht mit dem Schreiben, sondern mit Recherche und dem Kennenlernen der Figuren. Sie führte Gespräche mit ihren Charakteren über Dinge, die nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben – über Schulzeit, wie sie ihre Partner kennengelernt haben, was sie in ihrer Freizeit machen. Erst wenn sich in ihrem Kopf ein kompletter Film entwickelt hat, setzt sie sich hin und schreibt diesen Film auf. Gaea lernte, nachdem klar war, dass ihr Roman ins Deutsche übersetzt werden würde, extra Deutsch, um Lesungen und Interviews in der Sprache halten zu können. "Trophäe" erhielt den belgischen Literaturpreis "Sabam for Culture". Fazit zu Trophäe "Trophäe" ist ein Buch, das gefallen wird, wenn man Geschichten mit Tiefgang mag und bereit ist, sich auch außerhalb der Lektüre mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen. Es bringt einen dazu, über Kolonialismus, Neokolonialismus und die Jagd nachzudenken. Es ist unbequem, verstörend und gleichzeitig brillant geschrieben. Das Gespräch mit Gaea Schoeters und Lisa Mensing zeigt, wie viel Arbeit, Reflexion und Handwerk in einem solchen Werk stecken. Es ist eine Meisterleistung der Autorin und eine ebenso beeindruckende Leistung der Übersetzerin, die diese Geschichte für deutschsprachige Leser zugänglich gemacht hat. Über die Autorin: Gaea Schoeters Gaea Schoeters (c) Sebastien Van Malleghem Gaea Schoeters, ist 1976 geboren und eine flämische Autorin, Journalistin, ausgebildete Dolmetscherin und Drehbuchautorin. Sie ist Teil des niederländisch-flämischen Kollektivs Fixdit, einer Vereinigung von zwölf Autorinnen, die sich für mehr Gleichberechtigung in der Literaturbranche einsetzt. Als klar war, dass ihr Roman ins Deutsche übersetzt werden würde, lernte Schoeters Deutsch, um Lesungen und Interviews auf Deutsch halten zu können. Für »Trophäe« wurde sie mit dem Literaturpreis Sabam for Culture ausgezeichnet. Sabam ist die belgische Gesellschaft der Urheber, Komponisten und Verleger. 2024 ist ihr Roman »Trophäe« aus dem Niederländischen von Lisa Mensing, bei Zsolnay erschienen. Über die Übersetzerin: Lisa Mensing Lisa Mensing lebt in Münster und arbeitet als Literaturübersetzerin. In Utrecht und Münster hat sie Interdisziplinäre Niederlandistik und Literarisches Übersetzen studiert und ihr Studium mit dem Master of Arts abgeschlossen. Sie übersetzt Prosa, Theaterstücke, Essays, Libretti und Poesie aus dem Niederländischen, moderiert mit großer Freude Lesungen und schreibt Gutachten für verschiedene Verlage. 2018 wurde sie von der Dutch Foundation for Literature und Flanders Literature als Übersetzerin akkreditiert. Seit 2021 ist sie Mitglied im Verband deutscher Übersetzer:innen (VdÜ). 2024 erhielt sie den Förderpreis des Literaturpreises der Kunststiftung NRW – den Straelener Übersetzerpreis – für ihre Übersetzung von Caro Van Thuynes Birkenschwester.  Lisa Mensing (c) Markus Feger Themen dieser Folge Warum Gaea Schoeters bewusst eine zutiefst unsympathische Hauptfigur gewählt hat Wie die "Big Six" leider keine Erfindung, sondern grausame Realität sind Was ein Foto und ein Zeitungsartikel mit der Entstehung des Buches zu tun haben Wie Lisa Mensing den verdichteten Schreibstil ins Deutsche übertragen hat Warum das Wort "zuckeln" zu Schoeters Lieblingswörtern in der Übersetzung gehört Shownotes 03:41 Über die Autorin: Gaea Schoeters04:21 Über die Übersetzerin: Lisa Mensing05:55 Interview mit Gaea Schoeters und Lisa Mensing08:37 Trophäe von Gaea Schoeters, übersetzt von Lisa Mensing09:01 Warum ist White so unangenehm?11:20 Warum ist Big Six das Thema geworden?13:23 Wie lange hast du an Trophäe gearbeitet?14:50 Wie ist dir Hunter White begegnet?18:02 Wie kam es zur Übersetzung Lisa?20:13 Worauf legst du beim Übersetzen besonders Wert?24:16 Welche Geschichte sollte eine Fanfiction erzählen?26:47 Newsletter Abo27:00 *Affiliate Link für Trophäe Amazon | medimops Bücher | Genial lokal27:20 Teil 2: "Das Geschenk" kommt am 29.3.2026 "Trophäe" von Gaea Schoeters, übersetzt von Lisa Mensing Verlag: ZsolnaySeitenanzahl: 256 SeitenISBN: 978-3-552-07388-3Erscheinungstag: 19.02.2024 Affiliate-Links*: Hardcover Amazon | medimops Bücher | Genial lokal Taschenbuch Amazon | medimops Bücher | Genial lokal eBook Amazon | Genial lokal Weitere Rezensionen und Kritiken zu "Trophäe" Eine literarische Jagd auf die menschliche Moral: „Trophäe“ von Gaea Schoeters - valerie-wagner.de Trophäe (Gaea Schoeters) – Jagdroman über Macht, Begehren und Gewalt - Lesering.de Rezension: „Trophäe“ von Gaea Schoeters - populaerkollektiv.com Trophäe - krautjunker.com „Trophäe” von Gaea Schoeters: ein düsteres, aber unglaublich gutes Buch! - Die Schreibmaschine.net Gaea Schoeters «Trophäe», Zsolnay - literaturblatt.ch Buchrezension zu "Trophäe" von Gaea Schoeters - thortis-buecher-blog.de Im 2. Teil dieser Folge sprechen ich mit Gaea und Lisa über "Das Geschenk". Die Folge erscheint am 29. März. Am Besten abonnierst du meine Sendung "Die Büchersammerlin" dort wo du Podcasts hörst! Und falls du Trophäe schon gelesen hast, hinterlasse gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag. Mich interessiert dein Leseerlebnis! Oder hast du Lust bekommen, das Buch zu lesen? Dann schreib mir auch!
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Verlust und Trauer: Tage wie Salzwasser von Sita Maria Frey
25.01.2026
1 Stunde 3 Minuten
Was passiert, wenn der Boden unter unseren Füßen plötzlich wegbricht? In dieser Folge spreche ich mit Sita Maria Frey über ihren bewegenden Debütroman "Tage wie Salzwasser" – ein Roadtrip von Freiburg nach Sizilien, der von zwei ungleichen Frauen handelt, die beide mit existenziellen Verlusten konfrontiert sind. Sita erzählt, wie ihre eigenen Erfahrungen mit plötzlichem Verlust in den Roman eingeflossen sind, warum sie gesellschaftliche Tabus wie das Hadern mit einer Schwangerschaft thematisiert und wie sie komplexe Charaktere entwickelt, die zwischen dem, was sie wollen, und dem, was sie brauchen, navigieren müssen. Über die Autorin Sita Maria Frey ist anderthalb Schwimmzüge lang und 1629 Scheiben Raclette-Käse schwer. Ihre große Liebe ist das Wasser. Sita wurde 1983 in Mülheim an der Ruhr geboren, hat nach dem Studium an der Universität Freiburg promoviert und bei Rowohlt, Hanser und S. Fischer Verlag gearbeitet. Heute lebt sie mit ihrer Familie am Zürichsee. „Tage wie Salzwasser“ ist ihr Debütroman.  Sita auf Instagram: @sitalibertad Sitas Website: textding.ch Michael Schlothane Themen dieser Folge Ihren nächsten Roman über eine Großmutter, die ihre Enkelin aufnimmt Warum Sita in der Elternzeit mit dem Schreiben begann Die Herausforderungen als Lektorin, den eigenen Text zu bearbeiten Ihre Doktorarbeit über Organtransplantation in der Gegenwartsliteratur Die Rolle von Social Media im Buchmarketing – Segen oder Fluch? Ihre Creative Writing Kurse in der Schweiz Shownotes 00:51 Rezension über Tage wie Salzwasser03:16 Über die Autorin Sita Maria Frey04:18 Verlust und Trauer: Tage wie Salzwasser von Sita Maria Frey05:18 Der Zürichsee ist 3,85 km breit07:26 textding.ch - Website von Sita Maria Frey11:44 Worum gehts in Tage wie Salzwasser?13:04 Warum hast du diese Geschichte geschrieben?17:24 Wasserweckle und Stefans Käsekuchen im Buch19:55 Wie lange hast du am Buch gearbeitet?21:32 Schreiben in der Elternzeit24:35 Selbst lektorien - niemals!25:55 Englische Literatur26:22 Zu nah beim Goethe und Schiller26:48 Doktorarbeit zu Gegenwartsliteratur32:39 Die Figur Atlanta33:44 Was war zuerst da? Thema, Geschichte, Figur?34:03 Das erste war die Idee der Bewegung also der Reise35:31 Figuren auf dem Weg: Von wollen zu brauchen38:14 Trauer und Verlust38:39 Reise im Sinne von Aufbrechen40:32 Ein Thema aus dem eigenen Leben48:34 Wie beeinflusst unsere Prägung unser Leben?49:10 Wie wichtig ist Social Media fürs Buchmarketing?52:39 Lektorat, Satz, Druck uvm wird vom Verlag organisiert53:28 Aber auch das Marketing muss dazugehören56:08 Die Überraschungsfrage57:58 Welches Buch kannst du empfehlen?58:07 Dschinns von Fatma Aydemir 58:11 Der Gott des Waldes von Liz Moore 59:15 Was kommt als nächtes?01:01:40 Verlosung von drei Exemplaren von Tage wie Salzwasser Verlosung Das Gewinnspiel ist beendet. Die Gewinner wurden informiert und haben nun eine Woche Zeit sich zu melden. Bis 22. Februar 2026 kannst du eines von drei Exemplaren gewinnen! Alle Details hörst du in der Folge - oder erfährst du im Newsletter. Hier findest du die Teilnahmebedingungen. "Tage wie Salzwasser" von Sita Maria Frey Verlag: Droemer HCSeitenanzahl: 320 SeitenISBN: 978-3-426-56461-5Erscheinungstag: 02.05.2025 Affiliate-Links*: Amazon | medimops Bücher | Genial lokal Genannte Buchempfehlungen Dschinns von Fatma Aydemir Verlag: Hanser VerlagSeitenzahl: 368 SeitenISBN: 978-3-446-26914-9Erscheinungsdatum: 14.02.2022Preis: Deutschland 24,00 € | Österreich: 24,70 €Affiliate-Links*: Amazon | medimops Bücher | Genial lokal Der Gott des Waldes von Liz MooreAus dem Englischen von Cornelius Hartz Verlag: C. H. BeckSeitenzahl: 590 SeitenISBN: 978-3-406-82977-2Erscheinungsdatum: 20.02.2025Preis: 26,00 € Affiliate-Links*: Amazon | medimops Bücher | Genial lokal *Dir entsteht kein Nachteil, wenn du über den Affiliate Link kaufst. Ich erhalte eine kleine Provision und kann damit diese Seite und den Podcast finanzieren.
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Schuld und Verantwortung: 15 Sekunden von Chris Warnat
21.12.2025
58 Minuten
Warum schreiben wir, obwohl es schwer ist? Warum bleiben wir in einer Branche, die sich manchmal wie eine toxische Beziehung anfühlt? Und warum sind Pausen keine Belohnung, sondern Voraussetzung? In der neuen Folge von „Die Büchersammlerin“ spreche ich mit Thrillerautorin Chris Warnat über Schuld und Verantwortung, Perfektionismus, Social Media, die Realität der Buchbranche.
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