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Beschreibung
vor 1 Tag
Kann man Menschen mit komplexen Traumatisierungen auch online
professionell begleiten?
In diesem Video geht es um die Frage, ob Online-Traumatherapie,
traumasensibles Coaching und professionelle Online-Begleitung
auch bei komplexer PTBS möglich sind.
In der Fachwelt wird häufig behauptet, dass echte Resonanz,
Co-Regulation, Blickkontakt und ein tragfähiges therapeutisches
Arbeitsbündnis nur im direkten persönlichen Kontakt entstehen
könnten. Ein Bildschirm könne die Person nicht vollständig
erfassen, nonverbale Signale würden verloren gehen und eine
komplexe Traumatisierung könne deshalb online nicht angemessen
begleitet werden.
Doch was sagt die Wissenschaft wirklich?
In diesem Beitrag bespreche ich aktuelle Forschung zur
Online-Traumatherapie bei komplexer PTBS, zur therapeutischen
Beziehung per Video, zum Arbeitsbündnis in der Online-Therapie
und zu traumafokussierten Verfahren im digitalen Setting.
Besprochen werden unter anderem folgende Studien:
Bongaerts et al. Ein großer Teil der
Patientinnen und Patienten erfüllte die Kriterien einer komplexen
PTBS. Zum Einsatz kamen unter anderem EMDR und Exposition. Die
PTBS-Symptome gingen deutlich zurück, und es wurden keine
Therapieabbrüche berichtet.
Cloitre et al. untersuchten die videobasierte
Durchführung von STAIR. STAIR steht für „Skills Training in
Affective and Interpersonal Regulation“ und arbeitet gezielt an
Emotionsregulation, zwischenmenschlichen Schwierigkeiten,
Grenzen, Bedürfnissen und Beziehungsgestaltung.
Bragesjö et al. Die Ergebnisse zeigen, dass
selbst intensive traumafokussierte Online-Behandlung unter
geeigneten Bedingungen sicher und professionell umgesetzt werden
kann.
Zusätzlich geht es um Metaanalysen zum therapeutischen
Arbeitsbündnis in der Videotherapie. Diese zeigen, dass
Vertrauen, Zusammenarbeit und therapeutische Beziehung auch
online tragfähig sein können.
Die bisherige Studienlage spricht klar gegen die pauschale
Behauptung, dass Online-Arbeit bei komplexer Traumatisierung
grundsätzlich unmöglich sei.
Entscheidend ist weniger die Frage, ob eine Begleitung online
oder in Präsenz stattfindet.
Entscheidend sind:
– eine sorgfältige Eingangsklärung
– ein professioneller Rahmen
– ein tragfähiges Arbeitsbündnis
– klare Grenzen
– ein gutes Krisenmanagement
– die Fähigkeit zur Regulation und Co-Regulation
– fachliche Kompetenz
– und die Qualität der Begleitung
Gerade für Menschen mit Erfahrungen von Kontrollverlust,
Grenzverletzungen oder Beziehungstrauma kann das Online-Setting
sogar Vorteile bieten. Die eigene vertraute Umgebung, die
Kontrolle über die körperliche Distanz und die reale Möglichkeit,
eine Situation verlassen zu können, können Vertrauen, Sicherheit
und Kontrolle stärken.
Online verändert die Kanäle der Wahrnehmung. Es löscht Beziehung,
Resonanz und Präsenz nicht aus.
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