Rogan vs. Young und die Royals

Corona-Streit crasht Spotifys Party

31. Januar 2022 , aktualisiert: 03. Februar 2022

Der Konflikt zwischen Joe Rogan, Neil Young und Spotify dominiert aktuell die Podcast-Welt. Er erinnert an eine eskalierende Party-Streiterei. Ein Gewinner ist nicht erkennbar.

Bild: pexels / podcast.de
Corona-Streit crasht Spotifys Party

Als ich von der Kontroverse um Joe Rogan, Neil Young und Spotify erfuhr, war mein erster Impuls, nicht darüber zu berichten. Viele Themen werden heißer gekocht als sie gegessen werden und ich wollte keiner Debatte Vorschub verschaffen, deren Eskalation mir nicht nur vorprogrammiert, sondern sogar durchaus erwünscht erschien. Im Endeffekt berichtete ich doch, da die Kontroverse einfach zu groß wurde, um sie zu ignorieren.

Was war geschehen im Streit um den amerikanischen Podcaster Joe Rogan? Im Prinzip war es wie auf einer Party: Jemand sagt etwas Unbedachtes und plötzlich ist Land unter.

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Spotify schmeißt eine Party

Stellen wir uns vor, Spotify hätte zu einer Party geladen. Künstler, Stars und Prominenz mögen sich versammeln, um gemeinsam zu feiern. Als pflichtbewusster Gastgeber ist Spotify sichtlich darum bemüht, es jedem Teilnehmer so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gibt politisch korrekte Häppchen, im Hintergrund läuft schlecht vergütete Musik. Es soll schön werden, niemand soll Anstoß nehmen, nichts die Zusammenkunft stören.

Leider hat das Streaming-Unternehmen die Rechnung ohne Joe Rogan gemacht. Der Komiker, Kampfsportler, Moderator und aktuell erfolgreichste Podcaster der Welt, sagt nämlich nicht nur Unverfängliches. In den rund 1.800 Folgen seines Podcasts The Joe Rogan Experience interviewt Rogan Gäste aus jedem erdenklichen Gesellschaftsbereich - und ja, auch die mit streitbaren Meinungen. Deswegen hat Rogan zu Spotifys Party zwei weitere, mehr oder minder erwünschte Gäste mitgebracht. Dr. Peter McCullough (Kardiologe) und Dr. Robert Malone (Mitentwickler eines mRNA-Wirkstoffs gegen Covid) sind nach Rogans Ansicht kredibele Wissenschaftler, obgleich ihre Standpunkte in Teilen dem aktuellen Wissenschafts-Mainstream widersprechen.

Wie startete der Rogan-Young-Spotify-Konflikt?

Rogan interviewt die Wissenschaftler zu ihren streitbaren Meinungen, was Spotify angstlüstern über das Buffet hinweg beobachtet. Solange alles friedlich bleibt, soll der Rogan mal sein Ding machen. Im Partytreiben sind Äußerungen wie die von Virologe Dr. Malone: "Menschen werden in die Impfung hineinhypnotisiert..." wahrnehmbar.

Das Partyvolk will das so nicht hinnehmen. Es schließt sich eine Gruppe Wissenschaftler zusammen, in einem offenen Brief fordern sie, als Gastgeber Spotify dürfe das nicht einfach unkommentiert lassen. Und auch ein weiterer Partygast empört sich lautstark. Es ist Neil Young, der zu allem entschlossen ruft: "Das ist gefährliche Misinformation! Entweder Rogan geht oder ich gehe!"

Die Party gerät ins Stocken. Niemand tanzt. Gäste richten ihren Blick auf den Konflikt, plötzlich scheint es kein anderes Thema mehr zu geben. Hinter vorgehaltener Hand beginnen die ersten Gäste damit, Joe Rogan und seine Gäste als "Schwurbler" und "Impfgegner" zu titulieren. Diese Anschuldigungen sind nicht überraschend, sie sind niedrig hängende Früchte. Und sie werden geerntet, obwohl Rogan bereits vor der Party versichert hatte, er sei keineswegs Impfgegner.

Young oder Rogan? Spotify zu Entscheidung gezwungen

Unfreiwillig muss Spotify die Rolle vom Gastgeber zum Schiedsrichter wechseln, und ist darum keineswegs zu beneiden. Wer soll also gehen, die Rocklegende oder die Podcast-Ikone? Betreten und enttäuscht entscheidet sich Spotify nach einigen Beschwichtigungsversuchen für den Schulterschluss mit dem Podcaster. Youngs Musik verschwindet aus dem Katalog des Streaming-Dienstes. Es ist ein Schritt, den alle Partygäste bedauern, einschließlich Joe Rogan und insbesondere Spotify. Es ist eine Eskalation, die Neil Young in Treue zu seinen moralischen Werten heraufbeschworen hat.

Ist der Spuk nun vorbei? Keineswegs. Weitere Künstler solidarisieren sich mit Neil Young. Auf einer Party, die "irreführende" und "gefährliche", ja sogar "potenziell tödliche" Informationen zu Corona zuließe, wolle man seine Musik nicht länger spielen. Indes droht der Musiker James Blunt selbstironisch damit, wenn Rogan auf der Party bliebe, werde Blunt noch mehr von seiner eigenen Musik spielen - und das könne ja schließlich niemand wollen.

Spotify steht der kalte Schweiß auf der Stirn, Partygäste sind verunsichert, die Spotify-Aktie verliert im Januar rund ein Viertel an Wert. Eine Lösung muss her. Spotifys CEO Daniel Ek kündigt neue Regeln für die Party an. Jeder, der sich künftig über Covid unterhalten wolle, erhalte vom Gastgeber einen Hinweis auf wissenschaftlich verlässliche Informationen. Manche Partygäste begrüßen das im Sinne der Meinungsfreiheit, für andere ist das höchstens eine Scheinlösung.

Royale Kritik an Spotify

Als wären nicht schon genug Gäste beleidigt, empört, aufgewiegelt und enttäuscht, melden sich plötzlich noch zwei weitere Interessenten zur Schlammschlacht. Die royalen Aussteiger Prince Harry und Meghan Markle betreten den Salon. In adeliger Manier deuten sie an, dass diese Kontroversen auf und um Spotify auch gewissermaßen ein Grund dafür seinen, wieso sie das gesamte vergangene Jahr nicht zu Spotifys Partys gekommen seien. Die beiden hatten einen Podcast-Deal bei Spotify unterzeichnet, aber in 2021 keine einzige Episode veröffentlicht.

Noch ein Tiefschlag für den Gasteber. Was für ein Schlamassel. Betreten und halblaut erwidert Spotify, man habe doch vergangenes Jahr rund 20.000 Podcasts gelöscht, die Falschinformationen zur Corona-Pandemie verbreiteten. Aber seinem Spitzen-Podcaster Joe Rogan wird Spotify keinen Maulkorb anlegen können. Mal ganz abgesehen davon, dass sie das auch nicht tun sollten. Apropos Rogan, was macht der eigentlich gerade?

Was sagt Joe Rogan zur Corona-Kontroverse?

Der 54-Jährige steht ist inzwischen in den Vorgarten gegangen. Dort zeichnet er ein Handyvideo auf. Er bedauert die Kontroverse und erläutert seine Sicht auf die Vorgänge. Rogan erklärt, er sei keineswegs unfehlbar. Er sei interessiert an kontroversen Meinungen* und auch an Gegenmeinungen. Deswegen habe er auch zahlreiche Wissenschaftler interviewt, die die Mainstream-Meinungen zu Corona stützen.

Joe Rogan entschuldigt sich für die Kontroverse um seinen Podcast
Bild: Instagram: Joe Rogan

Besonders bei emotionalen Themen wolle er sich künftig noch besser vorbereiten. Gleichzeitig erinnert er daran, dass sich scheinbare Gewissheiten in der Covid-Pandemie auch überwerfen können, und dass wir offen für neue Informationen bleiben sollten.

Den empört aufgebrochenen Partygästen wie Neil Young reicht Rogan die Hand. Er gibt sich als Fan ihrer Musik zu erkennen, entschuldigt sich und hofft, dass sie zukünftig zu Spotifys Partys zurückkehren mögen.


*Anmerkung: Kritiker wenden ein, es handele sich beiden Aussagen der Forscher nicht um Meinungen, sondern falsche Tatsachenbehauptungen.


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