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Episoden
07.01.2026
26 Minuten
Von den Worten des Menschen, dem Klang der Musik und der Stimmung
des Schweigens von HOLGER ZABOROWSKI
Die Stille und das Wort des Menschen Aus der Stille kommt alles,
was ist. Die Welt ist aus der Stille geboren. Bevor überhaupt
etwas war, vor dem Anfang von allem, vor dem Urknall – Wer hätte
ihn hören können? Wie klang er? – war die Stille. Die
anfängliche, den Anfang ermöglichende Stille ist das Nichts, das
allem, was ist, zuvor und zugrunde liegt. Und sie ist als Grund
die Offenheit für alles, für all die Möglichkeiten, die sich aus
ihr ergeben, all die Worte und Klänge, die Geräusche und Laute,
die sich aus ihr hervorwagen. Alles kommt aus der Stille, und so
kommt aus der Stille auch der Mensch. Wenn ein Mensch auf die
Welt gekommen ist, beginnt er recht bald, laut zu schreien. Dass
er schreit, ist ein gutes Zeichen. Er lebt, dieser neue
Erdenbürger. Er macht auf sich aufmerksam, drückt Begierden aus,
äußert sich. Diese ersten Äußerungen sind elementarer Natur. Sie
sind überlebensnotwendig. Menschen teilen diese Fähigkeit, sich
bemerkbar zu machen, mit den Tieren, die auch schreien, weinen,
jammern können. Es gibt jedoch noch eine andere Weise, in der
Menschen sich äußern, in der sie ihr Inneres nach außen wenden,
sich zeigen als die, die sie sind. Wenn sie nämlich nicht einfach
animalische Laute von sich geben, sondern sprechen, wenn sie ein
Wort und noch ein anderes Wort, wenn sie Sätze, Gedanken,
Bedeutungsvolles äußern und dies aus ihrem Inneren heraus ins
Außen der Welt hinein erklingen lassen. In solchen Äußerungen
zeigen sich Menschen, zeigen, dass sie nicht nur etwas sind,
etwas Vorhandenes, sondern jemand, eine Person mit Innenleben,
das sich in allem, was sie sagt oder tut, mal mehr, mal weniger
nach außen wenden kann. Daher ist es fürEltern wichtig, wann ein
Kind das erste Wort gesagt hat – und was es genau gesagt hat. War
es »Mama«? »Papa«? Oder etwas ganz anderes? Manche Kinder fangen
besonders früh an zu sprechen. Andere sind mundfaul und beginnen
sehr spät mit dem Sprechen. Doch für alle ist der Moment des
ersten Wortes ein entscheidendes Ereignis, das im Gedächtnis der
Familie weitergetragen wird – als sei es ein zweiter Geburtstag,
ein zweites Zur-Welt-Kommen. Und genau das ist es auch: ein
Sich-Zeigen, in dem noch einmal neu die Welt betreten und die
Welt angeeignet, zu etwas Eigenem gemacht wird. Denn mit dem
ersten Wort tritt der Mensch aus der Stille, in der es für ihn
noch keine Worte gibt, sondern nur Laute, heraus. Er lässt diese
Stille hinter sich und kommt zur Sprache und dadurch erst in
vollem Sinne zur Welt, die sich ihm in Worten eröffnet und die er
sich durch Worte erschließt, Wort um Wort, Satz für Satz, ein
Wechselspiel, ein Hin und Her von Anspruch und Zuspruch, der
Dialog von Mensch und Welt. Aus der wortlosen, wenn auch nicht
lautlosen Stille heraus zeigen sich Menschen als Menschen, die,
wie Aristoteles sagte, den Logos, das Wort, die Sprache, den Sinn
haben, um dadurch zur Welt zu kommen und in ihr Heimat zu finden.
Geheimnisvoll ist dieser Übergang, so geheimnisvoll wie überhaupt
die Menschwerdung und das Menschsein. Ein Mensch zeigt sich, ein
erstes Wort erklingt, und nun lebt er, dieser Mensch, im
Gespräch, als Gespräch mit sich selbst, der Welt, anderen
Menschen und, wenn er betet, auch mit Gott.
Cover: Jedi Noordegraaf
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07.01.2026
17 Minuten
Über Musik und Spiritualität von MELANIE WALD-FUHRMANN
Mit der Musik scheint es eine besondere Bewandtnis zu haben. In
ihren Wirkungen auf den Menschen – seinen Körper, seine Gefühle,
sein Bewusstsein – steht sie weit über den anderen Künsten. Und
oft genug fühlen sich gerade die intensivsten ästhetischen
Erlebnisse mit Musik so an, als könnte man sich ihrer Wirkung
nicht entziehen, sei ihr hilflos – wenn auch voll Entzücken –
ausgeliefert, gar wie verzaubert. Es nimmt daher nicht Wunder,
dass die Mythen etlicher Kulturen den Ursprung der Musik in die
Sphären höherer Mächte verlegen und Geister, Götter, Engel oder
Heroen als ihre Urheber oder Übermittler ansehen. Man konnte sich
offenbar schlicht nicht vorstellen, dass etwas so Wunderbares und
Mächtiges allein von Menschen geschaffen sei.
Cover: Jedi Noordegraaf
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02.07.2025
12 Minuten
Das Verhältnis von Alt und Jung in der Bibel ist anders definiert
als in unseren modernen Gesellschaften Europas, in denen Familien
zu häufig scheitern und auseinanderbrechen. Das Abschieben der
älteren Generation wird verurteilt (Spr 19,26; 23,22; 30,17), ist
aber auch Realität. Vor allem Witwen und Waisen leben oft am
Rande der Gesellschaft, wenn sie nicht versorgt werden.
Idealisiert werden weder Lebensstand, noch Alter, auch nicht das
oftmals mühsame Zusammenleben der Generationen. Und doch gibt es
einen zentralen Unterschied zu unserer Gegenwart: Menschen
rechnen mit Gott in ihrem Leben – in jedem Lebensalter.
Entscheidend ist, wie jede Lebensetappe gelebt wird. Der Psalm 90
gibt gute Hilfestellungen dafür, wie man mit der Lebenszeit klug
umgehen kann; dabei spielt die göttliche Zeitrechnung ebenso eine
Rolle wie die Qualität der geschenkten Zeit. »Denn tausend Jahre
sind vor dir wie der gestrige Tag, der verging, nur einer
Nachtwache gleich.«
(Ps 90,4) Für Gott gibt es kein Gestern und kein Morgen, sondern
nur das Heute, die Gegenwart. Für ihn zählt nicht, wie lange ein
menschliches Leben währt, sondern welche Bedeutung es hatte und
welche Spuren ein Mensch hinterlässt. Der Psalm macht unsere
menschlichen Kalender und Uhren ganz klein, aber das Leben eines
Menschen groß. »Lehre uns zählen unsere Tage, auf dass wir
gelangen zur Weisheit des Herzens.« (Ps 90,12) – diesen Rat gibt
der Beter des Psalms. Zur Weisheit des Herzens gehört es, für
jeden Tag dankbar zu sein und mit der unberechenbaren Gegenwart
Gottes zu rechnen – ob alt oder jung.
Prof. Dr. Beate Kowalski,
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26.06.2025
21 Minuten
Altwerden ist mehr als biologischer Verfall – es ist ein Kapitel
voller Chancen, Reifung und Menschlichkeit. Alter ist kein
Defizit,sondern die letzte Bildungsstufe des Lebens.
von FRANZISKUS VON HEEREMAN
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15.12.2024
33 Minuten
Beitrag: Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski, Universität Erfurt
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Über diesen Podcast
Eulenfisch steht für ein Konzept theologischer Erkenntnis: Glaube
und Vernunft bzw. Fides et Ratio. Eule und Fisch sind hierfür eine
Allegorie. Der Fisch des Glaubens verbindet sich mit der Eule als
Vogel der Weisheit zu einem neuen „Wesen“, dem Eulenfisch. Das
Magazin will in seinen thematisch ausgerichteten Ausgaben zeigen,
wie die scheinbar gegensätzlichen Aspekte von Glaube und Vernunft
in einem profilierten Religionsunterricht zusammenfinden.
http://www.eulenfisch.de/
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