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„Indien – du liebst es oder du hasst es“, so wurde ich auf diese
dreitägige Reise nach Kalkutta vorbereitet. Ich wählte die Stadt
als strategischen Zwischenstopp zwischen Bangladesch und Bhutan.
Mein Urteil nach diesem Kurztrip liegt tatsächlich irgendwo
dazwischen, doch der Reihe nach.

Mein erster Eindruck war durchweg negativ und von bürokratischem
Chaos geprägt. Am Flughafen kostete mich das Visumverfahren
geschlagene drei Stunden, in denen ich wiederholt dieselben Daten
eingeben musste, weil die digitalen Systeme der Atommacht nicht
miteinander kommunizieren. Trotz einer vorab ausgefüllten
Gesundheitsdeklaration wurde noch im Flieger ein weiterer Zettel
verteilt, gefolgt vom Verlangen nach einer Arrival Card. Als ich
im Flughafen zu einem nur 15 Meter entfernten Geldautomaten
wechseln wollte, verwehrten mir schwer bewaffnete Soldaten den
Zutritt, da ich kein gültiges Abflugticket besaß. Erst außerhalb
fand ich Hilfe bei einem netten Inder. Selbst im Hotel setzte
sich der Überwachungsstaat fort: Ich musste seitenweise Formulare
ausfüllen und es wurden sogar Fotos von meinem Gesicht gemacht.

Am ersten vollen Tag erkundete ich die Stadt zu Fuß nach einer
Route, die mir eine künstliche Intelligenz zusammengestellt
hatte. Über die Park Street ging es zu einem historischen
englischen Friedhof aus dem 18. Jahrhundert. Für zwei Euro
Eintritt sah ich beeindruckende Monumente und Obelisken inmitten
von Gräbern alter Kolonialoffiziere. Danach besuchte ich den
wuseligen New Market. Kalkutta faszinierte mich mit seinen
unzähligen, prachtvollen Palästen. Diese sechs bis sieben Etagen
hohen Kolonialbauten sind jedoch völlig verfallen und dienen
heute als Kulisse für billigen Ramschverkauf – für mich ein
bitterer Blick auf die städtebauliche Zukunft Deutschlands. Auf
dem Weg zu einem Fort überraschte mich ein heftiger Monsunregen.
Völlig durchnässt musste ich feststellen, dass das Fort ein
militärisches Sperrgebiet ist. Den Tag rettete ich mit der
„Wunderland-Platte“ in einem Veggie-Restaurant bei Kerzenschein,
bedingt durch einen Stromausfall. Danach besichtigte ich noch die
St. Paul’s Cathedral und den weißen Prachtbau des Victoria
Memorials.

Am zweiten Tag kämpfte ich mich durch extremen Smog und
Dauerregen in Richtung Fluss. Ich durchquerte das faszinierende
Bücherviertel und beobachtete Steinmetze bei ihrer präzisen
Straßenarbeit. Am Flussufer wurde es abenteuerlich: Die
unvorstellbare Armut in den Zeltdörfern entlang der Bahngleise,
offene Müllkippen und ein beißender Gestank forderten mich
heraus. Nach einer kurzen Fährüberfahrt und dem Besuch eines
schlammigen Blumenmarktes flüchtete ich erschöpft in ein Taxi.
Für die gut drei Kilometer lange Fahrt benötigten wir im
unbarmherzigen, hupintensiven Berufsverkehr unglaubliche 45
Minuten.

Kulinarisch ist Indien für mich eine absolute Offenbarung,
vielleicht das beste Essen der Welt. Auch Kuriositäten wie die
allgegenwärtigen Swastika-Symbole auf Kleidung und Bussen
brannten sich ein. Indien hat mich definitiv neugierig gemacht.
Ich hasse es nicht, aber ich liebe es auch nicht – ich finde es
okay und werde wiederkommen, um mehr zu sehen.
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„#137 Indien: Du liebst es oder du hasst es“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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