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  4. Warum Vorarlberg jedes Jahr eine Hexe sprengt (und was das mit Rom zu tun hat) - Funkenbrennen
Jedes Jahr am ersten Wochenende nach Aschermittwoch werden in
Vorarlberg dreißig Meter hohe Holztürme errichtet — und mitsamt
einer sprengstoffgefüllten Hexenpuppe angezündet. Der Brauch
heißt „Funken", gehört zum UNESCO-Kulturerbe, und die gängige
Erklärung lautet: uraltes Heidentum, Vertreibung der
Winterdämonen. Aber stimmt das?

In dieser Folge gehe ich einem Zuschauervorschlag nach und
entdecke eine Geschichte, die viel überraschender ist als jeder
Mythos. Das Feuer reicht möglicherweise bis in die römische
Antike zurück — zu den Vestalinnen und dem heiligen Feuer, das am
1. März, dem alten römischen Neujahr, neu entzündet wurde. Die
Hexe hingegen ist kaum 200 Jahre alt: eine Erfindung des 19.
Jahrhunderts, inspiriert von den Brüdern Grimm, um einem
sterbenden Brauch neues Leben einzuhauchen. Und sie steht in
scharfem Kontrast zu den echten Hexenverfolgungen in Vorarlberg,
bei denen über 120 Menschen — neunzig Prozent davon Frauen —
hingerichtet wurden.

Eine Folge über Feuer, Mythen, politische Identität und die
Frage, wer eigentlich das Recht hat, eine Geschichte zu erzählen.

Quellen & weiterführende Literatur:

— Manfred Tschaikner: „Damit das Böse ausgerottet werde."
Hexenverfolgungen in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert.
Bregenz, 1992.

— Manfred Tschaikner: „Die Lust, Hexen zu verbrennen. Bemerkungen
zur Brauchtumspflege." In: Der Bludenzer, 1996.

— Manfred Tschaikner: „Wohin mit den Funkenhexen? Ansichten zu
einem umstrittenen Brauchtum." In: Vorarlberger Nachrichten,
3./4. Februar 2024.

— Manfred Tschaikner: „Von der Fasnachtsschlacht zur
Hexenverbrennung." Vortrag, Vorarlberg Museum.

— Reinhard Johler: Die Formierung eines Brauches. Der Funken- und
Holepfannsonntag. Studien aus Vorarlberg, Liechtenstein, Tirol,
Südtirol und dem Trentino. Wien, 2000.

— Matthias Zender: Die Termine der Jahresfeuer in Europa.
Erläuterungen zur Verbreitungskarte. Göttingen, 1980.

— Franz Josef Fischer: Der Funken- und Küachlesonntag in
Vorarlberg und Liechtenstein. Verlag der Heimat, 1921.

— Hermann Bausinger: Zur Kritik der Folklorismuskritik, 1969.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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