Wie das Internet in die Schweiz kam

Wie das Internet in die Schweiz kam

vor 2 Tagen
Das Internet ist zur Selbstverständlichkeit geworden, fest in den Alltag eingewoben. Doch es gab Zeiten, da teilten sich ganze Universitäten einen Internet-Anschluss, bei dem man am Bildschirm mitlesen konnte, wie eine E-Mail ankam. Ein Blick zurück a ...
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vor 2 Tagen
Das Internet ist zur Selbstverständlichkeit geworden, fest in den
Alltag eingewoben. Doch es gab Zeiten, da teilten sich ganze
Universitäten einen Internet-Anschluss, bei dem man am Bildschirm
mitlesen konnte, wie eine E-Mail ankam. Ein Blick zurück auf die
Anfänge des Internets in der Schweiz. 1969 wird in Kalifornien die
erste Nachricht über das ARPANET verschickt, den militärischen
Vorläufer des Internets. In der Schweiz bekommt das kaum jemand
mit. Hier hält die PTT das absolute Monopol auf die
Datenübermittlung. Und sie verfolgt einen eigenen Plan: ein
vollständig schweizerisches, vom Ausland unabhängiges digitales
Fernmeldesystem. Das «Integrierte Fernmeldesystem» IFS verschlingt
14 Jahre Entwicklung und über 200 Millionen Franken. 1983 wird es
abgebrochen. Ein nationaler Alleingang ist in einer global
vernetzten Welt zum Scheitern verurteilt. Erst jetzt erkennt auch
die Politik den Rückstand. 1985 beschliesst der Bundesrat
Sondermassnahmen für die Informatik. 15 von 207 Millionen Franken
fliessen in ein Hochschulnetz. Eine entscheidende Rolle spielen
dabei zwei Männer: ETH-Professor Bernhard Plattner und sein
Doktorand Hannes Lubich. Sie verbinden die Schweizer Hochschulen
und gründen mit dem Bund die Stiftung Switch. Und sie registrieren
am 20. Mai 1987 die Länderdomain «.ch». Niemand in Bern ist
zuständig, niemand will sie haben. Also tragen die beiden sie
kurzerhand auf ihre eigenen Namen ein, als Notlösung. Ende 1989
sind alle Schweizer Universitäten und das CERN am Netz. Der grosse
Schub kommt aber erst Mitte der 90er Jahre, als die Anträge für
«.ch»-Adressen sprunghaft zunehmen. Das Erstaunliche daran: Geplant
hat das niemand. Während die Schweiz Millionen in ein gescheitertes
Staatsprojekt steckt, entsteht das Internet fast nebenbei – als
Prototyp, den man wegen seines Erfolgs nicht mehr abschalten kann.
____________________ In dieser Episode zu hören: Bernhard Plattner,
emeritierter Professor ETH Zürich Hannes Lubich, Informatiker und
Hochschullehrer Urs Eppenberger, erster Mitarbeiter von SWITCH
____________________ Recherche, Produktion und Moderation: Jürg
Tschirren ____________________ Literatur: Gugerli, David (2018):
Wie die Welt in den Computer kam: Zur Entstehung digitaler
Wirklichkeit. S. Fischer Verlage. Zetti, Daniela: Special measures:
networking Swiss cantonal and federal universities, in: Bori, Paolo
und Zetti, Daniela (2022): Digital Federalism Information,
Institutions, Infrastructures (1950–2000), 90-116. ETH Zürich: Die
Geschichte der Informatikdienste.
https://ethz.ch/staffnet/de/organisation/abteilungen/informatikdienste/historisches.html
____________________ Links: SRF 2 Kontext über das integrierte
Fernmeldesystem der PTT: Die vergessenen Anfänge der digitalen
Telefonie
https://www.srf.ch/audio/kontext/die-vergessenen-anfaenge-der-digitalen-telefonie?partId=bb188950-f53e-4ebc-b1f9-38e8ebeaa8ca
SRF Rendez -vous-Serie über Bernhard Plattner: «Selbstgemacht»:
Bernhard Plattner, Schweizer Internet-Pionier
https://www.srf.ch/audio/rendez-vous/selbstgemacht-bernhard-plattner-schweizer-internet-pionier?partId=6796eddb-6c6c-4019-aa0c-7b10955bbe5f
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