Allein am Bahnhof – Vom Hunger zum Handwerk (1947–1950)

Allein am Bahnhof – Vom Hunger zum Handwerk (1947–1950)

Ein Lehrling in der russischen Zone entdeckt die amerikanische Welt – und entscheidet sich, sein Glück selbst zu suchen.
1 Stunde 40 Minuten
Podcast
Podcaster

Beschreibung

vor 2 Wochen

Lehrjahre sind keine Herrenjahre – 1947 bis 1950: In
dieser Episode erzählt Dolfi Eder von seinem Einstieg ins
Arbeitsleben – und davon, wie ein Jugendlicher in der russischen
Besatzungszone versucht, sich aus Armut, Hunger und
Perspektivlosigkeit herauszuarbeiten.


Nach den Kriegs- und Nachkriegsjahren ist Kindheit längst kein
geschützter Raum mehr. Dolfi beschreibt, wie er mit vierzehn die
Schule beendet und unbedingt einen Handwerksberuf erlernen will.
Tischler wäre sein Traum gewesen – wegen seiner Liebe zum Holz
und zum Geruch frisch gesägter Bretter. Doch er gilt als „zu
klein“ und „zu schwach“. Erst durch Beziehungen und
Hartnäckigkeit seiner Pflegefamilie bekommt er einen Lehrplatz
als Zimmermann – ein Glücksfall in einer Zeit, in der Lehrstellen
rar sind.


Der erste Arbeitstag im September 1947 wird zur Initiation:
Hobelmaschine, Staub von oben bis unten, kein Essen, kein
Durchatmen – und die Erkenntnis, was es heißt, ein arbeitender
Mensch zu sein. Dolfi erzählt von der Vielseitigkeit des
Zimmererhandwerks, von Dachstühlen und Turmkreuzen, von
Stallungen und Zäunen – aber auch von der Härte im Umgang: manche
Gesellen erklären geduldig, andere schlagen zu, weil Beschwerden
in der Realität keine Option sind.


Ein besonderer Einschnitt ist
der Josefstag, der traditionelle Feiertag
der Zimmerleute: Umzug, Gasthaus, Freisprechungen – und ein
Ritual, das für Lehrlinge schnell zur Demütigung werden kann.
Dolfi berichtet von Alkohol, Spott und einem Rausch, der ihn so
erschüttert, dass er sich ein Versprechen gibt: nie wieder die
Kontrolle über sich zu verlieren.


Gleichzeitig öffnet sich ein Fenster in eine andere Welt: Auf
Radtouren wagt Dolfi mit Freunden
den Zonenwechsel in die amerikanische
Besatzungszone. Zum ersten Mal sieht er
das Sternenbanner – und erlebt die
Unterschiede unmittelbar: weniger Angst, mehr Waren, andere
Haltung, andere Stimmung. Später versteht er, was dieser Moment
bedeutet: Marshallplan, Hilfslieferungen, und die Rolle der USA
dabei, Österreich nicht in den Ostblock kippen zu lassen.


Als Dolfi 1950 nach Lehrabschluss gekündigt wird, gilt
Arbeitslosigkeit im Dorf als Makel. Doch statt sich abzufinden,
entscheidet er sich für den Aufbruch: mit Passierschein, Rucksack
und dem Gefühl, zum ersten Mal wirklich allein zu sein, fährt er
nach Steyr – und findet Arbeit und Quartier. Der
Schritt in die Selbstständigkeit beginnt.


Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder


Produktion: STUDIO DREIVIERTEL


Dolfi Eder - Erzähler


Oliver Sartena - Moderation


Maria Radutu - Redaktion


Andreas Mühlmann - Audioproduktion


Kristina-Josefin Bigler - Art Direction


Eine Produktion von STUDIO DREIVIERTEL.


Copyright 2025 STUDIO DREIVIERTEL. Alle Rechte vorbehalten.


Inhaltliche Verantwortung gemäß § 55 RStV: STUDIO DREIVIERTEL.


Musik, O-Töne und sonstige verwendete Inhalte sind
urheberrechtlich geschützt.


Mehr Informationen zu diesem Podcast und weiteren Produktionen
auf den Kanälen von STUDIO DREIVIERTEL und auf
StudioDreiviertel.at


Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

Kommentare (0)

Lade Inhalte...

Abonnenten

15
15