Podcaster
Episoden
05.06.2026
29 Minuten
Er liegt in seinem Grab. Er kaut an seinem Leichentuch. Und mit jedem Bissen stirbt jemand an der Oberfläche.Der Nachzehrer ist einer der unheimlichsten Untoten der deutschen Folklore — und fast niemand kennt ihn. Kein Schloss, keine Fangzähne, kein Cape. Nur ein Toter, der unter der Erde frisst und dabei seine eigene Familie ins Grab zieht. In dieser Episode tauchen wir tief ein in die Geschichte eines Wesens, das über Jahrhunderte hinweg in Norddeutschland, Schlesien, Bayern und bis nach Polen gefürchtet wurde.Wir sprechen über die Ursprünge des Nachzehrers in der Pestzeit, über die akademische Vampirdebatte an der Universität Leipzig im 18. Jahrhundert, über das kaschubische Ritual der „Leeren Nacht" — und über einen archäologischen Fund in Venedig, bei dem eine Frau mit einem Ziegelstein im Mund in einem Pestgrab entdeckt wurde. Und wir klären, was die Totengräber damals wirklich sahen, wenn sie die Gräber öffneten — und warum die natürliche Erklärung fast genauso verstörend ist wie der Mythos.
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Quellen und weiterführende Literatur:Michael Ranft: „De masticatione mortuorum in tumulis" (1728)Philip Rohr: „Dissertatio historico-philosophica de masticatione mortuorum" (1679)Matteo Borrini et al.: „Forensic approach to an archaeological casework of 'vampire' skeletal remains in Venice" (Journal of Forensic Sciences)Thomas Schürmann: „Der Nachzehrerglauben in Mitteleuropa" (1990)Angelika Franz / Daniel Nösler: „Geköpft und gepfählt — Archäologen auf der Jagd nach den Untoten" (2016)
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Quellen und weiterführende Literatur:Michael Ranft: „De masticatione mortuorum in tumulis" (1728)Philip Rohr: „Dissertatio historico-philosophica de masticatione mortuorum" (1679)Matteo Borrini et al.: „Forensic approach to an archaeological casework of 'vampire' skeletal remains in Venice" (Journal of Forensic Sciences)Thomas Schürmann: „Der Nachzehrerglauben in Mitteleuropa" (1990)Angelika Franz / Daniel Nösler: „Geköpft und gepfählt — Archäologen auf der Jagd nach den Untoten" (2016)
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29.05.2026
28 Minuten
Eine Frau badet im Blut von Jungfrauen, um ewig jung zu bleiben. Dieses Bild kennt fast jeder — und es ist wahrscheinlich eine Erfindung.
Elizabeth Báthory, geboren 1560 als ungarische Hochadlige, ist als „Blutgräfin" in die Geschichte eingegangen. Über 650 Opfer werden ihr zugeschrieben. Am 30. Dezember 1610 stürmte Palatin György Thurzó ihre Burg Čachtice und ließ sie festsetzen. Ihre Dienerinnen wurden hingerichtet, Báthory selbst in ihren Gemächern eingemauert, wo sie 1614 starb.
So lautet die offizielle Version. Aber die Quellen erzählen eine deutlich kompliziertere Geschichte. Die berühmte Blutbad-Legende taucht erst 1729 auf — über hundert Jahre nach ihrem Tod, niedergeschrieben von einem Jesuiten-Gelehrten, der sie nie gekannt hat. Die Prozessakten von 1611 enthalten Zeugenaussagen, die unter Folter erzwungen wurden. Und Báthory war zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung eine der reichsten Witwen des Königreichs Ungarn, deren Vermögen die Habsburger-Krone dringend brauchte.
War sie eine sadistische Mörderin? Ein politisches Opfer? Oder etwas dazwischen — eine mächtige Frau, die das frühneuzeitliche Patriarchat nicht dulden konnte?
In dieser Folge nehmen wir das berühmteste Schreckensbild Europas auseinander. Stück für Stück, Quelle für Quelle. Von den Prozessakten des 17. Jahrhunderts bis zur modernen Geschichtsforschung. Und wir schließen damit die Karpaten-Trilogie ab — nach den Strigoi und Vlad dem Pfähler folgt nun die Frau, aus der die Nachwelt ein Monster gemacht hat. Oder die eines war.
Elizabeth Báthory, geboren 1560 als ungarische Hochadlige, ist als „Blutgräfin" in die Geschichte eingegangen. Über 650 Opfer werden ihr zugeschrieben. Am 30. Dezember 1610 stürmte Palatin György Thurzó ihre Burg Čachtice und ließ sie festsetzen. Ihre Dienerinnen wurden hingerichtet, Báthory selbst in ihren Gemächern eingemauert, wo sie 1614 starb.
So lautet die offizielle Version. Aber die Quellen erzählen eine deutlich kompliziertere Geschichte. Die berühmte Blutbad-Legende taucht erst 1729 auf — über hundert Jahre nach ihrem Tod, niedergeschrieben von einem Jesuiten-Gelehrten, der sie nie gekannt hat. Die Prozessakten von 1611 enthalten Zeugenaussagen, die unter Folter erzwungen wurden. Und Báthory war zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung eine der reichsten Witwen des Königreichs Ungarn, deren Vermögen die Habsburger-Krone dringend brauchte.
War sie eine sadistische Mörderin? Ein politisches Opfer? Oder etwas dazwischen — eine mächtige Frau, die das frühneuzeitliche Patriarchat nicht dulden konnte?
In dieser Folge nehmen wir das berühmteste Schreckensbild Europas auseinander. Stück für Stück, Quelle für Quelle. Von den Prozessakten des 17. Jahrhunderts bis zur modernen Geschichtsforschung. Und wir schließen damit die Karpaten-Trilogie ab — nach den Strigoi und Vlad dem Pfähler folgt nun die Frau, aus der die Nachwelt ein Monster gemacht hat. Oder die eines war.
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22.05.2026
43 Minuten
Am 14. Oktober 1488 druckt Marcus Ayrer in Nürnberg eine Flugschrift, die Europa elektrisiert: "Die Geschicht Dracole Waide". Auf der Titelseite ein Holzschnitt – ein gekrönter Fürst, der zwischen Gepfählten speist. Es ist eine der ersten Massenmedien-Sensationen der Geschichte. Und es ist die Geburtsstunde eines Mythos, der bis heute jedes Halloween in Bewegung bringt.Aber wer war der Mann hinter der Flugschrift wirklich?In dieser ausführlichen Folge nehme ich euch mit auf eine Reise durch das Leben von Vlad III. Drăculea – Vlad Țepeș, dem Pfähler. Wir folgen ihm vom elfjährigen Geiseljungen am osmanischen Hof über das Ostermassaker von Târgoviște, den Bau der Festung Poenari auf den Knochen der Bojaren, den legendären Donaufeldzug und den "Wald der Gepfählten", der Sultan Mehmed II. zur Umkehr zwang. Wir sehen, wie ihn sein eigener Bruder Radu verriet, wie er zwölf Jahre in ungarischer Gefangenschaft saß – und wie sein Kopf am Ende in einem Fass Honig nach Konstantinopel geschickt wurde.Vor allem aber klären wir den Mythos: Warum die deutschen Flugschriften ihn zum Monster machten, warum die russische "Skazanie o Drakule voivode" ihn zum gerechten Herrscher erklärte, warum Ceaușescu ihn 1976 als Nationalhelden inszenierte – und warum Bram Stoker, anders als alle glauben, praktisch NICHTS über den realen Vlad wusste, als er seinen Grafen Dracula erschuf.
Mensch oder Monster? Held oder Wüterich? Die ehrliche Antwort weigert sich, in eine Schublade zu passen.
Diese Folge knüpft direkt an die Strigoi-Folge an – wer die noch nicht gesehen hat, sollte das vielleicht vorher nachholen.-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
Mensch oder Monster? Held oder Wüterich? Die ehrliche Antwort weigert sich, in eine Schublade zu passen.
Diese Folge knüpft direkt an die Strigoi-Folge an – wer die noch nicht gesehen hat, sollte das vielleicht vorher nachholen.-----Author: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
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15.05.2026
36 Minuten
Im Januar 2004 graben sechs Männer in einem rumänischen Dorf einen 76-jährigen Toten aus. Sie öffnen den Sarg. Sie schneiden seinen Brustkorb auf. Sie nehmen sein Herz heraus, verbrennen es an einem Kreuzweg und geben die Asche einer kranken jungen Frau zu trinken. Sie sagen, sie hätten ihr damit das Leben gerettet. Sie sagen, der Mann unter der Erde sei zu einem Strigoi geworden.Das ist keine mittelalterliche Folklore. Das ist 2004. Mit Polizei, mit Gerichtsurteil – und mit rund zwanzig weiteren, ähnlichen Fällen, die im selben Dorf vorher schon stattgefunden hatten.In dieser Folge nehme ich euch mit auf eine Reise durch eine der ältesten und langlebigsten Vampirfiguren Europas: den rumänischen Strigoi. Wir klären, woher das Wort kommt (Spoiler: viel weiter zurück, als ihr denkt), warum es zwei Arten von Strigoi gibt, wie man laut Folklore zu einem wird, und wie man ihn wieder loswird. Wir reisen nach Marotinu de Sus, dem Dorf in Oltenien, in dem 2004 der wohl letzte dokumentierte Vampirmord Europas geschah. Wir sehen uns archäologische "Vampirbestattungen" in Polen, Tschechien und Venedig an. Wir verfolgen, wie aus serbischen Dorfgeschichten im 18. Jahrhundert das wurde, was wir heute "den Vampir" nennen – mit Maria Theresia, ihrem Leibarzt Gerard van Swieten und einem kaiserlichen Edikt im Zentrum. Und am Ende beantworten wir die Frage, die niemand wirklich beantworten will: Wie viel von Bram Stokers Dracula stammt eigentlich aus Vlad Țepeș? Die Antwort wird euch überraschen.Eine Vorschau auf die nächste Folge gibt es am Ende – denn Vlad Țepeș, der echte historische Pfähler, bekommt seine eigene.
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08.05.2026
30 Minuten
Im zweiten Teil unserer Reise zum Nøkken tauchen wir tiefer hinab – dorthin, wo Musik gefährlicher wird als jedes Messer. Denn das Furchterregendste an diesem Wassergeist ist nicht, dass er ein Pferd sein kann, oder ein bärtiger Greis. Es ist seine Geige.Wir reisen ins norwegische Hallingdal, in den Frühling 1724, auf den Hof Myllo Larsgard. Eine Hochzeit kippt in eine Messerstecherei. Der Spielmann steigt in den Keller – und findet dort jemanden, der ihn erwartet. Wir lernen das exakte Rezept des Pakts am Wasserfall kennen: den weißen Ziegenbock, den nordwärts fließenden Wasserfall, die Donnerstagnacht, die Finger, die bluten müssen, bevor die Gabe übergeben wird. Und wir hören von der elften Melodie, die niemand spielen darf, weil sie auch Tote zum Tanzen bringt.Wir treffen Torgeir Augundsson, genannt Myllarguten – den Müller-Sohn aus Telemark, dem ganz Norwegen unterstellte, er habe wirklich beim Fossegrim gelernt. Wir stehen vor zwei der wichtigsten Gemälde Skandinaviens: Theodor Kittelsens „Nøkken" von 1904 und Ernst Josephsons zwölfjähriger Obsession. Wir hören Stagnelius' Gedicht, in dem ein unschuldiges Kind einen Wassergeist mit einer einzigen Wahrheit für immer zum Schweigen bringt. Und am Ende stellen wir die Frage, die dieses Wesen so menschlich macht: Hat der Nøkken eine Seele – und kann sie gerettet werden?Wenn dir die Reise gefallen hat, lass ein Abo da. Und schreib in die Kommentare, ob du den Pakt am Wasserfall eingehen würdest.#BlankerHorror #Nøkken #Folklore----Kanalmitglied werden und ünterstützen:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Musik: Mystic Flute - Dance with the GodsAuthor: Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
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Über diesen Podcast
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