#011 Konsens (2/2): Trauma im Spannungsfeld der Einwilligung

#011 Konsens (2/2): Trauma im Spannungsfeld der Einwilligung

vor 1 Woche
22 Minuten
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Beschreibung

vor 1 Woche

Feel it all.Der sexualtherapeutische Podcast mit Miriam Pietras.


Content Note:


Diese Folge beinhaltet Themen, die möglicherweise belastend oder
triggernd sein können:Sexueller Missbrauch, Machtmissbrauch,
Trauma, Selbstverletzung, Suizid


In dieser Folge spreche ich darüber, was Konsens mit Trauma zu
tun haben kann – und warum gerade die Einwilligung eine
schwierige Erfahrung so besonders schwer machen kann.


Diese Folge ist der zweite Teil meiner Reihe über Konsens. Ich
empfehle, zuerst die vorherige Folge zu hören, da ich inhaltlich
auf dem dort entwickelten Argument aufbaue. Die zentrale These:
Traumatische sexuelle Erfahrungen sind ungleich schwieriger zu
bearbeiten, wenn sie mit Konsens assoziiert sind, wenn Betroffene
also in irgendeiner Weise eingewilligt haben. Nicht obwohl,
sondern gerade deshalb.


Am Fallbeispiel einer jungen Frau, die als 17-Jährige eine
sexuelle Beziehung zu einem Lehrer führte, zeige ich, wie tief
diese Ambivalenz reicht. Die Erfahrung war verletzend und
machtungleich, und gleichzeitig in ihrer eigenen Wahrnehmung
gewollt, vielleicht sogar selbst initiiert. Genau diese
Uneindeutigkeit macht es so schwer, das Erlebte einzuordnen und
die Deutungshoheit darüber zurückzugewinnen.


Theoretisch ordne ich das mit Foucaults Konzept der
Gouvernementalität ein: Konsens ist nicht nur ein persönliches
Prinzip sondern ein neoliberales Konzept. Er verschiebt die
Verantwortung für sexuelle Sicherheit vom System auf das
Individuum. Wer in Sex eingewilligt hat, der nicht vollständig
gewollt war, gilt in dieser Logik als gescheitert. Das ist
zynisch. Und es erklärt, warum so viele Betroffene die Schuld bei
sich selbst suchen.


Am Ende geht es um therapeutische Orientierung: Wie lässt sich
mit Betroffenen arbeiten, ohne in die Falle der
Responsibilisierung zu tappen? Drei Schritte skizziere ich dabei.
Vom Anerkennen des Schmerzes über das Verstehen des Kontexts bis
zur langsamen Arbeit an einem greifbaren Narrativ. Denn was
Betroffene brauchen, ist nicht der gut gemeinte Satz „Es war
nicht deine Schuld." Was sie brauchen, ist jemand, der die
Komplexität des Erlebten wirklich aushält und versteht.


Weitere Folgen und Themen findest du hier im Podcast.


Wenn du Fragen hast oder Gedanken zur Folge teilen möchtest,
schreib sie gerne in die Kommentare.


Mehr über mich und meine Praxis erfährst du hier:


https://miriampietras.de/


Ich organisiere außerdem Systemische Selbsterfahrung & Yoga
Retreats:


https://yoga.feel-it-all.de/


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Keywords: Trauma, Konsens, Schuld, Scham, sexueller Missbrauch,
Sexualtherapie, Responsibilisierung, Uneindeutigkeit,
Deutungshoheit, Gouvernementalität, systemische Therapie, Feel it
all, Miriam Pietras
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