#10 Bedingungsloses Einkommen. Wann werden wir endlich arbeitslos?

#10 Bedingungsloses Einkommen. Wann werden wir endlich arbeitslos?

vor 4 Tagen
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Beschreibung

vor 4 Tagen

Es ist Dienstagmorgen, kurz nach neun. Mara wacht auf — nicht
weil der Wecker klingelt, sondern weil sie ausgeschlafen ist. Sie
macht sich einen Kaffee, setzt sich ans Fenster und trinkt ihn in
Ruhe aus, ohne ein einziges Mal auf die Uhr zu schauen. Dann übt
sie Cello. Später trifft sie eine Freundin in einem Café, das ein
paar Leute aus dem Viertel betreiben — nicht um Geld zu
verdienen, sondern weil sie es gern machen. Am Nachmittag
arbeitet Mara fünf Stunden. Ihre KI-Kollegen haben über Nacht
weitergemacht. Sie steuert nur noch.


In der letzten Folge haben wir die optimistische Seite
beleuchtet: KI schafft neue Jobs. In dieser Folge nehmen wir die
andere Seite ernst. Was, wenn die neuen Jobs nicht kommen? Was,
wenn KI irgendwann genauso gut arbeitet wie wir — und uns
ersetzt?


Die Antwort, über die gerade alle reden, heißt: bedingungsloses
Grundeinkommen. Universal Basic Income. Die Idee ist 500 Jahre
alt — neu ist nur der Grund, warum wir wieder darüber streiten.
Und überraschend ist vor allem, wer am lautesten dafür trommelt:
Bill Gates, Sam Altman, Mark Zuckerberg, Elon Musk. Genau die,
deren Firmen die Jobs wegautomatisieren.


Aber kann das funktionieren? Wir rechnen durch: Woher kommt das
Geld, wenn niemand mehr Lohn verdient, der besteuert werden kann?
Warum KI-Arbeitslosigkeit ökonomisch grundlegend anders ist als
jede Arbeitslosigkeit davor — der Kuchen wird nicht kleiner, er
wird nur von jemand anderem gebacken. Warum das klassische
Inflationsargument kleiner ist, als es klingt. Und warum Sam
Altman inzwischen nicht mehr an UBI glaubt, sondern an etwas
Radikaleres: collective ownership — echte Anteile statt Almosen.


Denn das eigentliche Problem ist nicht das Geld. Es ist die
Abhängigkeit. Die Maschinen, die den Wohlstand erzeugen, gehören
einer Handvoll Tech-Konzerne. Und wer sein Einkommen von denen
bekommt, die die Maschinen besitzen, ist nicht frei — sondern
abhängig.


Und selbst wenn wir all das lösen — Finanzierung, Inflation,
Eigentum — bleibt eine letzte Frage, die kein Steuermodell der
Welt beantworten kann: Wenn wir nicht mehr arbeiten müssen, wofür
stehen wir dann morgens auf? Arbeit gibt uns mehr als Geld. Sie
gibt uns Struktur, Zugehörigkeit, einen Grund, etwas zu tun. Was
passiert, wenn das wegfällt?


Mara hat ihr Cello. Aber die eigentliche Frage ist nicht, ob wir
ihre Welt bauen können. Sondern ob wir, wenn wir darin angekommen
sind, wissen, was wir mit uns anfangen sollen.


Kontakt zu Paul Schmidt: Auf Instagram paulexplainsai oder unter
www.one48.de
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