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vor 3 Tagen
Nach „Plattform“ und „Vernichten“ sprechen wir bei WfA-Literatur
erneut über einen Roman von Michel Houellebecq: „Serotonin“
erschien 2019 zeitgleich zu den Protesten der Gelbwesten.
In dem Roman werden es Landwirte sein, die zum bewaffneten Kampf
übergehen, weil sie sich nicht der grenzenlosen
Freihandelspolitik, durch die die Milchpreise immer weiter
sinken, ergeben wollen. Der Ich-Erzähler ist ein Mitarbeiter des
Landwirtschaftsministeriums, der jedoch die globalen, für die
französischen Bauern schädlichen Entwicklungen nicht aufhalten
konnte.
Houellebecqs Text stammt aus einer Zeit, als Protektionismus noch
völlig verpönt war. Der schwer depressive Protagonist kündigt
seinen Job, verlässt seine japanische Lebensgefährtin und fährt
mit der Mercedes G-Klasse durch ein abgewirtschaftetes Land. Nur
ein starkes Antidepressivum bringt ihn durch gleichförmige Tage,
an denen auch die Lust keine Rolle spielt – nur Erinnerungen
einiger Augenblicke des Glücks flackern auf.
„Serotonin“ ist ein düsteres Porträt einer EU, in der keine
Hoffnung mehr auf Besserung besteht. In „Wohlstand für Alle“
diskutieren Ole Nymoen und Wolfgang M. Schmitt über diesen
finsteren Roman.
Literatur:
Michel Houellebecq: Serotonin. Übersetzt von Stephan Kleiner.
Dumont.
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