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Episoden
20.02.2026
55 Minuten
In der 30. Folge von „Die Geldfrage“ diskutiert Philippa
Sigl-Glöckner mit ihren Kollegen Janek Steitz und Dr. Maximilian
Paleschke über die Machtposition Europas. Während die USA unter
Trump 2.0 oft als übermächtig wahrgenommen werden, zeigt unsere
Analyse: Europa hat handfeste Hebel – von der Energieversorgung
bis hin zu kritischen Industriekomponenten.
Das Wichtigste:
Kein zweites Russland-Szenario: Die
Abhängigkeit von US-Flüssiggas (LNG) ist nicht mit der früheren
Abhängigkeit von russischem Pipeline-Gas vergleichbar. Der
globale Markt wird liquider und flexibler, was Europa
ermöglicht, im Notfall leichter auf Alternativen auszuweichen.
Industrielle Abhängigkeiten: Europa hält
technologische Schlüsselpositionen. Ein Beispiel sind
Gasturbinen von Siemens Energy, die für den Ausbau
amerikanischer KI-Rechenzentren unverzichtbar sind.
Exportbeschränkungen könnten dort massiven wirtschaftlichen
Schaden anrichten, der die Kosten für Europa bei weitem
übersteigt.
Die Macht der Märkte: US-Tech-Giganten hängen
stark von den Gewinnen ab, die sie in Europa machen. Da diese
Unternehmen einen massiven Anteil an den Rentensparplänen
(401k) der US-Bevölkerung ausmachen, würde eine restriktive
europäische Position direkt die Altersvorsorge amerikanischer
Wähler:innen treffen.
Strategische Vorbereitung: Um diese Trümpfe
gegen Trump auszuspielen, muss Europa das „Anti-Coercion
Instrument“ (ACI) schärfen. Die Mitgliedstaaten müssen jetzt
klären, wie sie entstehende Lasten teilen, damit nationales
Klein-Klein die europäische Handlungsfähigkeit im Ernstfall
nicht blockiert.
Zum Nachlesen:
Studie des Dezernat Zukunft: Europe’s Trump Cards
Geldbrief: Europas Trümpfe gegen Trump
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06.02.2026
38 Minuten
Fast jeder dritte Euro im Bundeshaushalt könnte bald in die
Verteidigung fließen. Wer zahlt das und was bedeutet das für
Schulden, Steuern und Sozialausgaben? Philippa Sigl-Glöckner
spricht mit Prof. Dr. Christoph Trebesch vom IfW Kiel darüber,
wie Aufrüstung und Kriege seit 1870 finanziert wurden.
Das Wichtigste:
Historisch werden Aufrüstungsphasen selten durch Kürzungen
bei Sozialausgaben finanziert – sondern kurzfristig über
Schulden.
Mittel- und langfristig führt dies zu erheblichen
Steuererhöhungen, wobei vor allem Einkommen- und Konsumsteuern
steigen – gezielte „Reichensteuern“ spielen nur eine kleine
Rolle.
Anders als im Krieg hat Aufrüstung in Friedenszeiten nur
einen geringen Effekt auf Konsum und Inflation.
Entscheidend für die Tragfähigkeit hoher
Verteidigungsausgaben bleibt langfristig das Wirtschaftswachstum
– und damit Investitionen in Bildung, Forschung und Innovation.
Zum Nachlesen:
Studie von Johannes Marzian & Prof. Dr. Christoph Trebesch
„Guns and Butter: The Fiscal Consequences of Rearmament and War”
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28.01.2026
32 Minuten
Die Vorschläge zur Sozialstaatsreform liegen auf dem Tisch. Sie
können bis zu 5 Milliarden Euro Spielraum im Haushalt bringen.
Philippa Sigl-Glöckner und Saskia Gottschalk schauen genau hin:
Wo könnte der Vorschlag Arbeitsanreize setzen, wo entstehen
Probleme und wie steht der öffentliche Haushalt unterm Strich da?
Das Wichtigste:
Die Sozialstaatskommission schlägt vor, mehrere Leistungen zu
einer einheitlichen Grundsicherung zusammenzuführen und die
Anrechnungsregeln zu vereinfachen, sodass sich Mehrarbeit bei
höheren Einkommen spürbar lohnt.
Das aktuelle Zusammenspiel aus Bürgergeld, Wohngeld und
Kinderzuschlag führt zu Fehlanreizen, bei denen Menschen trotz
höherem Einkommen am Ende weniger Geld haben können, was die
Reform gezielt beenden soll.
Die Reform könnte 100.000 bis 150.000 zusätzliche
Vollzeitäquivalente schaffen und jährliche Mehreinnahmen von rund
vier bis fünf Milliarden Euro bringen.
Studien zeigen, dass Investitionen in Qualifizierung,
Kinderbetreuung und individuelle Unterstützung entscheidend sind,
um mehr Menschen dauerhaft in Arbeit zu bringen.
Zum Nachlesen:
Studie des Dezernat Zukunft zu den Vorschlägen der
Sozialstaatskommission „5 Milliarden Spielraum im Sozialstaat
gewinnen“
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15.01.2026
34 Minuten
Deutschland steckt wirtschaftlich fest, geprägt durch eine
schwache Investition und eine rückläufige Industrieproduktion.
Kann Deutschland der industrielle Turnaround gelingen? In dieser
Folge sprechen PhilippaSigl-Glöckner und Dr. Maximilian Paleschke
über die aktuellen BIP-Zahlen und drei internationale
Fallstudien: den südkoreanischen Schiffbau, die schwedische
Stahlindustrie und die US-Autoindustrie. Sie zeigen, unter
welchen Bedingungen industrielle Comebacks gelingen können und
warum sie selten sind.
Das Wichtigste:
Das leichte BIP-Wachstum von 0,2 Prozent wird vom Konsum
getragen, während Investitionen und insbesondere
Maschineninvestitionen weiter zurückgehen.
Historische Beispiele zeigen, dass vollständige industrielle
Comebacks aus bestehenden Industrien extrem selten sind und meist
nur unter sehr spezifischen Bedingungen gelingen.
Erfolgreiche Turnarounds beruhen auf technologischem
Vorsprung und hoher Produktivität.
In allen untersuchten Fällen spielte der Staat eine zentrale
Rolle, allerdings mit sehr unterschiedlichen Instrumenten von
strategischer Koordination bis hin zu harter Konsolidierung.
Zum Nachlesen/-schauen:
Studie des Dezernat Zukunft: "Comeback Deutschland?
Industrie-Turnarounds und was wir von ihnen lernen können"
Lars Klingbeil bei der DIW 100 Lecture: Rede und Video
Pressekonferenz Statistisches Bundesamt, Januar 2026
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19.12.2025
28 Minuten
Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson ziehen
Bilanz. Entlang von sechs Statistiken schauen die beiden auf ein
turbulentes Jahr zurück. Drei Zahlen zeigen, wie ernst die Lage
für Industrie, Staatshaushalt und Bildung ist. Drei weitere
machen deutlich, dass politisches Handeln wirken kann.
Die Geldfrage entsteht mit viel Zeit, Recherche und Sorgfalt, um
komplexe Finanzthemen für euch verständlich und Geldflüsse
sichtbar zu machen. Wenn ihr diese Arbeit und den Podcast
unterstützen möchtet, freuen wir uns sehr über eine Spende an das
Dezernat Zukunft.
Das Wichtigste:
Der Verlust von rund 100.000 Industriearbeitsplätzen zeigt,
dass das deutsche Export- und Wachstumsmodell strukturell an
seine Grenzen gestoßen ist und nicht einfach zurückkehren wird.
Der Gestaltungsspielraum im Bundeshaushalt geht verloren,
weil spätestens in den 2030er Jahren nahezu alle Mittel durch
gesetzliche Verpflichtungen gebunden sind.
Wenn ein Drittel der Neuntklässler den Mindeststandard in
Mathematik verfehlt, wird Bildung um Engpass für Innovation,
Produktivität und künftigen Wohlstand.
Das Infrastruktur-Sondervermögen markiert einen
fiskalpolitischen Wendepunkt, dessen Erfolg davon abhängt, ob
Investitionen pragmatisch priorisiert werden.
Der Jobturbo belegt, dass ein aktivierender Sozialstaat mit
Beratung, Sprachförderung und Vermittlung zu den wirksamsten
Instrumenten effektiver Wirtschaftspolitik gehört.
Zum Nachlesen/Nachhören:
Die erwähnte Studie zur KI-Forschung
Bildungstrend 2024
Artikel der tagesschau zum wachsenden Anteil der Erneuerbaren
Energien am deutschen Strommix
Zeit-Artikel über den Erfolg des Jobturbos
Die erwähnte Studie zur Wirkung des Jobturbos im deutschen
Arbeitsmarkt
Artikel des Tagesspiegel zum Verlust von 100.000 Industriejobs
IAB-Stellungnahme zu Veränderungen am deutschen Arbeitsmarkt
Unsere Folge mit der Chefin des Jobcenter München, Annette
Farrenkopf
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Über diesen Podcast
Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“
beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den
entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und
ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel
aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die
Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen
oder Feedback schreibt an info@dezernatzukunft.org
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