Podcaster
Episoden
19.02.2026
59 Minuten
In Steyr erlebt Dolfi vier prägende Jahre: harte Arbeit,
wiederholte Arbeitslosigkeit, amerikanische Kultur, erste Liebe
und bittere Enttäuschungen. In dieser Zeit entsteht ein Prinzip,
das sein ganzes Leben bestimmen wird – die „Schuhschachtel“ – und
der Entschluss, nach Wien zu gehen.
Nach seiner Lehre wagt er den Schritt in die amerikanische
Besatzungszone. Am Bahnhof in Steyr beginnt ein neues Kapitel:
Arbeit als Zimmermann, Blindböden verlegen, Baustellen in ganz
Oberösterreich. Doch die Realität bleibt hart – saisonale
Kündigungen, Winterarbeitslosigkeit, leere Geldbörsen und
wiederkehrender Hunger begleiten ihn. Ein ungewöhnlicher Auftrag
führt ihn sogar in das Gefängnis von Garsten, wo er gemeinsam mit
einem verurteilten Totschläger einen Geräteschuppen errichtet –
eine Begegnung, die ihm zeigt, wie schmal die Grenze zwischen
Schicksal und Entscheidung sein kann.
Gleichzeitig öffnet sich eine neue Welt: In der
amerikanischen Zone erlebt Dolfi erstmals seit
Jahren wieder Sättigung, Musik, Tanz und kulturelle Freiheit.
Boogie-Woogie, Glenn Miller, Coca-Cola und das Sternenbanner
stehen im starken Kontrast zu den entbehrungsreichen vierziger
Jahren. Die Fünfziger fühlen sich wie ein Aufbruch an. Doch
privat bleibt das Leben kompliziert. Zwischen zwei Familien,
Untermiete, finanziellen Engpässen und einer ersten großen Liebe
in Bad Hall sammelt Dolfi Erfahrungen, die ihn prägen – auch
schmerzhafte. Eine Verlobung zerbricht, Perspektiven fehlen.
In dieser Phase entsteht ein Lebensprinzip:
die „Schuhschachtel“. Kleine Beträge werden
zur Seite gelegt – aus Angst vor dem nächsten Winter ohne Geld.
Aus dieser simplen Idee wächst ein Entschluss: nie wieder arm
sein, nie wieder hungern.
1954 erkennt Dolfi, dass Steyr ihm keine Zukunft bietet. Die
Entscheidung fällt: Er wird nach Wien gehen – in die Stadt seiner
Geburt. Diese Folge ist die Geschichte eines jungen Mannes, der
lernt, dass Niederlagen nicht das Ende bedeuten, sondern der
Beginn von Selbstverantwortung sein können.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
Kristina-Josefin Bigler - Art Direction
Eine Produktion von STUDIO DREIVIERTEL.
Copyright 2025 STUDIO DREIVIERTEL. Alle Rechte vorbehalten.
Inhaltliche Verantwortung gemäß § 55 RStV: STUDIO DREIVIERTEL.
Musik, O-Töne und sonstige verwendete Inhalte sind
urheberrechtlich geschützt.
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05.02.2026
1 Stunde 40 Minuten
Lehrjahre sind keine Herrenjahre – 1947 bis 1950: In
dieser Episode erzählt Dolfi Eder von seinem Einstieg ins
Arbeitsleben – und davon, wie ein Jugendlicher in der russischen
Besatzungszone versucht, sich aus Armut, Hunger und
Perspektivlosigkeit herauszuarbeiten.
Nach den Kriegs- und Nachkriegsjahren ist Kindheit längst kein
geschützter Raum mehr. Dolfi beschreibt, wie er mit vierzehn die
Schule beendet und unbedingt einen Handwerksberuf erlernen will.
Tischler wäre sein Traum gewesen – wegen seiner Liebe zum Holz
und zum Geruch frisch gesägter Bretter. Doch er gilt als „zu
klein“ und „zu schwach“. Erst durch Beziehungen und
Hartnäckigkeit seiner Pflegefamilie bekommt er einen Lehrplatz
als Zimmermann – ein Glücksfall in einer Zeit, in der Lehrstellen
rar sind.
Der erste Arbeitstag im September 1947 wird zur Initiation:
Hobelmaschine, Staub von oben bis unten, kein Essen, kein
Durchatmen – und die Erkenntnis, was es heißt, ein arbeitender
Mensch zu sein. Dolfi erzählt von der Vielseitigkeit des
Zimmererhandwerks, von Dachstühlen und Turmkreuzen, von
Stallungen und Zäunen – aber auch von der Härte im Umgang: manche
Gesellen erklären geduldig, andere schlagen zu, weil Beschwerden
in der Realität keine Option sind.
Ein besonderer Einschnitt ist
der Josefstag, der traditionelle Feiertag
der Zimmerleute: Umzug, Gasthaus, Freisprechungen – und ein
Ritual, das für Lehrlinge schnell zur Demütigung werden kann.
Dolfi berichtet von Alkohol, Spott und einem Rausch, der ihn so
erschüttert, dass er sich ein Versprechen gibt: nie wieder die
Kontrolle über sich zu verlieren.
Gleichzeitig öffnet sich ein Fenster in eine andere Welt: Auf
Radtouren wagt Dolfi mit Freunden
den Zonenwechsel in die amerikanische
Besatzungszone. Zum ersten Mal sieht er
das Sternenbanner – und erlebt die
Unterschiede unmittelbar: weniger Angst, mehr Waren, andere
Haltung, andere Stimmung. Später versteht er, was dieser Moment
bedeutet: Marshallplan, Hilfslieferungen, und die Rolle der USA
dabei, Österreich nicht in den Ostblock kippen zu lassen.
Als Dolfi 1950 nach Lehrabschluss gekündigt wird, gilt
Arbeitslosigkeit im Dorf als Makel. Doch statt sich abzufinden,
entscheidet er sich für den Aufbruch: mit Passierschein, Rucksack
und dem Gefühl, zum ersten Mal wirklich allein zu sein, fährt er
nach Steyr – und findet Arbeit und Quartier. Der
Schritt in die Selbstständigkeit beginnt.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
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22.01.2026
50 Minuten
Stunde Null – Überleben und Hungerjahre 1945–1950: In
dieser Episode erzählt Dolfi Eder von den erschütternden Monaten
nach Kriegsende und den Jahren darauf, die zu den härtesten
seines Lebens gehören. Die bedingungslose Kapitulation der
Wehrmacht, die Bildung einer provisorischen österreichischen
Regierung und die Aufteilung des Landes in vier Besatzungszonen
bilden den politischen Rahmen – doch für Dolfi, damals zwölf
Jahre alt, prägt vor allem eines diese Zeit: das nackte
Überleben.
Unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee erlebt Dolfi drei
Monate völliger Gesetzlosigkeit: nächtliche Schüsse, Schreie,
Vergewaltigungen, Plünderungen, brennende Häuser. Tiere,
Lebensmittel, Kleidung, Besitz – alles wird konfisziert. Für die
Jugend bedeutet das tägliche Gefahr: Schläge, Willkür,
Demütigungen und Todesangst.
Dolfi beschreibt in bedrückender Klarheit, wie die Russen ein
riesiges Barackenlager bauen, wie Frauen täglich „für Dienste“
abgeholt werden, wie er selbst schlafend Zeuge von Gewalt
gegenüber den Frauen im Haus wird und wie betrunkenen Soldaten
aus purer Unterhaltung mit Maschinenpistolen auf spielende Kinder
schießen.
Als ein hoher russischer Offizier im Ort einzieht, verändert sich
die Lage langsam. Gewalt wird unter Strafe gestellt, ein
Gemeinderat eingerichtet, und erstmals seit Monaten kehrt etwas
ein, das man vorsichtig „Normalität“ nennen könnte. Doch der
Alltag bleibt hart: Die Bevölkerung hungert, Tiere und
Lebensmittel sind verschwunden, die Geschäfte sind leer, Brot
gibt es monatelang keines. Hunger wird zum ständigen Begleiter –
fünf Jahre lang, bis 1950.
Zwischen politischen Umbrüchen, der ersten freien Wahl im
November 1945, der Anerkennung der provisorischen Regierung, den
Herausforderungen der Entnazifizierung und den Schwierigkeiten
des Wiederaufbaus entsteht ein vielschichtiges Bild der Zweiten
Republik in ihren allerersten Tagen.
Dolfi Eder erzählt nicht nur, was geschah – er lässt uns spüren,
wie es sich anfühlte. Seine Erinnerungen sind ein erschütterndes,
tief persönliches Zeugnis darüber, wie schwer der Weg in den
Frieden sein kann – und wie lange ein Krieg nachwirkt.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
Kristina-Josefin Bigler - Art Direction
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08.01.2026
51 Minuten
Zwischen Pflicht und Angst – Kriegsjahre 1943–1945: In
dieser Folge beschreibt Dolfi Eder die Jahre seiner Kindheit, in
denen sich sein Leben radikal veränderte. Mit zehn Jahren
gelangte er aus dem abgelegenen Hochtal der Broling nach Opponitz
– einem Dorf mit Strom, Kanal, Bahnhof, Arzt und Schule. Eine
völlig neue Welt. Doch dieser Fortschritt fällt in eine Zeit, in
der sich der Zweite Weltkrieg bereits gegen das Deutsche Reich
wendet.
Kaum angekommen, wird Dolfi – ungefragt und ohne Alternative – in
das Deutsche Jungvolk aufgenommen. Appelle am Wochenende,
Exerzieren, Geländeläufe, Übungen mit Holzgewehren, deutsche
Geschichte im NS-Narrativ und politische Indoktrination bestimmen
seinen Alltag. Was wie Pfadfinder klingt, ist in Wahrheit die
erste Stufe militärischer Vorbereitung. Dolfi ist Teil eines
Systems, das aus Kindern Soldaten formen will.
Gleichzeitig rückt der Krieg spürbar näher.
Lebensmittelknappheit, Propaganda über den Volksempfänger, immer
mehr Männer, die eingezogen werden, und eine Bevölkerung, die
erst begeistert, später ernüchtert und dann ängstlich wird. Ab
1944 beginnt der Luftkrieg auch das Ybbstal zu erreichen:
Tiefflieger schießen auf alles, was sich bewegt. Brennende
Flugzeuge stürzen in die Wälder, und Dolfi muss als Teil des
Luftschutzes mithelfen, Wracks zu finden, Tote zu melden und
Brände zu lokalisieren. Er sieht verkohlte Leichen – Erlebnisse,
die ihn schon als Kind vom Tod abstumpfen lassen.
Parallel dazu erlebt er die letzten Monate des Krieges hautnah:
die Flucht der Nazis, das Verschwinden der SS, die Hilflosigkeit
der Zivilbevölkerung und eine unerträgliche Angst, genährt durch
Propaganda („Sieg oder Tod“). Bis am 5. Mai 1945 die Rote Armee
in Opponitz eintrifft – und der Krieg endet.
Diese Episode zeigt mit erschütternder Klarheit, wie ein Kind
zwischen Indoktrination, harter Arbeit, ständiger Todesnähe und
der Angst vor der heranrückenden Front zu einem „zu früh
Erwachsenen“ wird – und dennoch seine Menschlichkeit bewahrt.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
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25.12.2025
1 Stunde 10 Minuten
Im Schatten des Krieges – Schuljahre 1939–1943: In dieser
Folge erzählt Dolfi Eder von seiner Schulzeit im abgelegenen
Hochtal der Broling, einer Welt, in der Armut, Pflicht und Drill
den Alltag eines Kindes bestimmten. Während in Europa der Zweite
Weltkrieg ausbricht, erlebt Dolfi eine Schulwirklichkeit, die
kaum vorstellbar erscheint: barfuß stundenlange Wege über
frostige Felder, Unterricht auf der Schiefertafel, Prügelstrafen
und ein Lehrer, der ein überzeugter Nazi war und die Kinder im
Geist der „deutschen Jugend“ formen wollte.
Die Gewalt war allgegenwärtig: Ohrfeigen, Rohrstock, Demütigung
als Erziehungsmethode. Trotzdem findet Dolfi Momente des Trosts –
in der Natur, in seinen Träumen, in den Tieren und in der ersten
zarten Freundschaft zu einem älteren Mädchen, Hedwig. Zwischen
harter Arbeit im Stall, Holz hacken, Ziegen hüten und
Schulpflicht blieb kaum Raum für Kindheit, und doch entwickelte
er seine eigene innere Welt.
Neben dem persönlichen Erleben zeigt sich der zeitgeschichtliche
Hintergrund besonders deutlich: Propaganda über den
Volksempfänger, verschwindende Menschen im Dorf, die ersten
Todesmeldungen, die Einziehung aller Männer und die wachsende
Angst in der Bevölkerung. Die NS-Diktatur greift tief in jedes
Detail des Alltags ein – auch in das Leben eines Kindes in einem
entfernten Hochtal.
Diese Episode macht spürbar, wie Krieg und Ideologie selbst
entlegenste Regionen erreichen – und wie ein sensibles Kind
versucht, seine Träume zu bewahren, während die Welt um ihn herum
dunkler wird.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
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Über diesen Podcast
„Der vorletzte Zeitzeuge“ – Dolfi Eder erzählt, damit wir
nicht vergessen.
Dieser Podcast bewahrt die Erinnerungen eines Mannes, der die
prägendsten Epochen des 20. Jahrhunderts hautnah miterlebt hat.
Dolfi Eder wurde 1933 in Wien geboren. Seine Kindheit fiel in das
austrofaschistische Regime unter Schuschnigg, seine Jugend in den
Zweiten Weltkrieg und die Jahre danach. Er berichtet von
Bombennächten, Hungerwintern, vom Einmarsch der Roten Armee und
der zehnjährigen Besatzungszeit bis zum Staatsvertrag Österreichs
im Jahr 1955 – authentisch, unmittelbar und oft erschütternd.
Im Gespräch mit Oliver Sartena entstehen bewegende Erinnerungen,
die persönliche Erlebnisse mit zeitgeschichtlichen Ereignissen
verweben. Keine trockene Geschichtsstunde, sondern ein lebendiges
Dokument der Erinnerungskultur.
Dieser Podcast hält fest, was bald niemand mehr erzählen kann.
Für alle, die verstehen wollen, wie sich Geschichte wirklich
angefühlt hat.
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