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02.03.2026
40 Minuten
Renault-Deutschlandchef Florian Kraft sieht die
Marke bei der Elektromobilität weiter im Aufwärtstrend. Wie Kraft
im aktuellen Podcast der Autogazette sagte, erwarte er in diesem
Jahr einen Zulassungsanteil der E-Modelle von einem Drittel.
«Wenn der Markt bei einem Viertel liegt, rechnen wir bei Renault
mit einem Zulassungsanteil von einem Drittel. Ich will eine Marke
von 33 bis 35 Prozent ab dem Zeitpunkt erreichen, ab dem der
Twingo auf dem Markt ist», so Kraft. Mit Blick auf den
Gesamtmarkt war Kraft vor der neuen
Elektroauto-Prämie «von einen Zulassungsanteil
von 23 bis 26 Prozent ausgegangen. Durch die Prämie kommen da
jetzt noch einmal 4,5 Prozent on top. Ich glaube, dass 25 Prozent
mittelfristig auf jeden Fall drin sind - mit Luft nach oben.»
Den Absatz der Elektroautos der Marke soll dabei gerade auch der
neue Renault Twingo E-Tech ankurbeln. Der
Stromer wird seit Kurzem für einen Einstiegspreis von unter
20.000 Euro angeboten. «Ich wette, dass ab dem Sommer der Twingo
das meistverkaufte Fahrzeug in der Renault-Palette sein wird», so
der Renault-Deutschlandchef. Kraft erwartet pro Monat
vierstellige Absatzzahlen vom Twingo.
Damit läge der neue Einstiegsstromer der Franzosen über den
Absatzzahlen des Renault 5, von dem im Vorjahr
7884 Fahrzeuge neu zugelassen wurden. Die Erwartungen hat der R5
damit übererfüllt. Erwartet hatte Kraft ursprünglich 6000
Einheiten. Für das Markenimage kommt dem R5 dabei eine besondere
Bedeutung zu. «Der R5 hat Kultpotenzial. Als
Importeur in Deutschland mit einem Marktanteil zwischen zwei und
drei Prozent geht es uns so, wie anderen Importeuren aus Asien
und Frankreich: Wir sind darauf angewiesen, mit unseren Modellen
im Stadtbild aufzufallen», sagte Kraft und fügte hinzu: «Deshalb
ist es gut, dass wir mit dem R5 ein Fahrzeug haben, was auffällt
und von sich reden macht. Auf ein solches Kultpotenzial sind wir
als Importeur angewiesen.»
Wie Kraft sagte, würden R5 und R4 ohne Frage
neue Kundinnen und Kunden in die Autohäuser bringen. Doch er
legte „sehr, sehr viel Wert darauf, dass wir unsere Kunden
loyalisieren. Deshalb freue ich mich sehr, dass zahlreiche
Zoe-Kunden einen R5 kaufen. Daneben haben wir auch viele
Zoe-Kunden, die sich nach einem Twingo erkundigen. Neue Kunden
sind top, doch wir haben momentan mehr als zwei Millionen
Deutsche, die mit Fahrzeugen der Renault Group – Renault und
Dacia – unterwegs sind. Die möchte ich im Konzern halten“.
Nachdem Renault auf dem deutschen Markt im Vorjahr auf 59.400
Pkw-Zulassungen kam und damit ein Plus von 9,4 Prozent. erzielt
hat, soll es in 2026 möglichst ein zweistelliges Plus geben. "Das
ist unsere Vorstellung – und das sollte auch möglich sein. Warum?
Weil wir mit Clio und Twingo unsere zwei Bestseller auf den Markt
bringen. Wenn ich als Vertriebler sagen würde, ich würde vor
diesem Hintergrund kein Wachstum erwarten, wäre ich der Falsche
auf der Position. "
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18.02.2026
45 Minuten
BMW lässt sich von den Zulassungszahlen von Pkw-Fahrzeugen
mit Brennstoffzellenantrieb nicht beirren. Die Bayern
wollen 2028 in Kooperation mit Toyota ihr erstes
Serienmodell auf den Markt bringen. Den Auftakt wird der X5
machen, wie Jürgen Guldner im Podcast der Autogazette sagte.
Guldner ist bei dem bayerischen Hersteller Programm-Manager
Wasserstoff.
Die Münchner sind der einzige deutsche Hersteller, der das Thema
nach wie vor im Pkw-Bereich verfolgt. Experten sehen die
Brennstoffzelle im Pkw-Bereich skeptisch, sehen ihren
Einsatzzweck vor allem in der Luft- und Schifffahrt und im
Schwerlastverkehr. Neben BMW ist derzeit nur noch Toyota und
Hyundai bei dieser Technologie engagiert: sie bieten mit
dem Mirai und Nexo eigene Fahrzeuge an - mit überschaubarem
Erfolg.
Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im Vorjahr
bundesweit 49 Brennstoffzellenfahrzeuge neu zugelassen. Weltweit
sieht es nicht viel besser aus. Nach Analysen der koreanischen
Unternehmensberatung SNE Research waren es im Vorjahr global
geradel einmal 16.011 Einheiten,
Es sind Zahlen, die BMW natürlich zur Kenntnis nimmt, den
Hersteller vom eingeschlagenen Weg aber nicht abbringt. Man ist
überzeugt vom Erfolg der Technologie. Seit 2023 war BMW mit einer
100 Fahrzeugen umfassenden Testflotte unterwegs,hat weltweit mit
dem iX5 Hydrogen in über 20 Ländern eine Million Kilometer
zurückgelegt. Dabei hätte man sehr viel positiven Zuspruch
bekommen, so Guldner.
Dass BMW auch auf die Brennstoffzelle setzt, passt zur
Technologieoffenheit, die der Hersteller verfolgt. Seinen
Kundinnen und Kunden will man beim Antrieb die Wahl lassen – und
dazu gehören neben Verbrennern, Hybriden, und reinen E-Autos ab
2028 auch solche mit Brennstoffzellenantrieb.
Der 2028 mit Brennstoffzelle kommende X5 wird dann das erste
Modell im Portfolio sein, das über fünf Antriebe verfügen wird.
Bei BMW ist man der Auffassung, dass man nur mit einer einzigen
Technologie das Ziel der Klimaneutralität nicht erreichen könne.
Man müsse sich auch immer die Bedingungen anschauen, unter denen
die Kunden ein Fahrzeug nutzen. Da hätte es sich in den
vergangenen Jahren gezeigt, dass es zwar Menschen gibt, „die
gerne emissionsfrei fahren würden, aber für die ein
batterieelektrisches Fahrzeug aus diversen Gründen nicht in die
individuelle Mobilität passt“, so Guldner.„Wenn man Menschen zum
Umdenken und zu Verhaltensänderungen bewegen will, dann ist es
besser, wenn man Alternativen und Optionen zu bieten hat.“
So wie die Ladeinfrastruktur für E-Autos als unzureichend
kritisiert wird, trifft das auch auf Wasserstofftankstellen zu.
So gab es im Vorjahr bundesweit nur noch 50
Wsserstofftankstellen. Wenn neue hinzu kommen, dann sind sie für
Lkws vorgesehen. Deshalb will Guldner auch nicht von einem Abbau
von Tankstellen sprechen, sondern er nennt es Umbau. Man sehe es
positiv, dass nun auch Tankstellen für Lkw gebaut würden. Guldner
verweist auf EU-Vorgaben, nach denen bis 2030
Wasserstofftankstellen alle 200 km auf dem europäischen
Straßennetz errichtet werden müssen.
Guldner zeigt sich optimistisch, dass europaweit der Preis für
Wasserstoff weiter sinkt. In Deutschland liegt die Preisspanne
derzeit für Pkw zwischen zehn und bis zu über 15 Euro pro
Kilogramm, Lkws können teils für 8 Euro tanken. InBelgien sei das
Kilo für zehn Euro zu haben. „Wir sehen, dass die Preise
runtergehen.“ Perspektivisch sieht er auch eine Preisparität
zwischen CO2-armen Wasserstoff und Benzin und Diesel. „Und das
wird auch für den Erfolg der Wasserstoffmobilität entscheidend
sein."
Mit Blick auf die Marktaussichten zeigt sich Guldner
zuversichtlich. Hyundai beispielsweise habe vor ein paar Monaten
in Korea den neuen Nexo auf den Markt gebracht, der dort
erfolgreich läuft und jetzt nach Deutschland komme. Bis BMW 2028
den X5 als Hydrogen auf den Markt bringt, wird sich der Markt und
die Infrastruktur weiter entwickelt haben, deshalb sehe man bis
dahin gute Marktaussichten.
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09.02.2026
49 Minuten
Lars Bialkowski schaut zuversichtlich auf das
neue Jahr. Mit dem Auftakt kann der
Deutschlandchef von BYD
zufrieden sein. Im Januar konnte der chinesische Hersteller 2629
Fahrzeuge neu zulassen, ein Plus von fast 1019 Prozent im
Vergleich zum Vorjahresmonat.
Dass ein solches Wachstum immer relativ ist, weiß auch
Bialkowski. Vor zwölf Monaten hatte BYD in Deutschland so gut wie
keine Präsenz. Die Zahl der Händler lag damals bei gerade einmal
26. Bialkowski wurde geholt, um das zu ändern. Mittlerweile hat
man 150 Händler, bis zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres
sollen es 195 Standorte sein. Und bis Ende 2026 plant Bialkowski
mit 350 Service- und Sales-Standorten.
Dass dieser konsequente Ausbau des Händlernetzes
die ersten Absatzerfolge brachte, sieht man an den Neuzulassungen
des Vorjahres. Hier kam BYD, mittlerweile an Tesla als
weltgrößtem Elektroautobauer vorbeigezogen, auf23.306
Neuzulassungen in Deutschland. Dass sind zwar nicht die 50.000
Einheiten, die Europachefin Stella Li mehrfach als Ziel für das
Vorjahr ausgegeben hat, aber Bialkowski ist damit dennoch
zufrieden. Und, klappt es in diesem Jahr mit den50.000 Einheiten?
Seiner Europachefin hätte er auf jeden Fall gesagt, dass „meine
Vision für Deutschland weit über diese 50.000 Einheiten hinaus
geht. Die Frage ist, wie schnell das passiert? Doch hier lässt
sich Bialkowski nicht auf einen konkretenZeitpunkt festlegen.
Derzeit sehe man aber, dass BYD „Monat für Monat den Markt
überrasche, Monat für Monat neue Rekordmonate erzielt“. Auch wenn
sich derBYD-Deutschlandchef nicht festlegen lässt: diese 50.000
Autos sind in diesem Jahr angesichts mehrerer neuer Modelle
durchaus realistisch.
Schließlich wird der Markt für reine Elektroautos
undPlug-in-Hybride gerade durch die von der Regierung ausgelobte
E-Prämie von bis zu 6000 Euro (abhängig vom Einkommen) zusätzlich
gepusht. Die Prämie jedenfallshat bei BYD zu einer zusätzlichen
Nachfrage geführt, erzählt Bialkowski. Davon profitiert derzeit
insbesondere der Dolphin Surf, der
Einstiegsstromer der Chinesen. Er wird gerade zu besonders
attraktiven Barpreisen und Leasingangeboten
offeriert. Nach Abzug des E-Bonus von BYD in Höhe von 7600 Euro
und der staatlichen Prämie von bis zu 6000 ist der Dolphin Surf
für 12.990 Euro zu haben.
Doch viel wichtiger als der Barpreis sind die Leasingraten,„70
bis 80 Prozent unseres Volumens entfallen auf das Leasing“, so
Bialkowski. Entsprechend bietet man den Dolphin Surf derzeit
schon bei einer Laufzeit von 48 Monaten ab 89 Euro monatlich an.
Ähnlich attraktive Konditionen schnürt manauch für den Atto 2
DM-i, einen Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite
von 90 Kilometer. Sein Verkaufspreis startet in der
Ausstattungsvariante Active bei 35.990 Euro. In der förderfähigen
Boost-Variante werden 38.990 Euro fällig. Zieht man davon den
Herstellerbonus von 11.500 Euro und die staatliche Prämie von bis
zu 4500 Euro ab, ist das im wachstumsstarken B-Segment
beheimatete Fahrzeug für 22.990 Euro zu haben.
Einen Wettbewerbsvorteil sieht Bialkowski im Porfolio der Marke.
Man decke mit seinen Modellen rund 90 Prozent aller
Passengercar-Segmente ab.
Da die Chinesen sich nicht primär als Autobauer sehen, sondern
als Technologiekonzern, engagiert man sich auch beim Ausbau der
Ladeinfrastruktur. In Zeiten, in denen Ladeleistungen von
jenseits 300 kW langsam in die Breite kommen, mangelt es indes an
entsprechenden High-Power-Chargern. Das will man mit seinen
Megawatt-Ladesäulen ändern. An ihnen lässt sich die Batterie in
nur 5 Minuten für weitere 400 Kilometer Reichweite laden.
Wie viele Stationen es ab diesem Jahr werden, dazu will
Bialkowski nichts sagen. Die Ladestationen sollen aber auch für
andere Marken zur Verfügung stehen. „Wir sind ein Unternehmen,
was sich permanent selbst herausfordert. Unser Ziel ist es,
unsere technologische Führerschaft nicht nur zu halten, sondern
sie auszubauen.“
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12.12.2025
43 Minuten
Der chinesische Hersteller Leapmotor kommt nach
den ersten elf Monaten des Jahres nach Zahlen des
Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) auf 6.429 Neuzulassungen. Erreicht
hat die Marke dieses Ergebnis vor allem mit zwei Modellen: dem
T03 und dem C10. Der
B10 als drittes Modell der Chinesen ist erst
seit September auf dem Markt erhältlich. Entsprechend weist die
Zulassungsstatistik für den B10 per November nur 258 Einheiten
aus.
Mit den bisherigen Zulassungszahlen einen Monat vor Ablaufdes
Jahres zeigt sich der Deutschlandchef von Leapmotor,
Martin Resch, zufrieden, wie er im aktuellen
Podcast der Autogazette sagt. „Wir hatten uns zum Jahresbeginn
eine mittlere vierstellige Zulassungszahl vorgenommen. Das werden
wir erreichen.“
Zudem hätte man im November erstmals etwas mehr als 1000
Neuzulassungen gehabt. Das sei eine Marke, die man in diesem Jahr
auch einmal erreichen wollte. Wie Resch sagte, habe sich
Leapmotor für ein nachhaltiges Geschäftsmodell entschieden.
Deshalb legt man seinen Fokus nicht auf kurzfristige Zulassungen
und Kanäle, die die Restwerte negativ beeinflussen.
Mit Blick auf das steigende Modellangebot zeigt sich der
Deutschlandchef zuversichtlich, dass man im kommenden Jahr ein
fünfstelliges Zulassungsergebnis erreicht. So wird in 2026 das
Portfolio nicht nur durch den B05 ergänzt,
sondern dann wir auch der B10 sein volles Potenzial entfalten.
Zugleich steht der B03 in den Startlöchern. Resch bezeichnet den
B10 zugleich als wichtigstes Modell der Marke für die kommenden
Jahre. So sei der B10 nicht nur im volumenträchtigen
C-SUV-Segment unterwegs, sondern böte auch mit Blick auf die
Total-Cost-of-Ownership ein attraktives Angebot. Neben dem
Einstiegspreis von rund 30.000 Euro zeichne sich der B10 auch
durch seine günstige Versicherungseinstufung mit der Vollkasko 22
aus. „Das ist im Marktumfeld sehr gut.“ Zudem hätte der B10
gerade auch von Euro NCAP bei der
Sicherheit die Höchstwertung von fünf Sternen erhalten. Mit dem
B10 hätte man ein überzeugendes Gesamtpaket geschnürt. Resch geht
davon aus, dass dieses Fahrzeug mittelfristig zummeist verkauftem
im Portfolio werden wird.
Im Gegensatz zu einigen anderen chinesischen Herstellern war
Leapmotor bei seiner „Go-Market-Strategie“ klar, dass man auf ein
Händlernetz setzt. So wie ein Händler dem Hersteller vertrauen
muss, muss auch der Kunde seinem Händler vertrauen. „Und das ist
im Regelfall der lokale Händler.“
Dabei profitiert Leapmotor vom Joint Venture mit dem
Stellantis-Konzern und dessen Händlernetz mit seinen Marken wie
beispielsweise Opel, Citroen, Peugeot oder Fiat. Über alle
Stellantis-Marken hinweg komme man in Deutschland auf über 1100
Vertriebsstandorte. Leapmotor hat derzeit bundesweit über 120
Händler. Damit komme man in der Netzplanung auf eine Abdeckung
von 75 Prozent. Damit sieht Resch die Marke auch angesichts des
derzeitigen Absatzes gut aufgestellt. Angesichts der zur
Verfügung stehenden Vertriebsstandorte von Stelllantis verfüge
man aber über ausreichend Potenzial für einen weiteren Ausbau des
Händlernetzes. Den hänge aber von der weiteren Volumenentwicklung
ab.
Dass Leapmotor als Herstellers mit einem Fokus auf Elektroautos
den C10 auch mit einem Range Extender anbietet, ist für Resch
sinnvoll. „Wir sehen, dass es eine notwendige Brückentechnologie
ist, die von den Kunden nachgefragt wird.“ Wie Resch betonte,
gäbe es nach wie vor in Teilen Europas als auch in Deutschland
noch eine unzureichende Ladeinfrastruktur. Deshalb mache ein
Range Extender durchaus Sinn, auch deshalb, weil er Vorteile
gegenüber konventionellen Plug-in-Hybriden habe.
Das Gespräch mit Martin Resch haben wir übrigens geführt, bevor
die EU-Kommission eine Abkehr vom strikten Verbrenner-Aus 2035
vorgeschlagen hat.
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08.10.2025
33 Minuten
Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK)
begrüßt, dass Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Donnerstag
die Vertreter der Autobranche zu einem Gipfeltreffen eingeladen
hat. Von dem Treffen erhofft sich VDIK-Präsidentin Imelda
Labbé, dass am Endeein praktikabler Plan entwickelt wird, der
den weiteren Hochlauf der Elektromobilität unterstützt und
damit die bei den Kunden bestehende Verunsicherung auflöst. Das
Gespräch mit Frau Labbé haben wir in der Vorwoche in der neuen
Hauptstadtrepräsentanz des VDIK in Berlin geführt.
Wie die VDIK-Chefin im aktuellen Podcast der Autogazette sagte,
wünsche sie sich von der Politik, dass die im Koalitionsvertrag
zugesagten Ziele eingehalten und umgesetzt werden. Dass sei zum
einen für die Mitarbeitenden in der Automobilwirtschaft wichtig,
als auch für die verunsicherte Kundschaft.
Nachdem das vergangene Spitzentreffen mit
EU-Kommissionspräsident Ursula von der Leyen am 12.
September in Brüssel für die Branche enttäuschend verlief, kommt
man das nächste Mal im Dezember mit der CDU-Politikerin zusammen.
Die Autoindustrie hat von der EU ein Aufweichen der
CO2-Regulatorik und ein Aus vom Verbrenner-Aus 2035 gefordert.
Für den Abschied vom Verbrenner-Aus hatte sich zuletzt auch
Bundeskanzler Merz ausgesprochen.
Labbé zeigt sich zuversichtlich, dass es bei der nächsten
Zusammenkunft in Brüssel zu konkreten Ergebnissen kommt. Der
Handlungsdruck sei inzwischen so groß, dass es zu konkreten
Ergebnissen komme müsse. "Unser Pkw-Markt, der größte in Europa,
liegt nach wie vor unter Vorjahr. Unsere generelle
Wirtschaftssituation ist bekannt. Wir haben kein Wachstum, wir
haben Verunsicherung bei den Kunden“, so Labbé. „Deshalb ist es
ganz klar, dass jetzt eine Richtung definiert werden muss.“
Dass gerade die Autobranche mit der Diskussion um
Technologie-Offenheit und das Verbrenner-Aus 2035 selbst zur
Verunsicherung beitrage, kann Labbé nicht erkennen. "Die
Automobilbranche muss darauf hinweisen, dass wir im Moment gerade
in Deutschland mit dem Hochlauf derElektromobilität nicht auf der
Zielgeraden sind.“ Die hohen Strafen, die den Herstellern bei
einer Nichterfüllung der „CO2-Grenzwerte drohen, würden zu
Verwerfungen im Markt führen, die nicht nachhaltig sind“. Die
VDIK-Präsidentinverwies in diesem Zusammenhang auf die momentan
hohen Rabatte für Elektrofahrzeuge und dem Druck auf die
Restwerte. Es seien alles Dinge, die nicht nachhaltig sind.
Deshalb sei der Handlungsdruck groß.
Obwohl die Zulassungszahlen für Elektroautos zuletzt gestiegen
sind und mittlerweile auf einen Anteilvon 19 Prozent an den
Gesamtzulassungen kommen, reicht das der Branche für die
Erreichung der CO2-Ziele nicht aus, so Labbé. Man sehe natürlich,
dass die Zulassungen deutlich gestiegen sind, „aber ich sehe die
Gefahr, dass man diese Steigerung aus dem letzten Jahr einfach in
die Zukunft extrapoliert. Und dafür gibt es keine Veranlassung“.
Doch ist es nicht an den Herstellern, mit attraktiven Modellen
für diese Nachfrage zu sorgen? Wie die VDIK-Präsidentin sagte,
hätten viele VDIK-Mitglieder bereits Elektrofahrzeuge im
Einstiegssegment im Angebot. Zudem würde die Automobilwirtschaft
schon jetzt Leasingratenfür E-Autos anbieten, die fast auf
dem Niveau von Verbrennern liegen würden. „Die Reichweiten sind
inzwischen gut, die Technologie ist fortgeschritten. Trotzdem
sagen nur 16 Prozent der Kunden, dass für sie ein BEV in
Frage kommt“, sagte Labbé mit Bezug auf das DAT-Barometer. Das
zeige, dass die Probleme nicht bei den Modellen liegen, sondern
an den Rahmenbedingungen. In diesem Zusammenhang nannte sie u.a.
die zu hohen Strompreise, die Ladeinfrastruktur und eine
öffentliche Meinungsmache gegen E-Autos.
Dass es – obwohl im Koalitionsvertrag vorgesehen – für
Privatkunden keinen niedrigeren Strompreis gegeben hat, sei ein
falsches Signal gewesen. Als problematisch erachtet Labbé auch
die fehlende Transparenz der Strompreise an Ladestationen, die
schnell hergestellt werden müsste.
Foto: VDIK
Mehr
Über diesen Podcast
Der Podcast der Autogazette behandelt Themen rund um die Mobilität.
Dabei geht es uns darum, neben technologischen Entwicklungen auch
Aspekete wie Verkehrs-, Umwelt- und Klimapolitik zu behandeln. In
regelmäßigen Abständen bitten wir wichtige Akteure zum Gespräch.
Mit ihnen wollen wir darüber sprechen, wie sie die Transformation
beispielsweise mit Blick auf die Elektromobiltität weiter
voranbringen - und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Neben
unserem Interview-Format widmen wir uns mit dem "Digital Drive"
der zunehmenden Bedeutung der Software im Auto. Foto: Viktor
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