Martin Hoffmann - Neue Blickrichtung Business Podcast
Fundierte und pragmatische Impulse für den Arbeitsalltag aus den Bereichen Management, Führung, Psychologie und Selbstreflexion. Erfahrungen und Quintessenzen meiner Arbeit als Berater, Coach und Trainer im Business.
Podcaster
Episoden
17.12.2020
43 Minuten
Warum gibt es Wahrnehmungsfehler? „Wir alle haben Unconscious Bias.“ Unser Hirn ist permanenten Reizen ausgesetzt und bräuchte enorm viel Energie, um jeden Reiz einzuordnen, zu bewerten und zu verarbeiten. Um Energie zu sparen, hat das Hirn Wahrnehmungsfilter entwickelt, die uns ermöglichen wichtiges von unwichtigem zu unterscheiden und handlungsfähig zu sein. Wenn wir beispielsweise durch die Fußgängerzone gehen, ordnen wird Objekte und Personen in Kategorien ein, bewerten diese blitzschnell und können dann darauf reagieren. Zum Beispiel verschiedene Geschlechter, äußere Erscheinung (Trikots, Tätowierungen, Piercings, Anzüge, Uniformen), Gestik, Mimik et. Und so können wir unbewusst auf Situationen reagieren, bevor wir ausführlich darüber nachdenken. Alles, was wir unter Bias verstehen, befindet sich in System 1. Der Nobelpreisträger Daniel Kahnemann hat sich intensiv mit Wahrnehmungsfehlern beschäftigt. In seinem Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken.“, beschreibt er zwei Systeme. System 1 steht für das schnelle Denksystem und System 2 für das langsame Denksystem. Für die Lösung einer Matheaufgabe, wie 2 + 2, brauchen wir nicht lange nachzudenken, weil System 1 recht autonom das Ergebnis liefert. Bei einer komplexeren Aufgabe wie 13 x 7 : 2,5, bedarf es einer bewussten Auseinandersetzung und Konzentration, wozu wir System 2 verwenden und mehr Energie benötigen. Die Forschung zeigt, dass wir viel mehr in System 1 operieren, als uns bewusst ist. Denn wir treffen Entscheidungen überwiegend schnell aufgrund unseres Erfahrungshintergrundes und weniger aufgrund einer objektiven Faktenbasis. Und so erklären sich eben Wahrnehmungsfehler, weil das Handeln durch die unbewussten Vorurteile geprägt ist. Und viele dieser System 1 Entscheidungen sind wirklich richtig gut. Allerdings gibt es auch genug Situationen, in denen das System 1 zu Fehlentscheidungen führt. Der Halo-Effekt kann Personalauswahl beeinflussen Im Recruiting kann es passieren, dass Personen aufgrund ihrer äußeren Erscheinung oder eines Merkmals, bestimmte Eigenschaften zugewiesen bekommen, obwohl über die Person nur wenig bekannt ist. Es findet eine unbewusste Stereotypisierung statt, die dann hinderlich für den Auswahlprozess ist. Vielleicht wird mit einer attraktiven Person auch gleichzeitig Leistungs- oder Teamfähigkeit verbunden. Mit einer weniger gepflegten Person Unzuverlässigkeit und weniger Engagement. Hier nimmt das Hirn eine gefährliche Abkürzung, die es zu erkennen gilt. Bestätigungsfehler, Confirmation Bias Wir entwickeln kontinuierlich (bewusst oder unbewusst) Annahmen und Thesen, die uns helfen, eine Entscheidung zu treffen. Die wenigste Energie verbraucht das Hirn dann, wenn die aufgestellte These bestätigt wird. Wir speichern eine Erfahrung oder ein Muster ab, so dass wir demnächst direkt handeln können ohne lange nachzudenken. Dies zeigt sich am Beispiel von sozialen Medien. Wenn ich eine Information „like“, spielen Algorithmen weitere ähnliche Inhalte aus, die mein Interesse bestätigen. Dabei werden Informationen vernachlässigt, die meiner These widersprechen oder dieser diametral gegenüberstehen. Irgendwann befindet sich der User in einer „bubble“, die nur noch die eigene Meinung und die eigenen Vorurteile bestätigt, ohne weitere Fakten zu berücksichtigen. Wir sind dem Bestätigungsfehler auf den Leim gegangen. „Es gibt keinen systematischen Zusammenhang zwischen Alter und Leistung.“ Alters- oder Generationenstereotype begleiten unseren Arbeitsalltag. New Work und Agilität werden mit einem jugendlichen Stereotyp belegt. Somit hätten ältere MitarbeiterInnen kaum eine Chance, in heterogenen Teams Fuß zu fassen, würde man diesen Vorurteilen folgen. Dabei liefern alle Beteiligten Erfahrungen und Talente und steigern damit das gemeinsame Potenzial. Und gerade in komplexen und kreativen Projekten, profitiert ein Team von Diversität.
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06.09.2020
39 Minuten
„Meine Art Design Thinking zu leben ist stark davon geprägt, dass ich Psychologie studiert habe.“ Anouk hat sich an der School of Design Thinking, am Hasso-Plattner-Institut, mit dem Thema näher beschäftigt und von Grund auf gelernt, wie Design Thinking funktioniert und angewendet wird. Was ist Design Thinking? Design Thinking ist ein Ansatz, mit dem Lösungen und neue Ideen entwickelt werden können. Dabei steht die Sichtweise des Nutzers von Produkten oder Dienstleistungen im Vordergrund. Für Design Thinker bedeutet dies, sich in die Nutzer hineinzuversetzen. Denn bloß, weil etwas technisch möglich ist, heißt es nicht, dass Nutzer dies auch benötigen. Die Fragen, die sich daraus ergeben sind: Was wollen die Menschen? Was ist technisch möglich? Wie bekommen wir es umgesetzt? Phasenmodell Design Thinking bietet ein Rahmenwerk und ermöglicht einen Prozess, mit kreativen Methoden und verschiedenen Blickrichtungen, neue Ideen zu entwickeln. Die 6 Phasen eines Design Thinking Prozesses: Verstehen. Beobachten. Sichtweisen definieren. Ideen finden. Prototypen entwickeln. Testen. Design Thinking in der Praxis Anouk beschreibt einen Design Thinking Prozess, den sie in Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Verein Über den Tellerrand durchgeführt hat. Ziel war es, das Projekt noch nachhaltiger zu gestalten. Hilfreich sind crossfunktionale Teams. Je mehr Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und Blickrichtungen beteiligt sind, desto breiter und vielfältiger werden die Ideen. Die Visualisierung der Ergebnisse ist essenziell und fördert einen dynamischen Austausch, die Sichtbarkeit und das gleiche Verständnis für die Ergebnisse. Wichtig ist, die Ideen dann zu fokussieren und zu priorisieren. Die Nutzer stehen schließlich im Mittelpunkt der Ideenfindung. Priorisierung und Fokussierung Die Priorisierung kann in einer einfachen Vierfelder-Matrix dargestellt werden: WOW = „Ideen mit hohem Potential.“ NOW = „Ideen, die schnell als Quick Wins umgesetzt werden können.” HOW = “Ideen die man nicht genau einordnen kann.” CIAO = “Ideen, die nicht weiterverfolgt werden.” Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen - Mut, es auszuprobieren und ein experimentelles mindset. - Ergebnisoffenheit und Spielräume ermöglichen. - Methodenkompetenz.
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10.07.2020
50 Minuten
„Hybride Teams sind das neue Normal.“ Eine These lautet, dass in Zukunft Hybride Teams das neue Normal sind. Mitarbeitende sind zu verschiedenen Zeiten im Office und arbeiten auch mobil. Viele Menschen gehen demnach dazu über, mobiles Arbeiten und Präsenz zu vermischen. Die Coronakrise hat gezeigt, dass es in vielen Bereichen keine Notwendigkeit für Präsenz gibt. Dies hängt wiederum mit der Gestaltung der Aufgabe zusammen. Berufe, die eine Präsenz zwingend voraussetzen, können nur schwerlich mobil ausgeführt werden. Bei „Kopfarbeitern“ ist die Wahrscheinlichkeit jedoch wesentlich höher. Persönliche Begegnungen Viele Menschen sind allerdings auch froh darüber, die KollegInnen mal wieder face-to-face zu sehen. Auf der einen Seite kann man zu Hause oder mobil sehr effizient und konzentriert arbeiten, weil nur wenige Störungen vorhanden sind. Auf der anderen Seite fehlt eben auch die Menschlichkeit und die Begegnung, die so wertvoll für Innovation und das seelische Wohlbefinden ist. „Es braucht einen Raum für Begegnungen.“ Die virtuelle Zusammenarbeit funktioniert hier ein Stück anders. Eine Begegnung im Office, die ungeplant und spontan erfolgt, passiert mir im virtuellen Raum ggf. nicht so einfach. Flurfunk und zufälliger Austausch beinhalten oftmals weit mehr Informationen, als einem bewusst ist. Die menschliche Zusammenarbeit muss aus unserer Sicht da, wo Präsenz zurückgefahren wird, ihren geplanten Raum bekommen, damit das Teamgefühl bestehen bleibt. Die Chance besteht darin, gemeinsam neue Rituale zu erschaffen, sich auszutauschen und das eigene Netzwerk auszubauen. Eigenverantwortung und Selbstfürsorge Gestiegen ist die Erwartung an die Eigenverantwortung und die Selbstregulation. Ich bin der Meinung, dass Führungskräfte ihre Sinne schärfen müssen, so dass Überforderungen im Home Office schnell erkannt werden können. Gleichzeitig benötigt es eine Stärkung der Selbstkompetenzen der Mitarbeitenden im Hinblick auf das eigene Wohlbefinden. Ressourcen werden im mobilen Arbeiten neu beansprucht und erfordern mehr Selbstdisziplin. Ein neues Führungsverständnis Das Führungsverständnis ändert sich. Mehr Delegation und Vertrauen kombiniert mit einer neuen Lernkultur ist schon bei vielen Unternehmen zum Standard geworden. Führungskräfte sollten ihre Teams dazu befähigen, sich selber zu organisieren und Räume schaffen, miteinander neues auszuprobieren. Und Scheitern heißt hier gewinnen, weil es darum geht, Mehrwerte zu schaffen und sinnvoll die Zukunft zu gestalten. Unsere Top 4 #hashtags als Fazit: # Hybride Teams ist das neue Normal Es braucht eine Mischung aus Menschen, die mobil arbeiten und im Office sind und gemeinsam definiert haben, wie sie miteinander arbeiten wollen # Verbindung zueinander und Räume schaffen Es braucht Räume, in denen Austausch und persönliche Begegnungen stattfinden können. # Selbstverantwortung Als Führungskraft Verantwortung abgeben und Vertrauen in das Team haben, dass es sich selbst organisieren kann. Das Team dabei unterstützen, dass eine Zusammenarbeit entsteht, die sich nicht über hierarchische Strukturen definiert, sondern über die Sinnhaftigkeit. # Zuversicht Miteinander ausprobieren und lernen und positiv in die Zukunft schauen.
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08.06.2020
22 Minuten
Julia und ich arbeiten nach dem lösungsorientierten Coachingansatz nach Steve de Shazer. Was ist Coaching? Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe und als Coach ist es das Ziel, sich überflüssig zu machen. Der Coachee ist Experte für seine Sicht der Dinge und der Coach ist Experte für die Methoden, die zum Ziel führen. Oft kennen Menschen ihre Ziele nicht und die Herausforderung besteht für den Coach darin, eine Zielstellung mit dem Coachee festzulegen. Innerhalb des Prozesses zeigt sich, ob wir auf dem richtigen Weg sind oder andere Themen wichtiger werden. Die Körpersprache spielt dabei eine Rolle, da sie oft als Spiegel der inneren Gefühlswelt eigene Reaktionen sichtbar macht. Die Beziehung zwischen Coach und Coachee ist wichtig. Zunächst lernt man sich kennen und jeder Mensch ist grundsätzlich in Ordnung. Als Coach gilt es, sich auf den Coachee einzustellen und gemeinsam zu schauen, ob eine Zusammenarbeit wertvoll sein kann. „Ich nehme mich im Coachingprozess als Person zurück, bin trotzdem greifbar und bringe mich ein, wenn das für den Prozess hilfreich und gewünscht ist.“ Wir benötigen eine Wohlfühlatmosphäre, in der wir uns entwickeln können. „80% der Menschen, die im Arbeitskontext Coaching in Anspruch nehmen, sind Führungskräfte.“ Führungskräfte werden immer ein Stück mehr Sparringpartner, Mentoren oder Coach. Und wenn wir offen sind für gemeinsames Lernen, werden nicht nur Führungskräfte Coach für Mitarbeitende, sondern auch Mitarbeitende Coaches für die Führungskräfte. Denn jeder Mensch hat seine guten Seiten und Ressourcen, die man miteinander entdecken und entwickeln kann. Was sind die Top 5 Voraussetzungen für einen guten Coachingprozess? Rahmenbedingungen und Freiwilligkeit. Beziehungsebene: Coach und Coachee müssen sich aufeinander einstellen können. Zielstellung: Ziele definieren und die Offenheit dafür, dass sie sich im Laufe des Prozesses verändern können. Authentizität und Vertrauen. Bedarfs- und bedürfnisorientierte Methoden. Bleibt gesund, tatkräftig und zuversichtlich.
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25.05.2020
7 Minuten
Henri schreibt: „Hi Martin, ich fand die letzte Episode super, weil ich auch im IT-Support arbeite und mich kotzen die Videokonferenzen langsam an. Denn ich habe das Gefühl, dass dieses Tool nur genutzt wird, weil es gerade „en vogue“ ist und nicht, weil es Sinn macht. Ich bin dazu übergegangen, das Video auszuschalten, um mich besser auf die Inhalte konzentrieren zu können. Macht das Sinn?“ Ähnlich äußern sich auch Katharina und Timo, die derzeit beide im Homeoffice sind: „Hi Martin. Toller Podcast. Das, was wir sonst schnell zwischen Tür und Angel besprochen haben, benötigt nun einen Termin im Kalender. Die Kalender sind allerdings voll von Terminen, so dass wir oft auf wichtige Informationen warten müssen. Und in Videokonferenzen sind viele Leute dann abgelenkt, hören gar nicht richtig zu oder nehmen gar nicht erst teil. Was können wir tun?“ Kluges Zeit- und Prioritätsmanagement Katharina und Timo beschreiben ein Phänomen, was in der analogen Welt auch schon immer allgegenwärtig war. Nämlich die Herausforderungen beim Prioritäts- oder Zeitmanagement. Dr. Johanna Renker empfahl in der letzten Episode: „Mut zur Entscheidung zu haben und Kommunikationsregeln festzulegen.“ Wie oft kommt es vor, dass Menschen in Meetings an ihrem Handy oder Laptop rumspielen, ohne wirklich zuzuhören. Ich stelle mal provokativ die Frage: „Warum soll das in einem Videocall nun anders sein?“ Ich kann ja im Browser parallel noch Chatten oder Mails bearbeiten oder was auch immer tun. Und das bekomme ich noch nicht einmal mit, weil es ja unsichtbar ist. Ich habe auch schon erlebt, dass Leute zwischendurch aufstehen und irgendwo verschwinden. Im analogen Raum, würden sie sich vielleicht nur einen Kaffee eingießen und trotzdem aufmerksam sein. Das sehe ich in dem kleinen Kameraauschnitt aber nicht und das kann verstören. Ich denke, dass es eine gute Chance ist, noch einmal über das gemeinsame Miteinander zu sprechen. Wie wollen wir Calls abhalten? Was brauche ich? Was ist mir wichtig? Was kann ich tun, um Mehrwerte zu liefern? Gestik und Mimik in Videokonferenzen Videokonferenzen sind für mich auch manchmal ermüdend und ich habe mir die Frage gestellt, warum das eigentlich so ist? Welche Komponenten spielen da eine Rolle? Halten wir zunächst fest: Die Technik schränkt (noch) die nonverbale Kommunikation ein. Es fehlen Gestiken, weil ich nicht den ganzen Menschen sehen kann. Zudem ist Augenkontakt auch schwierig, denn wenn ich auf den Bildschirm gucke, schaue ich nicht in die Kamera und wenn ich in die Kamera schaue, sehe ich die Augen meines Gegenübers nicht. Wir können uns nicht die Hand geben und viele Emotionen bleiben verborgen. Die Kommunikation insgesamt ist faktisch anders innerhalb der digitalen Welt. Das muss aber kein Nachteil sein. Ich bin auf eine interessante Studie von dem Psychologen Michael Kraus gestoßen. Er ist Professor an der Yale University, School of Management und er hat untersucht, wie Menschen die Emotionen ihres Gegenübers am besten wahrnehmen können. In verschiedenen Experimenten wurden Einzelpersonen gebeten, entweder mit einer anderen Person zu interagieren oder ein Gespräch zwischen zwei anderen Personen zu beobachten. In einigen Fällen konnten die Teilnehmer nur zuhören und nichts sehen. In anderen konnten sie zusehen aber nicht zuhören und einige Teilnehmer durften sowohl zusehen als auch zuhören. Emotionen werden an der Stimme erkannt. Ergebnis der Studie ist, dass die Personen, die nur zugehört haben, ohne eine Gesichtsmimik oder Körpersprache zu beobachten, die Emotionen der anderen Personen im Durchschnitt genauer identifizierten. Laut der Studie überträgt die Stimme einen Großteil des Inhalts, der notwendig ist, um die Emotionen anderer Menschen wahrzunehmen. Und wenn wir nur auf die Stimme zugreifen können, wie zB. beim Telefonieren, kann uns die Mimik auch nicht ablenken oder irreführende Signale senden.
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Über diesen Podcast
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