Beschreibung
vor 1 Tag
Aus dem PND-Bericht vom 24. Februar 1920 geht hervor, dass Hitler
keineswegs den triumphalen Auftritt hatte, den er später in „Mein
Kampf“ schilderte. Es gab Zwischenrufe, es gab eine erhebliche
Kommunisten- und Sozialdemokraten-Fraktion im Saal, es gab
Tumulte. Drexler musste mehrfach eingreifen.
Saalordner – Reichswehrsoldaten in Zivil, die Röhm
geschickt hatte – schlugen Störer nieder. So nüchtern muss man
sich diesen „Gründungstag“ vorstellen: Es war keine erleuchtete
Stunde, es war ein Bierkellerabend, der laut wurde.
Der nüchterne Polizeibericht erzählt eine andere Geschichte: ein
lauter Bierkellerabend, Tumulte, Saalschlägereien, eine
Versammlung von vielleicht 2.000 Leuten in einer Stadt, in der
das gerade einmal eine mittlere Sensation war.
Und doch: Etwas hatte sich verschoben. Die DAP, die im Januar
1919 von einem Werkzeugschlosser und einem Journalisten in einem
Hinterzimmer mit knapp zwei Dutzend Mitgliedern gegründet worden
war, hatte nun ein Programm, einen Namen (ab diesem Tag
offiziell: **Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei,
NSDAP**), und einen Starredner. Mehr noch nicht. Aber das war
1920 schon mehr, als die meisten anderen Splittergruppen hatten.
Hitler war es demnach zu verdanken, dass die Partei in dieser
Zeit von ungefähr 50 Mitgliedern auf 2000 in wenigen Monaten
anwuchs und dadurch in München zum politischen Faktor wurde,
bekannt und auch von der Polizei ernst genommen. Die
Polizeiberichte billigten der Bewegung sogar etwas positives zu,
dass si geschafft hat den Patriotismus zu stärken auch im
positiven Sinne.
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