Wie emotional darf Politik sein, Anna Durnová?

Wie emotional darf Politik sein, Anna Durnová?

vor 1 Tag
Über Emotionen in demokratischen Gesellschaften, populistischer Vereinnahmung und politischem Aktivismus
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Beschreibung

vor 1 Tag
„Es geht gar nicht darum, ob wir eine Emotionalisierung in der
Politik zulassen, sondern wie wir sie betreiben. Wir müssen mit den
Emotionen arbeiten im Sinne davon, dass wir sie reflektieren
müssen. Wir können nicht automatisch sagen, das ist eine Emotion,
und deshalb ist es authentisch und richtig. Wir müssen uns
zutrauen, über Emotionen zu sprechen, auch Emotionen ablehnen zu
können, auch Emotionen sortieren zu können.“ Die Politik ist nicht
vor Emotionalität gefeit, wie auch Schreiduelle im Hohen Haus immer
wieder zeigen. Sind diese ein Ausdruck davon, dass es den
Beteiligten um etwas geht, oder schaden solche Emotionen der
politischen Debatte? Mit Anna Durnová sprechen wir über die Rolle
von Emotionen in demokratischen Gesellschaften und wie diese helfen
können, Gerechtigkeit herzustellen. Für Anna Durnová, Professorin
für politische Soziologie an der Universität Wien, sind politische
Emotionen stark eingebettet in unsere Sozialisierung – durch
Herkunft, Gender und soziale Strukturen. Als solche prägen sie
unsere Wahrnehmung von Politik. Doch die Rolle von Emotionen in der
Politik hat sich stark verändert, zum einen durch die zunehmende
Individualisierung, zum anderen durch die Emotionalisierung der
Öffentlichkeit. Das sorgt dafür, dass oftmals individuelle Gefühle
mit Argumenten gleichgesetzt werden. Emotionen traten laut Durnová
in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts in die
politischen Debatten ein und wurden etwa durch
Bürger:innenkonferenzen, Referenden, Diskussionen in Dörfern rund
um den Bau von Kraftwerken sichtbar. Neben dem Aktivismus nutzt
jedoch auch der Populismus Emotionen der Bürger:innen – vielfach
jedoch, um diese zu manipulieren. Durnová plädiert dafür, sich zu
trauen, über Emotionen zu sprechen. Wichtig für sie ist, dass
Politiker:innen auf die Emotionen der Bürger:innen hören; diese
gilt es jedoch einzuordnen – und sie dürfen auch abgelehnt werden.
Anna Durnová ist Professorin für Politische Soziologie am Institut
für Soziologie der Universität Wien und Faculty Fellow am Center
for Cultural Sociology der Yale University. Zudem ist sie Mitglied
der Redaktionsbeiräte der Zeitschriften „Policy & Politics“ und
„Critical Policy Studies“. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der
Rolle von Emotionen in demokratischen Gesellschaften. Derzeit ist
sie Konsortialleiterin des CIDAPE-Projekts (Climate, Inequality and
Democratic Action: The Force of Political Emotions; Horizon Europe
2024–2027) und ist Hauptforscherin des ERC Advanced Grant LONERS
(2026–2031). Im Jahr 2024 erhielt sie den Preis der
Mattei-Dogan-Stiftung für europäische politische Soziologie.
Gefördert durch die Österreichische Gesellschaft für
politische Bildung
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