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Beschreibung
vor 2 Tagen
Vor drei Tagen hat die Bundesregierung ein Reformpaket bestehend
aus 34 Maßnahmen vorgestellt, mit dem noch der letzte Rest an
Produktivität aus den Körpern der arbeitenden Menschen gequetscht
werden soll.
Die gesundheitlichen und ökonomischen Folgen der Beschlüsse
lassen sich ganz gut vorhersagen. Warum? Weil es 1996 einen sehr
ähnlichen Versuch gab, Arbeiter*Innen zu disziplinieren, das von
Schwarz-Gelb initiierte "Programm für mehr Wachstum und
Beschäftigung". Damals wurde die Lohnfortzahlung im
Krankheitsfall von 100% auf 80% gesenkt. Die Begründung damals
war beinahe wortgleich mit der von vor drei Tagen: Die Leute
würden zu wenig arbeiten, Deutschland habe einen
Wettbewerbsnachteil, es braucht mehr Produktivität und
Investitionen.
Nicolas R. Ziebarth und Martin Karlsson haben untersucht, zu was
das 1996er Programm geführt hat und die Ergebnisse verdeutlichen,
was die Folge der aktuellen Reformen sein werden: Die
krankheitsbedingte Abwesenheit aufgrund von nicht ansteckenden
Diagnosen ging zwar um 30% zurück, allerdings gingen Menschen mit
ansteckenden Erkrankungen dafür häufiger krank zur Arbeit. Dieses
als "Präsentismus" bekannte Phänomen bleibt in der Debatte
allerdings medial völlig unterbeleuchtet.
Und das ist tatsächlich einigermaßen wahnsinnig: Präsentismus
kostet ein deutsches Unternehmen pro Mitarbeiter/Jahr etwa 2400
Euro. Die Kosten für Absentismus liegen bei nur 1200 Euro pro
Mitarbeiter/Jahr. Es ist also doppelt so teurer für deutsche
Unternehmen, wenn Mitarbeiter*Innen krank zur Arbeit gehen im
Vergleich zu dem, was Unternehmen bezahlen müssen, wenn ihre
Mitarbeiter*Innen sich krank schreiben lassen.
Die Folgen von Präsentismus sind verheerend, wie die
Whitehall-ll-Studie zeigt: Menschen, die regelmäßig krank zur
Arbeit gehen, sind einem viel höheren Risiko ausgesetzt,
chronisch zu erkranken. Auch das Herzinfarkt- und
Schlaganfallrisiko steigt enorm.
Es zeigt sich also: Der deutsche Staat versucht derzeit, auf
Kosten der arbeitenden Menschen, Schritt zu halten im globalen,
imperialen Wettbewerb.
Quellen und Links:
- Studie Folgen 1996er Programm 1
- Studie Folgen 1996er Programm 2
- Studie Kosten Präsentismus
- Studie Whitehall-ll
- Volle Kanne Beitrag Präsentismus
- Novitas BKK Erklärvideo Präsentismus
Ticketlink für "KUNST & KAMPF" mit
Olivier David und mir in Hamburg.
Danke fürd Zuhören/Zuschauen!
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