Musik für einen Gast

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Episoden

Dmitrij Gawrisch: «Solange wir lachen, sind wir am Leben»
15.02.2026
1 Stunde 6 Minuten
Geburtskiewer, Herzberner, Wahlberliner: So beschreibt Dmitrij Gawrisch sich selbst. Und Schreiben ist auch, was er beruflich tut. Etwa darüber, wie er durch den russischen Angriff auf die Ukraine seine Muttersprache verlor. Wie kommt es zu einem Text? Was steht ganz am Anfang? Ein Gedanke, ein Bild, ein aufgeschnappter Gesprächsfetzen? Dmitrij Gawrisch weiss das auch nicht so genau. «Etwas passiert, ich verstehe dieses Etwas nicht, merke aber, dass da ein Konflikt, eine Fallhöhe ist – und vor allem ein grosses Rätsel.» Er verstehe das Schreiben als eine Möglichkeit, sich die Welt anzueignen, sagt Gawrisch, dem Unscharfen, dem Uneindeutigen nachzugehen. Dmitrij Gawrisch wurde 1982 in Kiew geboren und kam mit 11 Jahren in die Schweiz, nach Bern. Bern: Die Stadt, in der er schwimmen gelernt, das Gymnasium besucht, studiert, die ersten Texte geschrieben und über eine Verkettung von Zufällen zum Theater gefunden habe. Heute schreibt Gawrisch vor allem für die Bühne – in der Spielzeit 2022/2023 war er Hausautor der Bühnen Bern – und arbeitet neben seiner Theatertätigkeit für das Magazin «Reportagen». Seit dem russischen Grossangriff auf die Ukraine hat er zahlreiche Texte zum Krieg verfasst. Diese Aktualität literarisch einzufangen sei ihm jedoch bis heute unmöglich. «Ich habe gemerkt, dass der Nachrichtenstrom mich mitreisst und ertränkt.» Er sei ein langsamer Schreiber, sagt Gawrisch von sich selbst. «Ich suche ewig lang nach dem neuen Ansatz, einer neuen Sprache, einem neuen Anknüpfungspunkt.» Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Dmitrij Gawrisch von seinem Suchen, dem Ringen um Worte; und davon, warum es gerade in diesen Zeiten wichtig sei, zwar die Welt ernst zu nehmen, aber sich selbst nicht allzu sehr. Die Musiktitel: - Igor Belkin: Goluboj wagon - Nils Althaus: Dr Verluscht - Sophie Hunger: Le vent nous portera - Okean Elzy: Bez Boyu - Herbert Grönemeyer: Mensch
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Markus Stöckle: «Ich hatte kaum Deppen im Restaurant»
08.02.2026
57 Minuten
Markus Stöckle wächst auf einem Bauernhof im Allgäu auf und lernt früh, dass Essen mehr bedeutet als bloss satt zu werden: Es ist Kultur. Später kocht er im legendären Drei-Sterne-Restaurant The Fat Duck in England, wo nur die Neugier unantastbar bleibt. In Zürich erfindet er die bayerische Wirtshausküche neu: mit Kässpatzen, die Kindheitserinnerungen wecken, mit Schnaps aus dem Heliumballon und Gerichten, die die Gäste bewegen. Zusammen mit seiner Partnerin Elif Oskan prägt er die Zürcher Gastroszene mit Witz, Charme und unverwechselbaren Kreationen. Warum Markus Stöckle sein Spitzenrestaurant Rosi im Kreis 4 auf dem Höhepunkt schloss, weshalb er mit Elif eine wilde Ehe führt, aber längst seinen Hochzeitssong kennt, und wie man Magie ins Leben holt, erzählt er in «Musik für einen Gast» bei Simon Leu. Musiktitel: - Ulli Bäer: Ay ay ay - Jonny Greenwood: One Battle After Another (Film von Paul Thomas Anderson) - OutKast: Pink in Blue - MF Doom: Hoe Cakes - Alexandra: Schwarze Balalaika
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Helen Keller: «Die Idee der Menschenrechte wird nicht untergehen»
01.02.2026
1 Stunde 1 Minute
Als Kind aus einer Arbeiterfamilie hätte Helen Keller nie gedacht, dass Sie einmal Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg werden würde. Heute lehrt sie Völkerrecht an der Universität Zürich. Als Ausgleich für ihre Arbeit möchte sie die Musik nicht missen. «Glücklicherweise kam mein Mann auf die Idee, mein Akkordeon nach Strassburg zu schleppen», sagt Helen Keller, als sie von ihrer Zeit als Richterin am EGMR erzählt. Neun Jahre arbeitete sie als oberste Schweizer Hüterin der Menschenrechte. Eine fordernde Aufgabe, die sie manchmal bis in den Schlaf verfolgte. Denn die Fälle, die vor dem Europäischen Gerichthof für Menschenrechte verhandelt werden, sind tiefgreifend; die Urteile haben eine grosse Tragweite. Das Musizieren habe ihr dabei geholfen, nach intensiven Arbeitstagen abzuschalten, sagt Helen Keller: «Auch wenn die Nachbarn zu später Stunde nicht so begeistert waren.» Ihre Leidenschaft für Musik entdeckte Helen Keller schon in der Schule. Klavierstunden kamen für ihre Eltern nicht in Frage, also schlugen ihr die Eltern das Akkordeon vor. Seither begleitet sie dieses Instrument bei all ihren beruflichen Stationen, die sie schon rund um die Welt geführt haben. Zuletzt forschte sie in Südafrika dazu, weshalb es auf dem afrikanischen Kontinent erst wenige Klima-Klagen gibt, obwohl viele Länder stark vom Klimawandel betroffen sind. Auch wenn wir gegenwärtig in einer Umbruchzeit leben, in der vieles auf der Kippe steht, schaut Helen Keller hoffnungsvoll in die Zukunft: «Das Völkerrecht ist unheimlich robust – die Idee der Menschenrechte ist so überzeugend, dass sie nicht untergehen wird.» Musiktitel: - Frédéric Chopin: Grande Polonaise Brillante, op. 22, mit Đặng Thái Sơn - Irving Berlin: Cheek to Cheek, mit Ella Fitzerald - Toni Bürgler: Gyrs Wunsch, mit dem Laseyer Quartett - Georg Friedrich Händel: Volo pronto, e lieto il core, Arie aus der Oper Agrippina, mit Carlo Vistoli - Traditional Zulu Prayer: Phind'ukhulume, mit dem Chor der Universität Stellenbosch
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«Tu das, wovon du träumst»» - der Unternehmer Benedikt Germanier
25.01.2026
59 Minuten
Schon früh war Bewegung der rote Faden im Leben von Benedikt Germanier. Als Kind beobachtete er fasziniert seine älteren Brüder beim Langlauf, mit 18 Jahren coachte er bereits junge, angehende Tennisprofis. Nicht der Wettkampf um den ersten Platz stand für ihn im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Bewegung Menschen befähigt und erweitert. Dieser Ansatz prägte auch seinen weiteren Weg. Nach einem Wirtschaftsstudium unterrichtete Germanier Sport und Wirtschaft, bevor er in die Finanzwelt eintauchte und internationale Erfahrung sammelte – unter anderem an der Wall Street. Doch trotz globaler Karriere zog es ihn zurück zu seinen Wurzeln. Heute ist Benedikt Germanier Geschäftsführer eines kleinen, exklusiven Unternehmens in den Bündner Bergen, das hochwertige Luxus-Ski entwickelt. Seine Skier sind mehr als Sportgeräte: Sie sind Ausdruck einer Haltung, die Technik, Design und menschliche Bewegung in Einklang bringen will. In «Musik für einen Gast» beschreibt Benedikt Germanier sein Staunen über das Leben, das ihn seit seiner Kindheit begleitet, seine Suche nach der beruflichen Erfüllung und die Kraft der Musik, ihn in andere Welten zu tragen. Die Musiktitel: - George Gershwin: Summertime (Ella Fitzgerald; Paul Smith Quartet; Berlin 1962) - Jimy Hendrix: Hey Mannish Boy - Georg Friedrich Händel: Arie «I know that my redeemer liveth», aus «Messiah» (Academy of St. Martin-in-the-Fields; Sylvia McNair, Sopran; Neville Marriner, Leitung) - Solong: Running to the Shore
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Muris Begovic: «Mitgefühl, Empathie – darum geht es»
18.01.2026
1 Stunde 4 Minuten
Wer in einem kleinen bosnischen Dorf und dann im Toggenburg aufwächst, lernt wohl früh, sich in verschiedenen Welten zu bewegen. Muris Begovic ist eine Stimme des Dialogs, des Friedens und der erste Seelsorger der Schweizer Armee mit muslimischem Hintergrund. Als Muris Begovic zehn Jahre alt war, versteckte er sich im Stall seines Grossvaters unter dem Heuhaufen. Seine Eltern hatten entschieden, dass der Moment gekommen war, ihre Heimat zu verlassen: In Slowenien und in Kroatien herrschte bereits Krieg und sie ahnten, dass es eine Frage der Zeit war, bis die Welle der Gewalt auch Bosnien erfassen würde. Aber der kleine Junge wollte nicht weg, wollte nicht in die Schweiz. Denn er wusste: Ich will Imam werden – und dort kann ich das nicht. Woher kam dieser frühe, tiefe Wunsch? Und wie brachte Muris Begovic den Mut und die Entschlossenheit auf, ihm als Jugendlicher tatsächlich nachzugehen, nach Bosnien zurückzukehren und dort seine Ausbildung zu absolvieren, in einem Internat, in dem die zersplitterten Fensterscheiben noch immer vom Krieg zeugten? Heute lebt Begovic wieder in der Schweiz, ist glücklich verheiratet, Vater von zwei Söhnen, Präsident der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich (VIOZ) und Geschäftsleiter der muslimischen Seelsorge Zürich. Und er hat sich den Ruf erarbeitet, jemand zu sein, der sich für Offenheit, Toleranz und den konstruktiven Austausch zwischen den Religionen und Kulturen einsetzt. So wurde er 2018 mit dem «Dialogpreis der Schweizer Juden» ausgezeichnet, gemeinsam mit seinem Freund, dem Zürcher Rabbiner Noam Hertig. Im Gespräch mit Melanie Pfändler erzählt Begovic von den Erfahrungen, die ihn geprägt haben, von den Werten und Überzeugungen, die ihn leiten und wie es dazu kam, dass er der erste Schweizer Armeeseelsorger mit muslimischem Hintergrund wurde. Die Musiktitel: - Michael Jackson: Earth Song - Dino Merlin: Sredinom - Peter Fox: Haus am See - Tim Bendzko: Nur noch kurz die Welt retten - Dino Merlin: Jedan dan, jedna noć
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Über diesen Podcast

«Musik für einen Gast» – die besondere Talkshow auf SRF 2 Kultur: Ein Mensch und seine Musik. Persönlichkeiten – ob aus Kultur, Wissenschaft, Sport, Politik oder Wirtschaft – erzählen über ihr Leben, ihren Beruf, ihre Träume und Visionen und vor allem über die Musik, die sie geprägt hat und ihnen wichtig ist.

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