Podcaster
Episoden
04.06.2026
48 Minuten
Ein Drittel der Stromkosten entsteht im Verteilnetz. Und das steht unter Druck: Solarstrom fließt dezentral ein, E-Autos laden, Wärmepumpen ersetzen Gas. Die rund 900 deutschen Energieversorgungsunternehmen müssen bis 2045 rund 647 Milliarden Euro in Strom- und Wärmenetze investieren. Doch vielen kommunalen Stadtwerken fehlt dafür das Eigenkapital. Die Lücke, die sich nicht aus eigener Kraft schließen lässt, beträgt 13 Milliarden Euro bis 2035.
Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds.
Das Wichtigste:
Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken. Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert. Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.
Zum Nachlesen/Nachhören:
Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“
Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert.
Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind.
Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt.
Die Geschichte der Stromnetze
Philippa Sigl-Glöckner spricht mit Mediha Inan vom Dezernat Zukunft und Johanna Bronisch von Neon Neue Energieökonomik. Sie erklären, warum die Lösung in einer Art Zahlenmagie liegt: Hybridkapital, das beim Stadtwerk wie Eigenkapital wirkt, kommunale Haushalte aber wie ein Kredit belastet. Hannover zeigt, wie das in der Praxis geht. Die Stadt hat der enercity AG 700 Millionen Euro als Konzernkredit bereitgestellt und damit Investitionen von 3,5 Milliarden Euro ermöglicht. Was fehlt, ist ein bundesweiter Rahmen aus Kommunalkrediten, Landesbürgschaften und einer Bundesrückbürgschaft über den Deutschlandfonds.
Das Wichtigste:
Rund 900 EVU brauchen bis 2045 rund 647 Mrd. Euro für den Netzausbau. 13 Mrd. Euro Eigenkapital lassen sich nicht aus eigener Kraft aufbringen, vor allem bei kommunalen Stadtwerken. Das Verteilnetz hat über 800 Betreiber. Die Struktur ist historisch gewachsen, kaum koordiniert und digitalisiert. Hybridkapital ist der Ausweg: Nachrangige Konzernkredite stärken die Kreditwürdigkeit der Stadtwerke, ohne kommunale Haushalte direkt zu belasten. Gebraucht wird ein „Deutschland-Standard": Kommunen als Kreditgeber, Länder als Bürgen, der Bund als Rückversicherer über den Deutschlandfonds.
Zum Nachlesen/Nachhören:
Die gemeinsame Studie von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft „Eigenkapitalfür die Energiewende“
Das Webinar von Agora Energiewende, Stiftung Klimaneutralität und Dezernat Zukunft. Es wird die Studie vorgestellt und mit Expert:innen aus der Praxis darüber diskutiert.
Das Projekt Grids & Benefits zeigt, dass dynamische Netzentgelte ein wirksames Instrument sind.
Hier wird die Situation der bayerischen Bauern erklärt.
Die Geschichte der Stromnetze
Mehr
29.04.2026
30 Minuten
Heute hat Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Eckwerte des Bundeshaushalts 2027 vorgestellt. Die Ausgaben sind 36 Milliarden Euro höher als zuletzt geplant, und trotzdem soll irgendwie gespart werden. Wie passt das zusammen?
Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben.
Das Wichtigste:
Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft. Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt. Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen. Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen.
Zum Nachlesen:
Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027
Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts
Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
Philippa Sigl-Glöckner und Dr. Florian Schuster-Johnson analysieren, was die Zahlen bedeuten, wo getrickst wird und welche Risiken bleiben.
Das Wichtigste:
Trotz einer Haushaltslücke von 36 Milliarden Euro steigen die geplanten Ausgaben auf rund 540 Milliarden. Ein Teil der Lücke wird durch pauschale Einsparungen von einem Prozent pro Ministerium und technische Kniffe bei der Schuldenbremse gestopft. Im Haushalt gibt es gerade zwei Welten: eine, in der plötzlich alles finanziert wird: Verteidigung bekommt weitere Milliarden, in das das THW wird investiert, Stromsubventionen steigen; und eine andere, in der das Geld so knapp ist, dass der Bund die Kosten für Weiterbildung kurzerhand in den Haushalt der Bundesagentur für Arbeit verschiebt. Die Finanzplanung setzt stark auf Optimismus: 3 Milliarden Euro an Effizienzgewinnen im Digitalministerium und globale Mehreinnahmen sind bisher vage Versprechen ohne konkrete Maßnahmen. Langfristig drohen größere Lücken. Es braucht eine bessere Priorisierung statt Rasenmäher-Kürzungen.
Zum Nachlesen:
Die Eckwerte zum Bundeshaushalt 2027
Der Military Procurement Tracker des Kiel Instituts
Der Bericht der Bundesagentur für Arbeit zu Herausforderungen für junge Menschen am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt
Mehr
17.04.2026
1 Stunde 1 Minute
Mehr Roboter, weniger Menschen und Automatisierung in Rekordzeit: Ein Blick nach China zeigt, wie sich die industrielle Produktion gerade verändert.
Gemeinsam mit Tech-Investor Andreas Fischer spricht Philippa Sigl-Glöckner über dessen Reise durch chinesische Fabriken und die Frage, was die dortigen Entwicklungen für den Technologiestandort Deutschland bedeuten.
Das Wichtigste:
In chinesischen Fabriken wird die Automatisierung massiv vorangetrieben. Mittelfristig könnte 30 bis 50 Prozent der Fertigungsarbeit durch Roboter ersetzt werden. Dabei setzt China vor allem auf Cobots, also kollaborative Roboter. Diese können direkt mit Menschen zusammenarbeiten und rentieren sich häufig schon nach wenigen Monaten. Die rasante Entwicklung stellt nicht nur China vor gesellschaftliche Herausforderungen. Eine entscheidende Frage: Nehmen die Roboter uns Arbeit ab oder weg? Für Deutschland gilt: Um im Wettbewerb mitzuhalten, müssen technologische Innovationen schneller skaliert und besser kommerzialisiert werden.
Zum Nachlesen:
John Maynard Keynes: Economic Possibilities for our Grandchildren
Die Studie von Frey und Osborne: The Future of Employment
Leseempfehlung von Andreas Fischer: Works in Progress
America’s Seed Fund
Studie über den Einsatz von Cobots
Gemeinsam mit Tech-Investor Andreas Fischer spricht Philippa Sigl-Glöckner über dessen Reise durch chinesische Fabriken und die Frage, was die dortigen Entwicklungen für den Technologiestandort Deutschland bedeuten.
Das Wichtigste:
In chinesischen Fabriken wird die Automatisierung massiv vorangetrieben. Mittelfristig könnte 30 bis 50 Prozent der Fertigungsarbeit durch Roboter ersetzt werden. Dabei setzt China vor allem auf Cobots, also kollaborative Roboter. Diese können direkt mit Menschen zusammenarbeiten und rentieren sich häufig schon nach wenigen Monaten. Die rasante Entwicklung stellt nicht nur China vor gesellschaftliche Herausforderungen. Eine entscheidende Frage: Nehmen die Roboter uns Arbeit ab oder weg? Für Deutschland gilt: Um im Wettbewerb mitzuhalten, müssen technologische Innovationen schneller skaliert und besser kommerzialisiert werden.
Zum Nachlesen:
John Maynard Keynes: Economic Possibilities for our Grandchildren
Die Studie von Frey und Osborne: The Future of Employment
Leseempfehlung von Andreas Fischer: Works in Progress
America’s Seed Fund
Studie über den Einsatz von Cobots
Mehr
08.04.2026
41 Minuten
Die USA und Iran haben sich auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt. Was ist davon zu halten und wie entwickeln sich jetzt die Preise? Philippa Sigl-Glöckner und Janek Steitz analysieren, wie stabil die Lage ist, warum die Märkte optimistisch sind und welche Risiken für Europa bestehen.
Das Wichtigste:
Der Waffenstillstand ist fragil: Beide Seiten halten an ihren Maximalpositionen fest. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Auch wenn die Energiepreise jetzt fallen – das Preisniveau bleibt hoch und könnte die Inflation weiter antreiben. Selbst im besten Fall droht zusätzliche Inflation, die Wachstum und Wohlstand gefährden kann. Europa ist verwundbar: Wir sind abhängig von Öl- und Gasimporten und spüren höhere Energiepreise sofort. Aber: Durch konsequente Elektrifizierung, den Ausbau der Erneuerbaren und mehr Speicherkapazitäten kann man sich von fossilen Energien unabhängig machen und Inflation mittelfristig abfedern.
Zum Nachlesen:
Geldbrief des Dezernat Zukunft zum Irankrieg von Anfang März
Geldbrief des Dezernat Zukunft über Preisbildung
Das Wichtigste:
Der Waffenstillstand ist fragil: Beide Seiten halten an ihren Maximalpositionen fest. Ein Ende des Konflikts ist nicht absehbar. Auch wenn die Energiepreise jetzt fallen – das Preisniveau bleibt hoch und könnte die Inflation weiter antreiben. Selbst im besten Fall droht zusätzliche Inflation, die Wachstum und Wohlstand gefährden kann. Europa ist verwundbar: Wir sind abhängig von Öl- und Gasimporten und spüren höhere Energiepreise sofort. Aber: Durch konsequente Elektrifizierung, den Ausbau der Erneuerbaren und mehr Speicherkapazitäten kann man sich von fossilen Energien unabhängig machen und Inflation mittelfristig abfedern.
Zum Nachlesen:
Geldbrief des Dezernat Zukunft zum Irankrieg von Anfang März
Geldbrief des Dezernat Zukunft über Preisbildung
Mehr
31.03.2026
23 Minuten
Jedes Jahr gibt der Staat rund 30 Milliarden Euro für Wohnen aus und trotzdem wird es immer schwieriger, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Wie passt das zusammen?
Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Sara Schulte. Gemeinsam klären sie, wie die deutsche Wohnungspolitik heute funktioniert, warum ein Großteil der Mittel gar nicht in neuen Wohnraum fließt und wie politische Entscheidungen der 2000er Jahre die aktuelle Lage geprägt haben.
Das Wichtigste:
Rund 80 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Subjektförderung – also in Wohngeld und die Übernahme von Mieten. Nur 20 Prozent bleiben für die Objektförderung, welche Bau, Erwerb und Modernisierung von Wohnraum unterstützt. Bis Anfang der 2000er Jahre war das Verhältnis von Subjekt- und Objektförderung noch umgekehrt. Seitdem wurde der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren, während die Hartz-Reformen mit den Kosten der Unterkunft ein neues Instrument der Subjektförderung schufen. Wenn der Staat Wohnkosten übernimmt, treibt das die Mieten weiter nach oben – besonders in ohnehin angespannten Wohnungsmärkten. So fördert man sich in eine wohnpolitische Zwickmühle. Eine Reduktion der Subjektförderung ist nicht ohne Weiteres möglich. Echte Entlastung lässt sich nur langfristig erreichen: Es braucht höhere Investitionen in den Wohnungsbau, auch wenn das kurzfristig zusätzliche Mittel erfordert.
Zum Nachlesen:
Hier der erwähnte Artikel der Zeit über die Studie
Studie des Dezernat Zukunft „Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik“
Der Bundeshaushaltsmonitor des Dezernat Zukunft
Darüber spricht Philippa Sigl-Glöckner mit Sara Schulte. Gemeinsam klären sie, wie die deutsche Wohnungspolitik heute funktioniert, warum ein Großteil der Mittel gar nicht in neuen Wohnraum fließt und wie politische Entscheidungen der 2000er Jahre die aktuelle Lage geprägt haben.
Das Wichtigste:
Rund 80 Prozent der staatlichen Ausgaben fließen in die Subjektförderung – also in Wohngeld und die Übernahme von Mieten. Nur 20 Prozent bleiben für die Objektförderung, welche Bau, Erwerb und Modernisierung von Wohnraum unterstützt. Bis Anfang der 2000er Jahre war das Verhältnis von Subjekt- und Objektförderung noch umgekehrt. Seitdem wurde der soziale Wohnungsbau stark zurückgefahren, während die Hartz-Reformen mit den Kosten der Unterkunft ein neues Instrument der Subjektförderung schufen. Wenn der Staat Wohnkosten übernimmt, treibt das die Mieten weiter nach oben – besonders in ohnehin angespannten Wohnungsmärkten. So fördert man sich in eine wohnpolitische Zwickmühle. Eine Reduktion der Subjektförderung ist nicht ohne Weiteres möglich. Echte Entlastung lässt sich nur langfristig erreichen: Es braucht höhere Investitionen in den Wohnungsbau, auch wenn das kurzfristig zusätzliche Mittel erfordert.
Zum Nachlesen:
Hier der erwähnte Artikel der Zeit über die Studie
Studie des Dezernat Zukunft „Eine kurze Fiskalgeschichte der deutschen Wohnungspolitik“
Der Bundeshaushaltsmonitor des Dezernat Zukunft
Mehr
Über diesen Podcast
Die Geldfrage – Der Podcast des Dezernat Zukunft „Die Geldfrage“
beginnt dort, wo Polit-Talkshows meist enden – bei den
entscheidenden Fragen rund ums Geld. Wir erklären, kommentieren und
ordnen ein: Wie finanziert sich der Staat? Wofür gibt er wie viel
aus? Klar, verständlich und auf den Punkt. Für alle, die
Finanzpolitik wollen. Ein Podcast vom Dezernat Zukunft. Für Fragen
oder Feedback schreibt an info@dezernatzukunft.org
Kommentare (0)
Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.