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Episoden
07.04.2026
1 Stunde 16 Minuten
Jennifer Khakshouri, Elke Heidenreich, Thomas Strässle und Denise Tonella diskutieren über aktuelle Bücher von Roberto Saviano, Kristof Magnusson, Flurina Badel und Robert Menasse. Vor 20 Jahren hat Roberto Saviano mit «Gomorra» die Mafia aufgeschreckt. Seitdem lebt er unter Polizeischutz wegen Morddrohungen. Die Mafia bleibt dennoch sein Thema. Jetzt hat er einen Roman nach einer wahren Geschichte geschrieben. «Meine Liebe stirbt nicht» erzählt von einer verhängnisvollen Beziehung – anhand von Gerichtsunterlagen, Abhörprotokollen und schriftstellerischer Fantasie. Der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson ist bekannt für gute Unterhaltung mit Tiefgang. Sein neuer Roman ist ein historischer Spionage-Thriller und gleichzeitig eine Parodie darauf. Am Ende des Kalten Krieges schien alles möglich: In dieser Zeit schickt Magnusson einen jungen, erfolgreichen Schriftsteller auf Agentenmission. «In den Tag» von Christoph Ribbat beschreibt die Schwelle zwischen Augenaufschlag und Wachwerden. Jenseits heutiger Selbstoptimierung entfaltet er eine Kulturgeschichte des Aufwachens, amüsant und anekdotisch: Paul McCartney soll einen seiner Songs komplett geträumt haben. Autoren wie Toni Morrison, Sylvia Plath und Ernest Hemingway schrieben ganz früh morgens. Die Bündnerin Flurina Badel greift in «Nebelflüchtige» ein aktuelles politisches Thema auf: Die Nachfrage nach Ferienwohnungen im Engadin macht erschwinglichen Wohnraum für Einheimische knapp. Die Romanfigur Aita kehrt nach dem Tod ihrer Mutter in ihr Bergdorf zurück. Das Haus soll verkauft werden – und so vermischt sich die Trauer über die Mutter mit jener über den Verlust der Heimat. Seit seinem preisgekrönten Roman «Die Hauptstadt» ist der österreichische Autor Robert Menasse der literarische Europa-Spezialist. Nach flammenden Plädoyers für Europa zeigt er sich in der Novelle «Die Lebensentscheidung» abgeklärter: Er schickt einen müden und ernüchterten Angestellten der Europäischen Kommission in den Tod. Ein Buch über verpasste Chancen, Freundschaft und Müttersöhne. Die Bücher der Sendung sind: · Roberto Saviano: «Meine Liebe stirbt nicht». 400 Seiten. Hanser, 2026. · Kristof Magnusson: «Die Reise ans Ende der Geschichte». 288 Seiten. Klett-Cotta, 2026. · Christoph Ribbat: «In den Tag». 166 Seiten. Insel, 2026. · Flurina Badel: «Nebelflüchtige». 224 Seiten. Rotpunktverlag, 2026. · Robert Menasse: «Die Lebensentscheidung». 158 Seiten. Suhrkamp, 2026
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24.02.2026
1 Stunde 13 Minuten
Laura de Weck, Adriana Altaras, Wolfgang M. Schmitt und der deutsche Schauspieler Charly Hübner diskutieren über aktuelle Bücher von Leïla Slimani, Judith Hermann, Christian Haller, Stefanie Sargnagel und Alexander Schnickmann. Leïla Slimani gilt als eine der wichtigsten literarischen Stimmen Frankreichs. Den Prix Goncourt hat sie erhalten, Bestseller um Bestseller geschrieben. Mit ihrem neuen Roman «Trag das Feuer weiter» schliesst Slimani eine dreibändige Familiensaga ab. Das Portrait einer marokkanischfranzösischen Familie über mehrere Generationen hinweg. Auch die deutsche Bestseller-Autorin Judith Hermann legt ein neues Werk vor. In «Ich möchte zurückgehen in der Zeit» begibt sie sich auf die Spuren ihres Grossvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS in Polen stationiert war. Wie Schuld und Schweigen bis heute nachwirken – das lotet die Autorin in ihrem unverwechselbaren «Judith-Herman-Sound» aus. Von einfachen, klaren und doch lange nachwirkenden Sätzen ist «Einfallende Dämmerung» geprägt. Der Schweizer Buchpreisträger Christian Haller erkundet darin das «unbekannte Land des Alters». Die Novelle handelt von einem Mikrobiologen, der seinen 80. Geburtstag feiert und merkt, dass er nun in eine neue Lebensphase eintritt. Gerade fand der Wiener Opernball statt. Ein Ereignis, dass die österreichische Satirikerin Stefanie Sargnagel gnadenlos auf die Schippe nimmt. Ihr Buch «Opernball. Zu Besuch bei der Hautevolee» ist eine wort- und wahnwitzige Persiflage auf die Reichen und Schönen. Der deutsche Autor Alexander Schnickmann machte vor einigen Jahren mit seinem Versroman «requiem» im Feuilleton von sich reden. Nun legt er einen Gedichtband vor. «Gestirne» ist eine Sammlung kosmischer Liebesgedichte, die in die Fernen des Weltalls führt. Die Bücher der Sendung sind: · Stefanie Sargnagel. «Opernball». 80 Seiten. Rowohlt Hundert Augen, 2026. · Leïla Slimani. «Trag das Feuer weiter». 448 Seiten. Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Luchterhand, 2026. · Christian Haller. «Einfallende Dämmerung». 144 Seiten. Luchterhand, 2026. · Judith Hermann. «Ich möchte zurückgehen in der Zeit». 160 Seiten. S. Fischer, 2026. · Alexander Schnickmann. «Gestirne». 98 Seiten. Matthes & Seitz, 2026.
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28.01.2026
1 Stunde 15 Minuten
Jennifer Khakshouri, Nina Kunz, Gerhard Pfister und der Direktor des Zoo Zürich, Severin Dressen, diskutieren über aktuelle Bücher von Pascal Mercier, Verena Kessler, Gaea Schoeters, Julian Barnes und Mariana Enriquez. Viele dürften den Schriftsteller und Philosophen Pascal Mercier durch seinen Bestseller «Nachtzug nach Lissabon» kennen. Mercier gehört zu den international erfolgreichsten Schweizer Autoren überhaupt. 2023 verstorben, erscheint nun posthum ein Band mit fünf Kurzgeschichten von ihm. «Der Fluss der Zeit» ringt mit elementaren Themen wie Freiheit, Identität und Vergänglichkeit. Es gibt nicht viele Romane, die in einem Fitness-Studio spielen. «Gym» von der deutschen Autorin Verena Kessler tut das. Es geht um eine Frau, die in einer «Muckibude» jobbt. Als sie selbst zu trainieren beginnt, verliert sie jedes Mass. Der Sport wird zur Obsession. Rasant erzählt, lässt sich diese Geschichte auch als Kritik an unserer Leistungsgesellschaft lesen. Passend zu seiner Leidenschaft für Tiere stellt der Gast der Sendung, der Zürcher Zoodirektor Severin Dressen, einen tierischen Roman zur Diskussion: «Das Geschenk» von der flämischen Autorin Gaea Schoeters. Die Handlung: 20.000 Elefanten stehen plötzlich mitten in Berlin. Ein normaler Alltag ist fortan unmöglich. Und was tut die Regierung? Getrieben von Macht- und Konkurrenzdenken sucht diese nur nach Scheinlösungen. Eine skurrile Polit-Satire. Der britische Star-Autor Julian Barnes wird dieser Tage 80 Jahre alt. Zeit für ihn, sich vom Schreiben zu verabschieden. Meint zumindest er. Er tut das mit dem Werk «Abschied(e)», einer Mischung aus Essay, Memoir und Roman. Barnes blickt darin auf sein Leben zurück. Ein trauriges Buch, das aber von einem beeindruckend leichten Ton getragen ist. Einen Blick nach Südamerika wirft die «Literaturclub»-Runde mit dem Erzählband «Grelles Licht für darke Leute» der Argentinierin Mariana Enriquez. Ihr Genre: literarischer Horror. Und so handeln ihre Stories von Gesichtern, die bei lebendigem Leibe verwesen, von Toten, die ihre Nachbarn verfolgen, oder von Frauen, die zu Vögeln werden. Die Bücher der Sendung sind: · Julian Barnes. «Abschied(e)». Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Kiepenheuer & Witsch, 2026. · Mariana Enriquez. «Grelles Licht für darke Leute». Aus dem argentinischen Spanisch von Silke Kleemann und Inka Marter. S. Fischer, 2025. · Verena Kessler. «Gym». Hanser Berlin, 2025. · Pascal Mercier: «Der Fluss der Zeit». Hanser, 2026. · Gaea Schoeters. «Das Geschenk». Aus dem Niederländischen von Lisa Mensing. Zsolnay, 2025.
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Über diesen Podcast
Im «Literaturclub» werden jeweils vier bis fünf Neuerscheinungen
vorgestellt und in lustvoller Auseinandersetzung diskutiert. Damit
Sie sich eine Meinung bilden können, was zu lesen sich lohnt und
was eher nicht. Immer am literarischen Puls der Zeit.
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